Ich finde es gut, daß die beiden Verlage jetzt zur bewährten Rechtschreibung zurückkehren. Da habe ich wieder mehr Auswahl.
Lassen wir doch einfach den Markt mitentscheiden, was sich durchsetzt – und was als Unfug erkannt wird und verschwindet.
Seit 1999, als viele Verlage auf Neuschrieb umstellten, habe ich meine Kaufentscheidungen, wenn möglich, an der Rechtschreibung festgemacht: nur unbedingt Nötiges in Neuschrieb, ansonsten (Belletristik usw.) nur in klassischer Rechtschreibung.
Die Verlage und auch die Fernsehsender (Videotext z. B.) können nun viel besser selbst steuern, wie sie sich geben und welche Zielgruppen sie eher bedienen wollen. Das zeigt sich dann über kurz oder lang in den Verkaufszahlen und Einschaltquoten. Ist etwas dagegen zu sagen?
Jedenfalls dürfte das Regularium des Marktes weit wirkungsvoller sein als politisches Gezänk, und Fachfragen wurden bei der Durchpeitschung sowieso von vornherein ignoriert.
Zur Erinnerung: das Demokratieverständnis der SPD zeigte sich unter anderem darin, daß ein Volksentscheid (!), der mit Mehrheit gegen den Neuschrieb ausging, in Schleswig-Holstein „aufgehoben“ wurde.
Daß jetzt Geld bei der Entscheidungsfindung mithilft, gut!
Was nicht gefällt, bleibt liegen.
Wenn sich Neuschrieb doch besser verkauft, setzt er sich durch. Wenn nicht – weg mit Schaden.
Geht es noch volksnäher?
Das Argument von der Verwirrung der armen, armen Schüler ist nicht stichhaltig von Leuten, die sich demokratisch geben. Soll die Minderheit von Schülern die Mehrheit der Erwachsenen dominieren?
Lernen müssen sie so oder so, und es ist vielleicht gar nicht verkehr, wenn sie tätig beim Ausbessern der jetzigen Schulbücher mithelfen (warum Neukauf?) und sich dann sogar ein eigenes Urteil über die Varianten bilden können.
Die Argumente, die den Reformgegnern mit Hohn entgegengehalten wurden (vor allem „Kostenneutralität“), gelten doch mit Sicherheit auch in der Gegenrichtung:
auch jetzt müssen Drucksachen, Vordrucke, Schulbücher usw. regelmäßig ausgetauscht werden – nicht anders als vor fünf Jahren.
Auch die Verlage, die damals nach den dicken Brocken schnappten, sollten jetzt kein Mitleid verlangen. Wenn sie sich übernommen haben, war das ihr unternehmerisches Risiko und ihre unternehmerische Entscheidung.
Eine Rücknahme der „Reform“ bringt ihnen sogar neue Absatzmöglichkeiten.
Insgesamt bin ich daher froh über die Entscheidung von Spiegel und Bild.
