ich mache gerade mein erstes Staatsexamen und surfe jetzt schon mal in den Diskussionsforen für Referendare herum … was man da liest, klingt wie der reine Horror: Mobbing ist an der Tagesordnung, massenhaft zerbrechen Beziehungen und die Betroffenen selbst sind permanent kurz vor dem Zusammenbruch.
Wie sind denn Eure Erfahrungen hier? Dass die Zeit des Referendariats kein Zuckerschlecken wird und dass ich auch mit Kritik fertig werden muss, ist mir klar - aber ist es denn wirklich so, dass ansonsten doch wohl ganz normale Menschen zu Monstern werden, sobald sie einen Referendar ausbilden müssen?
mein Referendariat liegt schon 20 Jahre zurück , aber es war so schrecklich, dass ich heute noch Beklemmungen habe, ein Lehrerzimmer zu betreten. Meine Ausbilder waren teilweise unqualifiziert für die Schulstufe, in der ich unterrichten sollte und ich war wohl auch nicht kooperativ genug, weil ich das Referendariat als eigenverantwortliches Unterrichten verstanden habe. Ich habe nicht jede Besuchsvorbereitung mit den Ausbildern abgesprochen, sondern nur mit den Mentoren. Das wurde mir übelgenommen und die Quittung bekam ich mit einer Vier im hauptfach in der Prüfung. Mit einem Dreierexamen habe ich nie reelle Chancen auf eine Stelle gehabt. Jetzt, wo sie Lehrer brauchen, werde ich hofiert, weil ich Musik als Fach habe, aber jetzt nehm ich mir die Freiheit und suche mir aus, ob und an welche Schule ich will. Inzwischen habe ich nämlich eine Stelle als Musikschullehrerin.
Ich hatte damals ganz stark das Gefühl, dass das Referendariat keineswegs eigenverantwortliches Unterrichten ist. Ich hoffe für dich, dass es heute anders ist und dass du nette Mentoren und Ausbilder hast. Mir hat damals der Schulleiter sehr viel geholfen.
Liebe Grüße
R.
Kurze Antwort: Kommt darauf an. Aber damit kannst Du wahrscheinlich wenig anfangen, deshalb lange Antwort:
Grundsätzlich ist es so wie überall, Du kannst Glück haben, nette Kollegen, freundliche Schüler, wohlmeinende Mentoren, kompetente Fachleiter, ein angenehmes Klima im Hauptseminar etc. Aber auch das Gegenteil kann Dir (wie in jedem anderen Beruf) passieren.
Von der Arbeitsbelastung habe ich mein Referendariat (89 - 91 in Köln) als nicht so extrem empfunden, allerdings ein wenig nervig die Nachbesprechungen bei den Lehrproben, weil es manche Fachleiter doch ganz gerne sehen, wenn sie mehr wissen als der kleine Referendar. Auch Fachleiter sind Lehrer und es existiert eben das bekannte „Lehrersyndrom“, immer alles besser zu wissen, gleichwohl der Referendar sich durch das erste Staatsexamen ja auch eine anerkannte Qualifikation erworben hat. Zudem ist es natürlich ebenfalls nervig, nach Schule, Abitur, Studium mit seinen Anforderungen für diverse Scheine und Staatsexamen mit eventuellen Zusatzprüfungen (SEK I / SEK II) sich nun zum x-ten Male irgendwelchen Prüfungssituationen auszusetzen, aber „that’s the Job“.
Weiterhin denke ich, daß zum Beruf des Lehrers einige „Sekundärtugenden“ erforderlich sind wie Autorität, Durchsetzungsvermögen, Selbstbewußtsein etc, die aber auch und besonders schon im Referendariat und den dort möglicherweise erwachsenden Auseinandersetzungen gefordert sind. Stichwort: sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen.
Die Aussagen in irgendwelchen Referendar-Foren würde ich nicht zu ernst nehmen, da die vielen, die - wie man in Wien sagt - nix zum sudern haben, vermutlich sich dort auch nicht zu Wort melden und es eben spektakulärer wirkt, wenn man über Negatives berichtet.
Fazit: Ich sehe die Sache nicht besonders dramatisch. Sicher kann es auch unangenehme Situationen geben (wo gibt’s die nicht?), aber das macht eben den Lehrerjob aus: sich nicht von den ersten Unannehmlichkeiten unterkriegen lassen.
In diesem Sinne: Trau Dich, viel Erfolg und
Grüße aus Wien
Helmut
bin jetzt in den letzten Tagen des Referendariats für GHS in RLP, Studienseminar Neuwied.
Wenn du bestimmte Fragen hast, kannst du mir gerne mailen.
Ansonsten kann ich mich nur meinem Vorredner anschließen: Du hast dabei mit sehr vielen Menschen (Persönlichkeiten) zu tun, und es ist meistens Glückssache, ob ihr euch versteht oder nicht.
Der Leistungsdruck ist wesentlich stärker als an der Uni (du musst dich nun für die Schule und die Seminare vorbereiten), aber es ist machbar. Vor allem hilft es, wenn die Referendare untereinander Arbeitsgemeinschaften bilden, das erleichtert alles. Auch dein Partner sollte Verständnis haben, dass du im Referendariat stärker belastet bist (psychisch und mit schulischer und Seminar-Arbeit eingedeckt), und dich unterstützen.
Denke einfach daran, wie viele Lehrer es gibt, jeder musste durch’s Ref, und fast alle haben es geschafft.
Mach’ dich einfach nicht vorher verrückt, sondern warte es ab - vielleicht hast du ja auch Glück mit Schule und Fachleitern? Solche Fälle gibt es nämlich auch.