Religion arabisch-stämmiger VOR dem Islam

Morgen zusammen,
mich würde interessieren welche Religion in Nordafrika und Kleinasien von den Arabern aber auch Berbern und Tuareg (Ich bin mir nicht sicher inwieweit diese als Araber gelten) bevor der Islam verbreitet wurde.
Die Sassaniden hatten ihren Zoroastrismus und ich kann mir auch vorstellen dass es der Schamanismus weit verbreitet war. Aber was gab es neben diesen beiden noch für nennenswerte Formen?

Danke im Vorraus

Ich glaub im Religionsbrett vier Etagen tiefer wärst du besser aufgehoben.
Meine Religionszeittafel sagt mir dass im vorderen Orient um 200 v.Chr. - 600 n. Chr. Die Gnosis und der Manichäismus verbreitet war sowie die Staatsreligion der Uiguren (diese in Teilen bis ins 9. Jahrhundert) und dabei gab es halt Zoroastriker, Juden und Christen (vor allem im Bereich von Byzanz der ja umfassend erobert wurde).

lg
Kate

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Morgen zusammen,
mich würde interessieren welche Religion in Nordafrika und
Kleinasien von den Arabern aber auch Berbern und Tuareg (Ich
bin mir nicht sicher inwieweit diese als Araber gelten) bevor
der Islam verbreitet wurde.
Die Sassaniden hatten ihren Zoroastrismus und ich kann mir
auch vorstellen dass es der Schamanismus weit verbreitet war.
Aber was gab es neben diesen beiden noch für nennenswerte
Formen?

Hi,

Nordafrika und Kleinasien waren vor dem Einfall der Araber christlich, mit bedeutender judischer Minderheit.

Bei den Sassaniden war Zoroastrismus/Manichaismus Staatsrelgion, aber nicht Mehrheitsreligion. Der Irak war christlich, die ostlichen Reichsteile vor allem Buddhistisch und Hinduistisch. Heidnische Glaubensvorstellungen waren, vor allem in Richtung zu den zentralasiatischen Provinzen ebenfalls verbreitet. Der Islam hat aber nicht viel ubriggelassen.

Das Konzept des Schamanismus ist in dieser Weltgegend unbekannt. Einwanderungswellen von Turkvolkern und Mongolen brachten ihn zwar mit, konnten sich allerdings gegenuber dem Totalitatsanspruch des Islam nicht behaupten.

Uiguren sind meines Wissens nicht naher als bis ins heutige Xinjiang gekommen.

Berber hatten ihre eigene Relgion. Je nach lokalitat Naturreligion und/oder polytheistisches Konzept. Die Araber haben deren Religion ausgerottet, in weiten Teilen auch ihre Sprache und Kultur. Tuareg sind ein Berberstamm von vielen. Sie konnten ihre Identitat (ausserhalb arabischen Einflussgebietes bewahren)

Vor allem musst du auch unterschieden zwischen der bevölkerung des heutigen maghreb und auf der arabischen halbinsel zwischen Nord- und Suedarabern. Die Nordaraber waren tribal organisiert und hatten stammenreligionen, ueberregionale heiligtuemer wie zb. die kaba wurden allerdings im laufe der zeit immer mehr von allen stämmen verehrt und es gab wallfahrten dorthin, genauso wie einige gottheiten schon ueberregionale bedeutung erlangt hatten. Zu den wallfahrtszeiten gab es daher auch die heiligen märkte in mekka mit der dreimonatigen heiligen waffenruhe (1 monat fuer die anreise, 1 monat markt, 1 monat fuer die abreise), so dass sich die einzelnen stammesreligionen immer mehr vermischten. Muhammad war es dann, der die streitigkeiten zwischen den stämmen durch eine Religionsvereinheitlichung anstrebte und erst im zuge der arabo-muslimischne expansion wurden die araber in abgrenzung zu den nun Fremden ein volk.
Bevor die araber dann in den maghreb vordrangen (also so um 632 - 700/750) war dort die vorherrschende bevölkerung die berber und diese hatten ihre eigenen religionen. Ich kann es nicht mit 100prozentiger sicherheit sagen, aber es wuerde mich wirklich sehr wundern, wenn diese zu diesem zeitpunkt schon christianisiert waren, allenfalls im norden, denn die roemer drangen nicht sehr weit ins landesinnere ein. Allerdings stimmt es, dass dort im neu expandierten kalifenreich die christen und juden einen besonderen status hatten (ahl al-kitab). Die berber aber z.b sind zwar heute islamisiert, haben aber immer noch viele elemente ihrer urspruenglichen religion bewahrt und es stellt sich eh die frage, inwieweit voelker eigentlich neue religionen im sinne ihrer verfasser oder missionare annehmen oder nicht einfach eher einen synkretismus daraus machen.

In Suedarabien gab es zu vorislamischen zeiten schon staatenähnliche gebilde und durch den einfall verschiedener völker wurden sie christianisiert und judaisiert. Inwieweit sich die vorherige stammesreligion der suedaraber unterschieden von der der nordaraber weiss ich nicht genau.

Juden und christen gab es natuerlich, logisch, aber deren ausbreitung umfasste noch nicht den gesamten arabischen raum. Weitere infos im internet unter christenexpansion …

Liebe gruesse!

Zur religionsentwicklung der suedaraber schau mal bei wikipedia unter „Altes Suedarabien“ … … …

ueberregionale heiligtuemer wie
zb. die kaba wurden allerdings im laufe der zeit immer mehr
von allen stämmen verehrt und es gab wallfahrten dorthin,

Wobei anzumerken ist, daß die Kaaba vor dem Auftreten des Islams ein christliches Heiligtum war, wie Günter Lüling in „Der christliche Kult an der vorislamischen Kaaba…“

ISBN 3-922317-16-2 Buch anschauen

sehr schön dargetan hat.

Gruß - Rolf

Ich muss ja generell sagen dass ihr mir alle sehr geholfen habt.^^
(Kate, Karl Heinz, malefu und Rolf)

Was du, malefu, erwähnt hast interessiert mich besonders.
Genau genommen diese Stamm-Organisationen und die damit verbundene Lebensweise. Darüber würde ich gerne mehr erfahren.
Hast du vielleicht irgendwelche Empfehlungen für mich wo ich genaueres nachlesen kann oder eben Zeit und Lust mir näheres dazu zu erklären?
Wikipedia hab ich schon durchforstet aber wirklich zufriedenstellend waren die Informationen da nicht.

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Bevor die araber dann in den maghreb vordrangen (also so um
632 - 700/750) war dort die vorherrschende bevölkerung die
berber und diese hatten ihre eigenen religionen.

Das stimmt nicht. Die vorherrschende Bev. war, im heutigen Libyen griechischsprachig. Um Tunesien herum punisch (siehe Bekenntnisse von Hl. Augustin) Weiter nach Westen bis Marroko nahmen die Berber immer mehr zu. Da es sehr viele italische Kolonien gab, waren ein Teil der Bev. auch muttersprachlich Lateiner. Verkehr- und Kultursprache war Latein.

Hmmh, da bin ich mir nicht so sicher. Ich mein der Mohammed sei doch nach der Eroberung von Mekka, und dem Morden von einigen Leuten die er nicht leiden konnte, zu der Kaaba gelaufen, und hatte alle Gottheiten aus der Kaaba rausgeschmissen, und verkundet, dass ab heut nur noch Allah der grosste und prachtigste sei.
Das mit dem Christentum glaub ich stammt aus’m Koran. Ob als Luckenfuller, oder warum auch immer, sind da ganze Bibelpassagen hinein copy and past’ed.

Hallo Otwaga,
erst mal wirf doch bitte nicht Kleinasien in einen Topf mit Arabien/arabischer Kultur (zumindest kam dies bei mir so an!)
Zum Glauben in Kleinasien kannst du auf meiner Homepage nachschauen unter www.cepni-sesi.de - sie ist noch nicht ganz fertig, zweisprachig, falls du noch nicht erschöpfend Antwort da findest, kannst du mir ja mailen.
Nur so weit: Damals war der Schamanismus dort weit verbreitet, bzw. heißt der asiatische „Tengrismus“.
Gruß Susanne

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Gruss

erst mal wirf doch bitte nicht Kleinasien in einen Topf mit
Arabien/arabischer Kultur (zumindest kam dies bei mir so an!)

ersteres ist geografische Bezeichnung, trifft also nicht auf Asia-Minor, aber auch Syrien und Agypten etc. nicht zu.
Das zweite bezeichnet einen Kulturkreis, in dessen Topf Kleinasien, Turkei, hineingehort.

Nur so weit: Damals war der Schamanismus dort weit verbreitet,
bzw. heißt der asiatische „Tengrismus“.

Also mit Schamanismus kann man auch etwas bezeichnen was im amazonischen Regenwald abgeht. Wenn man ihn jedoch als das aufwasst mit was es ursprunglich bezeichnete, namlich Kulte in Sibirien und Innerasien, war er NIE in Kleinasien sehr verbreitet. Zum Tengri-Glauben; soweit er von Einwanderern noch praktiziert wurde bei ihrer Ankunft, ging er bald verloren, oder wurde verloren gegangen. Alewiten sollen zwar Teile dieses Glaubens bis heute heruberreten konnen, wenn dies uberhaupt zutrifft ist dies nicht viel mehr als unser Weihnachtsbaum.

nochmals Gruss

Hallo Karl Heinz,

erst mal wirf doch bitte nicht Kleinasien in einen Topf mit
Arabien/arabischer Kultur (zumindest kam dies bei mir so an!)

ersteres ist geografische Bezeichnung, trifft also nicht auf
Asia-Minor, aber auch Syrien und Agypten etc. nicht zu.
Das zweite bezeichnet einen Kulturkreis, in dessen Topf
Kleinasien, Turkei, hineingehort.

Genau das meine ich! Die Türkei gehört NICHT in den arabischen Kulturkreis! Nur weil drei Viertel der türkischen Bevölkerung den sunnitischen Glauben angenommen hat, heißt das noch lange nicht, dass die türkische Bevölkerung, die aus Zentralasien stammt und gemeinsame Vorfahren mit nordamerikanischen Indianern hat, die arabische Kultur übernommen hat.

Nur so weit: Damals war der Schamanismus dort weit verbreitet,
bzw. heißt der asiatische „Tengrismus“.

Also mit Schamanismus kann man auch etwas bezeichnen was im
amazonischen Regenwald abgeht.

Sorry, aber was willst Du damit sagen? Habe ich bestritten, dass im Amazonasgebiet Schamanismus betrieben wird? Wenn Du mal bei Wikipedia unter Tengrismus nachsehen würdest, könntest Du feststellen, dass es so ist, wie ich schrieb - zentralasiatischer Schamanismus wird als Tengrismus bezeichnet (von Tengri = Gott), und Südamerika steht hier nicht zur Debatte.
:Wenn man ihn jedoch als das

aufwasst mit was es ursprunglich bezeichnete, namlich Kulte in
Sibirien und Innerasien, war er NIE in Kleinasien sehr
verbreitet.

Oh doch. Und zwar solange, bis die Nomaden sesshaft wurden - und das ist teilweise erst 150 Jahre her, teilweise gibt es immer noch welche.

Zum Tengri-Glauben; soweit er von Einwanderern
noch praktiziert wurde bei ihrer Ankunft, ging er bald
verloren,oder wurde verloren gegangen. Alewiten sollen zwar
Teile dieses Glaubens bis heute heruberreten konnen, wenn dies
uberhaupt zutrifft ist dies nicht viel mehr als unser
Weihnachtsbaum.

In den Dörfern rund um Balikesir, wo seit ca. 180 Jahren ehemalige Nomaden leben, bekennt man sich zum Alevitentum, doch gelebt wurde dieses mancherorts gar nicht, in anderen Dörfern mehr - es war wohl eher so, dass diese Familienklans sich aufgrund gesellschaftlicher Zwänge seit dem 12. Jh. als Aleviten bezeichnete.
Viele Bräuche des Tengrismus sind im Laufe der Zeit allerdings tatsächlich verschütt gegangen - kein Wunder, wenn ihre Anhänger verhöhnt und bedroht wurden! So konnten bis in die 80er Jahre solche Dorfbewohner nicht in Ruhe in Balikesir einkaufen gehen: Man verkaufte ihnen nichts, beschimpfte sie, und in der Schule wollte niemand neben ihnen sitzen. - Doch wenigstens ein schamanischer Brauch ist noch weit verbreitet: der Wunschbaum. Und noch einen gibt es: Wenn man befürchtet, dass ein Kind nach der Geburt stirbt, „verkauft“ man es, damit die Dämonen das Kind nicht töten. Man fragt pro forma Nachbarn, ob sie ein soeben geborenes Kind kaufen möchten, und wenn der Handel vollzogen und das Kind verkauft ist, können die Dämonen es nicht mehr töten. Natürlich wird das Kind kurz darauf wieder zurückgebracht. Doch es erhält den Namen Satilmisch - verkauft…
Gruß, Susanne