Hallo Kerstin!
Ich würde gerne wissen, wie es bei vielen Leuten, die einiges
erlebt haben zu einem Redefluss kommt, der nicht mehr zu
stoppen ist.
Welche Art von Redefluss und mit welchen Inhalten meinst du? Oberflächlich ohne Punkt und Komma daherzuschwätzen doch nicht, oder?
Sich mal richtig auszulassen ist ja ansich eine gute Sache,
aber für mich wäre das sehr unangenehm, ja echt ein Verlust an
Würde. Vielleicht bin ich zu stolz oder es brennt bei mir erst
gar nicht so.
Sollte es dir um das Aussprechen von Gefühlen, Ängsten etc. gehen: In welcher Weise würde man dadurch die Würde verlieren?
Angeblich fühlt man sich danach besser, wenn man die Hemmungen
erstmal überwunden hat.
Mmmh, ich muss gerade an einen Freund von mir denken, dessen Frau vor 9 Jahren innerhalb von 6 Monaten an Krebs gestorben ist. Er war immer eher der Typ, der, wenn es um seine Gefühlswelt ging, sehr viel „mit sich selbst“ ausgemacht hat. In der genannten Situation kam es dann irgendwann auch zu einem Gespräch zwischen uns, in dem er mir sagte, dass er sich nicht besser fühlen würde, wenn er über seine Gefühle und seine Trauer reden würde. Irgendwie - ich weiß heute nicht mehr wie - habe ich es dann „geschafft“, ihn davon zu überzeugen, dass es ja vielleicht auch darauf ankommt, wann, wie und insbesondere mit wem man darüber spricht. Nicht jeder Gesprächspartner weiß mit einem solchen Thema umzugehen, viele fühlen sich dann selbst viel zu hilflos und wollen gerade über den Tod nicht sprechen. Jahre später hat er mir dann mal gesagt, dass dieses Gespräch und einige andere, die wir dann noch hatten, in denen er mehr von sich gezeigt hat, ihm sehr geholfen hat. Etwas, was er eigentlich wohl nicht erwartet hätte.
Kann ich mir für mich nicht
vorstellen. Bei vielen kann ich auch keine richtigen Hemmungen
erkennen, erstaunlich.
Wie heißt’s im Englischen: It takes all kinds. 
Ich dagegen habe soviel Hemmungen, dass ich eher wenig als
(zu)viel rede, wie kann ich die überwinden?
Da gibt es wohl keinen Königsweg, der für jede(n) richtig ist. Meiner Erfahrung nach ist allerdings - siehe oben - die Wahl des passenden Gesprächspartners recht hilfreich. Mit jemandem, dem man vertraut, bei dem man sich wohl fühlt und das Gefühl hat, „sein“ zu können, rede ich am liebsten und das bringt mir auch am meisten.
Grüße
Christiane