von wem? vom judentum?
Vom Sanhedrin der Stadt Amsterdam! Die den großen „Cherem“ (Bannfluch über Ketzer, Rebellen und Abtrünnige) aussprach, am 27. Juli 1656, und Spinoza aus der Synagoge vertrieb.
Der erste Biograph Spinozas schildert die Szene, vielleicht etwas übertrieben: Die Rabbiner betraten mit unheilverkündender Feierlichkeit die Synagoge. Lampen und Leuchter brannten. Als die Verwünschungen ausgesprochen wurden, erstarben die Lichter, eines nach dem anderen. Brennende Kerzen wurden in einer mit Blut (sic!) gefüllten Schale ausgelöscht, bis der ganze Raum in tiefer Dunkelheit lag. Die Schofaroth [Widderhörner] jammerten schrill. Der Vorsänger oder Oberrabbiner intonierte mit hohler Stimme den Text, die Gemeinde beantwortete jeden Passus mit einem zornigen „Amèn“. In den schlimmsten Fällen musste der Verfluchte sich als Fußmatte auf die Schwelle der Synagoge legen und Männer und Knaben über sich hinweggehen lassen.
- Letzeres war bei Spinoza nicht der Fall, da er nicht dabei war. -
Der Text des Bannfluches ist erhalten im „Livro dos Acordas da Nacam“ der Portugiesisch-Israelitischen Gemeinde der Stadt Amsterdam.
Er beginnt mit den Worten: „Nach dem Urteil der Engel [wozu also einen Papst] und der Aussage der Heiligen verbannen, verfluchen, verwünschen und verdammen wir Baruch dÉspinosa. Mit der Zustimmung des gesegneten Gottes und dieser heiligen Gemeinde, vor den heiligen Büchern der Thora …
Er sei verflucht bei Tag und verflucht bei Nacht, verflucht sein Hinlegen und verflucht sein Aufstehen, verflucht sein Gehen und verflucht sein Kommen …
Hütet euch: dass niemand mündlich noch schriftlich mit ihm verkehre, niemand ihm die geringste Gunst erweise, niemand unter einem Dach mit ihm wohne, niemand sich ihm auf vier Ellen nähere, niemand eine von ihm gemachte oder geschriebene Schrift lese.“
Und 1660, als er auch noch aus der Stadt vertrieben wurde. Woraufhin Spinoza nach Rijnsburg zog.
Offensichtlich brauchte es keines „Papstes“, das Lokalparlament (16 Leute) genügte. Dessen Urteil hatte „weltweite“ Geltung. Mir ist jedenfalls nicht bekannt, dass eine andere Gemeinde dagegen protestiert hätte. Oder dass es heute jüdische Gemeinden gibt, in denen Spinoza als „heiliger Martyrer und Bekenner“ verehrt wird.
eigentlich kann man gar nicht vom judentum ausgestoßen werden. …
Also dann eben uneigentlich. Sätze, die mit eigentlich beginnen, sind so zweideutig!
Man kann also
als atheist gebrandmarkt werden, von anderen nicht
anerkannt, aber wieso sollen die einen mehr autorität haben
als die anderen?
Noch einmal: Das Urteil hatte „weltweite“ Geltung. Mir ist jedenfalls nicht bekannt, dass eine andere Gemeinde dagegen protestiert hätte. Oder dass es heute jüdische Gemeinden gibt, in denen Spinoza als „heiliger Martyrer und Bekenner“ verehrt wird.
Fritz