Rechtschreibreform

hallo!

Ich hätte eine Frage. Ich hab schon von mehreren Seiten gehört, dass die neuen Rechtschreibregeln schon wieder überholt sind und z.B der neue Duden quasi schon nicht mehr gilt. Ich habe gerade angefangen mir die neuen Regeln anzusehen- sehr widerstrebend muss ich sagen- und mag mir diesen Mist sicher nicht einbleuen (oder einbläuen??), wenn dann erst wieder alles anders ist. Kann mir bei der Gelegenheit wer verraten, wie man jetzt eigentlich gräulich von grausen und gräulich von grau unterscheidet?
Danke und viele Grüsse
Caroline

Hallo, Caroline,

es ist richtig, dass der „Rat für deutsche Sprache“, das ist eine Kommision aus Befürwortern UND Gegnern der Reform, grade dran ist, die am schärfsten kritisierten Punkte der Reform, nämlich Getrennt- und Zusammenschreibung und Groß- und Kleinschreibung und auch sonst noch einiges neu zu überdenken und dann wird vielleicht der dort erzielte Kompromiss ins neue Regelwerk eingebaut.

Nächstes Jahr soll die Arbeit der Kommission fertig sein. Da man also Änderungen zu erwarten hat, sind ja Bayern und NRW aus der Reihe der Bundesländer ausgeschert, die die neue Schreibung ab 1. August verbindlich machten.

Aber ich glaube nicht, dass sich große Veränderungen ergeben werden.

Man darf dann eben „sitzenbleiben“ wieder zusammenschreiben (dies auch!)

Gruß Fritz

hallo!

Danke. Naja, das klingt ja noch recht übersichtlich. Was mir etwas Magenschmerzen bereitet sind die geänderten Schreibweisen von Wörtern. Wie eben z.B. gräulich (ist ja völlig unlogisch; ich würde das ehemalige greulich doch nicht mit grausen in Verbindung bringen sondern mit dem Wort Greuel- okey, auch dazu gibt es ein Verb, aber das heisst ja grauen und nicht grausen, also wieso die greulich von grausen ableiten ist mir schleierhaft…). Also Wortänderungen kann ich lernen ohne dass sie umsonst sind??
Danke
Caro

Hallo, Caro!

Wie eben z.B. gräulich (ist ja völlig unlogisch;

Gar nicht! Ganz und gar nicht. Der Etymologie nach ist „greulich“ unlogisch!

ich würde das ehemalige greulich doch nicht mit grausen in Verbindung bringen sondern mit dem Wort Greuel … heisst ja grauen
und nicht grausen, also wieso die greulich von grausen
ableiten ist mir schleierhaft…)

Dann schau mal in ein Etymologierwörterbuch. Da findest du etwa bei Kluge:

_ grau

Adjektiv Standardwortschatz (9. Jh.), mhd. grA, ahd. grAo Stammwort. Aus g. *grä-wa- Adj. „grau“, auch in anord. grár, ae. gräg, grEg, afr. grE. Außergermanisch ist ähnlich l. rAvus „grau“ (lautlich unklar). Weitere Herkunft unsicher. Verb: (er)grauen; Modifikation: gräulich.
Ebenso nndl. grauw, ne. grey, nschw. gro, nisl. grár.
Schwentner (1915), 76-79;
Röhrich 1 (1991), 580;
Heidermanns (1993), 259. westgermanisch iw

grauen

schwaches Verb Standardwortschatz (11. Jh.), mhd. grUwen, ahd. (in)grUEn „schaudern“ Stammwort. In der Bedeutung vergleichbar ist die dentale Erweiterung in lit. graudùs „rührend, wehmütig“, russ.-kslav. su-grustiti sja „sich grämen“. Semantisch naheliegend ist der Wurzel-Vergleich mit ig. *ghers- „schreckenstarr, erregt sein“ in ai. hárSate „starrt, ist erregt“, l. horrEre „starren, beben“. Es lassen sich dann weiter die Wörter mit der Bedeutung „Spitze“ (gräßlich, Granne) anschließen, indem von den gesträubten Haaren ausgegangen wird. Abstraktum: Grauen; Adjektive: grauenhaft, grauenvoll.

Siehe weiter graulen, grausen, grausam, Greuel, grieseln, gruseln. deutsch iz

graulen

schwaches Verb „sich fürchten“ peripherer Wortschatz reg.regional (14. Jh.), mhd. griuweln, grUweln, griulen, grulen Stammwort. Erweiterung zu grauen. deutsch s. grauen

grausam

Adjektiv Standardwortschatz (13. Jh.), mhd. grUwesam Stammwort. Zu mhd. grUwe „Schauder“, das zu grauen gehört. Abstraktum: Grausamkeit. deutsch s. grauen

grausen

wschwaches Verb Standardwortschatz (10. Jh.), mhd. grUsen, ahd. irgrUwisOn, -grUsOn Stammwort. Erweiterung der unter grauen dargestellten Grundlage. Abstraktum: Grausen, in Phrasen auch Graus; Adjektiv: grausig. deutsch s. grauen

Greuel

Substantiv Maskulinum Standardwortschatz (13. Jh.), mhd. griu(we)l, griule, mndl. gruwel Stammwort. Weiterbildung zu grauen; vielleicht Rückbildung aus dem Verb mhd. grUweln. Hierzu auch greulich.

grieseln

wschwaches Verb „erschauern“ peripherer Wortschatz ndd. (16. Jh.)Stammwort. Dazu Grieselfieber „Schüttelfrost“. Aus mndl. grisen „grausen“ Vst., ae. grIsan Vst. „erschauern“; auch ahd. grIsenlIh „furchtbar, schrecklich“. Ähnlich zu beurteilen wie grausen und grauen und wohl wurzelverwandt mit diesen, aber besser bezeugt.
Ebenso nndl. afgrijzen. deutsch_

Bitte beachte: Mein Kluge hat die Neue Schreibung (noch) nicht. Daher die alte Schreibweise.

Du siehst, dass die alle zusammen hängen. Deshalb ist es bisweilen ganz sinnvoll, sich mit der Etymologie eines zu beschäftigen. Wenn du eine Wortfamilie kennst, kannst du die Schreibung eines Wortes erschließen; das ist ja auch der Grund für manche dieser Änderungen.

Gruß Fritz

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Hallo Fritz!

Danke, das ist ja interessant! Das heisst ich werde ab jetzt mit dem Rechtschreibbuch auf dem einem Knie und dem Ethymologiebuch auf dem anderen Knie die neue Rechtschreibung lernen. Das gibt dem Ganzen natürlich wieder ein ganz anderes Gesicht. Manchmal brauch ich einen Rempler, um von der Leitung zu steigen. A propos Ethymologie: Gibt es Fremdwörterbücher, wo nicht nur die Herkunftssprache drinsteht, sondern auch das Stammwort? Wollte vor ein paar Tagen das Wort Tautologie nachsehen, und fand nur den Hinweis, dass es aus dem Griechischen kommt, aber nicht von welchem Wort. Das heisst, ich wollte es genau wissen und nciht einfach nur die Bedeutung (in medizinischen Wörterbüchern steht das auch drin). Im Ethymologieduden stand es gar nict drin und in meinem Fremdwörterbuch eben bis auf die Bedeutung nichts Genaueres. Im Buchladen gab man mir etwas ratlos die Antwort, dass es sowas nicht gibt. Das kann ich mir nicht vorstellen. Bei amazon fand ich einen einzigen Titel, kennst Du den vielleicht?

http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3426260743/qid…

Sorry, dass ich soviel frag, aber ich hab in Deiner Visitenkarte entdeckt, dass Du Deutschlehrer bist.

Vielen Dank
Caro

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Halloah, Caroline,

sprichst das eigentlich deutsch oder doch englisch? Kärrolain?

Und dann interessiert mich noch, in welche Klasse du gehst. Einfach, um genauer raten zu können.

Danke, das ist ja interessant! Das heisst ich werde ab jetzt
mit dem Rechtschreibbuch auf dem einem Knie und dem
Ethymologiebuch auf dem anderen Knie die neue Rechtschreibung
lernen.

Na, ganz so schlimm wird es nicht werden. Nur bei Wörten, mit denen man Probleme hat, wird man die Etymologie bemühen. Die dann - vielleicht - hilft.

A propos Ethymologie: Gibt es Fremdwörterbücher,
wo nicht nur die Herkunftssprache drinsteht, sondern auch das
Stammwort?

Nun, du hast ja gesehen, wie das beim Kluge aussieht; dort sind die deutschen und germanischen Stammwörter angegeben. Und wenn es Fremdwörter sind, werden selbstverständlich auch die Wörter der fremden Sprache genannt.

Wollte vor ein paar Tagen das Wort Tautologie
nachsehen, und fand nur den Hinweis, dass es aus dem
Griechischen kommt, aber nicht von welchem Wort.

Dazu weiß Kluge:

_ Tautologie Y

Substantiv Femininum „Ausdruck, in dem derselbe Sachverhalt mehrfach bezeichnet ist“ peripherer Wortschatz fachsprachlich (18. Jh.)Entlehnung.
Entlehnt aus l. tautologia, dieses aus gr. tautología, einem Abstraktum auf gr. ía, zu einem Ausdruck, der zusammengezogen ist aus gr. tó autón „dasselbe“ (auto-) und gr. lógos „Ausdruck“ (-logie).
Ebenso nndl. tautologie, ne. tautology, nfrz. tautologie, nschw. tautologi, nnorw. tautologi.
Cottez (1980), 412. lateinisch gr_

Ich denke, du siehst, wie da der Hase läuft.

Im Buchladen gab man mir etwas ratlos die Antwort, dass es sowas nicht gibt.

In den Laden ginge ich nicht wieder. :wink:

http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3426260743/qid…

Das kenn ich nicht. Und ich muss gestehen, dass ich Knaur nicht so recht traue. Aber das ist subjektiv. Der Preis macht das Buch allerdings attraktiv.

Ich arbeite haupsächlich mit dem Kluge:

Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, m. CD-ROM von Friedrich Kluge, Elmar Seebold; ISBN 3110174723 Buch anschauen

Habe aber auch das hier:

Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. Bd. 1: A - L. Bd. 2: M - Z. von Wolfgang Pfeifer (Herausgeber), ISBN 3050006269 Buch anschauen

Die spielen natürlich in einer anderen Preisklasse.

Diese und andere interessante Bücher findest du auf der Bücherliste auf dem Eingangsbrett hier.
Auch in der Linkliste findest du welche zur Etymologie.

Sorry, dass ich soviel frag, aber ich hab in Deiner
Visitenkarte entdeckt, dass Du Deutschlehrer bist.

So? Du hast diesen Makel auch schon entdeckt! Aber frag nur weiter! :wink:

Gruß Fritz

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Ja, der Kluge ist ein viel empfehlenswerteres Etymologie-Wörterbuch als der Etymologie-Duden. Es gibt noch ein gelbes Buch vom dtv-Verlag, das meiner Meinung nach auch nicht schlecht ist.
Konnte mich Langezeit nicht zwischen dem ‚dicken gelben‘ und dem ‚großen blauen‘ entscheiden. Ich glaub, die sind beide in etwa gleich gut. Steht wirklich alles drin, hab ich den Eindruck. Auch schön zum mal drin Schmökern. :smile:))

Gruß,

  • André

hallo!

Meinst Du das?

Bei dtv :
Wahrig-Burfeind, Renate
WAHRIG
Fremdwörterlexikon
Euro 14,00 [D]

Das ist gelb…:smile:

viele Grüsse
Caro

Hallo, Caroline,
ich denke André sprach von diesem:
Etymologisches Wörterbuch des Deutschen
(der „Pfeiffer“)
ISBN 3423325119 Buch anschauen

und
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache
(der „Kluge“)
ISBN 3110174731 Buch anschauen

Gruß
Eckard

Hallo!

So? Du hast diesen Makel auch schon entdeckt! Aber frag nur
weiter! :wink:

*schallend lach* Na so ein Makel ist das ja nun auch nicht.
Wie kommst denn drauf, dass ich mich englisch ausspreche?! Weil momentan die Vorliebe wächst Namen wie Kevin, Jacquelin oder Tabea zu geben? Deshalb bleibe ich trotzdem bei der deutschen Aussprache.
Ich gehe in gar keine Klasse mehr(„ewig her :wink:“), mich hat es bis jetzt nur nicht interessiert in eine Sprache tiefer einzudringen, die ich ohnehin beherrsche(meint man immer). Mein Freund liest ziemlich schwierige Literatur, so kam ich überhaupt erst auf die Idee und find das jetzt voll spannend. Jetzt kann ich tatsächlich nachvollziehen wie man Deutschlehrer werden kann- Mann- in der Schule fand ich das ja voll öd, ausser ich durfte Aufsatz schreiben.
Deine Buchtips samt Linkliste hab ich durchgesehen und der Kluge ist ziemlich sympathisch. Auch Synonymwörterbuch hab ich eines entdeckt, das gut aussieht (Duden überzeugt mich immer weniger und in dem Fall überhaupt nicht). Es wird also eine längere Bestellliste :smile: denn da waren auch noch einige andere dabei.
Du hast mich übrigens davon überzeugt, tatsächlich noch den dritten Buchladen auszuprobieren, wenn die auch so wenig belesen sind, dann muss ich halt mal die Umgebung abklappern- ist zwar lästig, aber wer weiss, was man findet :smile: Vielleicht eine kleine literarische Fundgrube.

Also vielen Dank :smile:
liebe Grüsse
Caroline

Ahja, okey, Danke vielmals. Und den Kluge hab ich schon fast bestellt (morgen)
Danke, tschüß
Caroline

Schön, Eckard,

wenn du dieselben Bücher, die ich bereits empfohlen und genannt habe, noch einmal nennst.
Dann wird der Hinweis ja wohl richtig sein!

Gruß Fritz

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