Rechtsradikalismus

Liebe/-r wer-weiss-was Experte/-in,

ich bin 44 j. alt und studiere bachelor of education in landau.
zur zeit schreibe eine hausarbeit darüber, wie man rechtsradikalismus im klassenzimmer (grundschule) begegnen sollte und brauche konkrete hinweise darüber, wie ich einem kind, das zu hause rechtsradikale sprüche hört, klarmachen kann, dass seine eltern sich irren?
hast du eine idee?
lieben dank,
anja chand

Liebe Anja

Es ist immer schwer damit umzugehen, da das Kind ja immer noch einen Großteil seiner Tageszeit bei seinen Eltern verbringt und diese daher einen sehr großen Einfluss auf ihr Kind ausüben.
Je nach Alter leben diese Kinder in einer Art Parallelwelt, da sie seit ihrer Geburt entweder praktisch in der Vergangenheit erzogen wurden (Geschichtsverfälschung durch die Eltern), oder ihnen gelernt wurde sich von ‚anderen‘ abzugrenzen.
Das wichtigste ist erst einmal Integration in eine Gruppe, das müssen nicht zwingend ausländische Kinder sein, die Herkunft ist egal, solange sie sich nicht aggressiv mit ihm auseinandersetzen.
Ein weiteres wichtiges Mittel ist Musik, auch, wenn dieser Schritt wieder in Richtung Gehirnwäsche geht, man muss für sich entscheiden ob man dieses Mittel anwendet. Eine CD mit einer Mischung aus Liedern die das Kind mag und einem rechtsradikalen Lied führt Jugendliche in die Naziszene, warum nicht das ganze umgekehrt versuchen?
Dem Kind erklären, dass seine Eltern falsch liegen würde nichts bringen, da diese, wie gesagt, einen viel größeren Einfluss haben, es muss von selbst darauf kommen, dass seine Gedanken nicht richtig sind.
Die wahrscheinlich wirksamste Methode wäre es, das Kind von jemanden betreuen zu lassen, der ihm beibringt, Dinge zu hinterfragen.
Aufklärung und eigenständiges Denken sind auch heute noch Feinde von totalitärem Gedankengut.

Kurz zusammengefasst: Integration, beibringen eigenständig zu Denken und weiterführung dessen in der Freizeit durch Texte oder Musik.

Hilft all das nicht, weil die Eltern zu stark sind ist der letzte Schritt der Gang zum Jugendamt (auch, wenn ich persönlich gegen diese Maßnahme bin)

Entschuldigen sie die späte Antwort, ich hoffe ich konnte helfen.

MfG Lukas Feichtinger

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lieber psyman,
vielen dank für die (leider zu spät eintreffende antwort)
ich habe mir überlegt, dass zu früheren zeiten kritiker ihre herrscher in fabeltiere „verwandelten“, um einer strafverfolgung zu entgehen.
diesen trick hab auch ich mir zu nutzen gemacht, bzw, würde ihn gern verwenden.
was halten sie davon?
auszug meiner hausarbeit:

Wie kann ich einem Kind sagen, dass das Verhalten, das seine Eltern an den Tag legen, ein schlechtes ist, ohne in einen Konflikt zu kommen? Ich persönlich würde den Kindern, die ja nicht älter als 11 Jahre alt sind, eine Fabel erzählen: Zum Beispiel über eine Fuchsfamilie, die im Wald lebt. Der Vater entdeckt bei der Jagd einen fremden Fuchs, der keinen Schwanz hat. Weil er so etwas noch nie gesehen hat, warnt er seine Kinder vor dem fremden Fuchs. Er schimpft auch, weil dieser in seinem Revier jagt und behauptet, der Fuchs sei wahrscheinlich gar kein richtiger Fuchs, zumindest sei er natürlich weniger wert als sie selbst mit Schwanz. Eines Tages kommt die Familie in eine Situation, in dieser Fuchs ihnen behilflich ist und sich so als nützlich und freundlich erweist. Nun würde ich die Kinder fragen, ob der Vater Recht hatte, als er die Kinder gewarnt und über den Fuchs geschimpft hat? Die kleineren Kinder hätten mit solch einem Perspektivwechsel vielleicht Schwierigkeiten, würden mir aber letztendlich sicher beipflichten, dass der Vater nicht in schlechter Absicht, sondern lediglich aus Angst gehandelt hat, weil der fremde Fuchs anders war, als die Füchse, die er kannte - dass er sich aber geirrt habe, denn auch Erwachsene können sich manchmal irren. Ich würde sie auch fragen, ob es möglich ist, dass Tiere, die sich völlig ähnlich sehen, sich gegenseitig Böses antun können, oder ob das Schlechte immer nur von denen kommt, die anders aussehen.

ich bin gespannt auf ihre antwort.
darf ich noch fragen, inwiefern sie sich mit dem thema auseinandersetzen? beruflich?

vielen dank und herzlichen gruß,
anja chand

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Liebe Anja,
entsculdige die späte Antwort.
Deine Anfrage ist nicht leicht zu beantworten. Vermutlich geht die Grundschule bis zur 4. Klasse (hier bis zur 6.), d.h. die Kinder sind maximal 10 Jahre alt. Falls die Eltern „richtige“, d.h. geschulte und/oder überzeugte Nazis sind und diese Ideologie auch früh an ihre Kinder weiter gegeben haben, wird es wohl schwer. Eltern sind in diesem Alter ja doch meist eine oder DIE Autorität schlechthin - wie will man das in Frage stellen? Andererseits sind die Lehrer meist die zweitwichtigste Autorität oder auch die Freundesgruppe wird zunehmend wichtiger. Meine Ideen daher: Erfahrungen machen, die evtl. die „Sprüche“ und Überzeugungen widerlegen. Gruppenarbeit zum Thema Asylbewerber (regionale und überregionale Statistiken, Besuch organisieren - auch mit Kindern von Asylbewerbern, Rechte und Pflichten), Oder Auseinandersetzung mit Themen wie Toleranz, Deutschsein, Gucken wie Deutschland wäre, wenn alle Ausländer wirklich raus wären - bzw. wie Landau wäre oder der Stadtteil oder die Schule oder noch kleinteiliger… Soviel zur Theorie und ihren Ideen, davon gibt es vermutlich noch eine Menge.
Auf diesen „Umwegen“ kann man betroffene Kinder sicher eher beeinflussen und erreichen, als über die direkte Konfrontation mit der (irrigen) Meinung der Eltern. Sicher wäre es auch gut, die anderen Eltern miteinzubeziehen! Zum einen ist es gut und wichtig zu wissen, was sich in manchen Elternhäusern abspielt, in denen auch das eigene Kind zu Besuch sein könnte, zum anderen haben Eltern auf Eltern nochmal einen ganz anderen Einfluss.
Und ansonsten alle Aktionen an der Schule, im Gemeinwesen, in der STadt stärken und initiieren, die hilfreich sein können. Trommelkurse, Kuchenbasar für soundso, Konzerte, Malwettbewerbe, Ausflüge, Wandzeitungen… und einen langen Atem haben sowie ein kritisches und engagiertes Lehrerkollegium!
Soweit?
Viel Erfolg und herzliche Grüße,
alexandra

vielen dank, alexandra,
über diese Initiativen habe ich natürlich auch geschrieben, das wollte ich Ihnen zu lesen aber nicht zumuten:smile:
es ging mir nur darum, kindern ein schlechtes gefühl zu nehmen, wenn sie nun im gegensatz stehen zu den Ánsichten ihrer Eltern, oder verzweifelt diese verteidigen, obwohl sie eigentlich selbst gern anders denken wollen.
herzlichen gruß,
anja chand
Ich werde es in jedem Falle mal ausprobieren.

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Hallo Anja,
ich kann bei dem Thema Rechtsradikalismus nur in Grenzen
antworten da ich hier auf keiner Seite der jeweiligen Partei stehe.
Ich könnte dir nur Raten das du ganz aus deinem Bauchgefühl entscheidest!
Viele liebe Grüße