Reden tut Not, aber wie stell ichs an

Hallo,

es geht um einen alten Freund, den ich schon mein ganzes Leben lang kenne. Ich habe ein Problem mit ihm, bzw. mit seinem Verhalten. Das geht schon sehr lange so. Ich weiss schon gar nicht mehr, wie lange, mag sein Jahrzehnte. Bis vor einiger Zeit hat mir das nicht solche Probleme bereitet, weil ich nicht gemerkt habe, oder wahrscheinlich nicht merken wollte, wie sehr mich das belastet.

Mittlerweile versagen aber alle Verdrängungsstrategien und ich bekomme es einfach nicht geregelt mit ihm zu reden. Das macht mich noch wesentlich mehr fertig, weil ich mir dann selbst Vorwürfe mache, total verunsichert bin und Schuldgefühle habe, weil ich nicht schon längst mal etwas gesagt habe. Ich kann dann wieder tagelang nicht schlafen oder ich komme aus dem Bett gar nicht mehr raus, weil ich vor lauter Frust die Welt gar nicht mehr sehen mag. Es ist mir absolut unbegreiflich, wieso ich das nicht schaffe. Ich weiss einfach nicht, weshalb mir da die Worte fehlen. Darüber zermatere ich mir schon lange das Hirn und finde keine Antwort.

Fakt ist jedenfalls, dass etwas passieren muss. Ich habs nun endlich geschafft aus meinen Depressionen halbwegs rauszukommen und möchte jetzt mein Leben wieder auf die Reihe bringen. Da kann ich solche Rückschläge gar nicht brauchen.

Auch wenn er keine Ahnung davon hat, was in meinem Kopf vorgeht, merkt er doch, dass es mir nicht gut geht und taucht dann umso häufiger auf. Zeitweise stresst mich das so, dass ich schon gar nicht mehr an die Türe gehe, wenn es klingelt. Und das kann es ja irgendwie auch nicht sein.

Ich weiss ja selbst, dass mir eigentlich nicht viel passieren kann. Schlimmstenfalls könnte er ärgerlich werden, wenn überhaupt. Und ich weiss auch, dass ich eigentlich auf ihn sauer sein müsste, aber ich rege mich nur über mich selbst auf, weil ich zu dämlich bin, den Mund auf zu machen und mich zu wehren.

Jetzt brauche ich von Euch ein paar Tipps, was ich machen kann, damit ich das endlich mal über die Bühne bringe, bevor ich wieder total am Rad drehe.

Gruss
Petra

Hallo, Petra,
nie hätte ich gedacht, daß ich Dir hier mal einen Rat geben würde.
Lass es mich versuchen.
Ich bin sehr selten hier, zufällig jetzt mal.

Du hast was auf dem Kasten.
Und wenn ich das so sage,
dann meine ich das auch so.

Egal, was es auch sei - und auch warum.
Klare Ansagen haben klare Ergebnisse.
Da kommst Du nicht herum. Niemand.

Und ich weiß, daß Du das kannst.
Und dann tu es auch, Du ist doch kein Weichei.

Kann es sein, daß Du vor einer (negativen) Antwort Bange hast?
Nun, auch dann hast Du eine klare Aussage, und damit kannst Du etwas anfangen.
Etwas anderes anfangen, als dem jetzigen Zustand weiter zu frönen.
Kann’s denn schlimmer werden?

Wer mich in Bedrängnis bringt, der ist nicht mein Freund.
Der serviere ich gnadenlos ab.
Das kannst Du auch so handhaben.

Was ist, wenn sich Dein ‚Objekt‘ bei dem Gespräch gar als ‚Arsch‘ herausstellt (kurz gesagt)?

Und - lass das Medikament weg, weswegen Du Dir den Zeh am Schrank stößt.
Du glaubst gar nicht, wie es hilft, auch körperlich auf Schung zu kommen.
Auch da beginnt jede Reise mit dem ersten Schritt.
Mit dem ersten Schritt, den jeder selber gehen muss.

Enttäusche mich nicht; denn ich schreibe nicht gern für die hohle Luft.

Gruss -www-

Hallo,

Kann es sein, daß Du vor einer (negativen) Antwort Bange hast?
Nun, auch dann hast Du eine klare Aussage, und damit kannst Du
etwas anfangen.

Nein, nicht wirklich, zumindest nicht zunächst. Ich gehe eigentlich davon aus, dass er sich herausreden, entschuldigen und Besserung geloben wird. Ich befürchte jedoch, dass er eventuell gar nicht in der Lage ist, etwas zu ändern. Und dann wird es richtig schwierig.

Etwas anderes anfangen, als dem jetzigen Zustand weiter zu
frönen.
Kann’s denn schlimmer werden?

Es ist klar, dass der jetzige Zustand für mich gar nicht mehr tragbar ist. Sollte ich allerdings gezwungen sein, den Kontakt abzubrechen, wird es in meiner Umgebung Fragen geben. Wenn ich die wahrheitsgemäß beantworte gibt es in jedem Falle höllischen Ärger und Lügen kann und will ich auch nicht. Ich sag Dir dann anschließend was schlimmer war.

Was ist, wenn sich Dein ‚Objekt‘ bei dem Gespräch gar als
‚Arsch‘ herausstellt (kurz gesagt)?

Nein, das ist er nicht. Wir sind jetzt schon über 40 Jahre befreundet. Zu befürchten habe ich von ihm nichts, außer eben, dass ich gezwungen sein könnte, den Kontakt abzubrechen.

Gruss
Petra

Hallo,

es geht um einen alten Freund, den ich schon mein ganzes Leben
lang kenne. Ich habe ein Problem mit ihm, bzw. mit seinem
Verhalten.

Kannst du sagen, welche Art von Verhalten konkret? Wenn ich dein gesamtes Posting lese, kann ich mir tausend und eine Geschichte ausdenken. Aber in welche Richtung man dir raten könnte, geht ohne ein wenig Hintergrund nicht.

Grüße
Tommy

Hallo,

ich möchte nicht näher auf das bemängelte Verhalten eingehen. Da bitte ich nun einfach mal um Verständnis.

Wichtig ist nur, dass der begreift, dass er das lassen soll und sich entsprechend anders verhält.

Gruss
Petra

Hallo Petra,
ich habe deine Schilderung so verstanden:
ein guter Freund tut etwas das dich stört. Du hast Angst es anzusprechen weil du ihn nicht verletzen willst und Angst hast, dass es eure Beziehung belastet oder sogar beendet.

Ich an deiner Stelle würde folgendes machen:

  • erste Frage: ist mir die Person so wichtig, dass ich bereit bin in sie zu ‚investieren‘, wenn nicht sage ich nichts, verhalte mich weiter abständlich und die Beziehung ‚läuft aus‘, wenn ja
  • nächste Frage: was stört mich genau?
  • nächste Frage: was fühle ich genau? erinnert mich das Verhalten an etwas? fühle ich mich bedrängt? Ist mir der Geruch unangenehm? …
  • nächste Frage: was will ich genau erreichen? ich beschreibe mir, wie ich es haben will
  • nächste Frage: wie erkenne ich, wenn ich es erreicht hätte? wie wird es sich an fühlen? wie wird die Beziehung dann sein?

Diese Fragen beantworte ich mir schriftlich. Dabei komme ich oft schon auf mehr Ideen, was bei mir los sein kann, dass mich etwas stört.

Nächste Frage: ist die Person ‚kompetent‘? Lässt sie sich von mir kritisieren ohne sich sofort zu verteidigen und hört sie überhaupt was sich sage? wenn ja, kann ich das Problem ansprechen indem ich ‚bei mir‘ bleibe, von meinen Gefühlen reden, deutlich mache, dass er/sie nur der ‚Auslöser‘ ist. Klar mache wie wichtig sie mir ist und ich das darum ansprechen. Dass ich sie/ihn auf keinen Fall verletzen will. Bitte, mir bei einer Lösung zu helfen.

Ist die Person nicht kompetent muss ich sie erst kompetent machen. D.h. eine Zeit lang auf positive Eigenschaften fokussieren und diese benennen. D.h. ‚ich erkenne diese Person an‘ und bereite so den Boden.
Dazu muss ich einen guten Fokus haben, die positiven Eigenschaften müssen für mich ‚wahr‘ sein. Ist eine Übungssache.

ich hoffe es hilft ein bisschen. Erfolg …lux

Hallo Pollux,

ein guter Freund tut etwas das dich stört.

Ja

Du hast Angst es
anzusprechen weil du ihn nicht verletzen willst und Angst
hast, dass es eure Beziehung belastet oder sogar beendet.

Nein. Ich habe nicht wirklich Angst, dass er die Beziehung beendet, sondern mehr davor, dass ich sie beenden muss, weil es nicht anders geht. Eine so alte Freundschaft gibt man nicht gerne auf, auch wenn ich zugeben muss, dass wir uns schon lange voneinander entfernt haben, oder ich mich.

  • erste Frage: ist mir die Person so wichtig, dass ich bereit
    bin in sie zu ‚investieren‘, wenn nicht sage ich nichts,
    verhalte mich weiter abständlich und die Beziehung ‚läuft
    aus‘

So funktioniert das leider nicht. Ich habe mich in den vergangenen Jahren immer wieder distanziert, aber das kam nicht an. Ohne deutliche Worte wird das nichts, da er auch mit meinem „Mitbewohner“ so etwas wie befreundet ist und dieser nicht den Hauch einer Ahnung hat.

Was mich stört weiss ich ganz genau und was ich erreichen möchte ist einfach, dass er das bleiben lässt, notfalls eben auch durch einen endgültigen Rauswurf.
Wie ich es erkenne, weiss ich auch noch nicht so recht. Schließlich hatte er schon einmal, aus welchen Gründen auch immer, damit aufgehört und fing dann doch wieder damit an. Ein weiteres Mal könnte ich das aber nicht hinnehmen.
Sollte es tatsächlich möglich sein, dieses Problem endgültig zu lösen, könnte unsere Freundschaft vielleicht wieder den Status erreichen, den sie vor vielen Jahren einmal hatte. Um Missverständnisse zu vermeiden, es geht hier nur um Freundschaft, eine andere Art von Beziehung gab es nie und wird es auch nie geben.

Diese Fragen beantworte ich mir schriftlich.

Als ich heute nacht nochmal aufgewacht bin und nicht gleich wieder einschlafen konnte, habe ich ihm einen „Brief“ geschrieben. Ich hoffe, dass ich, falls ich es wieder nicht schaffe, mit ihm zu reden, wenigstens dieses Papier an ihn aushändigen kann. Etwas besseres ist mir bis dato nicht eingefallen.

Mit Kritik kann er nicht wirklich gut umgehen. Ich rechne damit, dass er sich entschuldigen wird, sich aber mehr oder weniger herausredet. Im bösesten Fall wird er so tun, als wüsste er gar nicht, wovon ich spreche.

Danke Pollux, du hast mir zumindest schon einmal geholfen, meine Gedanken zu ordnen, das hilft mir auf jeden Fall schon mal ein wenig :wink: Alles weitere wird man sehen.

Gruss
Petra

Hallo Petra,

So funktioniert das leider nicht. Ich habe mich in den
vergangenen Jahren immer wieder distanziert, aber das kam
nicht an.

Wodurch hast du dich distanziert?
Manche Botschaften kommen einfach nicht an, wenn sie nicht eindeutig formuliert sind.
Ich kann mir denken, dass er deine Methode nicht verstanden hat, und deswegen wächst bei dir der Frust immer mehr, weil er es einfach nicht kapiert.

Ohne deutliche Worte wird das nichts

Da stimm ich dir voll zu.

Ich glaube, die Freundschaft selbst ist dir gar nicht mehr so vorrangig wichtig.
Kann es sein, dass du ganz einfach Schiss vor dieser Konfrontation hast, weil du denkst, dabei total ins Schwimmen zu kommen und die Chance auf eine endgültige Klärung den Bach runter geht? Das Spiel also nie endet?

Sollte es tatsächlich möglich sein, dieses Problem endgültig
zu lösen, könnte unsere Freundschaft vielleicht wieder den
Status erreichen, den sie vor vielen Jahren einmal hatte.

Zu viel „wenn“ und „aber“…

Mit Kritik kann er nicht wirklich gut umgehen. Ich rechne damit, dass er sich entschuldigen wird, sich
aber mehr oder weniger herausredet. Im bösesten Fall wird er so tun, als wüsste er gar nicht, wovon
ich spreche.

Der Zeitpunkt, die Chance auf Versöhnung endgültig zu begraben.

Viel Erfolg!

Lieben Gruß
Miriam

Hallo Miriam,

Ich glaube, die Freundschaft selbst ist dir gar nicht mehr so
vorrangig wichtig.
Kann es sein, dass du ganz einfach Schiss vor dieser
Konfrontation hast, weil du denkst, dabei total ins Schwimmen
zu kommen und die Chance auf eine endgültige Klärung den Bach
runter geht? Das Spiel also nie endet?

Ja, ich denke, dass es so sein könnte.

Der Zeitpunkt, die Chance auf Versöhnung endgültig zu
begraben.

Es geht ja nicht um Versöhnung, sondern „nur“ um Klärung und Änderung. Aber Du hast schon irgendwie recht. Wenn er nicht einsieht, dass er was falsch gemacht hat, dann wird das irgendwann wieder losgehen und das muss ich nicht haben, dann doch lieber ein Abbruch der Beziehung.

Danke Miriam, ich versuch mein möglichstes :wink:

Gruss
Petra