Rechtsverständnis in den USA

Hallo!

Neulich war bei einer amerikanischen Krimiserie (C.S.I., Bones, keine Ahnung…) sinngemäss folgendes zu hören:
„Wenn ein Einbruch verübt wird u beim Einbruch wird jemand durch einen Einbrecher getötet, werden alle am einbruch beteiligten wegen Mordes angeklagt u verurteilt.“

Dazu habich zwei Fragen:

  1. Ist die Rechtslage in den USA wirklich so?
  2. Ist die Rechtslage in Deutschland ähnlich oder gar gleich?

Gruss

Mutschy

Beide Male ja, das nennt sich Mittäterschaft. Mittäter sind gemäß § 25 Abs. 2 StGB Täter, die eine Tat gemeinschaftlich begehen. Der Mittäter muss sich, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen, den Tatbeitrag des Haupttäters zurechnen lassen.

Der nach § 15 StGB erforderliche Vorsatz wird allerdings nicht nach § 25 II StGB zugerechnet. Zudem muss die Tötung dem Tatplan entsprechen. Die korrekte Antwort auf die gestellte Frage lautet daher wie so oft: Es kommt drauf an. Man kann nicht sagen, dass, wenn bei einem Einbruch jemand zu Tode kommt, alle Einbrecher zwingend eines vorsätzlichen Tötungsdelikts schuldig sind. Erforderlich ist vielmehr, dass mit der Möglichkeit gerechnet und sie mind. billigend in Kauf genommen wurde und dass man verabredet hat, notfalls auch jemanden zu töten.

Hallo!

  1. Keine Ahnung, gut möglich.
  2. Nein. Mittäterschaft setzt nicht nur voraus, dass alle gemeinsam einen Tatbeitrag leisten, sondern vor allem auch, dass dies aufgrund eines gemeinsamen Tatplans geschieht. Wenn alle den Vorsatz haben, irgendwo einzubrechen, und plötzlich erschiesst einer der Täter jemanden, dann hat auch nur der, der geschossen hat, einen Tötungsvorsatz und kann entsprechend bestraft werden. Die anderen hatten den Vorsatz nicht, sind also auch nicht entsprechend zu bestrafen.

Anders kann es aussehen, wenn die eventuelle Tötung von allen Beteiligten vorher für möglich und hinnehmbar gehalten wird.

Menno…
… jetzt postest Du schon wieder, während ich noch überlege, was ich schreiben soll. Das sieht ja wieder mal so aus, als hätte ich von Dir abgeschrieben.

Das sieht ja wieder mal so aus, als
hätte ich von Dir abgeschrieben.

Ja, das sehe ich auch als erwiesen an, weil verbleibenden Zweifeln Schweigen geboten ist. :wink:

Hallo,

in den USA herrscht ein anderes Rechtsverständnis bzw. es gibt andere Begrifflichkeiten. „Murder“ umfasst mehr als das, was bei uns unter Mord läuft. „Murder“ ist quasi Mord und Totschlag in einem.

Unterschieden wird in first degree, second degree und je nach Bundesstaat auch noch thrid degree murder. In der am weitesten verbreiteten Variante fällt unter first degree als der schärfsten Stufe jede vorsätzliche Tötung, besondere „Mordmerkmale“, wie nach unserer Rechtsauffassung, sind nicht vorhanden. Der second degree schwebt im Vergleich irgendwo zwischen Totschlag und fahrlässiger Tötung.

Das zur Einstufung, ob jemand „Mörder“ ist oder nicht.

Die Geschichte auf die du ansprichst, ist die so genannte Felony murder rule. Die wirkt in zwei Richtungen: Einerseits wird jede (auch die fahrlässige) Tötung einer vorsätzlichen gleich gestellt, wenn sie im Zusammenhang mit einer vorsätzlichen anderen Straftag begangen wird - also der (vorsätzliche) Einbrecher, der fahrlässig einen Menschen dabei tötet, wird damit zum first degree murder. Andererseits gilt, dass auch der vorsätzliche Mittäter des Einbruchs damit zum vorsätzlichen Mittäter eines first degree murder wird, obwohl er die Tötung weder begangen noch beabsichtigt hat.

Das wird so aber nicht in allen Bundesstaaten praktiziert.

http://en.wikipedia.org/wiki/Felony_murder_rule (auf Englisch)

LG Petra

Ergänzung
Vorsichtshalber noch einmal daran erinnert:

murder = die Tat
murderer = der Täter