surf-lese-abenteuer rechts und links
hallo ron,
das ist ein interessanter gedankenanstoß.
hab versucht mich mal damit zu befassen.
bin dem frühesten ursprung von rechts und links aber leider nicht
nähergekommen.
habe dir aber von meiner surf-tour ein paar souveniers mitgebracht.
für dich und alle , die lust und zeit zum lesen haben.
gruß
felicitas
Linkshändigkeit wird schon immer mit Ungeschicklichkeit gleichgesetzt. Unangenehme Eigenschaften wie Unzuverlässigkeit, Unaufrichtigkeit werden von der Gesellschaft zugeteilt.
Doch auch Wissenschaftler sind daran schuld. Im Altertum entstanden Systeme, die die Struktur der Welt verdeutlichen sollten. Eines der ältesten Systeme, das wir kennen, ist die Tafel der Gegensätze des Phythagoras (etwa aus dem 6. Jahrhundert v. Chr.):
weiblich l männlich
dunkel hell
schlecht gut
kalt warm
krumm gerade
links rechts
In diesem System läßt sich die männliche Dominanz erkennen. Der rechte Bereich wird als gut ausgewiesen, da die Rechtshänder ebenso dominant sind wie Männer. Da die meisten Völker zum größten Teil unter der Herrschaft des Patriarchats lebten, assoziierte man rechts mit gut und Mann, links mit schlecht und Frau, obwohl mehr Männer Linkshänder sind.
Pythagoras verbindet „Frau“ mit Kälte und Finsternis, das sind typische Merkmale des Todes, obwohl gleichzeitig „Frau“ als Symbol der Fruchtbarkeit und der Quelle neuen Lebens gilt.
Daß diese Widersprüche noch niemandem aufgefallen sind, beweist, wie unwichtig wir alle es finden, unser auf Symbolen beruhendes Weltbild mit unseren Erfahrungen zu vergleichen.
Wertesysteme bilden die Grundlagen der tief in uns verankerten Traditionen, Normen und Vorurteile. Dies hat der Frau das Leben schwer gemacht - Linkshändern, wenn auch in geringerem Maße, ebenfalls.
Auch die Psychoanalytiker Wilhelm Stekel und Wilhelm Fließ, beide Freud-Schüler, assoziierten die Linkshändigkeit mit schlechten Eigenschaften.
Stekel behauptet, links sei in Träumen das Symbol für Verbrechen. Linkshändigkeit weise auf Homosexualität, Inzest und Perversität hin.
Fließ übertrug Stekels Traumdeutung auf die Wirklichkeit und verband sie mit der uralten Kombination von links und weiblich. Er stellte die Behauptung auf, daß Linkshänder mit einem unnatürlich hohen Anteil an Eigenschaften des jeweils anderen Geschlechts veranlagt sind. Je stärker also die Linkshändigkeit ausgeprägt ist, desto so stärker zeige sich der Hang zur Homosexualität.
Außerdem behauptet er, daß die Vermischung von männlichen und weiblichen Eigenschaften zu einer Degeneration führe. Es wundere ihn daher nicht, daß es so viele Verbrecher und Prostituierte unter den Linkshändern gäbe.
Fließ überlegte nicht, was diese Veröffentlichung für Linkshänder und Homosexuelle anrichten kann. Freud war begeistert von den Gedanken seines Freundes über Bisexualität und die Vermischung von Eigenschaften, weniger überzeugend fand er den von Fließ suggerierten Zusammenhang mit der Linkshändigkeit.
Erklärungsversuche
Alle vorgeschlagenen Erklärungen und Theorien sagen etwas über den Ursprung der Linkshändigkeit aus, aber keine über das, was sie eigentlich genau ausmacht. Dazu wäre eine viel genauere Kenntnis des Gehirns nötig.
Allerdings weiß man mittlerweile, daß die Linkshändigkeit oft schon im Alter von 10-15 Monaten auffällig wird und nur unter Inkaufnahme von Störungen aberzogen werden kann.
Hauptthese: Gehirnhälften
Die rechte Gehirnhälfte ist für die linke Körperhälfte zuständig und umgekehrt. Jedoch haben die linke und rechte Hirnhälfte jeweils eigene Aufgaben, mal allein, mal in Zusammenarbeit. Die linke Hälfte ist spezialisiert auf Zahlen, Zeit, Zeitgefühl und Sprache, die rechte Hälfte auf das Verknüpfen verschiedener Informationen. Die Dominanz einer Hirnhälfte ist bestimmend für die Händigkeit - d.h.: ist die rechte Hälfte dominant, wird man Linkshänder.
http://schulen.hagen.de/GSGE/ew/LH.html
Bibel und Linkshänder
Einige Stellen zum Thema Linkshänder bzw. zur Verwendung von links und rechts in der Bibel:
Linkshänder gibt es genau 701 in der Bibel:
„Da schrieen sie zum Herren, und der Herr erweckte ihnen einen Retter: Ehud, den Sohn Geras, den Benjaminiter; der war linkshändig.“ (Richter 3,15)
„Unter dem Volk waren siebenhundert auserlesene Männer, die linkshändig waren und mit der Schleuder ein Haar treffen konnten, ohne zu fehlen.“ (Richter 20,16)
Zur Verwendung von links und rechts:
Teilweise sind die auch heute noch bekannten Vorurteile zu finden:
„Des Weisen Herz ist zu seiner Rechten, aber des Toren Herz ist zu seiner Linken.“ (Sprüche 10,2)
Vermutlich zählt hierzu auch der Schluss des Jonabuches:
„Der Herr sprach zu Jona: Dich jammert die Staude, um die du dich nicht gemüht hast, gast sie auch nicht aufgezogen, die in einer Nacht war und in einer Nacht verdarb, und mich sollte nicht jammern Ninive, eine so große Stadt, in der mehr als hundertzwanzigtausend Menschen sind, die nicht wissen, was rechts und links ist [= sie wissen nicht, was richtig oder falsch ist], dazu auch die vielen Tiere?“ (Jona 4,10f.)
Aus dem Gleichnis Jesu vom Weltgericht (Matthäus 25):
„Dann wird der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!“ (Vers 34)
„Dann wird der König auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!“ (Vers 41)
Aber es gibt auch die „neutrale“ Verwendung von links und rechts:
„Wohl dem Menschen, der Weisheit erlangt, und dem Menschen, der Einsicht gewinnt! Langes Leben ist in ihrer rechten Hand, in ihrer Linken ist Reichtum und Ehre.“ (Sprüche 3,16)
„Wir erweisen uns als Diener Gottes (…) in der Kraft Gottes, mit den Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken.“ (2. Korinther 6,4+7)
Alles in allem also kein einheitliches Bild.
http://www.predigtenundprivates.de/bibel_und_linksha…
Folgene Fragen werden behandelt:
* Was haben Kräfte mit Symmetrie zu tun?
* Gibt es fundamentale Unterschiede zwischen „Rechts“ und „Links“
* Die Welt besteht aus Materie. Stimmt das und woher wissen wir das? Und wo ist dann die Antimaterie geblieben?
* Wie erkläre ich einem Ausserirdischen per Funk, ob unsere Welt aus Materie oder aus Antimaterie besteht?
http://samstag.physik.tu-dresden.de/2000/vortrag.php…
Räumliche Orientierung mal ganz anders
Die Begriffe Rechts und Links sind für uns absolut geläufig und selbstverständlich. Das alltägliche Leben zu meistern ohne diese beiden Worte, die uns eine räumliche Orientierung und damit auch abstrakte Vorstellungen ermöglichen, erscheint uns in einem Gedankenspiel als undenkbar. Lange Zeit gingen Wissenschaftler von einem angeborenen Sinn für dieses relative räumliche Orientierungssystem aus.
Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie zeigen nun aber, daß die Unterscheidung zwischen rechts und links eine Fähigkeit ist, die erst recht spät erworben wird. Erst mit 5 bis 6 Jahren unterscheiden Kinder zwischen ihrer linken und ihrer rechten Hand; mit 7 bis 8 Jahren wissen sie, welches die rechte Hand ihres Gegenübers ist, wobei sie lernen müssen, ihre Vorstellung um 180° zu drehen.
Die Selbstverständlichkeit im Umgang mit diesem System veranlaßte Wissenschaftler bislang davon auszugehen, daß alle Menschen (da naturgemäß zur Orientierung gezwungen) mehr oder weniger gut über dieses relative Bezugssystem verfügen. Tatsache aber ist, daß etwa ein Drittel aller Sprachen keine derartige Unterscheidung zwischen rechts und links kennen. Seit 1991 werden diese kulturellen Unterschiede am Max-Planck-Institut für Psycholinguistik in Nijmegen (NL) intensiv von Psychologen, Ethnologen und Linguistikern erforscht.
Einige der heute meist kleinen und recht isoliert lebenden Sprachgemeinschaften aus Australien, Asien oder Südamerika, kennen auch keine Unterscheidung zwischen vorne und hinten. Die alternativen Lösungskonzepte um sich in eigenen Lebensraum zurechtzufinden sind dabei unterschiedlich - bis eben auf die Gemeinsamkeit, daß ein absolutes Bezugssystem im Gegensatz zu unserem relativen Rechts-Links-Denken bevorzugt wird:
Bei den nordaustralischen Ureinwohnern des Stammes der Guugu Yimithirr richtet sich die räumliche Orientierung ausschließlich nach absoluten Koordinaten, nämlich den vier Himmelsrichtungen. Ein Messer liegt bei ihnen nicht rechts vom Teller, sondern beispielsweise östlich oder südlich, je nach Lage des Hauses. Befindet sich ein Gegenstand nach unserem Beschreibungssystem in der linken Hosentasche einer Person, würde eine Guugu Yimithirr diesen beispielsweise als in seiner westlichen Hosentasche befindlich beschreiben; dreht er sich um 180° auf seiner Achse, ist der Gegenstand dann in seiner östlichen Hosentasche. Dieses sehr genaue und eindeutige System setzt aber voraus, daß das Unterbewußtsein einer Person jede Bewegung der eigenen Person aber auch seines Umfeldes stets genau registriert und nachrechnet, um spontan eine Ortsbestimmung vornehmen zu können. Bei wissenschaftlichen Untersuchungen dieser verblüffenden Fähigkeit stellte sich heraus, daß der Orientierungssinn einer Brieftaube wesentlich schlechter und fehlerhafter ist, als der eines Guugu Yimithirr. Das Argument, die Verarbeitung würde nicht unbewußt, sondern bewußt durch Orientierung am Himmels-/Sternenstand erfolgen, gilt auch als entkräftet. Der schlagkräftige Beweis besteht darin, daß die Guugu Yimithirr sich sogar nachts in geschlossenen, dunklen und ihnen unbekannten Räumen perfekt orientieren können.
Aber nicht alle absoluten Systeme nehmen die Windrose als Richtschnur. Je nach natürlicher Umgebung kann auch eine Berg, ein Flußlauf, ein vorherrschender Wind oder der Küstenverlauf als Maßstab für die Orientierung verwendet werden.
Ein weiteres Beispiel für eine absolute Orientierung sind die Tzeltal in Mexiko: Im Süden ihres Lebensraums befindet sich ein 1700 m hoher Gebirgskamm, von welchem sich das Land, durchbrochen von kleinen Höhen und Senken, im Norden auf 950 m absenkt. Beschreibt ein Tzeltal nun die südliche Richtung, spricht er grundsätzlich von „bergauf“, egal ob das Gelände in südlicher Richtung sich nun unmittelbar erhebt oder senkt. Osten und Westen, rechts oder links werden durch „quer zu bergauf - bergab“ beschrieben.
Auf die Frage, warum sich solche verschiedenen räumliche Orientierungsformen entwickelt haben, ist bis jetzt noch keine eindeutige Antwort gefunden worden. Eine der zur Zeit im Raum stehenden Hypothesen könnte sich folgendermaßen begründen:
Zum einen birgt das absolute System eindeutige Vorteile bei der Orientierung in einer Landschaft. Es ist einfach, logisch, halt absolut. Auffällige Landschaftsmerkmale erleichtern die Orientierung. Aus diesem Grunde wird dieses System auch in westlichen Kulturen heute noch im Flugwesen und in der Schiffahrt eingesetzt.
Im Gegensatz zu dieser Hypothese steht die Tatsache, daß beispielsweise in der südafrikanischen Kalahari-Wüste die Buschmänner das absolute System bevorzugen, ihre unmittelbaren Nachbarn aber, die Bantu, das Relative. Trotz gleicher Umweltbedingungen nun also verschiedene Orientierungssyteme. Der einzige weitere, aber vielleicht erklärende Unterschied zwischen diesen beiden Völkern ist, daß die Buschmänner Jäger und Sammler sind, die Bantu aber Viehzüchter. Die Buschmänner bewegen sich also vorwiegend in ihrer Landschaft und sind daher existentiell auf eine sichere und absolute Orientierung angewiesen. Der Hinweis, die Gnu-Herde befindet sich links des großen Berges ist zu ungenau, da der relative Standpunkt des Beschreibenden nicht in der Erklärung auftaucht. Einfacher ist es zu sagen, die Gnu-Herde befindet sich in südlicher Richtung. Bei den Viehzüchtern Bantu spielt die Orientierung hingegen nur eine untergeordnete Rolle - ihr Lebensraum ist klein und überschaubar, so daß man sich die Relativität aller Dinge leisten kann.
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http://www.ngfg.com/texte/aw004.htm
Gegensätze
Eine der Hauptaufgaben unseres Gehirns ist es, unsere Umwelt zu klassifizieren. Im ersten Moment der Klassifizierung eines visuellen Sinneseindruckes ist unser Gehirn nicht besonders penibel: Es unterteilt nach hell oder dunkel, links oder rechts, groß oder klein, dick oder dünn. Das Gehirn unterteilt nach Kontrasten und Gegensätzen: Wir wägen ab zwischen dem einen und dem anderen Extrem. Für jedes Gefühl kennen wir ein Gegengefühl. Unser Denken ist ein antipodisches Denken, ein Denken in Gegensätzen: Nachdem wir die Pole ausgemacht haben, sind wir in der Lage, Verbindungslinien zu ziehen zwischen diesen Extremen, um in den Gradeinteilungen dieser Linien all der Nuancen und Schattierungen bewußt zu werden. Nur das Abwägen von Gegensätzen liefert die effizientesten und brauchbarsten Ergebnisse,- das hat die Evolution erkannt. Nur mit Hilfe von Gegensätzen und Kontrasten ist ein Abwägen und Beurteilen überhaupt erst möglich. Wie könnten wir sonst Entscheidungen oder Auswahlen treffen, wenn wir nicht mindestens einen zweiten Blickwinkel oder Standpunkt hätten? Eine Waage hat immer zwei Schalen; ohne das Gegengewicht wäre kein Wägen möglich.
Eine Begleiterscheinung unseres gegensätzlichen Denkens ist es, dass wir sogar dort Gegensätze zu entdecken glauben, wo gar keine sind: Wir empfinden Süß und Sauer als Gegensatz. Nun kann aber streng genommen ein Gefühl, Zustand oder Ding nur einen einzigen Gegensatz haben, und keinen zweiten, sonst wären es ja keine Gegensätze. Zu Süß passt als Gegensatz aber nicht nur Sauer, sondern auch Bitter und Salzig. Welcher dieser drei, Sauer, Bitter oder Salzig, ist der Gegensatz von Süß?
Im konkreten Leben fällen wir diese Entscheidung kontextabhängig: Einer Zitrone ordnen wir das Gegensatzpaar Süß/Sauer zu, einer Pampelmuse Süß/Bitter, und keine dieser beiden würden wir mit Süß/Salzig in Verbindung bringen. Diese Einteilung muss nicht unbedingt genau sein, aber sie muss möglich sein, denn durch die Einteilung in Gegensatzpaare fällt uns das Klassifizieren der Dinge leichter. Wir sind von dieser Gegensätzlichkeit derartig abhängig, dass wir der Natur auch da die Schablone der Gegensätzlichkeit aufdrücken, wo im Grunde nur feine Gradunterschiede sind. Es ist leichter für uns, Gegensätze zu denken als Gradunterschiede. Selbstverständlich werden wir uns der Existenz dieser Gradunterschiede bewusst, wir verstehen sie in vollstem Umfang: Das Bewußtwerden dieser Gradunterschiede ist ja nichts anderes als das Ergebnis des Klassifizierungsprozesses. Aber der Mechanismus in unserem Gehirn, der dieses Verständnis ermöglicht, beruht auf dem Empfinden und Abwägen von Gegensätzen.
Gleichartigkeit und Verschiedenartigkeit
Wir haben in den Grundlagen der Farbenlehre gelernt, dass wir unsere Umwelt nur deshalb visuell wahrnehmen können, weil sie voller optischer Kontraste ist, die durch die Reflexion von Licht hervorgerufen werden: Hell-Dunkel-Kontraste und farbliche Kontraste. Diese Kontraste erst ermöglichen uns eine räumliche Orientierung in der Welt. Ohne diese Kontraste würden wir nichts erkennen, es wäre wie Nebel vor unseren Augen, eine monotone, kontrast- und musterlose Masse. Zwischen der Wahrnehmung eines visuellen Sinneseindrucks und der Klassifizierung dieses Sinneseindrucks durch unser Gehirn steht ein Entscheidungsprozess: Es ist der Entscheidungsprozess über die Bewertung unserer Sinneseindrücke nach dem Gegensatzpaar Gleichartigkeit und Verschiedenartigkeit.
Unser Gehirn versucht, mit Hilfe der Attribute Gleichartigkeit und Verschiedenartigkeit einen zusätzlichen Kontrast zu entdecken, um ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zu finden. Dieser zusätzliche Kontrast ermöglicht es dem Gehirn, feinere und genauere Differenzierungen zu treffen. Dadurch gewinnt es besseren Überblick. Hell-Dunkel-Kontraste und Farb-Kontraste werden durch den zusätzlichen Kontrast der Gleichheit und Ungleichheit, der Gleichartigkeit und Verschiedenartigkeit ergänzt. Das Gehirn ordnet die Formen, die es optisch erkannt hat, nach Gleichartigkeit und Verschiedenartigkeit.
Das Suchen nach Gleichartigem und Verschiedenartigem ist das Suchen nach Ordnung. Findet das Gehirn Gleichartiges oder Ungleichartiges, so findet es eine Ordnung in den Dingen. Damit hat es die Dinge besser und schneller „im Griff“. Das Gehirn hat es gern, wenn es sein Umfeld vollständig „im Blick“ hat, wenn es alles sieht und alles weiß. Auf welchen Stuhl setzt ein Mensch sich vornehmlich hin, wenn mehrere Stühle zur Auswahl stehen? Versuche der Verhaltensforschung haben gezeigt, dass es diejenigen Stühle sind, von denen aus wir den Raum überblicken können, also diejenigen an der Wand und nicht die mitten im Raum. Die Stühlepositionierung in Wartezimmern spricht für sich: Alle Stühle stehen an der Wand, ganz unabhängig davon, ob es vom Standpunkt der Flächennutzung her effizient ist oder nicht.
Wenn die Aufgabe der Klassifizierung schwierig ist und in kurzer Zeit nicht zu lösen ist, wird unser Gehirn angestrengt und wir empfinden die Aufgabe als unangenehm. Diese Aufgabe ist dann schwierig zu lösen, wenn das Gehirn auf Merkmale von Gleichartigkeit stößt als auch auf Merkmale von Verschiedenartigkeit. Das Gehirn findet Widersprüche in dem Durcheinander, es kann keinen Überblick finden und sich nicht entscheiden, ob es Gleichartiges oder Verschiedenartiges sieht. Diese unangenehme Empfindung ist das Gefühl von Disharmonie.
Ist diese Aufgabe in kurzer Zeit erledigt, vermag das Gehirn sich in der gefundenen Ordnung der Dinge besser und sicherer zurechtzufinden, es hat den besseren Überblick und fühlt sich deshalb wohler. Dieses ist das Gefühl von Harmonie. Die Aufgabe ist dann in kurzer Zeit erledigt, wenn das Gehirn auf Anhieb Gleichartigkeit oder aber auf Anhieb Ungleichartigkeit erkennt.
Ich muss an dieser Stelle anmerken, dass die Wissenschaft die Arbeitsweise von Auge und Gehirn bei der Lösung der Klassifikationsaufgabe bis heute nicht kennt, und deshalb die physiologischen Vorgänge nicht erklären kann. Wir sind also auf philosophische Spekulationen angewiesen und müssen uns mit den am wahrscheinlichsten klingenden begnügen.
Auf der nächsten Seite werden diese theoretischen Betrachtungen anhand von Beispielen veranschaulicht.
Das Schöne und das Hässliche
Warum wirkt eine Ratte eher hässlich und unsympathisch auf uns, ein Kaninchen oder ein Wellensittich eher schön und angenehm? Die Psychologen sprechen hier vom Kindchenschema, das uns beeinflusst: Die Ratte hat kleine Augen und einen im Verhältnis zum Körper kleinen Kopf, der noch dazu spitz zuläuft. Dies entspricht nicht dem Kindchenschema.
Das Kaninchen hingegen hat große Augen und einen großen, runden Kopf. Dies entspricht dem Kindchenschema. Unsere Instinkte und Triebe sind es, die über schön oder Hässlich entscheiden. Wir assoziieren das Kaninchen mit einem kleinen Kind, das ebenfalls große Augen hat und einen großen Kopf.
Kakerlaken wirken überaus abstoßend auf uns, ebenso der Geruch von Exkrementen. Unser von der Evolution geprägter und durch die Gesellschaft gefärbter Instinkt sagt uns: Hier droht Krankheit und Gefahr, hier ist es nicht gesund für uns.
Unser Urteil über Schön und Hässlich wird von unserem Gefühlsleben gefällt, von unseren Instinkten und Trieben. An sich ist an einer Kakerlake nichts unästhetisches zu finden, wissenschaftlich betrachtet finden wir sie sogar interessant - was auch auf anderes Ungeziefer zutreffen würde. Wissenschaftlich betrachtet heißt hier: gefühllos betrachtet, unpersönlich und objektiv betrachtet. Denn ohne das wissenschaftliche Interesse schaut allein unser Gefühl hin: und dieses findet die Kakerlake unästhetisch und extrem Hässlich, so sehr, dass manche regelrecht zurückschrecken. Die Spinnenphobie mancher Menschen gibt uns einen Eindruck davon, welche Intensität und Gewalt diese Empfindung haben kann.
„Der ästhetische Zustand ist eine Mischung der zarten Nuancen von animalischen Wohlgefühlen und Begierden“ schrieb Friedrich Nietzsche, der als einer der größten Menschenkenner unter den Philosophen gilt.
Das Schöne und das Hässliche durchläuft den gleichen Klassifizierungsprozess wie auch das Harmonische und Disharmonische. Doch während das Harmonische höchstens Wohlgefallen in uns auszulösen imstande ist, kann das Schöne mehr: es erweckt Assoziationen, es spricht unsere Gefühle an und unsere Triebe und Instinkte. Das Schöne als auch das Hässliche ist imstande, uns zu aktivieren.
Wir werden aktiv im wahrsten Sinne des Wortes: Unsere Aufmerksamkeit steigert sich, Neugier kann entstehen oder Vorsicht, Angst, Freude, Erregung, Glücksgefühle, Zuneigung, Abneigung, u.s.w. Was Wunder, wenn unsere Marketingexperten dies nicht schon längst erkannt und ausgenutzt hätten! Davon auf der nächsten Seite mehr.
Die Welt ist nicht durch ein ursprünglich schaffendes, sondern zerstörendes Prinzip entstanden.
Die wichtigste Entdeckung der neuern Philosophie besteht unstreitig in der dialektischen Methode, ja man kann sagen, daß mit ihr die Philosophie sich eigentlich selbst erst entdeckt hat. Aber so hoch sie es auch mittelst dieser Methode gebracht hat, hoffe ich doch, alle bisher dadurch gemachten Entdeckungen durch den Beweis vorstehenden Satzes zu krönen und hiemit die Philosophie selbst noch eine Stufe über ihren gegenwärtigen Standpunkt zu erheben.
Zuvor aber will ich versuchen, den noch Uneingeweihten einen kurzen Begriff von der dialektischen Methode und den Vorteilen derselben zu geben.
Die dialektische Methode läßt sich bezeichnen als die Kunst, zuvörderst Rechts in Links dadurch zu verwandeln, daß man zeigt, ein bloßes Rechts widerspreche sich selbst. Nachdem nämlich das Rechts dies eingesehen hat, schlägt es sofort durch Selbstbewegung in Links als Nicht-Rechts um. Dann ferner das so gewonnene Links wieder in Rechts zu verwandeln dadurch, daß man zeigt, ein bloßes Links widerspreche sich selbst. Nachdem nämlich das Links dies eingesehen hat, schlägt es sofort durch Selbstbewegung wieder in Rechts als Nicht-Links um. Hierdurch ist man dann endlich zu einem Rechts gekommen, welches zwar dasselbe als das erste Rechts scheint, aber doch, bei Strafe dem gemeinen Menschenverstande anheimzufallen, nicht damit zu verwechseln ist, da es ja die Aufhebung und höhere Wahrheit des Links und die höhere Einheit oder Identität des Rechts und Links zugleich, der konkrete Begriff des Rechts, die Wiedereinkehr des Rechts in sich selbst, das seinem Begriffe gemäß gewordene Rechts, die Zusammenschließung des allgemeinen Rechtsbegriffs mit dem Besondern im Einzelnen, gleichsam die Blüte zur Knospe des Links und zum Stengel des ersten Rechts ist.
Wer dies alles, wie nicht anders zu erwarten, wohl begriffen hat, hat hiermit das ewige Verhältnis von Links zu Rechts begriffen und kann fortan, wenn er an einen Scheideweg kommt, unmöglich mehr irren, da, wenn er auch den linken Weg einschlüge, er den rechten aufgehoben mit ginge, Irrtum aber nur die höhere Wahrheit der Wahrheit selbst ist, auch im dialektischen Prozeß nichts darauf ankommt, wohin das gleichgültige verschwindende Moment der Beine, sondern nur wohin der ewige Begriff der Beine kommt.
In anderer Weise kann man auch die dialektische Methode erklären als die Selbstbewegung des Begriffs im Blauen. Der Dialektiker setzt nämlich seinen Begriff ins Blaue, gibt ihm das Negationszeichen als Stock in die Hand und sagt: jetzt mache deinen Weg! Der Begriff findet nichts, worauf sich im Blauen zu stützen, und macht eine Zeit lang vergebliche Anstrengungen, von der Stelle zu kommen; endlich fällt er auf das rechte Mittel, ergreift den Stock und prügelt sich selbst damit von der Stelle; jeder Schlag treibt ihn nämlich einen Schritt vorwärts in der Richtung, die er selber zu gehen Lust hat, ohne daß sich der Dialektiker noch darum zu kümmern und etwas anderes dazu zu tun nötig hat, als das Blaue recht weit und rein zum ungehinderten Fortschritt des Begriffs zu erhalten; was vor allem nötig macht, alles empirische Wissen bei Seite zu räumen.
Die vorige Schilderung ist freilich in so fern nicht ganz treffend, als der Begriff die Negation, mittelst deren er sich im dialektischen Prozeß fortzuhelfen hat, auch aus sich selbst zu nehmen, und weniger in die Weite zu schreiten, als in die Höhe zu erheben hat. In der Tat soll mit dem dialektischen Prozeß durchaus nichts vor sich gebracht werden, nur um die Höhe, immer um die Höhe ist es dem Dialektiker zu tun.
In diesem Betracht nun kann man vielleicht die dialektische Methode noch passender als das Kunststück des Menschen erklären, der sich an seinem Nichtmenschen den Zopf selber aus dem Sumpfe zieht; woher auch offenbar der Ausdruck des Sichselbstaufhebens des Begriffs entlehnt ist. Freilich muß man, da die ganze Bewegung das Prädikat der Ewigkeit tragen soll, nicht erwarten, solche in endlicher Zeit erfolgen zu sehen, sich also auch nicht irren lassen, wenn man nach einiger Zeit den Mann immer noch mit der Hand am Zopfe im Sumpfe stecken sieht. Gewiß ist, daß die ewige Idee, sich darüber emporzuheben, ihn bei seinen Anstrengungen ewig durchdringt, und auf die Idee kommt es überall bei der dialektischen Methode nur an. Endlich reißt doch der Zopf los; die Idee fällt von sich selbst als Natur ab, welche im Sumpfe stecken bleibt, den Fröschen und Molchen d. i. Naturforschern zur Beute, indes der mit dem Zopfe herausgezogene Geist triumphierend in die Höhe geht und die Dialektiker als dienende Engel um sich sammelt.
Eine nähere Erörterung der Vorteile, welche die dialektische Methode zu gewähren vermag, wird dienen, ihr Wesen noch mehr ins Licht zu setzen. Ich betrachte zuvörderst einige praktische.
Einen leeren Beutel kann man dialektisch ganz einfach dadurch zu einem vollen machen, daß man ihn wiederholt umwendet. Zwar hält jeder Dialektiker bloß das Geld aus seinem eignen Beutel für gültig; aber er braucht auch kein anderes, da er es sich eben so beliebig selbst machen, als selbst damit bezahlen kann.
Eine Treppe kann man dialektisch ganz wohlfeil aus einer einzigen Stufe bauen, indem man die erste immer wieder wegnimmt und auf sich selbst setzt. Zwar glaubt man beim Hinansteigen einer solchen Treppe auf Nichts zu treten; aber man kommt doch oben an, und das ist die Hauptsache. Anfangs schwindelt man; zuletzt geht es in Sprüngen.
Sein Vieh mästet man dialektisch dadurch, daß man es wiederholt sich selbst auffressen läßt. Die dialektische Fütterung besteht nämlich nicht darin, dem Tiere Futter in die Krippe zu legen, sondern ihm das Futter möglichst zu entziehen. Hierdurch zwingt man dasselbe endlich, vor Hunger sich Selbst aufzufressen, und nach jeder Selbstverschlingung kommt es noch einmal so dick als vorher zum Vorschein, was man beliebig fortsetzen kann.
Seinen Oberboden füllt man dialektisch dadurch, daß man leeres Stroh mit leerem Stroh drischt, und insbesondere auch seine Schüler dazu anhält. Je leerer das Stroh, desto mehr gibt es beim Dreschen her, und die ganze Schwierigkeit liegt nur darin, das Stroh wirklich vorher ganz leer zu machen; indes gewöhnt sich der dialektisch bebaute Acker allmälich daran, gleich bloß leeres Stroh zu tragen.
Sogar dem Tierreich ist die dialektische Methode zu empfehlen. Ein gewöhnlicher Hund kommt nicht vom Flecke, wenn er sich in den Schwanz beißen will; ein dialektischer Hund aber kommt um die ganze Welt, indem er seinem Schwanze von vorn nachläuft, was unstreitig zu seiner Ausbildung viel beitragen muß.
So viel von den praktischen Vorteilen, welche die dialektische Methode zwar noch nicht geleistet hat, aber theoretisch durchaus zu leisten im Stande ist. Kommen wir jetzt zu den theoretischen Vorteilen, welche sie eben dadurch wirklich geleistet hat, daß sie sich über den Stand erhoben, praktische wirklich zu leisten, insbesondere zu denjenigen, welche uns selbst für unsere wissenschaftliche Aufgabe, der wir nun näher treten, zu statten kommen sollen.
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Die Begriffe verlieren durch Behandlung mittelst der dialektischen Methode gänzlich ihre bornierte Steifheit und indem sie selbst nicht mehr wissen, wo ihnen der Sinn steht, werden sie dadurch um so geeigneter, in jeden Sinn des Philosophen einzugehen, wie der Falke erst schwindlich gemacht werden muß, um sich nach dem Sinne des Jägers brauchen zu lassen. Indem nämlich der Begriff sich selbst in eine höhere Region aufhebt, hebt er zugleich seine frühere Bedeutung in so fern auf, daß sie nicht mehr stattfindet, aber zugleich auch in so fern, daß er sie wie andere gut aufgehobene Sachen immer wieder beliebig hervorsuchen kann, so daß nicht nur der Begriff des Aufhebens, sondern überhaupt jeder Begriff in der dialektischen Methode mindestens drei Bedeutungen hat, wovon je zwei einander gerade entgegengesetzt sind, und von denen man vorkommenden Falls sich die passendste auslesen kann. Man sagt in dieser Beziehung auch, die dialektische Methode mache die Begriffe flüssig, und sieht es als ein Zeichen ihrer geschickten Anwendung an, wenn sie alles Handgreifliche zwischen den Händen zerlaufen läßt. Wem des Flüssigen zu viel wird, dem steht es frei, es mit der Streusandbüchse der Herbart’schen einfachen Wesen, die Gott zu diesem Behuf mit der dialektischen Methode zusammen geschaffen, auszutrocknen.
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Die dialektische Methode gewährt durchaus absolute Evidenz und Wahrheit; da nun jeder Philosoph, indem er die Begriffe nach seinem Sinne braucht, eine andere absolute Wahrheit findet, so hat die dialektische Methode vor der mathematischen, die bei jedem Gegenstande nie über eine absolute Wahrheit hinaus kommt, den wesentlichen Vorzug, daß durch sie das Gebiet der absoluten Wahrheiten außerordentlich erweitert wird. Bekanntlich heißt das große Gebot der Wahrheit: eure Rede sei ja ja, nein nein; indem nun immer ein Dialektiker ja ja, ein anderer dagegen nein nein ruft, entwickelt sich so die absolute ewige Wahrheit mit jedem Widerspruch in ihr immer weiter.
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Die absolute Evidenz und Wahrheit der dialektischen Methode hindert daher auch nicht im geringsten, Alles, was der Erfinder dieser Methode, der große Hegel, mittelst derselben gefunden, für irrig und falsch zu erklären, mit einziger Ausnahme der Methode selbst; ja es wird dies, wenn nicht die Philosophie zu einem starren, toten, verknöcherten Wesen werden soll, mit der Zeit sogar unumgänglich nötig. Dies gibt Jedem, der die dialektische Methode nach ihrem Meister gebraucht, den Vorteil, viel größer als der Meister selbst zu werden, indem er das von ihm Gefundene mitselbst derselben Methode wieder aufhebt, durch die es dieser gefunden, natürlich mit schuldiger Danksagung dafür, daß er, der Meister, ihn die absolut wahre und sichere Methode gelehrt habe, sich selbst von ihm aufheben zu lassen.
Von diesen Vorteilen der dialektischen Methode, insbesondere dem letzten, mache ich nun auch meinerseits im folgenden Gebrauch, indem ich zur Sache komme.
- Um die ganze Hegel’sche Philosophie mit einem Male durch einen Hauptschlag über sich selbst zu erheben, hebe ich gleich von vorn herein die ganze Grundlage derselben in ihr Gegenteil auf, was offenbar durch den Entwicklungsgang der absoluten Idee jetzt eben gefordert ist, da es sonst jetzt nicht geschähe. Hegel geht von der absoluten Position des Seins aus, um sie zur Negation aufzuheben; der zeitgemäß gewordene Umschlag verlangt also, daß man künftig von der absoluten Negation des Seins auszugehen anfange, um sie in die Position aufzuheben. Dies rechtfertigt sich nach den Gesetzen der dialektischen Aufhebung zum Höhern zwar von selbst, kann aber auch für den gemeinen Menschenverstand so bewiesen werden, daß daraus nachmals dessen eigene Aufhebung in das Gegenteil entsteht, wodurch noch in anderer Beziehung das Hegel’sche System vervollkommt wird. Denn nach diesem ward bisher gefordert, daß man gleich von vorn herein mit Zurücklassung des gemeinen Menschen-Verstandes in die Philosophie hineinspringe, was Vielen, bei denen dies Erbübel zu fest sitzt, den Eingang sehr erschwerte; da die natürliche Eingangsweise, wodurch die Philosophie zur Weltphilosophie werden muß, doch nur die sein kann, den gemeinen Menschen-Verstand, womit Jeder anfängt, sich durch sich selbst um sich selbst bringen oder in sein philosophisches Gegenteil umschlagen zu lassen, welchem Erforderniß, wie man sehen wird, das Folgende vollkommen genügt.
Ich sage also, um mich anfangs an den gemeinen Menschen-Verstand zu wenden: eine reine Position mag sich anstrengen wie sie will, sie wird es aus sich selbst nie zu einer Negation bringen; es sei denn, daß sie ihr zuvor heimlich in die Tasche gesteckt worden wäre. Dagegen braucht die reine Negation bloß ihr eignes Wesen an sich selbst zu betätigen, sich auf sich selbst zu reflektieren, sich selbst zu negieren, so schlägt sie sofort von selbst in das reine positive Wesen als ihr Widerspiel um, welches nach dialektischen Prinzipien, wo gegenüber und drüber dasselbe ist, auch ihr Höheres ist. Indem sie nun dasselbe Spiel an sich selbst wiederholt, kommt sie hiermit immer weiter oder höher; und produziert dabei Materie und Geist, Süd- und Nordpolarität, kurz alle Sätze, Gegensätze und aufgehobene Gegensätze der Welt. Trifft sie aber ja unterwegs einen Punkt, wo sie nicht mehr vorwärts zu kommen weiß, so gerät sie außer sich,1) dann geht es wieder.
In der Tat, was kann aus der Negierung einer Negation anderes herauskommen, als ein positives Etwas. Negiert sich aber dies Etwas, so wird nach dem Geiste der dialektischen Methode nicht wieder die erste Negation daraus, sondern das Etwas schlägt in sein Gegenteil um, indem der einmal gewonnene Begriff des Etwas in dem neuen Produkte als aufgehobener stecken bleiben muß. Negiert sich dieser Gegensatz des Etwas wieder, so wird nicht das vorige Etwas, sondern, da es ja immer aufwärts geht, ein schon höher potenzirtes Etwas daraus, in dessen Auffindung sich der Scharfsinn des Philosophen zu beweisen hat. Dieses schlägt wieder in seinen Gegensatz um u. s. f., bis die ganze Welt mit allen Positionen und Negationen, die sie einschließt, da ist.
Natürlich nun ist eine Negierung an sich selbst nichts Schaffendes; sie wird es eben nur dadurch, daß sie sich selbst negiert, hiermit ihr eignes Wesen aufhebt, zerstört. Daß sie dies aber tut, muß in ihrem Wesen selbst liegen; denn warum täte sie es sonst; also ist Zerstörung, Selbstzerstörung, nicht Schöpfung das Urprinzip der Welt. Indem das zerstörende Prinzip anfangs nichts fand als sich selber, woran es seine zerstörende Macht äußern konnte, zerstörte es sein zerstörendes Wesen selbst und ward so erst zum schöpferischen Prinzip. Wie hätte dagegen umgekehrt aus einem schöpferischen Prinzip durch Betätigung seiner selbst an sich selbst ein zerstörendes Prinzip hervorgehen können, was doch in der Welt eben so gut als das schöpferische Prinzip vorkommt; denn alles, was in der Welt entsteht, vergeht auch wieder.
Hiemit hätte ich meine Aufgabe und zugleich die Pflicht erfüllt, welche jedem dialektischen Philosophen obliegt, Gott, der in Betreff der Einsicht in sich und seine Werke nun einmal ganz auf den dialektischen Philosophen gewiesen ist, darüber aufgeklärt zu haben, wie er eigentlich sich und die Welt geschaffen, gezeigt zu haben, welches der Anfang vor dem Anfang sei.
Natürlich konnte nach Vorigem auch das erste Licht nur aus der Negation des Lichts, dem Dunkel, ja aus einem Dunkel, was noch dunkler war, als alles heutige Dunkel, nicht umgekehrt geboren werden; es konnte nur als Selbstaufhebung dieses Dunkels, als Schatten des absoluten Schattens entstehen, daher auch die Alten ganz richtig alles aus der Nacht geboren werden ließen. Sofern nun die im Menschengeiste zum Selbstbewußtsein kommende dialektische Methode demselben nur ein höheres Licht anzündet, kann das Licht, was dadurch dem Menschen zu Teil wird, als der Schatten vom Schatten eines Schattens angesehen werden, wobei zwar der gemeine Menschenverstand nichts sehen kann, der daher ein Talglicht immer vorziehen wird, wohl aber der Schatten des Schattens vom Schatten des gemeinen Menschenverstandes.
Und hiermit gewinnt diese Schrift, welche mit dem einfachen Schatten anhob und mit der dritten Potenz des Schattens endigt, passend selbst ihren dialektischen Schluß als ein in sich zurücklaufender Schatten.
hm…soso!!!
hallo liebe
biggiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii, wo bist duuuuuuuuuuuuuuu???
halt mal die laterne hoch,auf daß ich was erkennen kann !
gruß
felicitas
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