Rechtschreibung, die Dritte?

http://onnachrichten.t-online.de/c/86/07/83/8607830…

am 1. August gibts mal wieder eine Rechtschreibreform.

Ich bin ja vielleicht etwas voreingenommen, weil ich das Chaos der letzten Reform sehr deutlich mitgekriegt habe, aber was mich wirklich interessiert ist: Warum soll eine weitere Umstellung, oder ein halbherziges Teilzurückdrehen auf den Stand von vor zehn Jahren weniger Chaos geben?

Es sind ja schliesslich für sehr viele Menschen neue Regeln.
Für einige Menschen teilweise neu, teilweise alte Regeln.

Also *jeder* muss bei dieser Reform sich umgewöhnen und sich wieder neuen Regeln anpassen.

Nochmal: warum wird dieses Mal weniger Chaos erwartet, als das letzte Mal? Gewöhnen wir uns langsam an einen Dauerreformprozess?

Nick

Hi,

am 1. August gibts mal wieder eine Rechtschreibreform.

sorry, aber ich kann das (unterschwellige) Gejammer nicht mehr hören. Sprache unterliegt einen STÄNDIGEN Wandel. Aber in Deutschland ist ja jede Veränderung gleich eine „Reform“ die an die große Glocke gehängt werden muss (und die BILD verteilt wieder Anti-RSR-Aufkleber); dabei ist das Alltagsgeschehen.
Eigentlich gibt’s nur eine einzige Reform. Und zwar eine fortwährende…

Viele Grüße und bitte nicht persönlich nehmen,
J~

Hi,

am 1. August gibts mal wieder eine Rechtschreibreform.

sorry, aber ich kann das (unterschwellige) Gejammer nicht mehr
hören. Sprache unterliegt einen STÄNDIGEN Wandel. Aber in
Deutschland ist ja jede Veränderung gleich eine „Reform“ die
an die große Glocke gehängt werden muss (und die BILD verteilt
wieder Anti-RSR-Aufkleber); dabei ist das Alltagsgeschehen.
Eigentlich gibt’s nur eine einzige Reform. Und zwar eine
fortwährende…

Genau das befürchte ich auch.

Das Problem ist nicht die Reform an sich, auch nicht, dass sie sich zur Dauerreform entwickelt, sondern die Folge daraus, nämlich dass man mit einmal Gelernten in zehn Jahren ganz miserable Diktat-Ergebnisse haben wird, obwohl man heute ein Musterschüler ist.

Wenn ich in Mathematik heute das Einmaleins lerne, dann kann ich mich nicht nur in zehn, da kann ich mich in hundert oder tausend Jahren (ok, falls die Medizin noch ganz extreme Fortschritte macht) prüfen lassen, und würde genau die gleichen Noten kriegen. Weil nämlich das Einmaleins in tausend Jahren noch gültig ist. Warum also andauernd die Schreibregeln reformieren???

Deine Antwort hat zwar mit meiner Frage, obs wieder Chaos geben wird, nichts zu tun, aber sie beantwortet sie trotzdem schon teilweise. Deine sehr gereizte Reaktion kündigt wohl an, dass es auch bei der nächsten Reform wieder Chaos und Streit geben wird.

Schade. Es gäbe weit Wichtigeres.

Nick

Hi,

Genau das befürchte ich auch.

da gibt’s nichts zu beführchten. Veränderungen sind der Normalzustand :smile:)

Das Problem ist nicht die Reform an sich, auch nicht, dass sie
sich zur Dauerreform entwickelt, sondern die Folge daraus,
nämlich dass man mit einmal Gelernten in zehn Jahren ganz
miserable Diktat-Ergebnisse haben wird,

Aha, wir kommen der Sache näher :wink:
Wenn ich zu dir sage, „Ey Digger, mach 'ma nich so’ne Welle wegen dat Reform“ ist das auch RICHTIG denn ich als Benutzer bestimme was Sprache ist. Nicht Frau Düden… So it dat wohl!
Das ist eben MEINE Sprache. Ist die „falscher“ als deine? Wer legt das fest? Gesetze…??

Wenn ich in Mathematik heute das Einmaleins lerne,

Naja, das Alfabet ist ja schon lange gleich geblieben. Du kannst nicht Grundlagen hier mit dortigem Puls der Zeit vergleichen. Auch Mathe verändert sich.

Deine sehr gereizte Reaktion

Achwas :smile: ich verstehe nur nicht, warum so viele immer Glauben, das alles wäre hoch illegal. Was Sprache ist bestimmen immer noch die Anwender selbst. Alles andere (Schreibregeln, Düden, …) kann immer nur ein ABBILD der Realität sein. Henne-Ei, du verstehtst? :smile:

kündigt wohl an,
dass es auch bei der nächsten Reform wieder Chaos und Streit
geben wird.

OK, dann schleife ich schon mal die Messer :wink:

Grüße,
J~

Hi,

am 1. August gibts mal wieder eine Rechtschreibreform.

sorry, aber ich kann das (unterschwellige) Gejammer nicht mehr
hören. Sprache unterliegt einen STÄNDIGEN Wandel. Aber in
Deutschland ist ja jede Veränderung gleich eine „Reform“ die
an die große Glocke gehängt werden muss (und die BILD verteilt
wieder Anti-RSR-Aufkleber); dabei ist das Alltagsgeschehen.
Eigentlich gibt’s nur eine einzige Reform. Und zwar eine
fortwährende…

Genau das befürchte ich auch.

Das Problem ist nicht die Reform an sich, auch nicht, dass sie
sich zur Dauerreform entwickelt, sondern die Folge daraus,
nämlich dass man mit einmal Gelernten in zehn Jahren ganz
miserable Diktat-Ergebnisse haben wird, obwohl man heute ein
Musterschüler ist.

Die erste Reform war unglücklich und vorschnell, erst jetzt scheinen sie zu merken, dass viele Punkte vorschnell eingefügt waren. Wir haben eben einfach das „Pech“ (aber ehrlich gesagt, mich stört das nicht; und sonst regt sich auch niemand auf über Leute, die noch die gute alte Rechtschreibung verwenden), uns in der Übergangsphase zu befinden.
Ich frage mich, ob es damals auch so viel Tumult und Zänkerei gab, als man die Fremdwörter auf „-iren“ plötzlich mit „ie“ schrieb und viele Wörter mit „th“ nunmehr nur noch mit „t“ schrieb. Thiere sollten lieber frey als isolirt leben. (oder so)

Wenn ich in Mathematik heute das Einmaleins lerne, dann kann
ich mich nicht nur in zehn, da kann ich mich in hundert oder
tausend Jahren (ok, falls die Medizin noch ganz extreme
Fortschritte macht) prüfen lassen, und würde genau die
gleichen Noten kriegen. Weil nämlich das Einmaleins in tausend
Jahren noch gültig ist. Warum also andauernd die Schreibregeln
reformieren???

Stell dir vor, man würde die Rechtschreibung nie reformieren. Dann wär’s so wie im Englischen, Irischen, Französischen, Tibetischen oder Birmanischen — die Aussprache würde total vom Geschriebenen abweichen und es wäre irgendwann *wirklich* schwer, die Sprache zu lernen. Während Irisch, Französisch, Tibetisch und Birmanisch aber noch Regeln mit relativ wenigen Ausnahmen haben (trotzdem ist es eine Tortur, Tiebtisch zu lesen; man schreibt „brgyad“ aber spricht „tchä“), sieht’s bei Englisch anders aus. Nicht umsonst gibt es in den USA ständig irgendwelche Spelling Contests… sieht man manchmal in Filmen; ich hab mich früher immer gewundert, warum wir sowas hier nicht haben.

Deine Antwort hat zwar mit meiner Frage, obs wieder Chaos
geben wird, nichts zu tun, aber sie beantwortet sie trotzdem
schon teilweise. Deine sehr gereizte Reaktion kündigt wohl an,
dass es auch bei der nächsten Reform wieder Chaos und Streit
geben wird.

Er ist es nicht, der gereizt reagiert… es sind die Leute, die ewig ankommen mit Beschwerden über die Rechtschreibung, sich aber selbst wenig bis gar nicht mit Sprachplanung und deutscher Orthographie bzw. Phonologie auseinandersetzen (allerdings trifft das teilweise auch auf die Reformer selbst zu). Am Anfang waren’s noch interessante Debatten, die zum Nachdenken anregten… inzwischen sind’s ja wirklich nur noch undurchdachte Kommentare von Konservativen, die einfach nur ihre alte RS wiederhaben wollen, weil sie keine Lust oder Zeit haben, sich anzupassen.

Schade. Es gäbe weit Wichtigeres.

Amen,

  • André

Hallo André und andre,

Ich frage mich, ob es damals auch so viel Tumult und Zänkerei
gab, als man die Fremdwörter auf „-iren“ plötzlich mit „ie“
schrieb und viele Wörter mit „th“ nunmehr nur noch mit „t“
schrieb. Thiere sollten lieber frey als isolirt leben.
(oder so)

Vielleicht hat wirklich nur der Kaiser protestiert, weil er sich das „h“ von seinem THron nicht nehmen lassen wollte.
Besonders lustig finde ich die Leserbriefe in der FAZ, dem Zentralorgan der ANTIsten. Die verwenden die gleichen Adjektive für die alte Rechtschreibung wie seinerzeit die Anhänger des Le Fèbre (oder wie der hieß) für ihre „bewährte“, „tradierte“, „überkommene“ Liturgie.
Schöne Grüße!
H.

Hi!

Wenn ich zu dir sage, „Ey Digger, mach 'ma nich so’ne Welle
wegen dat Reform“ ist das auch RICHTIG denn ich als Benutzer
bestimme was Sprache ist. Nicht Frau Düden… So it dat wohl!
Das ist eben MEINE Sprache. Ist die „falscher“ als deine? Wer
legt das fest? Gesetze…??

Schreib in dem Stil eine Bewerbung um einen Arbeitsplatz - wie groß sind deine Chancen?

Anschreiben und Lebenslauf durchsetzt mit Rechtschreib- und Grammatikfehler = sofort aussortiert. Da greift ein Gesetz. Knallhart.

Grüße
Heinrich

Hi,

Schreib in dem Stil eine Bewerbung um einen Arbeitsplatz - wie
groß sind deine Chancen?

Du hast schon gemerkt, dass das ein Extrembeispiel war, oder? :wink:

Wird meine Bewerbung auch aussortiert, weil ich „daß“ schreibe? Oder gar weil ich „dass“ verwende? Mit wenigen Ausnahmen sicher nicht. Das eine wird zwar in der Schule gelehrt, aber das Andere ist in der Bevölkerung noch weit verbreitet.

Viele Grüße,
J~