Hi,
am 1. August gibts mal wieder eine Rechtschreibreform.
sorry, aber ich kann das (unterschwellige) Gejammer nicht mehr
hören. Sprache unterliegt einen STÄNDIGEN Wandel. Aber in
Deutschland ist ja jede Veränderung gleich eine „Reform“ die
an die große Glocke gehängt werden muss (und die BILD verteilt
wieder Anti-RSR-Aufkleber); dabei ist das Alltagsgeschehen.
Eigentlich gibt’s nur eine einzige Reform. Und zwar eine
fortwährende…
Genau das befürchte ich auch.
Das Problem ist nicht die Reform an sich, auch nicht, dass sie
sich zur Dauerreform entwickelt, sondern die Folge daraus,
nämlich dass man mit einmal Gelernten in zehn Jahren ganz
miserable Diktat-Ergebnisse haben wird, obwohl man heute ein
Musterschüler ist.
Die erste Reform war unglücklich und vorschnell, erst jetzt scheinen sie zu merken, dass viele Punkte vorschnell eingefügt waren. Wir haben eben einfach das „Pech“ (aber ehrlich gesagt, mich stört das nicht; und sonst regt sich auch niemand auf über Leute, die noch die gute alte Rechtschreibung verwenden), uns in der Übergangsphase zu befinden.
Ich frage mich, ob es damals auch so viel Tumult und Zänkerei gab, als man die Fremdwörter auf „-iren“ plötzlich mit „ie“ schrieb und viele Wörter mit „th“ nunmehr nur noch mit „t“ schrieb. Thiere sollten lieber frey als isolirt leben. (oder so)
Wenn ich in Mathematik heute das Einmaleins lerne, dann kann
ich mich nicht nur in zehn, da kann ich mich in hundert oder
tausend Jahren (ok, falls die Medizin noch ganz extreme
Fortschritte macht) prüfen lassen, und würde genau die
gleichen Noten kriegen. Weil nämlich das Einmaleins in tausend
Jahren noch gültig ist. Warum also andauernd die Schreibregeln
reformieren???
Stell dir vor, man würde die Rechtschreibung nie reformieren. Dann wär’s so wie im Englischen, Irischen, Französischen, Tibetischen oder Birmanischen — die Aussprache würde total vom Geschriebenen abweichen und es wäre irgendwann *wirklich* schwer, die Sprache zu lernen. Während Irisch, Französisch, Tibetisch und Birmanisch aber noch Regeln mit relativ wenigen Ausnahmen haben (trotzdem ist es eine Tortur, Tiebtisch zu lesen; man schreibt „brgyad“ aber spricht „tchä“), sieht’s bei Englisch anders aus. Nicht umsonst gibt es in den USA ständig irgendwelche Spelling Contests… sieht man manchmal in Filmen; ich hab mich früher immer gewundert, warum wir sowas hier nicht haben.
Deine Antwort hat zwar mit meiner Frage, obs wieder Chaos
geben wird, nichts zu tun, aber sie beantwortet sie trotzdem
schon teilweise. Deine sehr gereizte Reaktion kündigt wohl an,
dass es auch bei der nächsten Reform wieder Chaos und Streit
geben wird.
Er ist es nicht, der gereizt reagiert… es sind die Leute, die ewig ankommen mit Beschwerden über die Rechtschreibung, sich aber selbst wenig bis gar nicht mit Sprachplanung und deutscher Orthographie bzw. Phonologie auseinandersetzen (allerdings trifft das teilweise auch auf die Reformer selbst zu). Am Anfang waren’s noch interessante Debatten, die zum Nachdenken anregten… inzwischen sind’s ja wirklich nur noch undurchdachte Kommentare von Konservativen, die einfach nur ihre alte RS wiederhaben wollen, weil sie keine Lust oder Zeit haben, sich anzupassen.
Schade. Es gäbe weit Wichtigeres.
Amen,