Recht und rechts

Habe da eine Frage, auf die ich keine Antwort finde:

Warum findet man in sovielen Sprachen die verbindung zwischen
„rechts“ im Sinne einer Richtung und dem „Recht“, im Sinne der Moral/
Jura?

Ich spreche von:

du guckst nach rechts - dazu hast du kein Recht.
tu passes à droite - tu n’en as pas le droit.
it’s on your right - you don’t have the right to do that.

das ist doch komisch oder? wo ist die verbindung von jura oder der
richtigkeit auf welcher eben auch immer, mit der richtung „rechts“?

irgendwelche ideen, woher das kommt?

danke schön im vorraus,

Maron Mantwill

Salut Maron,

warum das jetzt in so vielen Sprachen der Fall ist, kann ich auch nicht erklären. Im Dictionnaire der Académie française (http://atilf.atilf.fr/Dendien/scripts/generic/showps…) habe ich aber ein, zwei Ansätze gefunden. Denn da heißt es über droit:

au sens de « juste, régulier, bon », sens développé à partir d’une qualification positive de la main droite , considérée comme agissant avec précision. En politique, héritage de la disposition des groupes de députés conservateurs dans les assemblées révolutionnaires.

Gruß,
Stefan

Hallo,

eine Erklärung habe ich nicht, aber ein weiteres Beispiel.
Im Frz. ist adroit = geschickt, hat ja auch was mit rechts zu tun. Und maladroit [schlecht rechts] ist ungeschickt, LINKisch.
Schon seltsam…

Liebe Grüße

Pit

Hallo, Maron,
Versuch einer Erklärung:

Die Mehrzahl der Menschen ist rechtshändig. Die rechte Seite ist also die bevorzugte, „normale“, „richtige“ Seite. Also ist rechts ge"recht", „richtig“, „recht"schaffen, auf"recht“.

Demzufolge ist natürlich das Gegenteil - links - ungeschicht, unrichtig, falsch, ungeschickt, unpassend.

Die politische Einteilung in Rechts (traditionalistisch, konservativ) und Links (fortschrittlich, progressiv) ist im vergleich zu dem archaischen Grundverständnis von rechts und links erst neuerer Natur (franz. Revolution, Englisches Parlament).

Gruß
Eckard

Moin,
es ist ja auch oft so - und war bei uns bis vor kurzer Zeit ja auch noch so -, daß Linkshänder schief angeschaut wurden, bzw. daß Kinder auf Gedeih und Verderb lernen sollen, mit der rechten Hand zu schreiben. Irgendwann (schon uralt!) kam die Idee auf, die rechte Hand sei die gute, die linke die böse.
Im Lateinischen heißt ‚links‘ übrigens ‚sinister‘, was auch ‚finster‘ bedeutet…

LG

Hallo, Maron,

im Deutschen ist „rechts“ als Adverb von dem Adjektiv „recht“ = „richtig“ abgeleitet.

Dazu Kluge:

rechts
Adverb Standardwortschatz (16. Jh.)Stammwort.
Entstanden aus dem adverbialen Genetiv von recht als Gegensatz von link. Dieses als die „richtige“ (Hand usw.).
Nussbaum, O. JACh 5 (1962), 158-171;
Deitmaring, U. ZDA 98 (1969), 265-292;
van Leeuwen-Turnovcová, J. in Akten des 23. linguistischen Kolloquiums (Tübingen 1989), 573-585;
van Leeuwen-Turnovcová, J.: Links und rechts. (Berlin 1990). deutsch s. recht

Dass die rechte Hand in allen Kulturen und zu allen Zeiten als die richtige angesehen wird, ist darauf zurück zu führen, dass die meisten Menschen eben Rechtshänder sind.

Gruß Fritz

links entsprechend
Hallo Maron,

der Hinweis auf sinister wurde schon gegeben. Ich will ihn noch etwas ausführen.
Ital:
a sinistra = links
sinistro = böse, unheilvoll, düster

Span:
a la derecha = rechts
el derecho = das Recht
siniestro = böse, unheilvoll, düster
a la izquierda = links
Hier hat man ein baskisches Wort übernommen, um die Assoziation mit siniestro zu vermeiden.

Im Deutschen steht links über link oder linkisch oder linken auch im Zusammenhang mit etwas Negativem. (Wurde auch schon geschrieben)

Viele Grüße, Tychi