Hi Fritz,
ich möchte dir kurz schildern, wie Referate an der
amerikanischen Elementary+Middle School, die meine
Söhne besucht haben, gehandhabt wurde.
Vor jedem Referat gab es eine Fotokopie, auf der
SEHR detailiert geschrieben stand, für welchen
Teilaspekt es welche Punkte gibt und wie die Note
sich dann zusammensetzt.
Also:
Gliederung (immer Punkte von 1-10)
visuelle Aufbereitung (Folien, Poster usw., da es
sich um 5 und 6 Klässler handelte, wurde da durchaus
auch bewertet, ob das Poster [das eigentlich immer obligatorisch
war] schön bunt war etc., nicht nur der Informationswert
desselben, Modelle, die dazu gebaut wurden usw.*)
Vortrag (hier wurde immer genau aufgelistet: war ich laut
genug, verständlich, hatte ich Blickkontakt mit dem
Publikum, habe ich frei geredet oder abgelesen usw.)
Inhalt (der war u.U. schwerer gewichtet, also 20 oder
gar 30 Punkte - manchmal wurde die Gewichtung aber durch
eine zusätzliche Unterteilung erreicht, also: Einleitung,
Hauptteil, Schlussfolgerung, Argumentation separat)
Quellenverwertung (wurden welche benutzt, waren sie angegeben usw.)
Rechtschreibung
Grammatik/Satzbau
eventuell auch Vorarbeiten (wenn sie einen Teil vorher
einreichen mussten - Referate waren sehr aufwändig, nannten
sich „Projects“ und es waren meist Halbjahresarbeiten, an
denen wirklich lange gearbeitet wurde)
Diese Aufschlüsselung gab es vor den Referaten und musste
AUCH von den Schülern ausgefüllt werden (Selbsteinschätzung).
Außerdem bewerteten Klassenkameraden auf einem Vordruck
auch immer die Arbeit der anderen (erstaunlich wie objektiv
die 10-12jährigen schon sein konnten).
Das klingt nach viel Arbeit, ist es aber eigentlich nur
EINMAL, man kann ja immer den gleichen Vordruck verwenden.
Zum einen wissen die Schüler damit, was von ihnen ganz
konkret erwartet wird, zum anderen fand ich die Notengebung
immer viel objektiver und auch (für mich als Elternteil wie
für die Kinder) viel eher nachvollziehbar. An der deutschen
Schule dagegen, legt der Lehrer den Kopf schief und murmelt:
mhm ja, das war eine drei, denke ich. Für die Kinder wenig
Möglichkeit, die eigene Arbeit selbstkritisch zu betrachten
und dabei zu lernen, wo sie sich verbessern könnten.
Wäre das eine Möglichkeit bei dir?
Grüße
Elke
* ich erinnere mich an die Spaceneedle aus Seattle aus
Karton für ein Referat über Washington, State, und einen „funktionierenden“ Vulkan über Hawaii - stöhn!