Reichsmark

Hallo liebe WWWler!

Ich hoffe inständig, dass Ihr mir helfen könnt. Mal abgesehn davon hoffe ich, dass ich im richtigen Brett gelandet bin, wenn nicht bitte ich vielmals um Entschuldigung!

Kann mir jemand sagen, wieviel 1 Reichsmark heute in Euro ist? Hab’s schon mit Google versucht aber nix gefunden.

Danke und Grüße Tiffy

Hallo !

Ein Dollar war damals 4,20 RM wert.

mfgConrad

Hallo Tiffy,

von welchem Zeitpunkt sprichst Du?

Die Reichsmark war von 1923 bis 1948 gesetzliches Zahlungsmittel.

Spätestens ab 1936 lässt sich zu ihrem Wert keine sinnvolle Aussage mehr treffen, weil ab diesem Jahr nicht nur die schon vorher eingefrorenen Löhne, sondern auch die Preise nominal nicht mehr geändert werden durften. Wegen der staatlichen Devisenbewirtschaftung kann man auch über Wechselkurse zu mehr oder weniger frei handelbaren Währungen keine brauchbare Aussage mehr treffen.

In welchem Umfang die (im Vergleich zur 1923er harmlose) Inflation der Jahre 1946-1948 eigentlich aus der Zeit 1936-1945 aufgestaut war, kann von heute aus gesehen kaum mehr beurteilt werden.

Spätestens ab 1943 war es gänzlich unwichtig, ob jemand Geld hatte oder nicht. Wichtig waren die Berechtigungskarten zum Bezug von Lebensmitteln, Kleidung, Heizmaterial etc. Ab 1945 gab es wieder eine Art Währung, die aber nichts mit den bunten Papierchen zu tun hatte, auf denen Reichsmark stand. Die Einheit dieser Währung hieß Lucky Strike.

Wie wackelig eine Umrechnung für das Jahr 1946 ist, zeigt folgendes Beispiel, das ich von einer Zeitzeugin hörte: Eine Nähmaschinennadel kostete je nach Beziehungen einen bis zwei Liter Schnaps. Das entspricht ungefähr einem halben bis einem Monatslohn für einen Knecht in der Landwirtschaft. Von Geld war dabei aber überhaupt keine Rede.

Am Rande: Die Mark, Währung vor der Einführung der Reichsmark Ende 1923, hat im November 1923 den Höhepunkt ihrer Karriere erreicht: Ein Dollar kostete 4.200.000.000.000 Mark.

Deiner Fragestellung kann man wohl etwas näher kommen, wenn Du benennst, für welchen Zeitpunkt und für welchen Zweck (Kaufkraft? Grundstücksbewertung? Vergleich von Löhnen und Gehältern?) Du die Angabe brauchst.

Schöne Grüße

MM

Hallo Tiffy,

deine Frage wird so ohne weitere nicht zu beantworten sein,
weil in die Geschichte der „Reichsmark“ nun einmal auch die
„Weltwährungskrise“ und der 2.Weltkrieg fällt…
Du solltest schon einmal genauer definieren,um was es dir konkret geht…

mfg

Frank

Hallo liebe WWWler!

Es handelt sich um das Jahr 1939. Im speziellen habe ich ein Reklameblatt von einer Firma die Bekleidungsstoffe herstellt. Darauf liegen die Preise im Bereich zwischen 79 Pf. und 4,95 RM. Mich hätte interessiert, ob das viel ist (erschwinglich für die Bevölkerung) oder ob es Luxus war, diese Artikel zu kaufen (und dann eben auch noch selbst zu verarbeiten).
Meine Nachvorschungen haben ergeben, dass 1 RM heute ungefähr~ 10 Euro wären, ist das realistisch?

Danke und Grüße Tiffy

Hallo Tiffy,

meines Wissens lagen die Stundenlöhne für Industriearbeiter bei 0,80 … 1 RM (Männer), Frauen etwa 2/3 davon. Abzüge rund 35% (einschließlich Steuer und der „freiwilligen“ Abzüge für DAF und NS-Vokswohlfahrt).

Das Verhältnis 1:10 ist ein Faktor, mit dem man in diesem Zusammenhang wohl rechnen kann.

In 1939 waren Preiserhöhungen für Konsumgüter - die nominal nicht stattfinden durften - bereits in einigem Umfang durch verminderte Qualität der Produkte umgesetzt worden. Beispiel (so aus der Lamäng): Reduzierung des Fettgehaltes der Konsummilch von rund 4 auf 3,5% („Vollmilch“ für das Produkt ist ein Begriff aus dem tausendjährigen Reich). Im Textilbereich dürften Zellulose und kurzstapelige Fasern aus heimischer Produktion eine Rolle gespielt haben.

Schöne Grüße

MM

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Hallo,

eine exakte Umrechnung wird schwierig.
Vor allem deshalb, weil man ja auch die preise anderer notwendiger Waren im Zusammenhang dazu sehen muß.

Ich bringe da im Zusammenhang mal den Vergleich zwischen DDR und Bundesrepublik vor 1990. Ein Kilo Brot kostete in der DDr 62 Pfennige - das war wesentlich billiger als in der BRD. Für Wohnungsmiete (ohne Heizung) wurden 30 - 60 Mark bezahlt. Die Straßenbahnfahrt in Erfurt kostete 12 Pfennig. Dagegen stehen dann wieder Preise wie das Kilo Bananen (falls es welche gab) von 5 Mark und der Farbfernseher für 4.000 - 6.000 Mark.
Wie will man da einen halbwegs normalen Durchschitt finden? Wir hatten nach der Wende übrigens tatsächlich massig Bwertungsprobleme und haben sie manchmal heute noch. Ich werde z.B. nie begreifen, wieso ein fernseher billiger sein kann als eine Monatsmiete - da sind Dimensionen total verrutscht.

Das lag u.a. aber auch an folgender Geschichte:
NAch 1945 orientierten sich im Osten die Preise für die ja meist rationierten Güter und stäter auch für Industriegüter an den Vorkriegspreisen. Und 1952 wurden diese Preise dann festgeschrieben - neuentwickelte Produkte wurden dann irgendwie da eingeordnet, wobei die Vergleichbarkeit der Nutzung eine wesentlich größere Rolle spielte, alös der tatsächliche Produktionsaufwand. Von daher dürften die Preisrelationen der DDr der Vorkriegszeit eher entsprochen haben, wie die der BRD.

Du nennst das Jahr 1939 - da begann der 2. Weltkrieg und die Rationierung. Und damit war ab September 39 eigentlich der Preis zweitrangig - das Vorhandensein von Punkten auf der Kleiderkarte war ja danach die Grundlage, überhaupt erst einmal Stoff oder Bekleidung kaufen zu dürfen.
Und generell würde ich sagen, der Preis dürfte erschwinglöich gewesen sein, nach den Erzählungen, die ich von meinen großeltern her kenne.

Gernot Geyer

Hallo Tiffy,

von welchem Zeitpunkt sprichst Du?

Die Reichsmark war von 1923 bis 1948 gesetzliches
Zahlungsmittel.

Exakterweise war die Reichsmark ab dem 30.August 1924 offizielles Zahlungsmittel im Deutschen Reich. Vom 15.November 1923 bis zum 29.August 1924 hiess selbiges Zahlungsmittel „Rentenmark“ und beendete mit dem sog. „Wunder der Rentenmark“ die Inflation der Weltwirtschaftskreisenzeit.

VG
Christian

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Servus Christian,

schönen Dank für die Korrektur. Ich hatte den Begriff „Rentenmark“ für einen inoffiziellen gehalten.

Schöne Grüße

MM

Hallo Gernot,

die Reichskleiderkarte wurde am 14.11.1939 eingeführt - sei es, dass man in Berlin tatsächlich an reiche Beute aus dem Blitzkrieg glaubte, sei es, dass es für opportun erachtet wurde, nicht zusammen mit dem Kriegsbeginn gleich alle Erinnerungen an den Steckrübenwinter und dergleichen wieder wach zu rufen.

Insofern ist der größte Teil von 1939 auch noch nach dem 1. September ohne Rationierung von Textilien geblieben.

Bedeutung von Geld in der administrierten NS-Wirtschaft kann man sich sicherlich in Grundzügen mit dem EVP-Wesen vergleichbar vorstellen. Bloß ohne Delikat, Intershop und Quelle-Versand von den Verbrauchern vielleicht subjektiv als „gerechter“ erlebt.

Schöne Grüße

MM
der anlässlich von Besuchen im Bezirk Löbau den Wert von Gegenständen kennen gelernt hat, mit denen er sich sonst nie beschäftigt hätte: Badezimmerarmaturen, Messerblöcke, Fahrradschläuche, Dosenöffner…

Hallo liebe WWWler!

Mich wundert, das die Stoffe damals schon genauso teuer/günstig waren wir heute! Natürlich kann ich das nur quantitativ, nicht aber qulitativ bewerten. Aber ich bin davon ausgegengen, dass die Stoffe heute günstiger wären (Kunstfasern, andere Produktionsabläufe, etc…).

Aufgrund eurer Berichte gehe ich davon aus, das es eigentlich ein relativ teurer Spaß gewesen sein muss (Bei den geringen Stundenlöhnen!!!), diese Bekleidungsstoffe zu kaufen und auchnoch selbst zu verarbeiten. Aber sicherlich war dieser Weg immernoch günstiger, als fertige Bekleidung zu kaufen, zumal die Massenproduktion noch nicht in diesem Mass erfolgte, wie das heute der Fall ist.

Nochmals

Danke und Grüße Tiffy

Hallo,

es ging mir ja nicht vordergründig um Gerechtigkeit oder so, sondern einfach um die Tatsache, das generell das wertsystem nicht so ohne weiteres vergleichbar ist auf Grund einzelner Preisangaben.
Deshalb muzß man eigentlich immer 2 Fragen stellen:

  1. Wie ist der Preis zu sehen in der Relation mit anderen Gebrauchsgütern? und
  2. Wie erschwinbglich ist das Ganze überhaupt gemessen am Durchschnittseinkommen?

Gernot Geyer

Übrigens: Es gibt fast noichts, was in der DDR nicht irgendwann mal knapp war. Und ich erwische mich heute noch manchmal, Dinge einfach mit dem Argument zu kaufen „Die gab es gerade mal.“ So werde ich wohl immer zwei Paar Schuhe in reserve neu herumstehen haben, weil ich schlichtweg im entsprechenden Moment nie auf den gedanken komme, daß es ja IMMER Schihe der Größe 47 geben könnte…

Vom 15.November
1923 bis zum 29.August 1924 hiess selbiges Zahlungsmittel
„Rentenmark“ und beendete mit dem sog. „Wunder der Rentenmark“
die Inflation der Weltwirtschaftskreisenzeit.

VG
Christian

Hallo Christian,

vieleicht habe ich dich falsch verstanden, aber das „Wunder der Rentenmark“ beendete die Inflation von 1923, die Weltwirtschaftskriese kam aber erst 1929.

Gruß

Hallo nochmal,

es gibt hier sicherlich ein ziemlich weites Spektrum von Dingen, die man vergleichen muss, um ein brauchbares Gesamtbild zu erhalten.

Etwa Werklöhne von Schneidern. Auch Lebensdauer von Haushaltsnähmaschinen - eine bedeutende Investition, aber auf rund vierzig Jahre abzuschreiben (für den Fall des nicht Ausgebombtwerdens, der aber 1939 noch nicht gedanklich präsent war).

Meinen Vater, Jahrgang 1922 und auf diese Weise noch mit den Gewohnheiten der Zwischenkriegszeit vertraut, haben wir 2003 in dem Anzug begraben, den er sich 1952 zur Promotion hat machen lassen: Eine Jacke, zwei Hosen.

Schöne Grüße

MM

Servus!

vieleicht habe ich dich falsch verstanden, aber das „Wunder
der Rentenmark“ beendete die Inflation von 1923, die
Weltwirtschaftskriese kam aber erst 1929.

Die Inflation von Anfang der 20er Jahre war ja auf die Kriegsfolgen zurückzuführen. *anshirnklatsch*

Danke für den Hinweis!

VG
Christian