Reizschwelle überschritten/Aggression

Hi @, ab wann bzw. was muß geschehen, damit ihr „austickt“? Vorsicht, wird ein bissl länger.
Ich hab mich ganz gut im Griff, meine ich, aber neulich ist mir das passiert.
Also, ich arbeite - freiberuflich - für einen langjährigen Freund (nenne ich jetzt „Chef“ hier), dieser hat ein Patenkind (nenne ich jetzt „Bubi“ hier), das auch in der Firma arbeitet - rotzfrech, verlogen, einfach falsch.
Vor einiger Zeit hab ich für Chef einen Auftrag fertiggestellt, sehe Bubi in den Hof fahren, und will ihm die Unterlagen übergeben. Sagt Bubi wörtlich zu mir: „Lungern (!) Sie hier nicht rum und lauern (!) mir auf.“
Ich bin 47 Jahre, Bubi ist 26 Jahre …
In dem Stil ging das jetzt etwa zwei Jahre, nicht nur mir gegenüber (die Männer-Darsteller in dieser Firma sind nicht in der Lage, sich zu wehren).
Das Ganze läuft in etwa so ab, ich bekomme einen Auftrag, soll mich mit Bubi absprechen, aber der ruft natürlich nicht zurück oder läßt sich verleugnen. Chef greift nicht ein, tja, was soll man sagen.
Ach so, Chef wird dann auch mir gegenüber sehr unangenehm, wenn etwas nicht erledigt ist.
Letzte Woche wieder, ich möchte einen Auftrag fertigmachen, kein Rückruf von Bubi und dann bin ich einfach ausgetickt.
Burschi hat eine SMS von mir bekommen, er bekommt ein paar auf die Fresse, er kann sich aussuchen, ob von Hell´s Angels oder Truckern.
Und wißt ihr was: Mir waren die Konsequenzen, ob ich meine Aufträge verliere oder nicht, vollkommen wurscht. Ich war einfach befreit.
Danke für´s lesen und Gruß.

Kurz und schmerzlos (?)
Hi Antares

Burschi hat eine SMS von mir bekommen, er bekommt ein paar auf
die Fresse, er kann sich aussuchen, ob von Hell´s Angels oder
Truckern.

Find ich gar nicht so schlecht. Das Schlechteste wäre -aus meiner Sicht- wenn Du ständig Deine Gefühle unterdrückst diesem aufgeblasenen Bubi gegenüber.
Gruß,
Branden

Hi Branden,

danke für Deine Antwort. Ich war in der Zwischenzeit psychisch sowie physisch krank geworden - wie Ex-Mitarbeiter auch (eine mußte gar in psychologische Behandlung). Hm, ja, also, wie gesagt, mir geht es jetzt richtig gut. Ich möcht noch sagen, ich hab in meinem Leben noch nie jemandem gedroht, aber da hat´s gereicht.

Gruß

Hallo,

erstmal zu deinem Text, dann sag ich auch, wann ich das letzte Mal „ausgetickt“ bin.

Also, ich arbeite - freiberuflich - für einen langjährigen
Freund (nenne ich jetzt „Chef“ hier), dieser hat ein Patenkind
(nenne ich jetzt „Bubi“ hier), das auch in der Firma arbeitet

  • rotzfrech, verlogen, einfach falsch.

Merkt das dein Chef denn nicht?

Ich bin 47 Jahre, Bubi ist 26 Jahre …

Naja, das allein hat ja nicht viel zu sagen.

In dem Stil ging das jetzt etwa zwei Jahre, nicht nur mir
gegenüber (die Männer-Darsteller in dieser Firma sind nicht in
der Lage, sich zu wehren).

Nochmal die Frage: Merkt dein Chef das denn nicht? Unter sowas leidet doch auch das Betriebsklima und außerdem muss er den Umgang des Bubis mit den Mitarbeitern doch auch ab und an live erleben, oder?

Das Ganze läuft in etwa so ab, ich bekomme einen Auftrag, soll
mich mit Bubi absprechen, aber der ruft natürlich nicht zurück
oder läßt sich verleugnen. Chef greift nicht ein, tja, was
soll man sagen.
Ach so, Chef wird dann auch mir gegenüber sehr unangenehm,
wenn etwas nicht erledigt ist.

Hast du ihm die Situation denn mal erklärt? Wenn ja: dass er so gar nichts dazu sagt kann ich mir kaum vorstellen, schon gar nicht, wenn ihr nicht nur Chef - Angestellter seid sondern Freunde.

Letzte Woche wieder, ich möchte einen Auftrag fertigmachen,
kein Rückruf von Bubi und dann bin ich einfach ausgetickt.
Burschi hat eine SMS von mir bekommen, er bekommt ein paar auf
die Fresse, er kann sich aussuchen, ob von Hell´s Angels oder
Truckern.

Hehe, also sowas hätte ich nicht gemacht.

Und wißt ihr was: Mir waren die Konsequenzen, ob ich meine
Aufträge verliere oder nicht, vollkommen wurscht. Ich war
einfach befreit.

Wenn dir die Konsequenzen egal waren (was waren denn die Konsequenzen?) warum hast du nicht einfach einen Aufstand bei deinem Chef gemacht? In beiden Fällen war die Wahrscheinlichkeit, dass du deine Aufträge verlierst gegeben, aber bei einem - wenigstens noch halbwegs sachlichen - Gespräch mit dem Chef hätte eine Lösung (und wenn nur vorübergehend) herauskommen können, so gibt es einfach eine Drohung und dass du von dort keine Aufträge mehr bekommst ist so gut wie sicher. Außerdem hast du vielleicht einen Freund verloren, weil du sein Patenkind bedrohst.

So, und jetzt noch mein letzter Austicker (auch länglich):

Ich halte mich eigentlich auch - zumindest Außenstehenden / Fremden gegenüber - für recht beherrscht. Letztens war ich jedoch einkaufen und an der Kasse stelle ich meinen Wagen so hin wie immer - halt in einer vernünftigen, normalen Position (so wie es jeder macht, ich hab seither mal drauf geachtet und wirklich jeder stellt seinen Wagen genauso hin wie ich es tue!), in der man gut einpacken kann, gut an alles rankommt.
Plötzlich greift die Kassiererin zu meinem Wagen und dreht ihn so wie sie es gern hätte - und für mich in eine Position in der an Einpacken nicht zu denken war. Mein Freund hätte so vielleicht einpacken können (aber auch sehr umständlich), aber der hat genug damit zu tun auf seinen Krücken zu stehen. Und wegschubsen kann ich ihn ja auch schlecht. Btw hat die Kassiererin genau gesehen wie schlecht er sich bewegen kann.
Ich wollte meinen Wagen wieder so hinstellen, dass ich auch dran komme, hält diese dämliche Verkäuferin doch meinen Wagen fest! Ich frage sie (etwas zickig, weil ich allein schon das Umstellen von ihr als Frechheit empfand) ob ich meinen Wagen nicht so hinstelln darf wie ich das will und sie meinst „Nein, der gehört so wie ich das gemacht habe“. Ich sage ihr ich käme so nicht ran, sie sagt „Klar kommt man so ran“. Ich frage sie ob sie vielleicht meinen Freund übersehen hat, der auf Krücken neben mir steht, sie sagt so stehe der Wagen nunmal richtig.
Ich versuche - um des Friedens Willen - die Sachen in den Wagen zu legen, komme aber nicht mal richtig an die Sachen ran, mir ist der Wagen im Weg. Ich sage etwas wie „Ist ja nicht zu fassen, normalerweise darf man den Wagen so hinstellen, wie man es möchte und so, dass man auch dran kommt“, die Verkäuferin - jetzt über dem für Verkäuferinnen zulässigen Zickentonniveau (wenn man an „Kunde ist König“ und „immer freundlich sein“ denkt) „Wie bitte?!?“ und das hat mir dann gereicht.
Ich grinse sie an, angele die Sachen, die ich inzwischen im Wagen hatte wieder raus, lege sie auf die Kasse und sage „So, und jetzt reichts. Von Ihnen kaufe ich nichts.“ Ich nehme Freund und Wagen (da war nen Euro drin, sonst hätte ich den auch stehen lassen) und verlasse den Laden. Die Waren bleiben bei einer verduzten Verkäuferin an der Kasse liegen.

Liebe Grüße
Sue

Hi Sue,

wir haben jetzt ein richtig gutes Verhältnis, Cheffe und ich. Saufreundlich. Sachlich. Wahrscheinlich war das mal nötig. Und Bubi ist draußen … Hihi!

Hallo,

Und wißt ihr was: Mir waren die Konsequenzen, ob ich meine
Aufträge verliere oder nicht, vollkommen wurscht. Ich war
einfach befreit.

besser wäre es allerdings gewesen, wenn Du schon früher deutlich gemacht hättest, daß man Dir nicht auf der Nase herumtanzen kann. So hast Du Jahre damit zugebracht, Deinen Ärger herunterzuschlucken. Der Ärger hat sich dabei angestaut, Gefühle von Frustration und Kontrollverlust sind entstanden und haben schließlich zu einer impulsiven Gewaltandrohung geführt, die Du uns beschrieben hast. Auch wenn dieses aggressives Verhalten kurzfristig - wie in Deinem Fall - positive Konsequenzen hatte, ist es auf Dauer mit Sicherheit suboptimal.

Grüße,

Oliver Walter

Hi Oliver Walter,

dankeschön für Deine Antwort. In dieser Firma werden Menschen mit einer „schwierigen Vergangenheit“ (ich hoffe, so kann man das ausdrücken) beschäftigt und deswesen niedergemacht. Es dauert eine gewisse Zeit, um sich das zu vergegenwärtigen.

Ein netter Gruß.

Hallo Antares,

Vor einiger Zeit hab ich für Chef einen Auftrag

Du willst also wissen, ob ich (oder andere hier)
beim gezwungenen - länger andauernden - engen
Aufeinanderhocken mit psychisch auffälligen
„Umweltfaktoren“ die Contenance verlieren
könnte oder nicht?

In diesem Fall, wo eigentlich seit Jahren
die Situation völlig klar und vorhersehbar
ist, wahrscheinlich „nein“.

In Deinem „krassen und klaren“ Falle gibt
es imho zwei Möglichkeiten: Führen
oder Abgrenzen.

Mir ist nicht ganz klar, wie solche
psychisch auffälligen Elemente im
normalen „Workflow“ eines Unternehmens
so lange Zeit aushalten können. Da
scheinen noch andere Randbedingungen
zu existieren (wie Du an einer Stelle
andeutest). Das würde nahelegen, dass
das Unternehmen an sich strukturell
„krank“ ist.

Wahrscheinlich hast Du nicht alles geschrieben :wink:

Grüße

CMБ

Hallo,

wir haben jetzt ein richtig gutes Verhältnis, Cheffe und ich.
Saufreundlich. Sachlich. Wahrscheinlich war das mal nötig. Und
Bubi ist draußen … Hihi!

das freut mich für dich. Ich wette, wenn ich so eine SMS bekommen hätte hätte ich eher ne Anzeige bekommen :wink:

Aber da sieht man ja, dass Sreit die Luft reinigen kann und es sich lohnt nicht immer alles nur in sich reinzufressen.

Liebe Grüße
Sue

Klingt für mich, als hättest du „Bubi“ auch im Vorfeld nicht soderlich respektiert. Es ist eine nachvollziehbare Reaktion seinerseits nicht sonderlich erfeut darüber zu sein. Ob es sinnvoll ist sich solchen Konflikten auszusetzen, musst du selbst wissen. Ich denke, dass du deinen Job verlieren könntest. Ob es das wert ist, ist deine Sache.

Ich persönlich kann an nichts Konkretem festmachen, was mich zur Weissglut bringt. Nach einem „Schema F“ läuft das nicht ab. Da gibt es mehrere Möglichkeiten.
Ich denke jedoch, dass es so ziemlich jede® irgendwie hinbekommen kann, weil jeder Mensch in etwa einschätzen kann, was andere auf die Palme bringt.

Demzufloge könnte man sagen, dass es mich aufregen könnte, wenn…

… man mir mit dem Zeigefinger auf den Kopf tippt, während man mit mir spricht.
… mein Gegenüber sich die Ohren zuhält und „Lalalalala…“ sagt, während ich versuche etwas mitzuteilen.
… man mir vorsätzlich unberechtigte Rechnungen zukommen lässt.
… man mir das Konto abräumt, oder man mich wegen Dingen anzeigt, die ich nicht getan habe.

Also, bitte nicht machen.

Take it easy,

Hilmar

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Glückwunsh
Antares…!

Vielleicht gelingt mir eine ähnliche Reaktion auch demnächst mal (kritisch wird’s kommenden Freitag). Allerdings muss ich mit was anderem drohen, körperliche Züchtigung würde hier nicht ernst genommen :wink:. Zu deiner Frage: Derzeit liegt meine Schmerzgrenze recht niedrig, weil einfach dauerhaft(aus)gereizt wird. Leid tut’s mir dann, wenn ich mit Verspätung ausraste und die Falschen ausbaden müssen, was woanders richtig gewesen wäre. Ich muss also noch was an meinem Timing ändern.

Grüße
Gerry

danke für Deine Antwort. Ich war in der Zwischenzeit psychisch
sowie physisch krank geworden - wie Ex-Mitarbeiter auch (eine
mußte gar in psychologische Behandlung). Hm, ja, also, wie
gesagt, mir geht es jetzt richtig gut. Ich möcht noch sagen,
ich hab in meinem Leben noch nie jemandem gedroht, aber da
hat´s gereicht.

Gruß

Hi Antares,

was Du in Deinem Beispiel beschreibst, ist m. E. nahezu immer oder zumindest häufig der Grund fürs „Ausrasten“: eine (letzte) Grenze wird überschritten, der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt usw

Ursache ist m. E., dass Betroffene nicht rechtzeitig (das ist individuell) „Stopp“ sagen. Deshalb malträtieren Bubis die Nerven weiter und weiter (übrigens wie Kinder, die ihre Grenzen aufgezeigt bekommen wollen). Wenn man keine Grenzen setzt, glauben Busbis irgendwann, sie können/dürfen mit einem machen, was sie wollen und das passiert eigentlich sogar noch im Ausraster selbst - den bestimmst nämlich nicht Du, sondern Bubi mit seinem Treiben.

Mein Tipp: nimm Dir Bubi in einer ruhigen Minute zur Seite/Brust und sage ihm klipp und klar wie der Hase läuft (begründe nicht, warum Du ihm das sagen kannst, denn ihm gegenüber bist Du keine Begründung schuldig).