Rechtliche Fundierung vom Tatort

Hallo,

wer hat am Sonntag Abend auch den Tatort geschaut (mit der toten
Prostituierten, die der Polizist kannte)? War seit langer Zeit mal
wieder ein Tatort in dem sich meine juristischen Zehennägel verbogen.

Ein Opfer wird lediglich vom Polizisten vernommen, verweigert
grundlos die Aussage, der Täter wird deswegen laufen gelassen. Eine
Aussage vor dem Richter wird nicht in Erwägung gezogen, ein Aussage-
Auskunftsverweigerungsrecht bestand offensichtlich nicht.

Der Durchsuchungsbeschluss für eine Wohnung wurde von der
Staatsanwältin erteilt, weil der Polizist mangels Gefahr im Verzug
natürlich nicht handeln kann.

Am Ende war ein 12 Jähriger der Täter und die Staatsanwältin meint,
den erwartet ganz bestimmt nur ein Freispruch, sie meinte wohl eher,
dass sie keine Anklage nicht und niemals erheben kann.

Naja, ist das beim Tatort immer so, oder kam mir das nur so vor? Wie
ist das mit der Beratung? Gerade vom Prime-Time-Programm der
öffentlich-rechtlichen kann man doch m.E. mehr erwarten, oder? Ich
meine, das Gerichtsshows am Mittag im Privaten anders gestrickt sind,
ist klar.

Gruß vom

showbee

Hallo Showbee,

ich gucke solche Sendungen - schon mangels Fernseher - fast nie, aber ich bin sicher, dass du - auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen - niemals eine rechtliche Fundierung erwarten kannst. Hast du jemals (!) in einem deutschen Krimi gesehen, dass ein Beschuldigter vor seiner Vernehmung über seine Rechte belehrt wird? Ich nicht. Noch nie.

Die Gerichtsshows halte ich insofern für einiges „realistischer“. Damit meine ich nicht die absurden Sachverhalte und das Benehmen der Leute vor Gericht. Aber sind dir dort schon mal so schwere Rechtsfehler aufgefallen wie in jedem Krimi? Die Salesch kennt die STPO - das ist eben ein Unterschied.

Levay

Hi,

tja, du magst Recht haben, meine Ansprüche sind einfach zu hoch. Aber
gerade solche Sendungen werfen doch ein schlechtes Licht. Müsste da
nicht die GdP Sturm laufen? Und Staatsanwälte stehen da auch in
keinem besonderen Licht. Ich meine klar, alles Fiktion, aber doch nah
am Leben (gerade der Tatort). Insoweit also in einem Drehbuch mal
gerade 3-5 juristische Probleme auftauchen („Wir brauchen einen
Durchsuchungsbefehl“) sollte man doch mehr erwarten können. Es geht
mir ja auch nicht um Kleinigkeiten (wenn bsp. immer „verhaftet“ wird,
obwohl „festgenommen“ gemeint ist), aber wenn es um einen Prozess
gegen 12jährige geht? Oder Zeugen einfach nicht aussagen, weil sie
keine Lust haben?

Naja, ich fahre einfach meine Erwartungen zurück, ist wohl einfacher
:wink:

Mfg vom

showbee

Was das schlechte Licht angeht, das auf die Ermittlungsbehörden fällt, so ist es sogar noch viel schlimmer: Die Polizisten in den Krimis sind ja selbst oft Straftäter. Wie viele Beleidigungen, Körpverletzungen, Hausfriedensbrüche usw. sie nicht begehen!

Mach es so wie ich: Schaff den Fernseher ab und alles wird gut.

Levay

Mach es so wie ich: Schaff den Fernseher ab und alles wird
gut.

Oh nööö… ein bischen „Bedudelei“ ist nötig!

Hallo Levay,

Die Gerichtsshows halte ich insofern für einiges
„realistischer“.

Das meinst Du nicht ernst, oder?

Und woher weißt Du das denn? :wink:

ich gucke solche Sendungen - schon mangels Fernseher - fast nie

Aber stimmt schon, die deutschen Krimis sind sehr realitätsfremd. Die
amerikanischen übrigens auch. Aber das ist ein anderes Thema.

gut guck
Richard

Das meinst Du nicht ernst, oder?

Doch. Und ich meinte es so, wie ich es geschrieben habe. Ich beziehe mich also nur auf die rechtliche (!) Realität. Kannst du mir denn erklären, in welcher Gerichtssendung ständig gegen Rechtsvorschriften verstoßen wird? Oder in welcher die Urteile unrealistisch sind? Oder irgendwas in dieser Richtung?

Und woher weißt Du das denn? :wink:

Jurastudium.

Levay

Hallo,

vor ein paar Jahren hab ich mich mal riesig gefreut, dass endlich ein Film übers Finanamt kommt. Nach zehn Minuten hab ich aber genervt und kopfschüttelnd wieder abgeschaltet, weil von hinten bis vorne nix gepaßt hat.
Vermutlich liegen Krimis ähnlich nahe an der Realität.

Gruß,
Markus

Doch. Und ich meinte es so, wie ich es geschrieben habe. Ich
beziehe mich also nur auf die rechtliche (!) Realität.

Erklären kann/will ich das nicht. Wer kann Sendungen im
Privatfernsehen schon erklären. Ob da die rechtliche Realität von der
anderen auszuklammern ist, weiß ich nicht. Aber ich finde, das hat
nichts mit dem deutschen Rechtssystem zu tun. In der Realität würde
wohl kein Staatsanwalt mit so dünnen Beweisen antreten. Ich hab,
glaub ich, nur 3 Sendungen gesehen, und es war nie der/die Angeklagte
und es war nie die eigentlich angeklagte Straftat. Aber vielleicht
wärs dann nur zu langweilig, wenn nicht immer der Zeuge aus dem
Publikum der Täter wäre.

Und woher weißt Du das denn?

Hehe, das bezog sich auf Deine Aussage, dass Du gar keinen Fernseher
hast. Pass auf, dass da nicht bald die GEZler bei Dir vor der Türe
stehen. :wink:

Grüßerle
Richard

Ich habe wirklich keinen Fernseher. Das war aber nicht immer so.

Levay

Naja, ist das beim Tatort immer so, oder kam mir das nur so
vor?

Das ist mehr oder weniger immer so - deshalb kucke ich das ja nie. Dann lieber Dirty Harry. Da kennt man die Rechtslage nicht und anspruch auf serioesitaet wird eh nicht erhoben.

Wie
ist das mit der Beratung?

Ich kenne eine Polizisten der sollte das machen. Er kam aber damit nicht klar, denn die wollten halt alles anders als es die rechtslage hergab…

Gerade vom Prime-Time-Programm der
öffentlich-rechtlichen kann man doch m.E. mehr erwarten, oder?

Woraus leitest Du das ab?

Ich
meine, das Gerichtsshows am Mittag im Privaten anders
gestrickt sind,
ist klar.

Sind sie dass? Ich mein die kuck ich mir auch nicht an, aber wenn ich beim zappen mal das verhalten der Leute da sehen - zappe ich weiter, denn allein das ist schon so mega unrealistisch… und dann kommen da immer ploetzlich total wilde sachen ans licht, die vorher keiner wusste…
Ich meine wenn da wilde Urteile kaemen, die keiner versteht und mit denen keiner gerechnet hat - das waere wenigstens anteilrealistisch…

DM

Gruß vom

showbee

Hi!

Die Gerichtsshows halte ich insofern für einiges
„realistischer“. Damit meine ich nicht die absurden
Sachverhalte und das Benehmen der Leute vor Gericht.

Exakt letzteres war nach dem „Genuss“ einer solchen Sendung der ausschlaggebende Grund, mir das nie wieder anzutun. Da giften sich Zeugen, Angeklagte und Kläger in einem Tonfall gegenseitig an, den ein halbwegs standesbewusster Richter in seinem Gerichtssaal niemals durchgehen lassen würde. Als ehemaliger Schöffe habe ich einige Prozesse mitgemacht, dabei aber nie solche Ausfälle erlebt bis hin zur Fäkalsprache, wie in dieser Gerichtsshow. Meine Vermutung: Diese Sendungen leben davon, dass jemand im Gerichtssaal ausrastet, Von daher stehen Salesch & Co bei mir in der Achtung ganz weit unten.

Grüße
Heinrich

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Hallo,

Gerichtsshows sehe ich so gut wie nie. Aber von der letzten sind mir zwei Sache in Erinnerung geblieben:

  • Der Verteidiger marschierte beim Schlussvortrag, der natürlich rhetorisch ausgefeilt war, im Sitzungssaal herum.

  • Der Angeklagte wurde als Zeuge vernommen.

Inzwischen denke ich, man wird irgendwann an die Beteiligten eines Rechtsstreits ein Merkblatt ausgeben müssen: „Wie läuft die Hauptverhandlung ab und wie benehme ich mich vor Gericht“.

Chrissie

  • Der Verteidiger marschierte beim Schlussvortrag, der
    natürlich rhetorisch ausgefeilt war, im Sitzungssaal herum.

Gegen welches Gesetz verstößt das?

  • Der Angeklagte wurde als Zeuge vernommen.

Woraus hast du das geschlossen?

Levay