Regulierungswut in Deutschland

Hallo zusammen,

fällt irgendjemandem nach den Ereignissen vom letzten Samstag noch ein gutes Argument gegen die „Regulierungswut“ in Deutschland (z.B. bei Bau- und Sicherheitsvorschriften) ein?

Elmar

Hallo zusammen,

fällt irgendjemandem nach den Ereignissen
vom letzten Samstag noch ein gutes
Argument gegen die „Regulierungswut“ in
Deutschland (z.B. bei Bau- und
Sicherheitsvorschriften) ein?

meinst du enschede?

wie kannst du denn in einen solchen unfall, der auf mangelnde vorschriften zurückzuführen ist, damit vergleichen, dass du 1 million formulare ausfüllen musst, bevor du auf deine garage nen wintergarten bauen darfst?

meinst du enschede?

wie kannst du denn in einen solchen
unfall, der auf mangelnde vorschriften
zurückzuführen ist, damit vergleichen,
dass du 1 million formulare ausfüllen
musst, bevor du auf deine garage nen
wintergarten bauen darfst?

Hallo Lars,

eigentlich hätte ich von Dir eine etwas differenziertere Antwort erwartet.

  1. Ich vergleiche nicht das Unglück mit den bürokratischen Hindernissen für ein Baugenehmigung.

  2. Ich habe natürlich erwartet, dass man mir - implizit oder explizit - bei diesem Posting Zynismus vorwirft.

  3. Was wäre, wenn Dein Wintergarten bei einem Sturm wie z.B. Lothar zu Bruch geht und durch die Glasscherben Passanten verletzt werden?

Was mich bei der ganzen Sache gewundert hat war folgendes: Holland war in der deutschen Öffentlichkeit in den letzten Jahren immer ein Vorbild hinsichtlich des Abbaus von Bürokratie. Plötzlich rennt hier jeder mit stolzgeschwellter Brust herum und verkündet: In Deutschland kann so etwas wegen unserer Sicherheitsvorschriften nie passieren.

Elmar

Hallo,

naja, wie gestern aus den Nachrichten zu entnehmen, ist es mit den deutschen Sicherheitsbestimmungen so viel besser auch nicht. Da hat man doch glatt nur ein paar Kilometer von Enschede entfernt auch ein schönes grosses verbotenes Sprengstofflager auf deutscher Seite entdeckt.

Zumindest halte ich es für positiv, dass man in D versucht, Sicherheitsrisiken behördlicherseits so weit wie möglich einzudämmen. Störend ist meiner Meinung nur die unendliche Bearbeitungszeit in deutschen Ämtern.

Andererseits gibt es in D aber auch einen grossen Haufen Überregulierungen. Sinnlose Verkehrsschilder, die total veraltete Verordnung über Ladenschluss, Rabatt- und Zugabeverordnung, Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (passagenweise), um ein paar Beispiele zu nennen.

Schlimm ist auch, dass die an sich schon riesige Menge deutscher Gesetze durch eine Flut von Kommentaren, Urteilen, Ausnahmeregeln etc. ergänzt wird, was den Überblick völlig unmöglich macht (Hut ab vor jedem Juristen…).

Manchmal denke ich mir jedenfalls, es wäre besser, ab und zu an den gesunden Menschenverstand zu appelieren, als ständig neue Verordnungen zu erfinden.

Gruss
Peter

holá

eigentlich hätte ich von Dir eine etwas
differenziertere Antwort erwartet.

ich hatte von dir auch ein differenzierteres statement erwartet… aber egal, man muss ja nicht immer alles ausführen.

  1. Ich vergleiche nicht das Unglück mit
    den bürokratischen Hindernissen für ein
    Baugenehmigung.

das kam bei mir aber so rüber.

  1. Ich habe natürlich erwartet, dass man
    mir - implizit oder explizit - bei diesem
    Posting Zynismus vorwirft.

klar, aber das musst du jetzt aussitzen…

  1. Was wäre, wenn Dein Wintergarten bei
    einem Sturm wie z.B. Lothar zu Bruch geht
    und durch die Glasscherben Passanten
    verletzt werden?

ja klar, das kann passieren; aber ist die gefahr nicht genau so gross, durch dachziegel verletzt zu werden? vielleicht ist es ja sogar sinnvoll, dass hier kontrolle ausgeübt wird. dass dieser wintergarten gewissen normen einhalten soll, ist klar.
und trotzdem: das ist mein grundstück, und da sollte man auch bauen dürfen, was man will - voraussetzung, es stört niemanden.

Was mich bei der ganzen Sache gewundert
hat war folgendes: Holland war in der
deutschen Öffentlichkeit in den letzten
Jahren immer ein Vorbild hinsichtlich des
Abbaus von Bürokratie. Plötzlich rennt
hier jeder mit stolzgeschwellter Brust
herum und verkündet: In Deutschland kann
so etwas wegen unserer
Sicherheitsvorschriften nie passieren.

ich kann dir jetzt irgendwie nicht mehr darin folgen, was denn nun eigentlich Deine eigenen meinung dazu ist?
abbau von bürokratie ja oder nein?

bis dann

Hallo Elmar :wink:))

fällt irgendjemandem nach den Ereignissen
vom letzten Samstag noch ein gutes
Argument gegen die „Regulierungswut“ in
Deutschland (z.B. bei Bau- und
Sicherheitsvorschriften) ein?

Ich denke, du verwechselst hier zwei Dinge: Regulierungswut und Sicherheitsbestimmungen. Die Sicherheitsbestimmungen sind ohne Frage zu unser aller Vorteil und in Deutschland vorbildlich. Die Regulierungswut jedoch ist ein enormes Hemmnis, das in Firmen viele Arbeitsstunden und privat viel Freizeit kostet.

cu Stefan.

Hallo auch,

naja, wie gestern aus den Nachrichten zu
entnehmen, ist es mit den deutschen
Sicherheitsbestimmungen so viel besser
auch nicht. Da hat man doch glatt nur ein
paar Kilometer von Enschede entfernt auch
ein schönes grosses verbotenes
Sprengstofflager auf deutscher Seite
entdeckt.

Das hat aber weniger mit den Sicherheitsbestimmungen zu tun. Die Genehmigung war abgelaufen, und das Lager wurde GEGEN die Bestimmungen weiterbetrieben. Verstöße gegen Regeln hast Du überall.

Zumindest halte ich es für positiv, dass
man in D versucht, Sicherheitsrisiken
behördlicherseits so weit wie möglich
einzudämmen.

Das stimmt. Nur könnte da ein bißchen mehr Koordination zwisschen den Organen, die die verschiedenen Vorschriften erlassen, stattfinden. Momentan gibt es diverse Vorschriften, die sich regelrecht widersprechen.

Störend ist meiner Meinung

nur die unendliche Bearbeitungszeit in
deutschen Ämtern.

Das kommt natürlich erschwerend hinzu. Obwohl - oft bemühen sich die armen Leutchen im Amt redlich und leiden auch nur unter Personalknappheit und unüberschaubaren Vorschriften.

Andererseits gibt es in D aber auch einen
grossen Haufen Überregulierungen.
Sinnlose Verkehrsschilder, die total
veraltete Verordnung über Ladenschluss,
Rabatt- und Zugabeverordnung, Gesetz
gegen unlauteren Wettbewerb
(passagenweise), um ein paar Beispiele zu
nennen.

Stimme voll zu.

Schlimm ist auch, dass die an sich schon
riesige Menge deutscher Gesetze durch
eine Flut von Kommentaren, Urteilen,
Ausnahmeregeln etc. ergänzt wird, was den
Überblick völlig unmöglich macht (Hut ab
vor jedem Juristen…).

So ist es.

Manchmal denke ich mir jedenfalls, es
wäre besser, ab und zu an den gesunden
Menschenverstand zu appelieren, als
ständig neue Verordnungen zu erfinden.

Du sprichst mir aus der Seele…

Gruß, Kubi

Hallo Lars,

eigentlich hätte ich von Dir eine etwas
differenziertere Antwort erwartet.

ich hatte von dir auch ein
differenzierteres statement erwartet…
aber egal, man muss ja nicht immer alles
ausführen.

Von mir kam kein Statement, sondern eine Frage.

Was mich bei der ganzen Sache gewundert
hat war folgendes: Holland war in der
deutschen Öffentlichkeit in den letzten
Jahren immer ein Vorbild hinsichtlich des
Abbaus von Bürokratie. Plötzlich rennt
hier jeder mit stolzgeschwellter Brust
herum und verkündet: In Deutschland kann
so etwas wegen unserer
Sicherheitsvorschriften nie passieren.

ich kann dir jetzt irgendwie nicht mehr
darin folgen, was denn nun eigentlich
Deine eigenen meinung dazu ist?
abbau von bürokratie ja oder nein?

Ich weiß es nicht.:wink:
Darum habe ich ja die Frage gestellt.

Ich könnte natürlich meine Meinung so darlegen, wie es die Politiker tun: Ich bin dafür, dass alle unnötigen Vorschriften abgeschafft und alle notwendigen beibehalten oder sogar erweitert werden.
Ist doch super, oder?!

Elmar

Hallo Stefan,

Ich denke, du verwechselst hier zwei
Dinge: Regulierungswut und
Sicherheitsbestimmungen. Die
Sicherheitsbestimmungen sind ohne Frage
zu unser aller Vorteil und in Deutschland
vorbildlich. Die Regulierungswut jedoch
ist ein enormes Hemmnis, das in Firmen
viele Arbeitsstunden und privat viel
Freizeit kostet.

Jetzt habe ich es kapiert:
Immer wenn jemand durch eine Vorschrift in seiner, sagen wir mal, Persönlichkeitsentfaltung behindert wird, ist es Überregulierung und wenn einer durch eine Vorschrift seine Interessen gewahrt sieht, ist es eine vernünftige Bestimmung.

Halt, da fällt mir ein: In Deutschland leben ja 80 Mio. Menschen. Hoffentlich stimmen deren Vorstellung von Persönlichkeitsentfaltung und deren Interessen einigermaßen überein. Sonst gibt es mit der obigen Definition ja ein ziemliches Kuddelmuddel.:wink:

Elmar

ich hatte von dir auch ein
differenzierteres statement erwartet…
aber egal, man muss ja nicht immer alles
ausführen.

Von mir kam kein Statement, sondern eine
Frage.

na guut…

Ich weiß es nicht.:wink:
Darum habe ich ja die Frage gestellt.

ok *g*

Ich könnte natürlich meine Meinung so
darlegen, wie es die Politiker tun: Ich
bin dafür, dass alle unnötigen
Vorschriften abgeschafft und alle
notwendigen beibehalten oder sogar
erweitert werden.
Ist doch super, oder?!

die unnötigen vorschriften sollten allerdings SOFORT und BRUTALSTMÖGLICH abgeschaffen werden.
wie gesagt, das beispiel mit der garage - oder einem lattenzaun etc -, das sind dinge, die gehen den staat einfach ncihts an.
bei öffentlichen gebäuden und höheren häusern hingegen schon.

bis dnan

Hallo Zusammen!

Warum immer nur Deutschland?
Wenn in Australien ein Maurer auf einem Bau eine Glühlampe auswechseln würde, käme es sofort zu einer Arbeitsniederlegung der Elektriker und der Maurer würde wahrscheinlich entlassen werden… (Streik oder australisch : Industrial problems).
Ich weiß, das hat mit unseren Bestimmungen und Gesetzen nichts zu tun, aber auch in anderen Ländern gibt es für uns unverständliche Regelungen.
Wenn in einem der vielen Häfen Australiens ein Schiff anlegt, machen Festmacher das Schiff fest. Das heißt, sie nehmen die Leinen des Schiffes in die Hand und legen sie um einen Poller. Kann jede Oma.
Haben die Festmacher auf dem Weg zum Hafen Probleme mit ihrem Auto und schaffen es nicht rechtzeitig da zu sein, fährt das Schiff solange an der Pier hin und her, bis sie da sind. Eine andere Person darf die Leine nicht über den Poller legen und wenn tausend Leute dort stehen würden. So ist es in Australien und auch im gelobten Land Neuseeland.
Was ich damit sagen will, nicht nur wir sind verrückt, es gibt auch andere.

Gruß Werner

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Ja. Überregulierung schafft auch komplexe Systeme, die beherrscht werden müssen. Überregulierung frustriert die Leute, behindert sie in der Ausübung ihrer Arbeit, das führt zu höherer Unsicherheit usw. Das sind keine Hirngespinste, das sieht und erfährt man immer wieder bei Bekannten und Kollegen!
Eleanore Dulles, eine grosse Deutschland-Freundin (!) sagte mal: „Deutschland ist schön, aber es ist alles so reguliert.“
Ich hab’ vor einigen Jahren eine Dachgaube gebaut, in einem Dachzimmer, kleines Ding, nur ‚n besseres Dachfenster. Ich hab‘ dem Bauamt der Gemeinde einen Plan vorgelegt, aus dem ganz klar hervorging, wie das Ding aussehen sollte und an welcher Stelle des Hauses es ist. Der Plan wurde zur Seite geschoben, da nicht im vorgeschriebenen 1:100-Massstab (er war 1:50, da ich meinte, man kann dann alles besser erkennen; bei 1:100 wäre die Gaube gerade mal 2 cm breit). Die Gemeinde gab mir für 9,- DM einen ca. 1,5 cm dicken Papierstapel, den ich doch bitte ausfüllen möge. Darunter Feuerstellenvorschriften (in dem Raum ist gar keine!), angrenzende Räume und deren Nutzung, Energieversorgung der Räume, Dacheindeckung usw.
Noch Fragen?
Gruss Stucki

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