Rechtschreibreform: The Next Generation ;)

Auf ein neues?
Mal zur Kenntnis ein Artikel von n-tv.de von heute:

Radfahren / Rad fahren
Entscheidung fällt heute

Der Rat für Deutsche Rechtschreibung will heute über einen besonders strittigen Bereich der Rechtschreibreform entscheiden: die Getrenntschreibung. Eine siebenköpfige Arbeitsgruppe hat die Vorlage für die Sitzung in München erarbeitet. Eine völlige Rückkehr zur alten Rechtschreibung gilt als ausgeschlossen. Die neuen Schreibweisen sollen zum 1. August 2005 in Schulen und Behörden verbindlich eingeführt werden.

Die Sprachwissenschaftlerin Kerstin Güthert, Geschäftsführerin der Arbeitsgruppe, sagte in Mannheim, das Ergebnis sei „völlig offen“. Als Beispiele für Streitfälle nannte Güthert heiligsprechen/heilig sprechen, oder Eis laufen/eislaufen. Bei der Rechtschreibreform 1996 sei dies „sehr formal geregelt worden, um das Lernen zu erleichtern“. In vielen Fällen hätten die neuen Regeln jedoch dem Sprachgebrauch widersprochen. Historisch habe es verbindliche Regeln für die Getrennt- und Zusammenschreibung nicht gegeben.

Neben den besonders strittigen Fällen der Getrennt- und Zusammenschreibung will der Rechtschreibrat auch Änderungsvorschläge zur Eindeutschung von Fremdwörtern und der Interpunktion vorlegen. In dem Gremium sitzen Sprachwissenschaftler, Vertreter von Verlagen, Schriftsteller- und Journalistenverbände, Lehrerorganisationen sowie Vertreter des Bundeselternrates.

Ich hoffe es ist kein Problem den Presseartikel so hier zu posten, aber ich denke das passt durchaus zum Thema und so kann man den auch jeder nachverfolgen falls der bei n-tv.de die Tage dann im Archiv versinkt. Wenn es nicht in Ordnung war bitte ich um einen entsprechenden Hinweis und werde das in Zukunft selbstverständlich nicht wieder so machen.

Aber um auch eine Diskussion an zu leiern, was haltet ihr davon?

mfg
Simon

Hallo Simon!

Diese Reform erscheint ebenso (halb)herzig wie die seinerzeitige Schlechtschreibreform, die nun wohl schon sieben Jahre lang für Verunsicherung sorgt.

Das verflicks/x/te siebente Jahr :wink:)

Ein milder Beitrag zur weiteren Verwirrung. Es wird noch so weit kommen, daß auch das Ortogravieh dem freien Wildwuchs überlassen wird, ganz so wie dem Dativ seine Verunglimpfung.

Gruß
Barney

Genau…Rettet dem Dativ.

Dazu das Wort des Tages: unpositiv!
So findet ein Schüler die Rückkehr zur alten Schreibung.
Gesehen und gehört im ZDF heute.

Fritz

Re^2: Reform der Reform :wink:
Hallo,
dabei erinnere ich mich schmunzelnd an diesen Duden-Eintrag: http://www.spiegel.de/img/0,1020,419029,00.jpg

Ich finde es schlimm, dass in Deutschland generell alles reformiert werden muss. Es kommt mir fast vor, als könnte man garnicht mehr ohne.

Dass man nun aber erst alle Kinder auf die tolle Neue Rechtschreibung trimmt, die Eltern sich umgewöhnen und alle völlig verwirrt sind, ändert man jetzt wieder die Hälfte um.
Ich halte es auch für sinnvoll diese Wörter wieder zusammen zuschreiben, aber für Schüler, die nun mit der Neuen Rechtschreibung „groß geworden“ sind ist das doch sicherlich wieder problematisch.

Ich glaube das eigentliche Ziel der Bundesregierung ist die völlige verwirrung jeder nachfolgenden Generation in allen Bereichen! Ein Lob! Ich finde bis jetzt machen die das ganz gut…

Gruß
Stanly

Ein alter Hut
Orwell toppte es doch schon 1949 mit „doppelplusungut“, oder? :smile:

Grüße
Christiane

Hallo,

mit einigen Regelungen der neuen Rechtschreibung kann ich mich ja durchaus noch „anfreunden“, etwa mit „dass“ und „rau“, weil es hierbei ja nur um die Schreibweise eines Wortes geht. Aber was die idiotische neue Getrennt- und Zusammenschreibung betrifft: Die ist nicht nur „überflüssig wie ein Kropf“ - ich ärgere mich jedesmal, wenn ich so Müll lesen muß wie „fertig stellen“, „wieder kommen“, etc., weil es einfach den Sinn einer Aussage verändert und man manchmal erst überlegen muß, wie das denn nun eigtentlich gemeint war. Auch scheinen einige Schreiber (auch Zeitungsredakteure) jetzt anscheinend erst recht nicht mehr zu wissen, wie es denn nun richtig ist und dann lieber prophylaktisch etwas „auseinander schreiben“, was auch nach den neuen Regeln eigentlich „zusammen gehört“. Es stört mich auch beim Lesefluß, denn bei getrenntgeschriebenen Wörtern betont man (oder zumindest ich) automatisch das zweite Wort, das dadurch dann die stärkere Bedeutung bekommt, während man bei der Zusammenschreibung den ersten Teil des zusammengesetzten Wortes betont, weil dieses in der Wortkombination die stärkere Bedeutung hat. Es gehen durch die erzwungene Getrenntschreibung einfach Ausdrucksmöglichkeiten der Schriftsprache verloren, was ich sehr schade finde - was aber vielleicht auch einfach nur symptomatisch ist für den fortschreitenden Verfall (nicht nur) der deutschen Kultur.

Also, wenn wenigstens in diesem einen Punkt wieder zu den alten Regeln zurückgekehrt würde, dann wäre ich ja schon mehr als zufrieden…

Gruß,
Stefan

Ähnlich wie der Ausspruch: „Nicht unübel…“ :smile:

Hi,

Ich finde es schlimm, dass in Deutschland generell alles
reformiert werden muss. Es kommt mir fast vor, als könnte man
garnicht mehr ohne.

Anscheinend will jede Generation mit irgendetwas (wenn auch Unsinnigem) ihre Pißmarke in den Annalen hinterlassen…

Ich halte es auch für sinnvoll diese Wörter wieder zusammen
zuschreiben,

Ja, aber wenn, dann richtig! :wink: Also „zusammenzuschreiben“. Oder wolltest Du tatsächlich zusammen/gemeinsam mit anderen Schreibern jemanden mit Briefen zuschreiben/vollmüllen? :wink:

aber für Schüler, die nun mit der Neuen
Rechtschreibung „groß geworden“ sind ist das doch sicherlich
wieder problematisch.

Ja, mit der Folge, daß jetzt noch weniger Menschen wissen, wie denn nun etwas richtiggeschrieben wird, und daß andere dann gezwungen sind, diesen „Output“ zu rezipieren. :frowning: :wink:

Ich glaube das eigentliche Ziel der Bundesregierung ist die
völlige verwirrung jeder nachfolgenden Generation in allen
Bereichen!

Die Bundesregierung (deren Anagramm übrigens „Unsre Beerdigung“ lautet) hat doch schon längst keine Ziele mehr. Dort sitzen scheinbar nur unfähige, plan- und ziellose, ferngesteuerte Affen, könnte man meinen. Klar, daß die dann auch so einen Müll wie Rechtschreibreform, Hartz IV, Autobahnmaut mit Ausbaupotential zu einem Überwachungssystem für alle Autofahrer etc. abnicken. Es gibt so viele Menschen mit guten Ideen, aber warum müssen ausgerechnet in der Regierung solche Nullen sitzen, könnte man sich da manchmal - der Verzweiflung nahe - fragen… :wink:

Gruß,
Stefan

guten tag, leute

hi, stefan!
herzlichen dank für deinen beitrag, der mir aus der seele gesprochen hat.
besonders dein letzter absatz hat mir gefallen. ist ja so bezeichnend das anagramm!

Die Bundesregierung (deren Anagramm übrigens „Unsre
Beerdigung“ lautet) hat doch schon längst keine Ziele mehr.
Dort sitzen scheinbar nur unfähige, plan- und ziellose,
ferngesteuerte Affen, könnte man meinen. Klar, daß die dann
auch so einen Müll wie Rechtschreibreform, Hartz IV,
Autobahnmaut mit Ausbaupotential zu einem Überwachungssystem
für alle Autofahrer etc. abnicken. Es gibt so viele Menschen
mit guten Ideen, aber warum müssen ausgerechnet in der
Regierung solche Nullen sitzen, könnte man sich da manchmal -
der Verzweiflung nahe - fragen… :wink:

plan- und ziellos sind die affen nicht, denn sie werden tatsächlich (fern)gesteuert! nach über 20jähriger recherche bin ich mehr denn je davon überzeugt, daß in der tat ein plan existiert, die ganze welt in einen diktatorischen überwachungsstaat zu zwingen!

zur rechtschreibreform gibt es von prof. theodor ickler einen sehr interessanten vortrag, in dem er u.a. sagt:

>>Die Kultusminister hatten schon 1996 die Rechtschreibreform in die Schulen
der meisten Bundesländer gedrückt. Die Wiener Absichtserklärung war von den
deutschsprachigen Ländern am 1. Juli 1996 unterzeichnet worden. Schon einen
Tag später lag das neue Wörterbuch von Bertelsmann in den Buchläden, und auch
die ersten umgestellten Schulfibeln waren vorhanden. Dass es sich hier um ein
abgekartetes Spiel handelte, kann man erkennen, wenn man sich die Vorgänge vom
Sommer 1995 in Erinnerung ruft. Damals brachte Minister Zehetmair den bereits
beschlossenen Reformentwurf zu Fall, weil ihm drei Dutzend Neuschreibungen
(von mehreren tausend!) nicht gefielen, und eine bereits gedruckte Auflage des
Duden musste eingestampft werden – wodurch der Dudenverlag an den Rand des
Ruins getrieben wurde. Ein Jahr später wurde die Reform trotz schwerer
Bedenken unterzeichnet, nachdem eine anwesende Amtsperson gesagt
hatte: „Bertelsmann hat schon gedruckt.“
Dass der Angriff auf den Duden – und zwar ein durchaus auch wirtschaftlich
interessierter Angriff – ein Hauptmotiv der Reform war, plauderte der führende
österreichische Reformer Karl Blüml aus: „Das Ziel der Reform waren aber gar
nicht die Neuerungen. Das Ziel war, die Rechtschreibregelung aus der Kompetenz
eines deutschen Privatverlages in die staatliche
Kompetenz zurückzuholen.“ (Standard 31. 1. 1998)
Von dieser Änderung sollte vor allem der Bertelsmannkonzern profitieren, der
auf seiner Internetseite stolz verkündet:
„In der Folge (der Rechtschreibreform) wird Bertelsmann neben Duden der zweite
deutsche Wörterbuchverlag.“
Ich erinnere auch daran, dass der Langenscheidt-Konzern, zu dem Brockhaus und
Duden gehören, zur Zeit in einer schweren Krise steckt und der Brockhaus-:smiley:irektvertrieb bereits an Bertelsmann verkauft werden musste.>Stoiber: „Die Reform ist sicher nicht mein Herzensanliegen. Es zeigt sich
aber auch hier, dass die Leute immer weniger akzeptieren, was oben beschlossen
wird. Und ich möchte vermeiden, dass genau so etwas wie mit der
Rechtschreibreform auch mit dem Euro passiert!“ (Die Presse 5. 3. 1998)>Ähnlich äußerte sich Hans Joachim Meyer, der sächsische Kultusminister, im
Deutschen Bundestag: die Rechtschreibreform sei ein Test für die
Reformfähigkeit der Deutschen überhaupt.