Hallo Experten,
aus aktuellem Grund: Wer hat eigentlich das Unwort vom „Regierungsauftrag“ erfunden? Inhaltlich ist das Wort ja sinnlos, daher vermute ich, dass es von irgendeinem Politiker stammt.
Gruß
Anwar
Hallo Experten,
aus aktuellem Grund: Wer hat eigentlich das Unwort vom „Regierungsauftrag“ erfunden? Inhaltlich ist das Wort ja sinnlos, daher vermute ich, dass es von irgendeinem Politiker stammt.
Gruß
Anwar
Hi,
der Regierungsauftrag ist der Auftrag, zu regieren. Was ist daran unsinnig?
Schulen haben den Erziehungsauftrag, und den Bildungsauftrag. Mehr Beispiele fallen mir grade nicht ein.
die Franzi
Hallo,
der Regierungsauftrag ist der Auftrag, zu regieren. Was ist
daran unsinnig?
Der „Regierungsauftrag“ wird ja immer mal wieder gerne von Politikern genutzt, die eine andere Koalition madigreden wollen. Z.B. wird dann gerne mal davon geredet, dass „die Bürger Partei XY den Regierungsauftrag entzogen haben“ (wenn Partei XY viele Stimmen verloren hat, aber trotzdem noch in einer Koalition regieren kann) oder „wir haben von den Bürger ja den Regierungsauftrag erhalten, nicht Partei XY“ (wenn man selbst gut abgeschnitten hat, der mögliche Koalitionspartner aber eher zu Partei XY tendiert).
Das ist natürlich Blödsinn, einen solchen Auftrag zur Regierungs(bildung) gibt es in unserer Demokratie nicht.
Gruß
Anwar
Hallo auch…
Was bitte sage ich mit meiner Stimmabgabe für Partei XYZ aus, wenn nicht: „ich vertraue eurer Partei (mehr als den anderen) und will deshalb, dass Ihr uns regiert.“?
Gruß
KB
Hallo,
Was bitte sage ich mit meiner Stimmabgabe für Partei XYZ aus,
wenn nicht: „ich vertraue eurer Partei (mehr als den anderen)
und will deshalb, dass Ihr uns regiert.“?
Das mag ja für den einzelnen Bürger Stimmen. Dieses Wort wird aber zur Rechtfertigung für den einzig legitimen Anspruch auf die Regierungsbildung gebraucht - wie ich oben schrieb: „Wir haben die meisten Stimmen, daher wollen die Bürger, das wir regieren“ - stimmt natürlich nicht, an einer Regierung muss die stärkste Fraktion selbstverständlich nicht beteiligt sein, weder rechtlich noch moralisch gibt es einen Anspruch darauf. Aber mit diesem Wort soll einer suggeriert werden.
Gruß
Anwar
Inhaltlich ist das Wort ja
sinnlos
Wie kommst Du darauf? Der „Regierungsauftrag“ wäre paraphrasiert „der Auftrag, eine Regierung zu bilden“ - das ist inhaltlich sinnvolles und grammatikalisch und semantisch korrekt konstruiertes Wort.
Gruß,
Max
Das ist natürlich Blödsinn, einen solchen Auftrag zur
Regierungs(bildung) gibt es in unserer Demokratie nicht.
Das aber keine sprachwissenschaftliche, sondern eine politische Aussage.
Das Wort ist deswegen nicht sinnlos, genausowenig wie die Wörter „Zeitreise“ oder „Warpkern“ sinnlos sind, nur weil es sowas in der Physik nicht gibt.
Gruß,
Max
Hallo,
Das Wort ist deswegen nicht sinnlos, genausowenig wie die
Wörter „Zeitreise“ oder „Warpkern“ sinnlos sind, nur weil es
sowas in der Physik nicht gibt.
Gut, wenn man sich auf den rein formalen Standpunkt stellt, dass es dieses Wort gibt, dann kann man sprachlich trotzdem beanstanden, dass es falsch benutzt wird. „Monarchie“ ist sicher ein richtiges Wort, sprachlich wäre es dennoch falsch zu sagen wir hätten hier eine…
Gruß
Anwar
Hallo!
dann kann man sprachlich trotzdem
beanstanden, dass es falsch benutzt wird.
Inwieweit? Wer es benützt, will damit ausdrücken, daß er sein Wahlergebnis als Auftrag zur Regierungsbildung versteht. Das ist genau ein Gebrauch, der der Bedeutung des Wortes entspricht. Auch wenn man das politisch anders siehst, sehe ich darin keine falsche Benutzung des Wortes.
„Monarchie“ ist
sicher ein richtiges Wort, sprachlich wäre es dennoch falsch
zu sagen wir hätten hier eine …
Wenn Du mit diesem Wort ausdrücken willst, daß wir eine vererbbare Alleinherrschaft einer Person haben, wäre es sprachlich völlig korrekt, das Wort Monarchie zu verwenden. Ob wir tatsächlich eine solche Alleinherrschaft haben, ist eine inhaltliche Debatte, keine sprachliche. Es steht jedem Menschen auch jederzeit frei, unser System als Tyrannei, Diktatur, Oligarchie zu bezeichnen - die Wörter sind völlig korrekt benutzt, wenn er damit genau das sagen will, was sie bedeuten.
Falsch verwendet wäre das Wort „Monarchie“ nur dann, wenn jemand damit ausdrücken willst, daß es sich um ein parlamentarisches System mit Wahlen handelt.
Die Hoheit über Begriffe und ihre Bedeutung zu beanspruchen, ist für mich eher ein Zeichen einer Diktatur. Ich kann jederzeit der Meinung sein, daß ein Wahlsieg einen Regierungsauftrag bedeutet, und ich kann das jederzeit mit genau diesen Worten ausdrücken. Diese Worte als „falschen Sprachgebrauch“ zu kritisieren bedeutet, die Gedanken über die Sprache kontrollieren zu wollen, vergleichbar mit dem Orwellshen Neusprech:
http://de.wikipedia.org/wiki/Neusprech
Gruß,
Max
Gruß,
Max
aus aktuellem Grund: Wer hat eigentlich das Unwort vom
„Regierungsauftrag“ erfunden? Inhaltlich ist das Wort ja
sinnlos, daher vermute ich, dass es von irgendeinem Politiker
stammt.
Hallo,
das Wort ist keineswegs sinnlos, es bedeutet bloss was anderes:
„Das Ökoinstitut untersucht im Regierungsauftrag die Folgen von Fukushima“
ist zwar unwahrscheinlich, aber korrektes Deutsch.
Gruss Reinhard
Hallo Reinhard,
das Wort ist keineswegs sinnlos, es bedeutet bloss was
anderes:
Gut, ich würde hier eher von einem Homonym sprechen, könnte mir aber fast vorstellen, dass hier der Wortursprung liegt und ein Politiker das Wort (mal wieder) falsch benutzt hat.
Gruß
Anwar
Hallo!
das Wort ist keineswegs sinnlos, es bedeutet bloss was
anderes:
Nein, so kann man das nicht sagen. Gerade komposita können sehr viel fältige Bedeutungen annegmen. Heringer (1) hat das mW passenderweise am Beispiel der „Fischfrau“ durchexzerziert, die eine Fischverkäuferin sein kann oder im Kinderbuch die Frau des Fisches oder eine Frau, die wie ein Fisch aussieht.
Bekannt ist ja auch das Beispiel des Meisterdiebes, der mitnichten Meister stiehlt, obwohl der Juwelendieb sich an Juwelen vergreift.
Ein Regierungsauftrag kaann also sprachlich sowohl ein „Auftrag an die Regierung“ sein als auch ein „Auftrag zur Regierung“. Keine der beiden Verwendungen ist sprachlich richtiger oder falscher.
Die Frage, ob es einen „Auftrag zur Regierung“ wirklich gibt, ist (wie ich unten geschrieben habe) ein rein inhaltliche Frage, keine sprachliche. Sprachlich gibt es an dem Wort und seiner Verwendung nichts auszusetzen.
Gruß,
Max
(1) Heringer, Hans-Jürgen (1984): Wortbildung: Sinn aus dem Chaos. In: Deutsche Sprache 12, S. 1-13.
„Das Ökoinstitut untersucht im Regierungsauftrag die Folgen
von Fukushima“ist zwar unwahrscheinlich, aber korrektes Deutsch.
Gruss Reinhard
Ein Regierungsauftrag kaann also sprachlich sowohl ein
„Auftrag an die Regierung“ sein als auch ein „Auftrag zur
Regierung“.
… oder natürlich ein "Auftrag der Regierung"´, wie Du geschrieben hattest.
Gruß,
Max
Hallo!
Oder sollte am Ende gar schlicht ein Staatsauftrag gemeint sein?
Gruß
Sepp
Hallo Anwar,
ich glaube eher von den Beamten,wo immer die auch ihren Posten haben.
Somit kann sich dann jeder mit der Ausrede:
„Ich handele im Auftrag der Regierung“ für seine Unfähigkeit aus der Verantwortung reden.
mfg Bollfried