Reden vs. sprechen

hallo ihr,

wir grübeln schon seit längerem, vielleicht können die
www-ler helfen:

wo genau besteht der unterschied zwischen reden und sprechen?

dankeschön!

Hm, also ich würde sagen, „sprechen“ beschreibt den Akt des Mund-Auf-und-Zumachens-um-damit-Informationen-zu-vermitteln, während „reden“ weniger auf die Tätigkeit an sich hinzielt, sondern eher die verbale Informationsübertragung an sich ausdrückt.
Zumindest stell ich mir das so vor…

Grüße,

  • André

Hallo,
im Alltag werden die beiden Wörter oft nicht mehr unterschieden und als Synonyme betrachtet.
Das sieht man auch an den Querverweisen die der Duden gibt. Reden => sprechen et vice versa.
Dennoch wird bei näherem Hinsehen ein Unterschied merkbar, den auch schon mein Vorredner angedeutet hat. Vielleicht kann die Gegenüberstellung der beiden Artikel im Duden zur Klärung des Unterschiedes beitragen.
Gruß Fritz

_ spre|chen [mhd. sprechen, ahd. sprehhan, H.ÿu., urspr. viell. lautm.]:

  1. a) Sprachlaute, Wörter hervorbringen, bilden: s. lernen; unser Kind kann noch nicht s.; er war so heiser, dass er kaum s. konnte; vor Aufregung nicht s. können; das Sprechen fiel ihr schwer;
    b) in bestimmter Weise sprechen (1 a), sich in bestimmter Weise ausdrücken: laut, [un]deutlich, flüsternd, durch die Nase s.; ins Mikrofon, mit verstellter Stimme, in ernstem Ton, mit rollendem R s.; deutsch, englisch s.; mit leichtem Akzent s.; sie spricht gern in Bildern, Versen; ins Unreine gesprochen (noch nicht genau formuliert), möchte ich einmal sagen …; mit der notwendigen Infrastruktur, sprich (nämlich, also, das heißt) Kindergärten, Schulen usw.;
    c) der menschlichen Sprache ähnliche Laute hervorbringen: der Papagei kann s.
  2. a) mündlich, sprechend (1 a) äußern; sagen: er hat noch kein Wort gesprochen; das Kind kann schon ein paar einzelne Wörter, ganze Sätze s.; der Richter hat das Urteil gesprochen; ein paar einführende Worte, ein Schlusswort s.; er sprach (geh. veraltend; sagte): »So soll es geschehen!«
    b) vorlesen, vortragen, rezitieren, aufsagen: ein Gebet, den Segen, einen Kommentar, eine Zauberformel s.;
    c) (eine Sprache) benutzen, beherrschen: zu Hause spricht er nur Dialekt, Englisch; mehrere Sprachen s.; sprechen Sie Deutsch?; fließend, akzentfrei, ausgezeichnet, schlecht Französisch, Italienisch s.; rheinische Mundart, Slang, Platt, Fachchinesisch, ein völlig unverständliches Kauderwelsch, ein sehr gepflegtes Deutsch s.
  3. sich äußern, urteilen: anerkennend, schlecht, in lobenden Worten über jmdn., etw. s., von jmdm., etw. s.; sie weiß, wovon sie spricht (ugs.; sie kennt das aus eigener Erfahrung); über sich selbst s.; einige sprechen (votieren) für den Vorschlag, andere dagegen; ich spreche hier für die Mehrheit der Bürger (drücke die Meinung der Mehrheit aus); *für, gegen jmdn., etw. s. (sich auf die Bewertung, Beurteilung jmds., einer Sache günstig, ungünstig auswirken): die Umstände sprechen für, gegen den Angeklagten; es spricht eigentlich alles für diesen Bewerber; für dieses Gerät spricht vor allem der günstige Preis; was spricht eigentlich dagegen, dass wir mit der Bahn fahren?; für, gegen etw. s. (ein Indiz für, gegen die Richtigkeit, das Gegebensein von etw. sein): diese Tatsache spricht für, gegen seine Annahme; das spricht dafür, dagegen, dass es ein Unfall war; für sich selbst s. (keiner weiteren Erläuterung bedürfen); auf jmdn., etw. schlecht, nicht gut zu s. sein (über jmdn., etw. verärgert sein, jmdn., etw. nicht mögen); von etw. s. (etw. als Bezeichnung zur Benennung, zur Charakterisierung einer bestimmten Sache benutzen): von ausgleichender Gerechtigkeit s.
  4. a) ein Gespräch führen, sich unterhalten, Worte wechseln: mit jmdm. s., miteinander, zusammen s.; mit sich selbst s. (Selbstgespräche führen); sie spricht gerade, dort wird gerade gesprochen (Fernspr.; bei ihr, dort ist gerade besetztÿ); vom Wetter, von den Preisen, über Politik s.; wir haben gerade von dir gesprochen; man kann ruhig darüber s.; wegen der Wohnung sollten wir noch mal mit ihm s.; so (in diesem Ton) spricht man nicht mit seiner Mutter!; darüber müssen wir noch s. (diskutieren); ich habe noch mit dir zu s. (etwas zu besprechen);
    b) erzählen, berichten: sie sprach vom letzten Urlaub; davon, darüber hat er schon oft gesprochen; darüber darf ich zu niemandem s.; sie verriet nicht, wie sie ihn zum Sprechen brachte.
  5. a) (jmdn.) treffen, [zufällig sehen u.] mit ihm Worte wechseln: ich habe ihn schon lang nicht mehr gesprochen; wir haben uns gestern [telefonisch] gesprochen;
    b) (jmdn.) erreichen; mit jmdm. Verbindung aufnehmen, ins Gespräch kommen: wann kann ich den Chef s.?; jmdn. in einer privaten Angelegenheit s.; sie ist im Moment leider nicht, für niemanden zu s.
  6. einen Vortrag, eine Rede halten: im Rundfunk, über etw., zu einem kleinen Publikum, vor einem großen Hörerkreis s.; der Redner hat sehr gut, viel zu lange gesprochen; zu einem bestimmten Thema s.; wer spricht heute Abend [zu uns]?; worüber hat er denn gesprochen?; frei s. (vortragen ohne abzulesen).
  7. (geh.) erkennbar sein; sich ausdrücken: aus seinen Worten spricht Hass, Bewunderung; Zahlen [für sich] sprechen lassen; sein Herz s. lassen (sich nach seinen Gefühlsregungen richten).
  8. (schweiz. Amtsspr.) (einen Kredit, einen Betrag aus öffentlichen Mitteln o. Ä.) bewilligen, zusprechen: [jmdm.] einen Kredit s.

re|den [mhd. reden, ahd. red(i)on, zu Rede]:

  1. sich in Worten äußern; sprechen (b): laut, leise, ununterbrochen, stundenlang r.; kein Wort r.; er muss dauernd r.; redet nicht so viel!; er redet mit den Händen (gestikuliert viel beim Sprechen); sie konnte vor Schreck nicht r.; vor sich hin r.; das viele Reden strengt an.
  2. seine Gedanken in zusammenhängender Rede äußern, mitteilen: erst nachdenken, dann r.!; er lässt mich nicht zu Ende r. (ausreden); sie redete nur Unsinn; lass die Leute r. (kümmere dich nicht um das, was sie [Schlechtes, Falsches] sagen)!; es wird viel geredet (geklatscht); jmdn. zum Reden bringen; R wenn die Wände r. könnten! (in diesen Räumen hat sich manches zugetragen); Spr Reden ist Silber, Schweigen ist Gold; *gut r. haben (sich nicht in der schwierigen Lage befinden wie eine andere Person u. darum deren Problem verharmlosen).
  3. einen Vortrag, eine Rede halten: im Parlament r.; wer wird heute Abend r.?; frei, gut, flüssig r.; sie hat mit viel Pathos geredet.
  4. durch [intensives] Reden (1) in einen bestimmten körperlichen od. geistigen Zustand versetzen: sich heiser, in Wut, in Begeisterung r.
  5. sich jmdm. gegenüber [über etw., jmdn.] äußern; ein Gespräch führen, sich unterhalten: miteinander r.; man kann mit ihr über alles r.; mit ihm kann man ja nicht r. (er ist sehr unzugänglich); sie haben sich verkracht und reden nicht mehr miteinander; (oft scherzh.:smile: mit dir rede ich nicht mehr!; so lasse ich nicht mit mir r.! (als Ausdruck der Empörung, Zurückweisung: diesen Ton verbitte ich mir!); er redet gern mit sich selbst (führt Selbstgespräche); über das Wetter r.; wir wollen offen darüber r.; über diesen Vorschlag lässt sich r. (er ist es wert, diskutiert zu werden); reden wir nicht mehr darüber! (wir wollen dieses unliebsame Thema als abgeschlossen betrachten); über jmdn. r. (sich hinter seinem Rücken über ihn [abfällig] äußern); von jmdm., einer Sache r.; von wem redest du da eigentlich (wen meinst du)?; sie ist schon unmöglich, nicht zu r. von ihrer Mutter (erst recht ihre Mutter); *mit sich r. lassen (zu Zugeständnissen bereit sein); von sich r. machen (Aufmerksamkeit erregen).
    © Duden - Deutsches Universalwörterbuch 2001_
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hallo,

wo genau besteht der unterschied zwischen reden und sprechen?

nach meinem empfinden sind beide gleichbedeutend, nur ist sprechen norddeutsch und reden süddeutsch. ich als österreicherin würde das wort „sprechen“ überhaupt nie sagen. wir „reden“ immer. andererreits würde ich „reden“ niemals schreiben, weil „sprechen“ für mich mehr nach schriftsprache klingt.

gruß datafox

philosophisch
Hallo,

in einigen philosophischen Richtungen kann man die Begriffe wie folgt festmachen: „reden“ bedeutet soviel wie „ohne Sinn sprechen“, „bedeutungslos sprechen“, weshalb hier auch vom „Gerede“ (der Menge, Heidegger) „gesprochen wird“ (oder „die Rede ist“, womit die umgangssprachliche Verwechslung deutlich wird). „sprechen“ hingegen ist auf bedeutungsvolle Kommunikation hin ausgerichtet. Wer „spricht“, will etwas mitteilen (ein „Gespreche“ gibt es nicht, wohl aber ein „Gespäch“), wer bloß „redet“, nicht.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Hallo;

vielleicht kann Euch das weiterhelfen:

Ich denke auch, dass es beim Sprechen um den technischen Vorgang geht, während es beim Reden mehr um das Inhaltliche geht. Meine Vermutung leite ich aus folgendem ab:

Man kann eine Fremdsprache sprechen aber nur IN einer Fremdsprache reden.

Man kann (wie in dem Duden beschrieben) mit Händen und Füssen reden (Inhalte vermitteln) aber nicht sprechen.

Hoffe, ich konnte damit weiterhelfen
Gruß Nils

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Hallo,

„reden“ bedeutet soviel wie „ohne Sinn
sprechen“, „bedeutungslos sprechen“,

„sprechen“ hingegen ist auf bedeutungsvolle

Kommunikation hin ausgerichtet.

Hallo Thomas,
warum heißt es dann „eine Rede halten“ und nicht eine Sprache halten? Sind Reden immer ohne Sinn :wink:
?

Fragt Martina

wow
danke für die vielen antworten…linguistikprofs hier,gelle? :wink:

linguistikprofs hier,gelle?
:wink:

Nicht doch!
Simple Deutschlehrer! Und Sprachinteressierte-

Fritz

Versus?
und: „nicht mehr“?
Ihr Lieben,
Ist es möglich, daß die Worte/Verben/Tätigkeiten „reden“ und „sprechen“ (dazu gehört auch „sagen“) AN SICH gar keinen Sinn haben? Ich meine, daß sie ihren Sinn erst im Zusammenhang „entfalten“? Und dann aber denkt man wieder: "Wenn sie ihren Sinn erst im Zusammenhang entfalten, dann haben sie diesen Sinn also auch schon („heimlich“) ohne Zusammenhang (gehabt)…???
In der Sprachwissenschaft ist ja meines Wissens (nach) umstritten, in welchem Maße die „Suche nach dem eigentlichen und/oder ursprünglichen Sinne von Worten/Stämmen“ zu welch immer Aufklärung beitragen kann. Reden macht allerdings immer Sinn, jedenfalls mehr als bloßer Widerstreit wieder.
Nach mehowenger krampfhaftem Nachdenken darüber, welches Wort ich unter welchen Umständen NICHT wählen könnte (also „reden“, „sprechen“ oder „sagen“, mit mow zusätzlichen Worten) neige ich doch mehumehr zu der Ansicht, nicht nur diese Wörte/Wörter „reden“ und „sprechen“ und „sagen“ haben keinen „eigentlichen Sinn“ an sich sondern erhalten diesen erst im lebendigen Leben.
Bei dieser Gelegenheit stelle ich aber auch gleichzeitig die ganze Kantsche Philosophie, so, wie ich sie mit meinem schwachen Geist verstanden habe, ins transzendent(al[istische])e Abseits.
Nicht unauffällig, daß man sogar im Nachhinein allen möglichen Sinn und Unsinn in die „ganze Geschichte“ hineinstecken kann, v.a. die, die nicht „dabei“ waren.
Kann mir denn einer den „eigentlichen Sinn“ des WORTES „Massenvernichtungswaffen“ erklären? Oder den won „Ich sag mal so:…“. Oder: „MAN vermutet, daß“.
Und: was hat eigentlich „Geschichte“ mit Schicht und geschehen zu tun?
Ich finde es begeisternd, WAS wir allein durch zusammenstellen („komponieren“) der Worte/Wörter/Sprache[n] zum Ausdruck bringen/"kommunizieren können. Sogar jede angeblich „einzig mögliche Bedeutung“ trägt zum Gespräch etwas bei. Auch wenn nur das, daß da jemand wieder ins Gerede kommt.
Nach dieser langen Spreche mit kurzem Verstand bin ich noigierig, was denn die gewöhnlich gut unterrichteten Kreise dazu sagen. Hoffentlich habe ich nicht zuviel zersprochen…
Am schönsten finde ich, was man in „Ich mag dich!“ alles reinlegen kann…

Als mich hauptsächlich als mathematisch orientierten Menschen betrachtend fasziniert mich am meisten die Diskussion über „unscharfe Mengen“ und sowas wie „Defuzzifizierung“. Wieder typisch Dilda?
Tscha, Loide, schaut doch mal in den dicken Bronstein/Sementjajew rein!
Brüderliche Krüsse,
Moin, manni (der sich angeblich „automatisch selbst ausgeloggt“ hat.

Toll, der ßrätt „reden vs sprechen“.
Warum nur: „versus“?

Ach, Manni,

warum gleich so radikal an die Wurzel greifen und sie gleich ausreißen.

Natürlich erhält ein Wort von den umstehenden eine Bedeutungsspezifizierung, aber ebenso wirkt es auf die Bedeutung der umstehenden ein. Das nennt man gern Konnotation.

Aber sie müssen schon selber eine Bedeutung haben, denn sonst hätten wir lauter unbekannte Faktoren, lauter Ixe und keine Möglichkeit der Auflösung.

Es gibt doch diese Logeleien von Zweistein:

Alle Icksen bramen einen Knorz. Ein Knortz bramt nur eine Ickse usw.

Oder die Jodoksprache von dem Schweizer Autor Peter Bichsel:

Am Jodok jodokt der Jodok mit dem Jodok einen Jodok.

Selbst mit solchem Nonsens kann man sich verständigen, wenn man eine Übereinkunft mit seinem Gesprächspartner trifft.

Und auf diese Übereinkunft kommt es an. Als Spätgeborene haben wir allerdings wenig Einfluss auf die Bedeutungen der von uns verwendeten Wörter. Wir können mit ihnen spielen, aber sie kaum verändern. Manche spielen mehr, als nötig und werden dadurch leicht missverstanden.

Findest du deine Nase?
Deine anderen Fragen sind Spiegelfechtereien.

Gruß Fritz

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