Recht lernen

Hallo zusammen!

Ich studiere Betriebswirtschaft im 2. Semester und musste im vergangenen Sommersemester eine Klausur „Bürgerliches Recht 1“ schreiben, die ich nur ganz knapp bestanden habe. Und das, obwohl ich für dieses Fach die meiste Zeit investiert hatte.

Ich glaube einfach, dass ich zwar viel, aber falsch gelernt habe. WIE aber nun lerne ich Recht richtig? In allen anderen Fächern war das Lernen mit Karteikarten immer sehr effektiv, doch was soll ich beim Rechtlernen auf die Karten draufschreiben? Oder gibt es bessere Methoden? Dass ich Fälle lösen muss, ist mir klar. Aber das hat das letzte Mal nicht gereicht und beim nächsten Mal möchte ich besser abschneiden.

Ich wäre sehr sehr dankbar, wenn diesbezüglich jemand Licht in mein Dunkel bringen könnte!

Gruß
Maran

hi Maran,

Recht lernen tust am bessten in der praxis, geh in nen betrieb mach da ein parktikum, oder ne kanzlei oder wo auch immer, biete dich an dort die dienstmagt zu spielen, dafür darfst du dann zu jeder „veranstaltung“ mit,
dabei begreifst du das rechtssystem und kannnst dir viiiiiiels ableiten bzw. aneignen

uwe

Hallo,

Das Bürgerliche Recht ist kaum mit Karteikarten zu erlernen. Es enthält Strukturen und Systematiken, die man sich aneignen muss. Sodann sollte man anhand von Fallübungen die Lösungsschemata trainieren.
80% aller Jurastudenten arbeiten mit Skripten aus Repetitorien, die die in Klausuren und Hausarbeiten benutzten Fälle sorgfältig aufgearbeitet haben. Gute Skripten lassen sich lesen und bearbeiten wie gut verständliche Lehrbücher.
Zu empfehlen sind die Skripten von Alpmann & Schmidt, die du auch über
http://www.alpmann-schmidt.de
beziehen und ausprobieren kannst.

Gruß,
Francesco

Hallo!

Ich schließe mich Francesco an. Hilfreich ist es noch zusätzlich Fälle zu üben. Da gibt es auch genügend Fallübungsbücher.

Gruß
Tom

Hallo, wobei natürlich zum Kommentar von Francesco dazu gesagt werden muss, dass dann 30 % der Jura-Studenten durchfallen und 50 % genau 4 Punkte kriegen…

Also erst solltest du ein Buch oder ein Skript (ist etwa gleich zeitaufwendig) lesen. Ich persönlich bevorzuge den klassischen Brox, weil ich finde, dass man hier durch die zahlreichen Beispielfälle eher versteht, was dahinter steckt. Das ist bei Zivilrecht (ganz anders bei Strafrecht!) sehr wichtig. Du musst primär nicht auswendig lernen, sondern verstehen was dahinter steckt. Das ist, wie wenn du in Physik eine Formel auswendig kannst beziehungsweise aus der Formelsammlung nimmst (die ist bei uns der Gesetzestext), aber nicht weist, was sie bedeutet und wofür du sie verwenden kannst.
Also ich bin mit folgender Methode ganz gut gefahren:

  1. Du besuchst die Vorlesung. Manche Dinge versteht man einfach besser, wenn sie jemand einem erklärt. (bei anderen Fächern, gehe ich auch nicht hin, aber Zivilrecht ist schwierig!!)
  2. Du liest das Buch und versuchst es zu VERSTEHEN. (die Einführungen sind oft zu abstrakt ich z.B. habe die Einführung vom Brox auch erst verstanden, als ich das Buch schon durchgelesen hatte)
  3. Sobald ein § im Text auftaucht liest du ihn auch von vorne bis hinten konzentriert durch und zwar jeden Absatz. (so werden dir die §§ vertraut und wenn du während deiner Klausur ratlos im Gesetz rumblätterst fällt dir dazu was ein)
  4. Wenn dann zur Erklärung dieses Paragraphen ein weiterer Paragraph hinzugezogen wird liest du auch diesen Paragraphen von vorne bis hinten durch und, schreibst den zweiten an den Rand des ersten Paragraphen (mit Bleistift).
  5. Definitionen schreibst du dir auf deine Karteikarten, die musst du auswendig lernen. Mit Definition meine ich Erklärungen zu Gesetzesausdrücken, die nicht schon im Gesetz legaldefiniert sind. (z.B. Zugangszeitpunkt einer Willenserklärung in § 130: eine WE ist zugegangen, wenn sie so in den Machtbereich des Erklärungsempfängers gelangt ist, dass unter normalen Umständen mit der Kenntnisnahme zu rechnen ist).
  6. Am Ende eines Kapitels übst du Fälle zu diesem Kapitel. Dadurch kannst du überprüfen, ob du es auch verstanden hast. Hier versuchst du nicht nur die Lösung zu verstehen sondern vor allem zuerst selbst auf die Lösung zu kommen. Damit du dir Gedanken über die Struktur machst. Erst natürlich nur mit Gesetz, dann mit Gesetz und Buch und dann schaust du dir die Lösung an, bei der du dann wieder nicht nur schaust wie das gelöst wird, sondern warum das gerade so gelöst wird… (hilfreich sind hier auch Fallbesprechungen bzw. AGs)

Sitzt du dann in der Klausur gehst liest du dir den Text durch. Fällt dir etwas auf, was du als Standardproblem wiedererkennst notier es dir an den Rand (z.B. invitatio ad offerendum). Dann versuchst du für die Sachen, die dir unbekannt sind oder die du nicht einordnen kannst passende Paragraphen zu finden. Hier bietet das Stichwortverzeichnis und das Inhaltsverzeichnis eine enorme Hilfe (denk dran, die Lösung steht im Gesetz ! es wird nicht verlangt, dass du DIE Lösung, sondern einen schlüssigen begründeten Lösungsvorschlag bringst). Die Paragraphen schreibst du dir ebenfalls an den Rand.
Mach dir dann eine Lösungsskizze, ganz streng und pingelig nach dem Aufbaumuster, Anspruch entstanden, erloschen, durchsetzbar. Die Lösungsskizze ist sozusagen das Herz deiner Klausur. Wenn du fertig bist schaust du dir deine Randbemerkungen –und Paragraphen durch, ob du etwas vergessen hast und ob du alles im Text erwähnte verarbeitet hast. Wenn Dinge übrig sind, die du nicht in der Lösungsskizze beachtet hast versuche sie noch einzuarbeiten. Erst dann beginnst du zu schreiben. Achte auf deinen Stil. Also immer schön brav zuerst sagen, wer was von wem woraus will. Und dann die Voraussetzungen abklappern, damit die Anspruchsgrundlage erfüllt ist.

Kriegst du die Klausur dann raus, dann bewerte dein Ergebnis am Durchschnitt. Hast du 10 Punkte, was dann „nur“ ein vollbefriedigend ist, schau dir den Durchschnitt an. Es gibt Fakultäten (z.B. in Tübingen), bei denen du mit 10 Punkten schon unter den 20 Besten bist. So gesehen ist dass dann ein mehr als zufrieden stellendes Ergebnis.

Kopf hoch, Recht ist nicht alles im Leben!!

Grüße, Anita.

Vorbildlich! :smile:
Hallo Anita,

weder habe ich die Frage gestellt, noch beabsichtige ich, Recht zu lernen, aber ich möchte dir einfach ein ganz großes Kompliment für deine fundierte und - wie ich meine - sehr hilfreiche Antwort machen!

Das war mir jetzt einfach ein Bedürfnis…

Grüße
Uschi :smile:

Hallo zusammen,

vielen Dank an alle, die nützlich zu der Lösung meines Problems beigetragen haben und insbesondere an Anita: Deine äußerst hilfreiche Antwort in Form einer Komplettanleitung ist unbezahlbar!

Gruß
Maran