Rechnung zu der Raketenformel

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin neu in dem Forum und entschuldige mein einfaches Eintreten ohne Klopfen :smile:

Mein Problem bezieht sich auf den Rechnungsschritt zu der Raketenformel(http://de.wikipedia.org/wiki/Raketengrundgleichung), die einst von K.E. Ziolkowski aufgestellt wurde. Die wesentlichen Schritte worauf die beruht habe ich verstanden, nur einen letzten Teilschritt nicht.
[…] mit teilen durch m und Multiplizieren mit dt liefert:
dv + v(g)* dm/m = 0
Danach integriert man das für das Intervall t
und danach erhält man als Endgleichung eine Formel mit einem natürlichen Logarithmus??? Also dieser Schritt ging mir dann zu Schnell…^^
Die Endformel lautet dann: v(t)= v(x)*ln (dm/m)
Meine Frage also: Wie kommt der gute Ziolkowski da auf einen Logarithmus zur eulerschen Zahl?

Vielen Dank für Ihr Bestreben.

Hi…

Die wesentlichen Schritte worauf die beruht habe ich verstanden,
nur einen letzten Teilschritt nicht.

[…] mit teilen durch m und Multiplizieren mit dt liefert:
dv + v(g)* dm/m = 0

Das ist Dir noch klar, nehme ich an?

Danach integriert man das für das Intervall t
und danach erhält man als Endgleichung eine Formel mit einem
natürlichen Logarithmus??? Also dieser Schritt ging mir dann
zu Schnell…

Das zweite Integral in der Gleichung kann man auch schreiben als

INT0t vg * 1/m dm

vg wird vor das Integral gezogen, das bestimmte Integral von 1/x dx in der Formelsammlung nachgeschlagen (so würde ich es zumindest machen), und da kommt der ln her.

genumi

hey genumi,

danke für die schnelle Antwort.

Ich habe aber blöderweise dabei schon ein neues Problem entdeckt: Mann integriert dm/m , wobei dm die Masse des austretenden Gases ist. In der Endgleichung wiederum steht aber der natürliche Logartihmus von der Startmasse / Masse zum Zeitpunkt t.

Kannst du mir diesen Schritt erklären, für mich ist das nicht so einleuchtend.

Danke nochmals

Übrigens: Der Hilfeaufruf giltet nicht nur dem netten genumi, also wer mir da helfen kann, ist herzlichs dazu eingeladn, danke!

Hallo,

wir gehen aus von

dv + u dm/m = 0

Darin ist v die Geschwindigkeit der Rakete, m ihre Masse, und u die konstante Ausströmgeschwindigkeit der Triebwerksgase (relativ zur Rakete, klar).

Die Form dieser Differentialgleichung erlaubt es, die Variablen (hier v und m) zu trennen:

dv = –u 1/m dm

Jetzt enthält der Ausdruck links vom Gleichheitszeichen nur v und dv, und der rechts davon stehende nur m und dm: die Trennung der Variablen ist geglückt und beide Seiten können integriert werden. Das zugrundeliegende Verfahren ist eine ganz wichtige Methode zur Lösung von nichtlinearen (!) Differentialgleichungen und unter dem Namen „Integration mit Separation der Variablen“ (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Trennung_der_Ver%C3%A4n…) bekannt.

Der nächste Schritt ist denkbar simpel – er besteht im Hinzufügen von Integralzeichen mitsamt den passenden Integrationgrenzen:

0 … v dv’ = ∫mstart … m (–u 1/m’) dm’

Die Integrationsgrenzen sind beim Integral auf der linken Seite 0 und v, weil die Rakete eben von 0 auf v beschleunigt, und bei dem Integral auf der rechten Seite mstart und m, weil sich die Masse der Rakete beim Beschleunigungsvorgang von mstart zu m verändert.

Die Integrationsfunktion des linken Integrals ist 1 und hat als Stammfunktion v’. Für das rechte Integral muss man wissen, dass 1/x die Stammfunktion ln x hat.

[v’]0 … v = –u [ln m’]mstart … m

v – 0 = –u ln(mstart/m)

v(m) = –u ln(mstart/m)

Und schon steht die Endformel da. Die Gleichung beschreibt die Abhängigkeit der Raketengeschwindigkeit von der Masse der Rakete (!), und nicht etwa von der Zeit. Die Schreibweise in dem Wikipedia-Artikel mit „v(t)“ links und „m(t)“ rechts ist irreführender Mist. Dort wird auch über die Zeit integriert (Integrationsgrenzen 0 bis t); das ist schlicht falsch. Integrationsgrenzen haben schließlich immer dieselbe Dimension wie die Integrationsvariable.

Da die Ausströmgeschwindigkeit bei Flüssigkeitstriebwerken ungefähr u ≈ 4.6 km/s beträgt, und das Verhältnis mstart/mend = Startgewicht/Gewicht der vollständig leergebrannten Rakete technisch höchstens bis auf etwa 6:1 gebracht werden kann, liegt die maximal erreichbare Geschwindigkeit einer entsprechenden Rakete bei

vmax ≈ 4.6 km/s · ln 6 ≈ 8.24 km/s

Damit ist gezeigt, dass die zum Verlassen des Gravitationsfelds der Erde nötige Geschwindigkeit von 11.2 km/s mit einstufigen Raketen nicht zu erreichen ist.

Gruß
Martin