Reicht EKG, um drohenden Infarkt auszuschließen?

Hallo,
eine Bekannte von mir hat Symptome, die auf einen drohenden Herzinfarkt hindeuten könnten (Schmerzen in Halsgegend, Brust und linker Arm). Da sie erblich diesbezüglich vorbelastet ist, scheint mir das beunruhigend, allerdings sind die Schmerzen insofern nicht typisch dafür, dass sie stundenlang andauern, was meines Wissens bei einem drohenden Infarkt nicht so ist.
Der Arzt sagt, das Herz sei es nicht, denn es wurde ein EKG gemacht. Allerdings kein Belastungs-EKG und auch sonst keine weiteren Herz-Untersuchungen. Meine Frage also: Genügt ein „normales“ EKG, um sicher auszuschließen, dass ein Infarkt droht?
Danke,
Julia

Hallo,

zunächst einmal: Ich tue einen Teufel und widerspreche explizit einem behandelnden Arzt, der die Patientin schon einmal persönlich gesehen und untersucht hat.
Hier liegen keinerlei Parameter u.ä. vor, sondern bloß eine Schilderung aus dritter Hand.

Ganz allgemein gesprochen hat man bei Schmerzen schon eine Minderversorgung des Herzmuskels.
Diese Symptomatik tritt erst auf, wenn die versorgenden Gefäße schon zu großen Teilen eingeengt oder gar ganz verschlossen sind. Du merkst es also nicht, wenn dir dein Gefäßdurchmesser um 5% abnimmt und man noch viele Reserven hat, sondern erst, wenn es schon 5 vor 12 schlägt.
Diese Minderdurchblutung zeigt sich dann auch im EKG in charakteristischen Veränderungen, sowie ggf. im Laborblut. Beim EKG muss man manchmal aber schon ziemlich genau hinsehen.
Eine Möglichkeit zu gucken, wie durchlässig die Koronargefäße noch sind, ist die PTCA, also eine Koronarangiographie. Da das mit einer Strahlenexposition mit entsprechenden Risiken verbunden ist, brauche ich wohl nicht extra erwähnen.

Ich habe übrigens schon Patienten gehabt, die „seit drei Tagen Herzschmerzen haben“.

Zuletzt möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass sich häufig Herzneurosen entwickeln, insbesondere wenn man ein erhöhtes Risiko aufweist, kardial zu erkranken. Heißt: Die Leute reagieren extrem nervös bei kleinen Signalen ihres Körper oder missinterpretieren diese als krankhaften Prozess.
Ich will damit keine Sorglosigkeit hervorrufen, aber man kann es ja mal im Hinterkopf behalten.

Grüße
Liete

Ein EKG misst die Summen-Reizleitung am Herzen.
Ein Infarkt wird in der Regel durch Gefäßverschlüsse verursacht. Infarktzeichen am EKG sieht man im Nachhinein, bis zur Heilung oder darüber hinaus (wenns nicht gut abheilt).

Um, die Frage zu beantworten: Nein, ein Ruhe-EKG reicht nicht. ABER es ist nicht immer möglich einen drohenden Infarkt zu diagnostizieren, selbst mit allen, tollen Mitteln! Daher sollte man einen drohenden Infarkt _hinreichend_ sicher ausschließen. Zuerst die Symptome: Könnten passen, sind eh häufig „untypisch“. Dann die Risikokonstellation: Alter, Geschlecht, Bluthochdruck, Diabetes, Nikotinabusus, Adipositas u.v.m.

Eine Fahrradergomtrie (übliches Belastungs-EKG) kannst Du bei einer Frau auch gleich weglassen, hat eine ganz schlechte diagnostische Sicherheit. Hier sollte chemisch stimuliert werden.

Selbst wenn Du im Herzkatheter Engstellen siehst, kannst Du nicht sagen: Oh Gott, hier passiert gleich ein Infarkt. Bei einem Infarkt brechen Plaques in den Gefäßen auf und verstopfen zusammen mit Gerinnseln die Ader. Man sieht aber nur die Engstellen, wo die Plaque hängen bleiben könnte und nicht die Stelle, wo die Plaque aufbricht.

Es gibt wohl als sehr neue Methode eine transkoronare Ultraschalluntersuchung, die da was gut vorhersagen kann, aber da sollte man noch fünf Jahre ins Land ziehen lassen und dann gucken, wie sie sich einordnet.

Hallo,

Ich bin kein Mediziner aber im Gesundheitswesen tätig. ich finde auch nicht, dass es reicht. Ich kann nur aus meiner Familie berichten, dass jemand 1 Woche im Krankenhaus lag und es nicht diagnostiziert wurde , dass er 3 Bypässe brauchte. Derjenige wurde denke ich auch auf die „Psychoschiene“ geschoben. Der Hausarzt hatte eine Eingebung und schickte den Patienten nach dem KKH-Aufenthalt nochmal zum Herzspezialisten, welcher feststellte, dass ein Herzkranzgefäß zu 100 % verschlossen war, ein anderes zu 75 % und eines zu 50%. Der Patient wurde operiert und lebt heute pumperlgsund. Die Symptome waren im übrigen : Schulterschmerzen, HWS Schmerzen und Schmerzen im rechten (!) Arm.
Ich würde es nicht dabei belassen.

Gruß Sylvia