Referat Weimarer Republik

Hallo erstmal…
Ich werde in Kürze ein Referat im LK Geschichte über die Vorbelastungen der Weimarer Republik und welche davon von Deutschland beeinflussbar waren oder verhindert hätten werden können (Satzbau :smiley:?).

Ich hatte mir als Einstieg eine Karikatur gedacht hab allerdings erst eine möglicherweise passende Zeichnung aus dem Kladderadatsch (1919) gefunden deren Link ich hier mal reinkopiert habe.
Kann allerdings nur herauslesen, dass sich alle Parteien um die Macht oder insgesamt um Deutschland reißen und es wäre peinlich wenn da noch mehr Aussagekräftiges enthalten ist was ich dann im Referat nicht weiß.
Also wäre nett wenn mir da jemand weiterhelfen könnte oder sonst irgendeine Idee hat.
Grüße,
Basti

http://www.spartacus.schoolnet.co.uk/ARTkladd3.jpg

Hallo, Basti

http://www.spartacus.schoolnet.co.uk/ARTkladd3.jpg

Der Gag der Karikatur besteht doch darin, dass die Herren Ebert, Erzberger, Eisler - die anderen Namen auf den dunklen Kleidern kann ich nicht entziffen - als alte hilflose, vor allem waffenlosen Republikaner in römischen Togen dargestellt sind, während die Reichswehr als einziger Waffenträger untätig und zögernd daneben steht.

Gruß Fritz

Nicht zögernd, der hat schon die Hände in die Hüften gestemmt und wird wohl demnächst was tun. Und tatsächlich begann ja die Reichswehr 1919 bereits, stärker hinter den Kulissen mitzumischen (Ludendorff beispielsweise ging ja zur DAP).

Gruß Peter B.

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Hallo,

nun ja - nur wo ist da der Unterschied zu heute?
Denn daß Politiker machtgeile Menschen sind und daß der Machterhalt bzw. Machtgewinn für die das Wichtogste ist, daran hat sich doch wohl nichts geändert?
Schau Dir doch unsere Parteien an: In Hamburg koalieren die grünen mit der früher von ihnen bekämpften CDU, weik das für sie der einzige Weg ist, ein Stück Macht zu erhaschen. In Hessen umgarnt Koch die Grünen, die er bis auf Messer bekämpft hat im Wahlkampf, weil er darin seine einzige Chance sieht, an der Macht zu bleiben. Währenddessen schielt da die SPD nach ganz links, obwohl sie versprochen hatte, genau das nicht zu tun.
Du willst mir doch hoffentlich nicht einreden, es ginge da um etwas anderes, als um knallharte MAchtfragen. Und mit welcher Härte mitunter Abgeordnete bearbeitet werden, die damit drohen, ihr eigenes Gewissen gegen die Politik ihrer Partei zu stellen, das erleben wir ja immer mal wieder.
Ich kann da keinen, aber auch gar keinen Unterschied sehen zur Weimarer Republik.
Ich denke, Du wirst deren Krankheiten wohl woanders suchen müssen.

Gernot Geyer

Hallo Basti,

ich habe leicht abweichende Deutungen als meine „Vorschreiber“.

Den Soldaten interpretiere ich nicht als „die Reichswehr“, sondern als den Kriegsheimkehrer, der nach vier Jahren von der Front zurückkommt und leicht fassunglos/empört ansieht, wie die innere Einheit Deutschlands (das Augusterlebnis 1914) dahin geht.

Den Parteienstreit als solchen solltest Du verfassungsrechtlich beleuchten: wie werden Parteien in der Weimarer Reichsverfassung, wie im Grundgesetz erwähnt?

Gruß,
Andreas

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Konsolidierungsposting
Hallo Fritz,

ich hab meine beiden Postings gelöscht und fasse sie in einem zusammen:

Der Gag der Karikatur besteht doch darin, dass die Herren
Ebert, Erzberger, Eisler - die anderen Namen auf den dunklen
Kleidern kann ich nicht entziffen -

Der gelockte, schnauzbärtige, hinten rechts ist Liebknecht:
http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Liebknecht
(dieser Verweis nur der Vollständigkeit halber, nicht weil ich denke, du bräuchtest da eine Belehrung)

Der letzte Unbekannte ist Hugo Haase:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Haase

1917 Vorsitzender der USPD, 1919 ermordet - das würde erklären, warum er und Liebknecht dunkel tragen. Ich habe keine genaue Zeitangabe für die Zeichnung gefunden, d.h. ich weiß nicht, ob sie vor oder nach der Ermordung von Liebknecht und/oder Haase gemacht wurde (Liebknecht wurde im Januar, Haase im November ermordet).

Im Übrigen interpretiere ich den Soldaten wie oben Andreas auch eher als den einfachen Kriegsheimkehrer, der dem Parteientreiben eher fassungslos gegenübersteht, nicht als die tatenlose oder bald-nicht-mehr-tatenlose Armee an sich.

Gruß
eklastic

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Hallo,

doch noch weitergesponnen (Germania hat den Spinnrocken ja weggeschmissen, d.h. ist untätig, unproduktiv, solange die „Freier“ da um sie rumhecheln) --> mir fällt die Heimkehr des Odysseus ein.
Die Herren Politiker sehe ich also eher als griechische Freier, denn in altrömischen Togen. Die Säulen und der Hintergrund sind auch eher griechisch angehaucht. Noch weiter (zu weit?) gesponnen: Der Heimkehrer sieht Demokratie (

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Danke, liebe Elke,

für deine klärende Intervention.

Was den Soldaten angeht, so sind sicher verschiedene Deutungen möglich. Und ich bestehe nicht auf meine.

Da wird schon der Frager entscheiden müssen, welche er vorzieht.

Gruß Fritz

Hi Fritz,

für deine klärende Intervention.

Hat mich dann selber interessiert. Bis ich auf den Haase gekommen bin, musste ich ein bissel rumsuchen.

Was den Soldaten angeht, so sind sicher verschiedene Deutungen
möglich.

Wie bei Deutungen so üblich.

Gruß
eklastic

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Hallo,

diese Interpretation trifft die Sache meiner Meinung nach voll. Hat Odysseus dann nicht mit seinem Sohn alle Freier erschlagen?

Gruß

doch noch weitergesponnen (Germania hat den Spinnrocken ja
weggeschmissen, d.h. ist untätig, unproduktiv, solange die
„Freier“ da um sie rumhecheln) --> mir fällt die Heimkehr
des Odysseus ein.
Die Herren Politiker sehe ich also eher als griechische
Freier, denn in altrömischen Togen. Die Säulen und der
Hintergrund sind auch eher griechisch angehaucht. Noch weiter
(zu weit?) gesponnen: Der Heimkehrer sieht Demokratie (

Hat Odysseus dann nicht mit seinem Sohn alle Freier
erschlagen?

Ja, aber damit wird es gerade zur antidemokratischen Karikatur „wider das Parteiengezänk“. Daher auch mein Hinweis oben auf die Unterschiede in der Parteienwahrnehmung in WRV und GG. Obwohl man leider sagen muss, dass „das Volk“ eher der Interpretion der WRV nachhängt.

Andreas

Erstmal vielend Dank an alle.
Alle Interpretationen leuchten mir ein und geben mir weiter zu denken. Allerdings auch wenn die Karikatur das eine große Problem der WR (in meinen Augen die heftigen Machtkämpfe der Parteien und später die vielen Kanzlerwechsel die dafür sorgten, dass sich Deutschland nicht in „Ruhe und Ordnung“ erholen konnte und keinen klaren produktiven Kurs fand(kurz gesagt))veranschaulicht so ist sie für den Einstieg vielleicht doch nicht geeignet da sie ja nur ein Problem anspricht neben dem Versailler Vertrag -> Dolchstoß,Parteiensplitterung usw.
Wäre toll wenn ich dazu noch eine Einschätzung bekommen würde??

Hallo,

Ja, aber damit wird es gerade zur antidemokratischen Karikatur
„wider das Parteiengezänk“. Daher auch mein Hinweis oben auf
die Unterschiede in der Parteienwahrnehmung in WRV und GG.
Obwohl man leider sagen muss, dass „das Volk“ eher der
Interpretion der WRV nachhängt.

Ich sehe in dem Kriegsheimkehrer nur den potenziell aktiven Odysseus - erstmal ist er nur baff. Man muss m.E. auch vorsichtig sein und Karrikatur nicht aus heutiger Zeit mit dem Wissen von fast 90 Jahren Geschichte interpretieren.

Gruß
eklastic

Hallo,

Alle Interpretationen leuchten mir ein und geben mir weiter zu
denken. Allerdings auch wenn die Karikatur das eine große
Problem der WR (in meinen Augen die heftigen Machtkämpfe der
Parteien und später die vielen Kanzlerwechsel die dafür
sorgten, dass sich Deutschland nicht in „Ruhe und Ordnung“
erholen konnte

Aber die Machtkämpfe/ Kanzlerwechsel waren ja keine Vorbelastung der Weimarer Republik, sondern fanden verstärkt gegen Ende der WR statt. Als Vorbelastungen könnte man in diesem Zusammenhang die Verfassung und die Feindschaften in der zersplitterten Parteienlandschaft ansehen.

und keinen klaren produktiven Kurs fand(kurz
gesagt))veranschaulicht so ist sie für den Einstieg vielleicht
doch nicht geeignet da sie ja nur ein Problem anspricht neben
dem Versailler Vertrag -> Dolchstoß,Parteiensplitterung

finde ich auch, zumal neben den von dir erwähnten Bedenken noch im Raum steht, daß die Karrikatur höchstwahrscheinlich nicht das Problem der Weimarer Republik anspricht sondern eines der Probleme ist.

Gruß

finde ich auch, zumal neben den von dir erwähnten Bedenken
noch im Raum steht, daß die Karrikatur höchstwahrscheinlich
nicht das Problem der Weimarer Republik anspricht sondern
eines der Probleme ist.

Genau das ist der springende Punkt. Das wohl größte Problem der Weimarer Republik war die weitverbreitete Skepsis wenn nicht gar Feindschaft gegenüber dem Prinzip der parlamentarischen Demokratie - diese Leute verstanden meist gar nicht, was es bedeutete, den politischen Kurs im öffentlichen Diskurs auszuhandeln und dabei um Mehrheiten zu werben. Für die war das schlicht alles ‚Parteiengezänk‘ - es fehlte schlicht an der politischen Bildung, die Argumente auch nur zu verstehen. Geschweige denn, demagogische Manöver zu durchschauen. Da wollte man lieber den ‚starken Mann‘, der den Streit mit Dreinschlagen beendete und allen sagte, wo es lang zu gehen habe …

Die Karikatur belegt genau diese Haltung - der ‚Kladderadatsch‘ war alles andere als ein Fürsprecher der Weimarer Republik. Es war das Amüsierblatt jener obrigkeitsgläubigen Schichten, die Hindenburg zum Ersatzkaiser machten. Die aber soviel klassische Bildung hatten, die Anspielung zu verstehen - die Reichswehr als heimkehrender Odysseus, der dem Treiben der Freier / politischen Parteien erst einmal zuschaut, bevor er sie alle über die Klinge springen lässt. Die Karikatur lässt sich ohne Probleme als Aufforderung zum Militärputsch verstehen - genau das haben Wolfgang Kapp und Walther von Lüttwitz dann 1920 ja auch versucht …

Freundliche Grüße,
Ralf

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Genau das ist der springende Punkt. Das wohl größte Problem
der Weimarer Republik war die weitverbreitete Skepsis wenn
nicht gar Feindschaft gegenüber dem Prinzip der
parlamentarischen Demokratie - diese Leute verstanden meist
gar nicht, was es bedeutete, den politischen Kurs im
öffentlichen Diskurs auszuhandeln und dabei um Mehrheiten zu
werben.

So würde ich das nicht unterschreiben. Immerhin erhielten die demokrat. Parteien bis 1928 ca. 2/3 der Stimmen bei den Reichstagswahlen und selbst 1930 hatten sie noch mehr als Linke und Rechte zusammen. Erst 1932 wurde die NSDAP stärkste Kraft mit 37 bzw. 33% der Stimmen.

Gruß

So würde ich das nicht unterschreiben.

Und so würde ich es nicht unterschreiben:

Immerhin erhielten die
demokrat. Parteien bis 1928 ca. 2/3 der Stimmen bei den
Reichstagswahlen und selbst 1930 hatten sie noch mehr als
Linke und Rechte zusammen. Erst 1932 wurde die NSDAP stärkste
Kraft mit 37 bzw. 33% der Stimmen.

Außer KPD und NSDAP gab es noch andere nicht-demokratische Parteien, zuvorderst die DNVP. Nnu darf man - insoweit gebe ich Dir bedingt recht - nicht alles vom Ergebnis (1933) her betrachten. Die „guten“ Jahre waren dadurch geprägt, dass es gelang, den Rand (USPD und DNVP) in die parlamentarische Arbeit zu integrieren.
Aber wirklich demokratisch waren nur die Parteinen der Weimarer Koalition: SPD, Zentrum, DDP, vielleicht noch Teile der DVP.

Gruß,
Andreas

Hallo Andreas,

kannst mir glauben, die USPD und die DNVP habe ich nicht den demokratischen Parteien sondern den Extremisten zugerechnet. Beide haben dann über die Jahre ihre Wähler an die KPD bzw. NSDAP verloren. Rechne erst mal nach und wenn Du auf andere Ergebnisse kommst diskutieren wir weiter.

Gruß

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Wahlergebnisse demokr. Parteien:
Hallo Spongepop,

hier zum Rechnen die Wahl 1928, nach den sog. Goldenen Jahren, als die demokratischen Parteien gut dastanden:

SPD 29,8%
DDP 4,9%
Z 12,1%
________
46,8%

Jetzt bin ich ja nicht so, und zähle zwei Parteien dazu, obwohl nicht „sauber“ demokratisch:

BVP 3,1%
DVP 8,7%

58,6%

Wo sind jetzt die 2/3?

Gruß,
Andreas

Hallo Andreas,

kannst mir glauben, die USPD und die DNVP habe ich nicht den
demokratischen Parteien sondern den Extremisten zugerechnet.
Beide haben dann über die Jahre ihre Wähler an die KPD bzw.
NSDAP verloren. Rechne erst mal nach und wenn Du auf andere
Ergebnisse kommst diskutieren wir weiter.

Gruß

Hallo Andreas,

ich habe
a) BVP und DVP zu den demokrat. Parteien gezählt, bin aber zusätzlich davon ausgegangen, daß ein Teil der Sonstigen (13,9%) demokrat. Natur gewesen sind. Und dann hat man die 2/3.
b) **ca. 2/3 geschrieben, weil die Ergebnisse mehr für eine 2/3 als für eine einfache Mehrheit sprechen.
Gruß

hier zum Rechnen die Wahl 1928, nach den sog. Goldenen Jahren,
als die demokratischen Parteien gut dastanden:

SPD 29,8%
DDP 4,9%
Z 12,1%
________
46,8%

Jetzt bin ich ja nicht so, und zähle zwei Parteien dazu,
obwohl nicht „sauber“ demokratisch:

BVP 3,1%
DVP 8,7%

58,6%

Wo sind jetzt die 2/3?

Gruß,
Andreas

Hallo Andreas,

kannst mir glauben, die USPD und die DNVP habe ich nicht den
demokratischen Parteien sondern den Extremisten zugerechnet.
Beide haben dann über die Jahre ihre Wähler an die KPD bzw.
NSDAP verloren. Rechne erst mal nach und wenn Du auf andere
Ergebnisse kommst diskutieren wir weiter.

Gruß**