Hallo wiz,
wir haben tatsächlich unterschiedliche Meinungen (und vor allem Erfahrungswerte) zu
diesem Thema - deine Ausführungen finde ich trotzdem interessant.
Rechtsbereich, und was das Thema STrafrecht angeht muss man
sehr genau unterscheiden.
Ja, ich weiß, hätte ich näher spezifizieren sollen mit dem Strafrecht (es kennt ja keiner meine
Gedanken), ich meinte damit natürlich die „größeren“ Sachen.
Da wäre ich sehr vorsichtig, denn in der Laienmeinung ist ein
guter Anwalt immer derjenige, der einen Prozess für mich
gewinnt. Was der Laie aber überhaupt nicht beurteilen kann,
sind die Prozesschancen.
Hier meinte ich keineswegs, dass ein Laie sich zu Prozesschancen äußern kann, wie sollte
er auch. Aber wenn mir jemand z. B. erzählt, er wäre von RA x bei einem Arbgerichtsprozess vertreten worden, der RA hätte ihm alle Fragen beantworten können, er hätte sich gekümmert, ihn schnell unterrichtet, hätte ihn ausführlich und zu seiner vollsten Zufriedenheit beraten, habe einfach Engagement an den Tag gelegt und vor allem kompetent gewirkt und sei es auch gewesen (davon kann auch ein Laie im ersten Beratungsgespräch zumindest einen Eindruck gewinnen), dann würde ich ohne zu zögern mit meinem Arbeitsrechtsproblem ebenfalls zu diesem RA gehen. Ob der RA für den anderen den Prozess gewonnen hat,
ist nicht relevant, zumindest nicht für mich. Ich denke dass sich jeder darüber im klaren ist, dass man bei Beauftragung eines RA mit der Durchsetzung von Forderungen nicht automatisch einen Erfolg von 100 % erwarten darf. Um bei meinem Beispiel zu bleiben: Sollte der Prozess nicht ein voller Erfolg gewesen sein, o. g. Beispiel-Eigenschaften jedoch zugetroffen haben, würde ich davon ausgehen, dass auch ein anderer RA nicht mehr erreicht
hätte.
Wir wissen doch alle, dass es genug Anwälte gibt, die möglichst wenig Aufwand betreiben wollen und die nicht gerade so wirken, als ob sie viel Ahnung von dem hätten, was sie tun (und es hin und wieder auch tatsächlich nicht haben). Du würdest doch auch keinen wenig
kommunikativen RA beauftragen, der zudem keine vernünftige Aussage zu machen in der Lage ist, da fehlt doch schon die Vertrauensbasis.
Und eine 100%ige Sicherheit gibt es nie an einen guten RA zu geraten, sondern immer nur Richtwerte, die jeder für sich annehmen muss.
dies nicht durchblicken. Oft sind größere Kanzleien nur
Bürogemeinschaften von Einzelkämpfern, die sich Kosten für
Büro und Personal teilen. D.h. jeder dort tätige Anwalt ist
eigentlich auch ein Einzelkämpfer.
Hier stimme ich dir nach wie vor nicht zu. Es kommt nicht darauf an, inwiefern ein RA in die große Kanzlei eingegliedert ist. Mag es auch ein „Einzelkämpfer“ sein, der aus Kostengründen einfach nur Teil einer großen Bürogemeinschaft ist. Leute, die er was fragen kann, wenn er nicht weiterkommt hat er trotzdem um sich und auch ein Erfahrungsaustausch kann stattfinden. Selbst wenn er mit denen nicht direkt zusammenarbeitet, wird er über Aktuelles informiert sein. Wenn sich ein Alleinanwalt auf ein exotisches Rechtsgebiet spezialisiert hat, sollte man Kompetenz erwarten dürfen.
Und wenn ich zur Kanzlei Mayer, Müller & 10 Kollegen gehe und RA Nr. 9 nicht weiterkommt, kann ich davon ausgehen, dass der sich mit seinen Kanzleikollegen berät, denn kompetente Rechtsberatung liegt schließlich im Interesse der Kanzlei. In den größeren Kanzleien in denen ich tätig war, haben sich die Anwälte immer ausgetauscht, wenn es um eine schwierigere Sache ging und ggf. zu einem Teilthema der eigentlichen Sache einen Kollegen hinzugezogen, weil der sich auf diesem Rechtsgebiet besser auskannte.
Und Weiterbildung wird in größeren Kanzlei sicherlich eher praktiziert als dies ein Alleinanwalt tun wird.
Wie ich schon schrieb, ich treffe keine Pauschalaussagen und sage ALLE usw., sondern nur, dass m. E. die Gefahr größer ist an einen inkompetenten Alleinanwalt zu geraten als an einen aus einer größeren Kanzlei, die dessen Unvermögen evtl. noch auffangen können, es i. d. R. aus eigenem Interesse auch tun.
Meine Ansichten zu dem Thema beruhen auf eigenen Erfahrungen, auf dem Austausch
mit Kanzleikolleginen und auch Chefs (RAen) und dem was man so hört aus dem Bekannten- und Freundeskreis. Sehr viele Leute haben heutzutage schon mit RAen zu tun gehabt.
Aus meiner persönlichen Erfahrung zwei Beispiele zum Alleinanwalt:
-
Kanzlei mit 3 RAen. zwei sind engagiert und verdienen Geld, der dritte schmarotzt sich
so durch (den ganzen Tag Zigartetten rauchen, Zeitung lesen und Privattelefonate führen, die übrigen paar Mandate nicht bearbeiten). Die zwei anderen schmeißen ihn raus und er gründet notgedrungen seine eigene Kanzlei, die natürlich nicht läuft, weil er keinen kompetenten Eindruck macht, es nicht ist und damit keine Mandanten bekommt.
-
Alleinanwalt, nach dem Studium sofort eigene Kanzlei, finanziert vom reichen Papa. Seit dem Studium nichts dazugelernt, keine Weiterbildung, keine Kollegen da zum Austausch. Ich habe als RA-Fachangestellte in manchen simplen Rechtsfragen mehr gewusst als er! Ich hatte zwar eine ausgezeichnete Ausbildung, besser als die der allermeisten Kolleginnen, aber eine RAin bin ich auch nicht. Allein während meiner Zeit dort haben ihm mehrere Mandanten das Mandat gekündigt. Eine Kanzleikollegin (die ich vorher leider nicht kannte) erzählte mir, dass man von ihm nichts hält und auch mein vormaliger Chef erlebte ihn dann später vor Gericht und war entsetzt.
Damit wäre ich ganz vorsichtig, denn viele mittlere Kanzleien
haben langjährige Tradition, teilweise über diverse
Generationen und haben den „Reichtum“ über Jahrzehnte auch
ohne krumme Geschäfte aufgebaut. Dann gibt es eben auch die
typischen Anwaltsviertel in den Städten, wo man eben in
Gerichtsnähe in repräsentativen Häusern aus rein praktischen
Gründen eng auf eng sitzt, wie z.B. bei uns hier in Hannover
im Zooviertel.
Ich habe mich hier auf ein Beispiel aus meiner persönlichen Erfahrung bezogen, das ich aber in ähnlicher Form auch von Kolleginnen erzählt bekommen habe. Du solltest vermutlich besser als ich wissen, was manche Anwälte so alles abziehen (selbstverständlich liegt die Betonung auf „manche“). Dieser Punkt ist aber nicht Gegenstand der Diskussion, denn wie ich schon sagte, ich treffe hierzu keine pauschale Aussage.
Und hast du das noch nie beobachtet? Je mehr jemand sein Ansehen mit viel Geld unterstreicht, desto mehr ist derjenige zu hinterfragen. Aber das fällt jetzt schon in den Bereich der Psychologie und ist ein weiteres unendliches Thema.
BTW: Groß ist ein relativer Begriff. Die richtig großen sind
die internationalen Großkanzleien mit hunderten oder sogar
tausenden von Anwälten, die allerdings hautpsächlich im
M&A-Bereich, sowie im Wirtschaftsrecht tätig sind. Dagegen
sind die durchschnittlichen kleinen und mittleren Kanzleien,
mit denen man als Privatmann zu tun bekommt winzig.
Wenn ich „groß“ meine, dann so um die 8 oder 10 Anwälte, da ich von Otto-Normal ausgehe, welcher sicherlich keinen Bedarf an einem international tätigen Kanzleiverbund hat. Selbst
3 RAe halte ich schon für ausreichend.
Grüße
Kris