Es gibt immer noch so viele Bücher zu kaufen, die nach der Rechtschreibreform gedruckt wurden und sich dennoch nicht daran halten. Können die Verlage eigentlich machen, was sie wollen?
MfG
Ernesto
Es gibt immer noch so viele Bücher zu kaufen, die nach der Rechtschreibreform gedruckt wurden und sich dennoch nicht daran halten. Können die Verlage eigentlich machen, was sie wollen?
MfG
Ernesto
Hallo Ernesto,
in der Tat ist es so, dass die Buchverlage machen können, was sie wollen. Das Bundesverfassungsgericht hat klargestellt, dass die Regeln der neuen Rechtschreibung für die „privaten“ Bereiche nicht verbindlich sind.
Natürlich hat jeder Bürger das Recht, in alter Rechtschreibung zu schreiben, sofern er nicht z. B. in einer Behörde arbeitet, die etwas anderes vorschreibt.
Ich finde es schade, dass so viele Leute stur gegen die Rechtschreibreform wettern. Viele verkennen beispielshalber, dass sich an Schulen schon einiges gebessert hat; es gibt kein Schriftchaos, wie manche Gegner der Reform behaupten.
Die FAZ schreibt ebenfalls in alter Rechtschreibung. Dies ist für mich ein Grund, weshalb ich diese Zeitung nicht (oder nur äußerst selten) lese.
Liebe Grüße
Florian
Hallo Ernesto,
genaugenommen schreibt kein Verlag nach allen Regeln der Reformschreibung.
Es gibt immer noch eine einheitliche Rechtschreibung, nämlich die bewährte, und die ist u.a. in der Belletristik vorherrschend. In Fachbüchern und Zeitungen/Zeitschriften wird jeweils eine sogenannte Hausorthografie verwendet, die einige Elemente der NDR aufnimmt, die nach Ansicht des Verlegers schlimmsten Sprachverhunzungen jedoch nicht mitmacht. Diese Hausorthographien sind in vielen Fällen aus zwei Gründen nachher wieder verändert worden. Der eine Grund war Mitleid für die Leser, der andere lag in den Veränderungen, die an der NDR selbst vorgenommen wurden (die nächste große Reform der NDR soll ja schon vor der Tür stehen).
Mit herzlichem Gruß,
Wolfgang Berger
In Fachbüchern und Zeitungen/Zeitschriften wird
jeweils eine sogenannte Hausorthografie verwendet, die einige
Elemente der NDR aufnimmt, die nach Ansicht des Verlegers
schlimmsten Sprachverhunzungen jedoch nicht mitmacht.
Hallo Wolfgang,
letzten Endes ist es jedem Schriftsteller selbst überlassen, nach welchen Regeln er schreibt.
Ich war z. B. sehr erfreut darüber, dass im neuen Buch von Dr. Inge und Prof. Dr. Walter Jens Folgendes steht: „Die Schreibweise entspricht den Regeln der neuen Rechtschreibung.“
Du sprichst in deiner Antwort die so genannten Hausorthographien an. Dass es diese gibt, ist unbestritten; dennoch bin ich anderer Meinung, was diese „Orthographien“ angeht.
Soviel ich weiß, schreiben alle (oder zumindest die überwiegende Mehrzahl) Zeitungen, die sich nicht gegen die Reform „wehren“ und evtl. noch die alte RS anwenden, ausschließlich nach den neuen Regeln. Die Unterschiede in den Schreibweisen der verschiedenen Zeitungen bestehen darin, dass die eine Zeitung andere (korrekte) Schreibweisen präferiert als die andere Zeitung. So schreibt eine Zeitung „Orthografie“, die andere aber „Orthographie“ – beide Schreibweisen sind nach den Regeln der neuen deutschen Rechtschreibung zulässig.
Des Weiteren setzen einige Zeitungen einen Bindestrich, sobald drei Konsonanten zusammentreffen (also Schiff-Fahrt statt Schifffahrt) – hier entsprechen ebenfalls beide Schreibweisen den neuen Regeln.
(Generell verstehe ich aber nicht, weshalb man sich über „fff“, „lll“, „sss“ etc. in der NDR so aufregt. In der [korrekten] alten Rechtschreibung fand man zwar nie die heutzutage oft kritisierte „Schifffahrt“; man fand aber die „Sauerstoffflasche“ …)
Mir ist keine Zeitung bekannt, deren Hausorthographie alte und neue Regeln „mixt“. Außerdem wurden an der NDR seit Einführung keine Änderungen vorgenommen, kleinere (!) stehen (evtl.) bevor.
Liebe Grüße
Florian
Hi,
Es gibt immer noch so viele Bücher zu kaufen, die nach der
Rechtschreibreform gedruckt wurden und sich dennoch nicht
daran halten. Können die Verlage eigentlich machen, was sie
wollen?
natürlich! Sie können auch in anderen Sprachen
verlegen oder sich eine ganz neue Sprache ausdenken die noch keiner bisher kannte.
Deshalb weiß ich auch nicht warum Gras, sorry Grass und Co immer so wettern. Sollen sie doch ihre Bücher in Hindi oder Deutsch von 1901 schreiben oder wie sie wollen. Sie sind völlig frei in Ihrer Wahl, können auch demonstrativ nach alten Regeln schreiben. Kein Problem…
J~
Hallo Ernesto,
bei einigen Verlagen ist man – zum Glück und teilweise – bei den Schriftstellern vorsichtig geworden, die aus biologischen Gründen ihren Senf zur Neuregelung der deutschen Rechtschreibung nicht mehr hinzugeben können. Wenn man Glück hat, gibt es in der Hinterlassenschaft eines Autors Informationen, wie er zu Korrekturen bzw. Anpassungen von fremder Hand steht. Im folgenden Ausschnitt schreibt Theodor Fontane erst am 18. Juli 1887, dann acht Tage später, jeweils aus dem Seebad Rüdersdorf an Friedrich Stephany, der dafür sorgen soll, dass sein „Irrungen, Wirrungen“ in der „Vossischen Zeitung“ erstmals erscheint:
„Sonnabend erhielt ich den Bürstenabzug der ersten 6 Kapitel. Weil ich doch an Sie schreiben wollte, so verzeihen Sie, daß ich die Fahnen beischließe, statt sie direkt an die Setzerei zurückzuschicken. Ich habe eine Passion für alte zerschossene Fahnen, aber daß ich mich an dieser_, in deren Zeichen die Vossin siegt, besonders gefreut hätte, kann ich nicht sagen. Wenn ich das mit den Abzügen vergleiche, die einem von Teubners oder Metzger und Wittig in Leipzig oder aus der Druckerei der ‚Gartenlaube‘ zugehn, so wirken die der Vossin, das Mildeste zu sagen: altmodisch. Eigentlich liegt es viel schlimmer und beleidigt einen geradezu in seiner schriftstellerischen Ehre. Man mutet es einem Schriftsteller nicht mehr zu,_ so mit Steinen gemischte kleine Rosinen auszusuchen. Ich bin eigentlich außer mir. […]
Wenn Sie mit bewährter wohlwollender Gesinnung gegen mich, sich einen Augenblick in meine Lage versetzen, so werden Sie meine Nervosität begreiflich finden. Und das Begreifliche ist nach einem französischen Sprichwort auch immer das Entschuldbare. Denken Sie, daß ich 20mal hintereinander ‚und‘ korrigieren mußte. Natürlich schwankt die Redensart meiner verschiedenen Berliner Figuren, ganz so wie es im Leben ist, zwischen ‚un‘ und ‚und‘, aber so lange die Welt steht, hat noch kein Berliner ‚und‘ gesagt, am wenigstens 20mal. Und doch hätte das noch gehen mögen. Aber dann schreibt Lene einen Brief an Botho und schreibt ‚empfelen‘ und Botho, der sich darüber freut, macht ein Strichelchen an den Rand, und ich meinerseits schreibe als Sicherheitskommissarius an den Rand ‚empfelen‘, ich glaube mit Ausrufungszeichen, und nach all diesen Vorsorglichkeiten steht richtig da ‚empfehlen‘ in furchtbarer Setzerkorrektheit, die hier leider so inkorrekt war wie nur möglich. Denn alle kleinen Betrachtungen Bothos, als er den Brief gelesen hat, drehen sich um dieses falsche ‚h‘ und in einem Schlußkapitel, als er die Briefe verbrennt, kommt er darauf zurück und doch ‚empfehlen‘ statt ‚empfelen‘. Und ähnliches mehrfach, um nicht zu sagen vielfach. Ich werde nun durch ‚Korrekturausbleiben‘ bestraft. Glückt es (was ja möglich ist), so bin ich freilich der Strafe froh.
Ein sicher altmodisches Beispiel und so dogmatisch Fontane hier erscheint, hat er doch Recht. Der Fehler hat einen dramaturgischen Effekt und um es auf die Spitze zu treiben, könnte man fragen, ob man Goethe, Schiller, Lessing oder eben Fontane verstehen kann, wenn man sie nicht liest, wie sie geschrieben wurden. Solange die Originale für genaue Forschung vorliegen, ist es sicher zulässig, leichte Glättungen vorzunehmen und der vorausgegangene Abschnitt soll nur zeigen, wie schwer sich damit bereits Zeitgenossen taten.
Viele Grüße
Christopher
ausschließlich nach den neuen Regeln. Die Unterschiede in den
Naja, die meisten Zeitungsverlage halten sich an die Regel, daß der „S“-Laut nach einem kurzen Vokal dann „ss“ geschrieben werden soll, wenn er nach der bewährten Rechtschreibung als „ss“ oder „ß“ geschrieben werden müßte. Pidgin-Spelling (z.B. „Delfin“) und Schräg-Ethymologie (z.B. „Stängel“) kommt auch ab und zu vor, aber bei der Wortabschaffung durch sinnentstellende Getrenntschreibung kann man eine durchaus unterschiedliche Akzeptanz beobachten, durchaus auch im Zeitverlauf.
Die NDR hat aber einiges in petto, das kein Verlag seinen Lesern zumuten möchte, weil diese z.B. noch nicht genug a-
pathisch sind.
Mit herzlichem Gruß,
Wolfgang Berger
Des Weiteren setzen einige Zeitungen einen Bindestrich, sobald
drei Konsonanten zusammentreffen (also Schiff-Fahrt statt
Schifffahrt) – hier entsprechen ebenfalls beide Schreibweisen
den neuen Regeln.
(Generell verstehe ich aber nicht, weshalb man sich über
„fff“, „lll“, „sss“ etc. in der NDR so aufregt. In der
[korrekten] alten Rechtschreibung fand man zwar nie die
heutzutage oft kritisierte „Schifffahrt“; man fand aber die
„Sauerstoffflasche“ …)Mir ist keine Zeitung bekannt, deren Hausorthographie alte und
neue Regeln „mixt“. Außerdem wurden an der NDR seit Einführung
keine Änderungen vorgenommen, kleinere (!) stehen (evtl.)
bevor.Liebe Grüße
Florian
Gut, es sieht wirklich komisch aus, wenn man das Wort in „a-pathisch“ auftrennt, ebenso wie A-bitur.
Im Grunde finde ich es aber ok – ich betone es schließlich a-pa-thisch, wenn ich über die Silbentrennung nachdenke. Wenn man die Silben in apa-thisch auftrennt, hört es sich doch etwas komisch an.
Wirklich unschön ist der Tee-nager, den es nach der neuen Trennung geben kann. Das ist aber ein Extremfall!
Ansonsten stimme ich der neuen deutschen Rechtschreibung im Großen und Ganzen zu.
Hi,
soweit ich weiss, gibt es keine rechtlich verbindliche Vorschriften, sondern nur eine stillschweigende Übereinkunft, dass die Ansichten des Duden Verlages als „richtig“ definiert werden.
Ich zum Beispiel habe für mich das scharfe „s“ endgültig abgeschafft, und ob ich längere Wörter mit/ohne Bindestrich oder gar zusammen schreibe, entscheide ich individuell je nach Verständlichkeit /Lesbarkeit.
Gruss,
Was sind die Probleme, die Du mit der bewährten Rechtschreibung hast, und die mit der NDR gelöst sind?
Mit herzlichem Gruß,
Wolfgang Berger
Was sind die Probleme, die Du mit der bewährten
Rechtschreibung hast, und die mit der NDR gelöst sind?
Die neue Rechtschreibung hat einige Vereinfachungen gebracht, die (schneller und einfacher) nachvollziehbar sind.
Heute schreibt man im G roßen wie im K leinen (alte Schreibweise: stimmt überein) und im G roßen und G anzen (alte Schreibweise: im g roßen und g anzen) einheitlich.
Man schreibt heute z. B. _ S chlange und K opf stehen, S ki und E is laufen_ (alt: S chlange und k opf stehen, S ki und e is laufen).
Es bringt aber wenig, nun alles M ögliche oder alles Ä hnliche (alt: alles m ögliche, alles Ä hnliche) aufzulisten. Vieles ist schon besser geworden …
Liebe Grüße
Florian
Es bringt aber wenig, nun alles M ögliche oder alles
Ä hnliche (alt: alles m ögliche, alles
Ä hnliche) aufzulisten. Vieles ist schon besser geworden
Ein schönes Beispiel!
Natürlich gibt es nach der bewährten Rechtschreibung sowohl „alles Mögliche“ als auch „alles mögliche“, hat je eine andere Bedeutung. Ich verstehe, daß Du Probleme hast mit solchen Bedeutungsunterschieden, und darum ist Dir mit einer Rückkehr zu Schreibweisen aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts gedient.
Mit herzlichem Gruß,
Wolfgang Berger
Von kopf stehen und eis laufen…
war in der alten Schreibweise nie die Rede, mein Lieber: Das hieß kopfstehen und Eis laufen. Schöne Begründung: kopfstehen zusammen, weil es nichts mit Stehen zu tun hat (wenn nicht gerade die Turnübung gemeint ist) und Eis laufen, weil hier tatsächlich gelaufen wird.
Ich liebe Vereinfachungen.
Gruß Ralf
Hallo Wolfgang,
mit Bedeutungsunterschieden habe ich keine Probleme. Des Weiteren halte ich nichts davon, in solch einem Ton miteinander zu sprechen und sich gegenseitig töricht(e) Dinge vorzuwerfen.
Nicht nur jemand, der „Mit freundlichem Gruß,“ (mit Komma) schreibt, sollte nicht in einer solch despektierlichen und beleidigenden Art und Weise über das semantische, syntaktische, orthographische, grammatische etc. Wissen anderer mutmaßen!
In meinem obigen Satz müsste ich das „Mögliche“ nach alter Rechtschreibung kleinschreiben, da ich eine Relation zum Indefinitpronomen „viel“ empfinde (i. Cdn. zu „allen [gegebenen] Möglichkeiten“). – Man sollte fähig sein, gewisse Bedeutungsunterschiede anhand des Kontexts zu erkennen; dann bedarf es keiner Unterscheidung durch Groß- oder Kleinschreibung.
war in der alten Schreibweise nie die Rede, mein Lieber: Das hieß
kopfstehen und Eis laufen.
Das ist korrekt, Ralf, mein Lieber. Doch sobald man einen Satz (e. c. Präteritum, Aktiv) bildet, erhält man in alter Rechtschreibung exempli gratia Folgendes: „Ich stand kopf und Schlange.“ – Und ich gehe davon aus, du wusstet, was gemeint war. Da scheinbar (oder doch eher: anscheinend?) manche Dinge vorsätzlich falsch verstanden werden, müsste man stets ausschweifend (d. h.: alle Eventualitäten inkludierend) schreiben, damit auch bloß – ich weiß, dass dies ein umgangssprachlicher Ausdruck ist! – nichts „falsch verstanden“ wird.
Eigentlich sollte doch Voraussetzung sein, dass man im Forum keine Malicen macht.
Interessant, dass so mancher Gegner der Reform immer wieder zu derartigen Mitteln greifen. Eigentlich schade …
Liebe Grüße
Florian
Auffem Schlauch…
…steht jeder mal, und dass die Schlange hier zum Stehen gehört, war mir tatsächlich entgangen. Mag daran liegen, dass ich 1962 zum letzten Male in einer solchen stand.
Frage am Rande: Gehören
Relation zum Indefinitpronomen, i. Cdn., e. c. Präteritum, exempli gratia, inkludierend,
Malicen
zu Deinem täglichen Wortschatz oder bist Du nur im falschen Brett gelandet?
Gruß Ralf