Referate aus dem Netz

Lieber Fritz,

wie haltet ihr es mit Referaten, die offensichtlich und
nachweislich vom ersten bis zum letzten Buchstaben aus dem
Netz geholt wurden?

das wäre bei mir ein Täuschungsversuch, mithin eine 6

Auch wenn es sich um eine Sonderschule handelt. Selbst da sollte es klar sein, sich ein paar gGedanken dazu zu machen und sei es auch nur, indem einige Fußnoten gesetzt werden, oder der eine oder andere Satz umformuliert wird.
Ansonsten solltest Du in Zukunft mit Fotokopien aus Lexika zufrieden sein.

Gandalf

Hallo.

An der deutschen
Schule dagegen, legt der Lehrer den Kopf schief und murmelt:
mhm ja, das war eine drei, denke ich. Für die Kinder wenig
Möglichkeit, die eigene Arbeit selbstkritisch zu betrachten
und dabei zu lernen, wo sie sich verbessern könnten.

Wäre das eine Möglichkeit bei dir?

Das unterstellt einen Lehrertyp, den ich in meiner ganzen Schulzeit noch nie kennengelernt habe. Ganz im Gegenteil.
Wenn echte Referate (also freie mündliche Vorträge, keine mißverstandenen schriftlichen Arbeiten) abzuhalten waren, wurde immer ausreichend begründet, oder sogar in die Klasse gefragt, was gut und weniger gut ist.

Man muß da auch gar nicht soweit gehen, eine Selbsteinschätzung niederschreiben oder die anderen Schüler Noten verteilen zu lassen.

Letzteres klappt übrigens auch nur nicht gerade tiefgreifenden Fächern.
Ich habe im Technikunterricht nämlich so eine Situation schon erlebt:
Wir mußten eine Komplexarbeit durchführen - technisches Zeichnen eines Wohnhauses mit der einzigen Vorgabe „Größe 10 x 8 Meter, Höhe 8 Meter“. Nach unseren vollständig bemaßten technischen Zeichnungen mußten wir dieses Haus dann bauen.
Es wurden Gruppen gebildet und die Arbeiten wurden rotierend über alle Gruppen durch uns selbst bewertet.

Solche Sachen sind einfach nicht von Schülern zu schaffen. Das gilt für jede Technik- und Naturwissenschaft.

Als es nämlich zwischenzeitlich etwas laut wurde, hat der Lehrer diese Gruppenbewertung abgebrochen und es selbst erledigt.

Die Noten waren *fachlich sauber begründet* teilweise zwei Grade weiter unten.

Schülern fehlt für solche Zusammenhänge das Gefühl und die Erfahrung.
Bei einem bunten Referat in den unteren Klassen mag das noch gehen, als Rückkopplung oder dergleichen, aber es wird zusehends weniger objektiv.

MfG

Grüße
Elke

* ich erinnere mich an die Spaceneedle aus Seattle aus
Karton für ein Referat über Washington, State, und einen
„funktionierenden“ Vulkan über Hawaii - stöhn!

Hallo!

Ich sehe keinen Unterschied darin, ob ein Schüler lernbehindert ist oder nicht. Wenn sie selbst Leistung erbringen sollen, dann müssen sie es eben selbst machen und sich anstrengen, oder die Konsequenzen tragen. So ist es eben.

Frage die Schüler beim nächsten Mal nach dem Thema welche sie bearbeiten möchten und drucke ihnen die Informationen aus, aus denen sie dann ihre Präsentation machen sollen. Die Präsentationen sollen digital sein oder handschriftlich oder ausgedruckt. Sie dürfen nicht wörtlich deine Texte sein. Dies setzt zumindest voraus, dass die Schüler den Text lesen, verstehen und dann umsetzen ( abtippen, abschreiben ) müssen. Andere Quellen und Informationen werden nur unter Angabe der Quelle akzeptiert und es wird nachgeprüft, ob es nur copy and paste ist. Ist zwar etwas mehr arbeit für dich, aber nach spätestens drei Reinfällen für die Schüler, sollten sie wissen, dass du deine „Drohungen“ auch wahr machst.

TAra

1 „Gefällt mir“

Protokolle
Moin,

ich hab es an der Uni so gehalten, dass ich meinen Studenten von vornherein gesagt habe, dass es mir wurscht ist, wenn sie ihre Protokolle aus dem Netz klauen, solange die richtigen Zahlen eingesetzt sind und die Ergebnisse stimmen. Sie würden schon sehen, was sie davon haben, wenn sie die Klausur nicht bestehen.
Persönliche Erfahrung hat nämlich gezeigt, dass beim Selberschreiben mehr hängen bleibt.
Hat sich dann in der Klausur auch tatsächlich gezeigt, aber dann wars für einige zu spät.

Bei Referaten gab es nachträglich noch eine kleine Fragerunde. Da sieht man dann ja, ob der Vortragende nur abgepinnt hat oder ob der die Materie verstanden hat - das ist imho das Wichtigste.

Grüße
Cess

Hi,

ich gebe dir insofern Recht, als dass fachliche Aspekte nur vom Lehrer bewertet werden können. Aber ich finde, zu einem Referat gehört sehr viel mehr als nur Inhalt! Sprechweise (monoton oder lebendig), sinnvolle Nutzung von Hilfsmitteln (Tafel, Arbeitsblätter, Poster, Computer, Modelle), freies Sprechen, verständliche Aufbereitung, Gestik und Mimik, Blickkontakt zu der Klasse, Einhaltung der Zeit und, und, und.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Lehrer in der Schule häufig nur auf den Inhalt Wert legen. Erst hier an der Uni hatten wir ein richtiges (unbewertetes) Seminar, in dem es vorrangig um die VortragsWEISE ging. Und dabei ist das Feedback der Zuhörer sehr wichtig. Bei uns wurden ca. 10 Zettel an verschiedene Zuhörer ausgeteilt mit der Auflistung der Bewertungsaspekte (wenn’s jemanden interessiert, könnte ich mal nachschauen, ob ich die Liste noch habe). Der Vortragende wurde mit der Kamera aufgenommen und bekam diesen dann auf CD (nur für sich selbst, dass er sieht, wie er überhaupt gewirkt hat). Nach jedem Vortrag gab es außerdem direktes Feedback von dem „Publikum“. Natürlich hatten die Vorträge durchaus einen Inhalt, aber den inhaltlichen Teil mussten wir noch in den Semesterferien bearbeiten und als Essay abgeben (wurde bewertet), sodass wir uns während des Semesters ausschließlich auf die Vorträge konzentrieren konnten. Die Bewertung der Vorträge wurde ausgesetzt, um nicht zu viel Druck aufkommen zu lassen.

Um noch einmal auf die Schule zurückzukommen: Wir hatten im Deutschunterricht separat das Thema „freie Rede“. Dabei konnten wir uns ein beliebiges Thema aussuchen, dazu einen fünfminütigen Vortrag (mit stilistischen Mitteln etc.) erstellen, diesen auswendig lernen (das war nicht unbedingt verlangt, aber so war es halt am einfachsten) und von einem Rednerpult heraus vortragen. Danach gab es wiederum Feedback von der Klasse und von der Lehrerin. Dann gab es mal das Thema einer moderierten Diskussion, bei der sich die Schüler zu Grüppchen zusammensetzten, sich ein Diskussionsthema ausdachten, jeder Informationen einholte, einer war dann der Moderator und es wurde vor der Klasse eine „Diskussion“ geführt. Solche Übungen fand ich sehr, sehr hilfreich! Weil man hier das Thema VÖLLIG frei wählen konnte (es kann sich jeder also das raussuchen, wofür er sich eh interessiert, da braucht er nicht abkupfern), konnte man sich auf die Attribute drumherum konzentrieren. Wenn man sowas ein paar mal gemacht hat, verliert man langsam die Angst und ist irgendwann auch in der Lage, einen Vortrag mit vorgegebenem Inhalt vernünftig durchzuziehen.

@ Fritz: Ich habe den Eindruck, dass du dich von den Schülern erpressen lässt. Ob lernbehindert oder nicht, du tust ihnen keinen Gefallen damit, dass du nicht einmal Mindestanforderungen an ihre Arbeit stellst. Der Sinn der Berufsschule ist es doch, dass sie danach ins normale Arbeitsleben integriert werden, oder? Aber wie soll das geschehen, wenn sie noch nicht einmal minimale Anforderungen des Arbeitslebens gewohnt sind? Wenn sie gar nicht in der Lage sind, sich Informationen selbstständig zusammenzusuchen und sie dann einigermaßen verständlich vorzutragen? Was soll das heißen: Wenn du sie zu einem Vortragsthema zwingst, dann verweigern sie die Arbeit komplett? Sollen sie dann später am Arbeitsplatz auch nur das tun, was SIE wollen, und nicht das, was der Chef verlangt? Sorry, aber unter diesen Umständen sehe ich den Sinn nicht, der hinter dieser Schule überhaupt steckt.

Liebe Grüße,
Anja

2 „Gefällt mir“

Eine Art PS bzw. was ich damit im konkreten Fall sagen wollte:

Pflichten und ein gewisses minimales Anforderungsniveau müssen sein, um die Schüler auf das Arbeitsleben vorzubereiten. Vielleicht wäre es hilfreich, den inhaltlichen Teil von dem Vortrag zu trennen. Z.B. wird zuerst eine schriftliche Arbeit angefertigt und vom Lehrer korrigiert, danach wird auf der Grundlage dieser Arbeit ein Vortrag erstellt mit dem Ziel, das Thema den Mitschülern möglichst verständlich und interessant zu vermitteln. Diese Entkopplung würde die Gesamtaufgabe in überschaubare Teilschritte zerlegen, außerdem wäre damit eine differenziertere Notengebung möglich.

Die Klasse in die Auswertung des Vortrages einzubeziehen fände ich wichtig, damit der Schüler ein direktes Feedback von gleichaltrigen Zuhörern bekommt und sich diese Zuhörer wiederum bewusst Gedanken über mögliche Vortragsmängel machen (sie müssen ja auch Vorträge halten).

Vielleicht würde es auch helfen, speziell das Reden vor dem Publikum an sich zu üben, falls die Zeit dies zulässt: Durch Reden, moderierte Diskussionen, von mir aus auch ein wenig Schauspiel u.ä., damit sich die Schüler daran gewöhnen, sich vor einem Publikum zu äußern.

2 „Gefällt mir“

Lieber Fritz,

an der Hochschule haben wir vielleicht etwas strengere Massstäbe:

wie haltet ihr es mit Referaten, die offensichtlich und
nachweislich vom ersten bis zum letzten Buchstaben aus dem
Netz geholt wurden?

Die sind ganz klar „ungenügend“: Durchgefallen.

Eigenleistung daran war das Suchen und das Finden und das
Herunterladen, eventunell die Formatierung und am Ende das
Ausdrucken.

Reicht das für eine befriedigende Note?

Nein - nicht einmal für eine „ausreichende“. „Ungenügend“ ist die einzig richtige Note dafür.

Etwa dreißig bis fünfzig Prozent meiner Leute arbeiten
inzwischen so, trotz meiner immer wieder geäußerten Einwände.

Als Studenten/Arbeitnehmer landen sie dann gewaltig auf der Nase.

Da ich manchmal bei Schülerwettbewerben (z.B. Focus) in der Jury sitze: Ich teste die Texte auf Plagiate (google). Fällt mir ein Plagiat auf, haben die Schüler verloren (etwa 10 %). Gnadenlos und ohne weitere Diskussion. Dieser Sachverhalt wird den Schülern auch so mitgeteilt.

Warum diese Härte?
Wie Peter es schreibt. Das ist kein Kavaliersdelikt sondern ernstes Fehlverhalten (Urheberrechtsverletzung, Täuschung etc.). Im späteren Leben kann so eine Verhaltensweise den Verlust des Arbeitsplatzes nach sich ziehen und/oder vor Gericht enden. An der Schule sollte das nicht toleriert werden.

Ciao R.

auch noch mein Senf…
Servus, Fritz:smile:

Ich weiss nicht, ob du das so handhaben kannst - aber zu meiner Zeit in der Mittelschule wurden erschwindelte Referate, Schularbeiten, Aufsätze, etc. - und wir hatten auch ohne „Netz“ genügend Gelegenheit, zu schummeln - einfach NICHT bewertet.

Und wenn man am Semesterschluß nicht die entsprechende Anzahl von bewerteten Arbeiten hatte, gabs Nachprüfungen - und im Ernstfall dann halt nicht die Versetzung, mangels „prüfbarer Ergebnisse“ (so hieß das damals, wenn ich mich recht erinnere).

Ich bin in meiner 12 jährigen Schulkarriere einmal (in Mathematik!!) ertappt worden - und die „Nichtbewertung“ hat mich mehr geschmerzt, als mich eine schlechte Note (die ja auch leichter wieder „gutzumachen“ war) getroffen hätte.

Lieben Gruß aus Wien, jenny

Noch ne Idee [ad A- und B-Note]
Hi Fritz,

ich hab nochmal über die Sache mit der A- und B-Note nachgedacht und fand das doch ein wenig unbefriedigend… Weil, irgendwie wirst Du dann doch nen Mittelwert (ggf. gewichtet) bilden müssen, so dass der „faule Sack“ der alles abschreibt aber gut vorträgt möglicherweise besser behandelt wird als die „arme fleissige Sau“ sie sich jedes Fitzelchen Information mühsam zusammenklaubt und dann schlecht vorträgt.

Darum hatte ich die Idee, diese Referate aufzuteilen. Zum einen gibst Du den Jungs und Mädels fertige Referate (aus dem Internet klauen kannst Du ja auch *fg*) die sie vorbereiten und vortragen sollen. Das gibt dann ne „Vortragsnote“. Und zum anderen kriegen die Leutchen ein Thema, zu dem sie ne Recherche machen sollen und was ausschliesslich schriftliches ausarbeiten. Und das ist eben bei „Abschreiben“ glatt durchgefallen, wobei diese Tatsache natürlich auch vorher bekannt ist :wink:

Denn es ist einfach sehr viel schwerer aus schlecht (weil selbst und unbeholfen) recherchierten Informationen einen guten Vortrag zu machen als aus guten (weil geklauten) Informationen. Und so hat jeder die gleichen Voraussetzungen. Einmal gute Basis für den Vortrag und einmal Recherche.

*wink*

Petzi

Dank an alle Mitredner!
Ich habe den Faden runtergeladen und ausgedruckt, gelesen und darüber medidiert.
Ich finde alle Beiträge hilfreich.
Das wichtigste Ergebnis ist für mich, dass ich beim nächsten Mal die Referate besser einleiten und vorbereiten werde. Wenn ichs kann.

Nochmals Dank und Gruß
Fritz