Rechtfertigungstheorie

Hallo, kann mir jemand etwas über die Rechtfertigungstheorie schreiben.
Besonders die Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten, zwischen der protestantischen und katholischen Kirche wären mir sehr wichtig.

Schon jetzt recht herzlichen Dank
Andreas

Hallo Andreas,

Kurz läßt sich das eigentlich kaum erklären… Der Streit um die Rechtfertigungslehre war und ist der theologische Grund für die Trennung der Katholischen und Protestantischen Kirchen, für Luther himself der „articulus stantis et cadentis ecclesiae“, der Punkt, an und mit dem die Kirche steht und fällt. In letzer Zeit richten sich - kürzlich auch erfolgreiche - Bemühungen auf einen interkonfessionellen Konsens in der Rechtfertigungsfrage; das jüngste Buch dazu stammt von Eberhard Jüngel.

Das Problem selbst bestand darin, daß Luther der Kirche vorgeworfen hat, sie würde sich von der urkirchlichen Lehre entfernen, nach der der sündige Mensch allein durch die Initiative Gottes und ohne Mithilfe des Menschen (vgl. den Römerbrief, Kap. 5, im NT) gnadenhaft gerechtfertigt werde, wohingegen Luther der Vorwurf gemacht wurde, damit den Glaubensbegriff zu verwässern, denn aus dem Glauben des Gerechtfertigten folgten quasi zwangsläufig auch die guten Werke (so der Timotheusbrief).

Wer darin keinen Widerspruch sieht, hat wohl recht.

HTH und für Detailfragen steh’ ich gern zur Verfügung,

Benjamin

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Wer darin keinen Widerspruch sieht, hat
wohl recht.

Gibt’s ja auch keinen und daher ist man sich darüber heute ja auch weitgehend einig. Zwei Dinge darf man nicht vergessen, die aus historischer Sicht eine wichtige Rolle spielen: Luthers (leibliches)Vaterbild war nicht gerade von Liebe und Gnade geprägt, d.h. er hat da viel seiner eigenen Geschichte verarbeitet - was nicht seine theologische Leistung diskreditieren möchte, aber erklärt, warum er da so verbissen war. Und zweitens: Die katholische Kirche der damaligen Zeit (!!!) predigte zwar im Prinzip dasselbe, handelte aber leider etwas anders. Sprich: Der Ablaßhandel war das Problem. Selbst der wäre theologisch vetretbar (denn es geht ja lediglich um die Bußleistung), allerdings war der damals dermaßen verkorkst und zur simplen Geldmacherei verkommen, dass die Kritik Luthers die offizielle Praxis der Kirche voll traf. Erst als man in Rom den Mann leider nicht ernst nahm, wurde die Angelegenheit brenzlig. Man beachte, dass Luthers Theologie über Jahre hinweg gereift ist, der Bruch mit der katholischen Kirche (und dies in recht massiver und teilweise provokativer Form) innerhalb eines einzigen Jahres erfolgte.

Grüße!

Gerd Wagner
BHS-Mainz