Hi,
ich gebe dir insofern Recht, als dass fachliche Aspekte nur vom Lehrer bewertet werden können. Aber ich finde, zu einem Referat gehört sehr viel mehr als nur Inhalt! Sprechweise (monoton oder lebendig), sinnvolle Nutzung von Hilfsmitteln (Tafel, Arbeitsblätter, Poster, Computer, Modelle), freies Sprechen, verständliche Aufbereitung, Gestik und Mimik, Blickkontakt zu der Klasse, Einhaltung der Zeit und, und, und.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Lehrer in der Schule häufig nur auf den Inhalt Wert legen. Erst hier an der Uni hatten wir ein richtiges (unbewertetes) Seminar, in dem es vorrangig um die VortragsWEISE ging. Und dabei ist das Feedback der Zuhörer sehr wichtig. Bei uns wurden ca. 10 Zettel an verschiedene Zuhörer ausgeteilt mit der Auflistung der Bewertungsaspekte (wenn’s jemanden interessiert, könnte ich mal nachschauen, ob ich die Liste noch habe). Der Vortragende wurde mit der Kamera aufgenommen und bekam diesen dann auf CD (nur für sich selbst, dass er sieht, wie er überhaupt gewirkt hat). Nach jedem Vortrag gab es außerdem direktes Feedback von dem „Publikum“. Natürlich hatten die Vorträge durchaus einen Inhalt, aber den inhaltlichen Teil mussten wir noch in den Semesterferien bearbeiten und als Essay abgeben (wurde bewertet), sodass wir uns während des Semesters ausschließlich auf die Vorträge konzentrieren konnten. Die Bewertung der Vorträge wurde ausgesetzt, um nicht zu viel Druck aufkommen zu lassen.
Um noch einmal auf die Schule zurückzukommen: Wir hatten im Deutschunterricht separat das Thema „freie Rede“. Dabei konnten wir uns ein beliebiges Thema aussuchen, dazu einen fünfminütigen Vortrag (mit stilistischen Mitteln etc.) erstellen, diesen auswendig lernen (das war nicht unbedingt verlangt, aber so war es halt am einfachsten) und von einem Rednerpult heraus vortragen. Danach gab es wiederum Feedback von der Klasse und von der Lehrerin. Dann gab es mal das Thema einer moderierten Diskussion, bei der sich die Schüler zu Grüppchen zusammensetzten, sich ein Diskussionsthema ausdachten, jeder Informationen einholte, einer war dann der Moderator und es wurde vor der Klasse eine „Diskussion“ geführt. Solche Übungen fand ich sehr, sehr hilfreich! Weil man hier das Thema VÖLLIG frei wählen konnte (es kann sich jeder also das raussuchen, wofür er sich eh interessiert, da braucht er nicht abkupfern), konnte man sich auf die Attribute drumherum konzentrieren. Wenn man sowas ein paar mal gemacht hat, verliert man langsam die Angst und ist irgendwann auch in der Lage, einen Vortrag mit vorgegebenem Inhalt vernünftig durchzuziehen.
@ Fritz: Ich habe den Eindruck, dass du dich von den Schülern erpressen lässt. Ob lernbehindert oder nicht, du tust ihnen keinen Gefallen damit, dass du nicht einmal Mindestanforderungen an ihre Arbeit stellst. Der Sinn der Berufsschule ist es doch, dass sie danach ins normale Arbeitsleben integriert werden, oder? Aber wie soll das geschehen, wenn sie noch nicht einmal minimale Anforderungen des Arbeitslebens gewohnt sind? Wenn sie gar nicht in der Lage sind, sich Informationen selbstständig zusammenzusuchen und sie dann einigermaßen verständlich vorzutragen? Was soll das heißen: Wenn du sie zu einem Vortragsthema zwingst, dann verweigern sie die Arbeit komplett? Sollen sie dann später am Arbeitsplatz auch nur das tun, was SIE wollen, und nicht das, was der Chef verlangt? Sorry, aber unter diesen Umständen sehe ich den Sinn nicht, der hinter dieser Schule überhaupt steckt.
Liebe Grüße,
Anja