'Reconquista' auf auf Sizilien?

Hallo und Guten Tag,

bekanntlich haben im Mittelalter die Araber nicht nur auf der iberischen Halbinsel (dem Gebiet des heutigen Portugal und Spanien) geherrscht, sondern auch auf der italienischen Insel Sizilien. Und auch Sizilien wurde schließlich wieder „rekatholisiert“.

Gab es auf Sizilien einen der Reconquista ähnlichen Vorgang oder kann man das nicht vergleichen?

Vielen Dank im Voraus für Antworten,

Jasper.

Die Eroberer waren in diesem Fall die Normannen im 11. Jahrhundert. Zwar floh zu diesem Anlass ein kleiner Teil der muslimischen Bevölkerung, doch eigentlich installierten die Normannen vor allem eine eigene Herrschaftsschicht, ohne die Bevölkerung zu durchdringen. Sie betrieben jedoch eine massive Christianisierung, die bis 1200 weitgehend abgeschlossen war. Allerdings siedelte noch Barbarossa geschlossene muslimische Volksgruppen nach Oberitalien um. Ich denke mal, dass kurz danach die letzten Moslems in Sizilien verschwanden.

Allerdings siedelte noch Barbarossa geschlossene muslimische
Volksgruppen nach Oberitalien um.

Kann nicht sein, Barbarossa hatte mit Sizilien nichts zu schaffen. Das verwechselst Du mit Friedrich II., und die Umsiedlung geschah nach Apulien, insbesondere Lucera.

Kann nicht sein, Barbarossa hatte mit Sizilien nichts zu
schaffen. Das verwechselst Du mit Friedrich II., und die
Umsiedlung geschah nach Apulien, insbesondere Lucera.

Ups, stimmt. Sorry.

Hallo Volker und Armin (danke für eure Antworten),

das heisst also, es siedelten Muslime auf dem italienischen Festland? Und wurden geduldet? Wie lange? Wurden die dann irgendwann wieder vertrieben? Oder zum Christentum gezwungen?

Gruß Jasper.

Kann nicht sein, Barbarossa hatte mit Sizilien nichts zu
schaffen. Das verwechselst Du mit Friedrich II., und die
Umsiedlung geschah nach Apulien, insbesondere Lucera.

Ups, stimmt. Sorry.

Kein Anrecht auf ‚Rückeroberung‘

Hallo, Jasper

Du setzt ‚Reconquista‘ (= Rückeroberung) der islamischen iberischen Halbinsel
durch Christen mit Recht in Anführungszeichen, kann man doch nach einer
Herrschaft von fast fünfhundert Jahren nicht mehr von einer ‚Rückeroberung‘
sprechen …

Auch die ‚Reconquista‘ Siziliens durch die ‚christichen‘ Normannen unterstellt
dieses vermeintliche ‚Anrecht‘ auf ‚Rückeroberung‘; immerhin wurde dort die
arabische Verwaltung beibehalten …

Ich erwähnen dies, weil Israel die Besetzung Palästinas sogar nach zweitausend
Jahren als (berechtigte) ‚Rückeroberung‘ sieht …

Gruss
Adam

Hi!

Auch die ‚Reconquista‘ Siziliens durch die ‚christichen‘
Normannen unterstellt
dieses vermeintliche ‚Anrecht‘ auf ‚Rückeroberung‘; immerhin
wurde dort die
arabische Verwaltung beibehalten …

Es gibt ein „Anrecht auf Rückeroberung“ ???

Grüße
Heinrich

Hallo Volker und Armin (danke für eure Antworten),

das heisst also, es siedelten Muslime auf dem italienischen
Festland? Und wurden geduldet? Wie lange? Wurden die dann
irgendwann wieder vertrieben? Oder zum Christentum gezwungen?

Nein, Friedrich II. siedelte sie gezielt dort an, um einen Machtfaktor gegen den Papst und den lokalen Adel in der Hand zu haben, der von diesen nicht beeinflusst werden konnten.

Schau mal hier, da steht auch was zum Untergang der italienischen Moslems: http://de.wikipedia.org/wiki/Islam_in_Italien

Was mir auch neu war: Die Araber auf Sizilien waren unter den Staufer wohl noch keineswegs befriedet, sondern es gab noch Kämpfe, in deren Folge es zu der Deportation nach Italien kam. Dort scheinen sie aber zu einer wichtigen Stütze von Friedrichs Herrschaft geworden zu sein.

Hallo Adam,

was gibt es denn überhaupt für „Rechte“? Gibt es ein „Recht auf Eroberung“?

Gab es für Europäer ein „Recht“, Amerika oder Australien zu erobern? Oder für Osmanen, den Balkan zu besetzen? Oder für Briten und Franzosen, ihre riesigen Kolonialreiche zu errichten? Oder für Araber, in Indien einzufallen?

Und hatten die Algerier mehr „Recht“ auf „Reconquista“ ihres Landes von den Franzosen als Spanier und Portugiesen von den Arabern, weil die französische Herrschaft in Algerien ja „nur“ etwas über 100 Jahre gedauert hat im Gegensatz zur 800-jährigen Herrschaft der Araber in Spanien?

Wer will das entscheiden?

Gruß Jasper

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Hallo Adam,

das ist jetzt aber ein netter Denkpfad. War also vielleicht die Rückeroberung Frankreichs drch die Allierten dann auch unberechtigt? Und vergleichst Du möglicherweise Äpfel und Birnen?
Die Reconquista war ja nicht gerade eine Sache von ein paar Tagen. Die erwähnten 800 Jahre muselmanischer Herrschaft waren ja 800 Jahre der Herschaft über eine überwiegend immer noch christliche Bevölkerung und es war ja auch nicht so, dass diese 800 Jahre hinweg Frieden geherrscht hätte und die Christen plötzlich Montagmorgen zur Rückeroberung angetreten wären …
Und was das Israelthema angeht, so sollte man zweitausend Jahre Geschichte nicht unbedingt in einen einzigen plakativen Satz packen und den Rest ignorieren. Das mag einem Politiker sinnvoll erscheinen, für einen Geschichtler ist es etwas einseitig. Wenn es Dich interessiert kannst Du ja einen Thread dafür aufmachen.

Gruß
Peter B.

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