Gibt es oder gab es den Begriff ‚einen Purzelbaum schiessen‘?
Ja
Gibt oder gab es eine Redewendung ‚es schiesst mich‘ für
verrückt werden oder so …?
Ja
Hallo, Schorsch,
Purzelbaum schießen ist gang und gäbe!
Der Purzelbaum heißt in Norddeutschland auch:
Koppheisterschießen und auch Kobolz schießen.
Außerdem gibt es in den verschiedenen deutschen Regionen noch: Koppstibolter, Kalabums, Bocksterz, Kopfgäugel, Sturzelbaum, Gäugelbock, Kollertiur, Kuselkopp, Kukelebaum, Tummelkopf, Purzelbock, Purzengägel, Sturzebock, Scheurepurzel.
All diese kann man entweder „schlagen“ oder „schießen“.
Also keine Erfinung Morgensterns, sondern heute noch üblicher Sprachgebrauch.
„Ins Kraut schießen“, „der Salat schießt“, „einen Bock schießen“, „verschossen sein in ein Mädchen“, „es ist zum Schießen“, bedeuten alle etwas, was nicht in Ordnung ist, was den Aspekt der Unklugkeit, der Maßlosigkeit, des ungesunden Übermaßes an sich hat.
„hin und herschießen“ sagten die Weber vom Schiffchen, das sich zwischen den Kettfäden bewegt, und das bedeutet heute: sich rasch und unruhig bewegen.
Im Liederbuch der Clara Hätzlerin 15. Jhdt. ?) findet sich schließlich die Redewendung: Jemand ist geschossen (auch angeschossen) in der Bedeutung: der ist „närrisch, verrückt, besoffen oder verliebt“.
Gruß Fritz