geht schon
Hi Holger,
Sizilien hat mich immer etwas abgeschreckt, seit ich damals in
meinem Interrail-Führer gelesen habe, dass es den Leuten da -
aus welchen Gründen auch immer - nicht so doll geht und ganz
Sizilien einen eher trostlosen, armseeligen, frustrierten und
heruntergekommenen Eindruck machen soll…
Von wann ist dieser Interrail-Führer???
In Sizilien geht es ziemlich wenigen Leuten dreckig, zumindest nicht viel mehr als bei uns. (Wenn, dann aber richtig, zb. in der Innenstadt von Palermo.) Ich kann mir das nur damit erklären, daß die einfach nen Haufen schwarz machen und daher trotz niedrigen BSPs genauso viel Geld haben wie wir. Mag sein, daß die einfach ne andere Lebenseinstellung haben und es ihnen daher nichts ausmacht, wenn sie in alten, kaputten Häusern leben - Hauptsache, genug Geld für Klamotten und Autos zu haben. Gut, ich war hauptsächlich mit Studenten in Kontakt, und arme Leute haben dort nicht so viele Chancen zu studieren wie in D (was ich in einem Monat BAföG krieg, haben die im Semester), aber denen geht es schon ziemlich gut.
Der heruntergekommene Eindruck entsteht wahrscheinlich eher wegen der anderen Lebenseinstellung. Die Häuser sind schon das letzte, muß man zugeben. Erinnere mich nur zu deutlich an einen fröstelnden Winter in meiner schimmelnden Hinterhofwohnung…
Leute, die ihr Auto meistens vom Tankwart betanken lassen, obwohl der Liter dann 50 lire mehr kostet, haben kein Mitleid verdient 
Generell scheint die Lebensqualität dort in den letzten Jahren wegen der EU-Förderungen ziemlich gestiegen zu sein. In einem Bergdorf, wo ein Freund von mir wohnt, spricht ein großer Teil der Leute perfekt (und nicht nur fließend) Deutsch, weil die alle irgendwann mal hier gearbeitet haben, aber jetzt zurückgekommen sind, da sich Landwirtschaft wieder lohnt.
Aber das ist ein bißchen offtopic, geb ich zu. Catania ist zb. als Reiseziel auch nur bedingt lohnenswert, die Stadt ist wirklich ein bißchen trist und dreckig, liegt aber auch am Ätna - den Staub kriegst Du nirgends raus.
Und abgesehen davon gehören die kleinen Inseln nur verwaltungsmäßig zu Sizilien - die Leute dort würden sich nie als Sizilianer bezeichnen.
Unterkünfte gibt es dort en masse, gerade jetzt, wo Ferragosto vorbei ist und die Wohnungen wieder leer sind. In Stromboli zb., aber auch in Lipari stehen schon 10 Leute da, wenn das Boot ankommt, und vermitteln Dir Privatunterkünfte, wo sie Dich dann auch hinchauffieren. Preis lag damals so zwischen 50 und 100 Mark pro Zimmer (wahrscheinlich schwarz, jedenfalls ohne scontrino, Finanzpolizei kommt da wohl selten hin), je nach Saison. Meistens sehr gemütlich-romantisch mit Holzbalkendecke etc. Wenn Du in Lipari ankommst, kannst Du Dich auch ans Touristikbüro wenden, die haben Zimmer- und Hotellisten. Also, die Unterkunft ist das kleinste Problem.
Also - ich kann Sizilien generell nur empfehlen, eines der schönsten Reiseziele, das ich kenne. V.a., wenn man nicht nur baden möchte (ist dort nicht so prickelnd, und wenn, dann überlaufen), sondern auch Natur genießen und Kultur erleben. Die schönsten und besterhaltenen griechischen Tempel sind alle in Sizilien. Wer braucht da schon die Akropolis. Hauptsache, man hält sich fern von Taormina und der Nordküste zwischen Cefalù und Palermo.
Und die kleinen Inseln haben eben auch was, gerade die Unterschiedlichkeit und das spaßige Island Hopping machen da den Reiz aus. Solltest Du Rheuma haben, soll der Heilschlamm von Vulcano helfen
Leider stinkt der Kram so, daß meine Badehose noch monatelang den ganzen Schrank mit ihrem Duft erfreut hat.
Mehr Tips gibt’s bei Bedarf!
ciao und schon mal schönen Urlaub, egal wo!
erik