Religion+Politik

Hallo Leute

mir geht im Moment der Nahost-Konflikt nicht aus dem Kopf. Als Deutscher habe ich das Gefühl sowieso jedes Wort das Kritik an Israel beinhaltet auf die Goldwaage legen zu müßen. Aber vielleicht ist das heute ja gar nicht mehr so. Auf jeden Fall frage ich mich, warum ein so brisantes Thema nicht auch Einzug in dieses Forum hält.

Vielleicht bin ich im falschen Forum, oder Religion beschäftigt sich nicht mit Politik, oder, oder…?

Sitzen wir im Elfebeinturm und schauen, geben wir uns der Leidenschaft hin, Religiosität zu fröhnen anstatt sie zu leben ?

Denke ich an die Namensgebung unserer Parteien (namentlich CDU+CSU), die christliches Denken suggerieren und schaue mir deren Fremdenpolitik an, so habe ich meine Zweifel ob das Heucheln nicht zum politischen Zweck erhoben wird !

Genug Rundumschlag, vielleicht hat mich das Leben einfach nur desillusioniert, aber: Sollte es in einer „aufgeklärten Gesellschaft“ mit einer „Trennung“ zwischen Staat und Kirche nicht viel mehr Grenzgänger geben, die Einfluß auf die Moral unserer Politiker haben ? Oder, da ich mich selber nicht als religiös einstufe: Sollte die Ethik unserer Politik nicht gründlicher hinterfragt werden ?

Braucht unsere Politik mehr Religion (Ethik?), oder braucht unsere Religion (Ethik?) mehr Politik ???

macht mich schlau, Lutz

Hallo Lutz,

Vielleicht bin ich im falschen Forum, oder Religion
beschäftigt sich nicht mit Politik, oder, oder…?

eigentlich wird das Thema Israel im Auslands-Brett geführt, weil allgemein geleugnet wird, dass es sich dort um einen religiösen Konflikt handelt.

Braucht unsere Politik mehr Religion (Ethik?), oder braucht
unsere Religion (Ethik?) mehr Politik ???

In unserer humanistischen Gesellschaft ist man darauf bedacht, Religion und Politik zu trennen. Was ja im Hinblick auf allzu religiöse Politiker (z.B.:Mullah) verständlich ist. Die Kreuzzüge waren ja auch keine segensreiche Verbindung von Politik und Religion.

Andererseits müsste die Religion die Politiker in ihrer politischen Entscheidung beeinflussen, wären sie religiös. Dann könnten auch in „christlichen Ländern“ keine Gesetze entstehen, die der Lehre Jesu Christi entgegenstehen.

Beispiel: Ehebruch gilt rechtlich nicht als Scheidungsgrund, obwohl Jesus sagte, dass dies der einzige Scheidungsgrund sei.

Betrachten wir aber das Nahost-Problem vom religiösen Blickwinkel, wird es nahezu unlösbar.

Gruss Harald

Auf jeden Fall
frage ich mich, warum ein so brisantes Thema nicht auch Einzug
in dieses Forum hält.
Vielleicht bin ich im falschen Forum, oder Religion
beschäftigt sich nicht mit Politik, oder, oder…?
Sitzen wir im Elfebeinturm und schauen, geben wir uns der
Leidenschaft hin, Religiosität zu fröhnen anstatt sie zu leben

Hallo Lutz,

wie lange verfolgst du dieses Forum? Du müsstest eigentlich gemerkt haben, dass „politische“ Teilaspekte von Religion immer wieder vorkommen. (Was Israel/Palästina angeht, ging es z.B. um die symbolisch aufgeladene Bedeutung Jerusalems, an der der Friedensprozess scheiterte.)
Die Selbst- und Lebensdeutung politischer Subjekte hat immer auch politische Auswirkungen. Aber Religion und Politik sind nicht identisch, so wenig wie Politik und Sexualität, obwohl gerade letztere hochpolitische Aspekte hat. Kommen die in den entsprechenden Foren deiner Meinung nach ausreichend vor?
Und warum sagst du „wir“, wenn du „ihr“ meinst (da du ja nicht religiös bist)?

Gruß,
Pietro

Hallo Lutz,

Du beziehst Dich auf den Nahost-Konflikt und

frage ich mich, warum ein so brisantes Thema nicht auch Einzug
in dieses Forum hält.

… weil es unter Auslands-Politik weder um Politik noch um Religion geht. Dort werden hauptsächlich persönliche Meinungen ausgetauscht um Spaß an der Rhetorik zu haben (oder so sieht es zumindest aus)

Denke ich an die Namensgebung unserer Parteien (namentlich
CDU+CSU), die christliches Denken suggerieren und schaue mir
deren Fremdenpolitik an, so habe ich meine Zweifel ob das
Heucheln nicht zum politischen Zweck erhoben wird !

Findest Du da nicht genug Ähnlichkeit mit den verschiedenen Religionen? Gemeinsam ist der politischen und den religiösen Führungsclique das Machtstreben und die Verachtung der Mitläufer, egal ob man sie als Stimmvieh oder als Gläubige bezeichnet.

Sollte die Ethik unserer Politik nicht
gründlicher hinterfragt werden ?
macht mich schlau, Lutz

Wer soll denn das tun, außer Du selbst mit Nachdenken?

Grüße, Rudolf

Moin Pietro,

ich verfolge dieses Forum recht sporadisch. Ich sage „wir“ weil ich mich der menschlichen Rasse zugehörig empfinde und dieses Forum schließlich allen offen steht.
Es macht doch schließlich keinen Unterschied ob ein Argument von einem Gläubigen oder Nichtgläubigen vertreten wird, solange es Hand und Fuß hat :wink: .

Gruß, Lutz

Moin Harald,

die Trennung zwischen Staat und Kirche empfinde ich ja als durchaus sinnvoll, um z.B. solch verhängnisvollen Fehlern wie den Kreuzzügen vorzubeugen.
Wie gesagt halte ich mich selber ja für einen nicht religiösen Menschen. Meine Idee der Bibel ist die eines Moralkodexes, den ich zumindest was das NT angeht auch gutheiße.
Aber sollten denn nicht die Moralgrundsätze eines Menschen und damit auch eines Politikers sein Handeln beinflußen?

An dieser Stelle drehe ich mich im Kreis. Deshalb auch die Begriffe Elfenbeinturm und Heuchelei.

Gruß, Lutz

PS: Schönes Forum Harald. Selten Chaoten unterwegs (zumindest was ich gelesen habe).

Moin RuBa,

wenn ich dies lese:
„Findest Du da nicht genug Ähnlichkeit mit den verschiedenen
Religionen? Gemeinsam ist der politischen und den religiösen
Führungsclique das Machtstreben und die Verachtung der
Mitläufer, egal ob man sie als Stimmvieh oder als Gläubige
bezeichnet.“ , habe ich das Gefühl, das du noch viel desillusionierter bist als ich.
Aber wo ist der Weg ? Ist ein Anfang da zu suchen wo man sich als Mensch nicht verbiegen läßt? Oder hab ich dich nicht verstanden?

Gruß, Lutz

Moin Lutz,

Wie gesagt halte ich mich selber ja für einen nicht religiösen
Menschen.

Ich bin auch nicht religiös, aber gläubig :wink:

Meine Idee der Bibel ist die eines Moralkodexes, den
ich zumindest was das NT angeht auch gutheiße.

Das ist ja schon mal eine gemeinsame Grundlage.

Aber sollten denn nicht die Moralgrundsätze eines Menschen und
damit auch eines Politikers sein Handeln beinflußen?

Wie heißt es so schön bei Radio Eriwan?
Im Prinzip, ja.
Aber er will doch gewählt werden.

An dieser Stelle drehe ich mich im Kreis. Deshalb auch die
Begriffe Elfenbeinturm und Heuchelei.

Es ist eigentlich ganz einfach. Wer den Prinzipien der Bibel treu sein will, hat in der Politik keine Chance.
Das macht aber nichts. Jesus sagte:„Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“
Und Petrus sagte:„Wir warten auf eine neue Erde, in welcher Gerechtigkeit wohnt.“

Gruss Harald

Ich wollte eigentlich wissen, ob du von dir sprichst, wenn du sagst, dass „wir Religiosität … fröhnen, anstatt sie zu leben“.

Gruß,
Pietro

Hallo Lutz,

… , habe ich das Gefühl, das du noch viel
desillusionierter bist als ich.
Aber wo ist der Weg ? Ist ein Anfang da zu suchen wo man sich
als Mensch nicht verbiegen läßt? Oder hab ich dich nicht
verstanden?

wahrscheinlich, keinesfalls bin ich disillusioniert sondern glücklich und versuche die Zustände zu begreifen. Ich schließe daher, daß die verschiedenen Führungscliques es deshalb soweit gebracht haben, weil sie klüger und rücksichtsloser als die Masse ihrer Anhänger sind.

Welchen Weg suchst Du? Suche ein Ziel und versuche dorthin zu kommen. Was meinst Du mit „verbiegen“? Meinst Du Abweichen von einer von der „Allgemeinheit“ als gültig angenommenen Moral? Versuche doch Verständnis dafür zu haben, daß es Menschen gibt, die die bombentragenden Selbstmörder der Palästinänser verehren. Genau so kann man den Turnvater Jahn oder das Musikgenie Karajan als „den Größten“ halten, auch wenn Cassius Clay diesen Titel für sich beanspruchte.

Grüße, Rudolf

Moin Pietro,

eine meiner Religionslehrerinnen definierte einmal: Religion fängt da an, wo der Mensch aus einer inneren Überzeugung heraus handelt(oder so ähnlich- ist schon ein paar Jahre her ,-) ).

Von da her bin ich überzeugt das ein jeder Mensch eine Religion hat, sei sie nun organisiert in Kirchen oder nicht, so lebt doch ein jeder mit und nach seinen moralischen Gesetzen (wo auch immer erworben) und Überzeugungen.
Wenn ich mich selber als nichtgläubig (gemeint ist der Glaube an Gott) tituliere, so habe ich doch wahrscheinlich meine eigene Religion ( siehe oben ). Außerdem möchte ich ungern Menschen ausgrenzen nur weil sie in eben diesem Sinne anders denken/fühlen als ich. Sollte dies zu Irritationen geführt haben tut mir das leid.

Gruß, Lutz

Moin Rudolf (hab ich mir gedacht, war aber der ViKa nicht zu entnehmen :wink: ),

mit „verbiegen“ meine ich, wenn sich Menschen ob irgendwie gearteter Zwänge von eigenen Überzeugungen verabschieden, um zu einer Entscheidung zu kommen obwohl sie genau diese inhaltlich nicht vertreten.

Gruß, Lutz

Hi Harald,

schön aufgesagt: „Es ist eigentlich ganz einfach. Wer den Prinzipien der Bibel treu sein will, hat in der Politik keine Chance.“
Ich schätze deine Meinung sehr, aber ziehst Du hier nicht eindeutig für alle Zeiten den kürzeren, wenn es darum geht christliche Inhalte hochzuhalten ?
Vielleicht war ich ( wie soft , wenn der erste Gedanke geschrieben wird ) nicht präzise.

Geht uns bei Betrachtung der Ereignisse nicht die Zeit aus ???
Wenn man die Opfer dieser Welt zählt (such dir einen Konflikt aus), ist da nicht jedes zu viel ?

Hier habe ich wirkliche Probleme deine Haltung nachzuvollziehen:
"Und Petrus sagte:„Wir warten auf eine neue Erde, in welcher
Gerechtigkeit wohnt.“ "
Ich lebe hier und heute und habe die Entwicklungen zu akzeptieren.

Ist Religion ein Mikrokosmos, für jeden daselbst?
Ist das Gefühl nach z. B. den 10 Geboten zu leben genug um diese Welt lebenswerter zu machen ?

Gruß, Lutz

o.k. (o.T.)
.

Hi Lutz,

Ich schätze deine Meinung sehr, aber ziehst Du hier nicht
eindeutig für alle Zeiten den kürzeren, wenn es darum geht
christliche Inhalte hochzuhalten ?

was meinst Du mit „hochhalten“?
Ist es meine Aufgabe, die Welt zu verbessern?
Ich lebe die christlichen Inhalte.

Geht uns bei Betrachtung der Ereignisse nicht die Zeit aus ???

Kommt immer auf das Ziel an, das Du Dir gesetzt hast.

Wenn man die Opfer dieser Welt zählt (such dir einen Konflikt
aus), ist da nicht jedes zu viel ?

Im Prinzip: ja!
Aber was hat das mit christlicher Politik zu tun?

Hier habe ich wirkliche Probleme deine Haltung
nachzuvollziehen:
"Und Petrus sagte:„Wir warten auf eine neue Erde, in welcher
Gerechtigkeit wohnt.“ "
Ich lebe hier und heute und habe die Entwicklungen zu
akzeptieren.

Ich lebe auch hier und heute. Und das nicht mal schlecht :wink:
Aber ich habe eine Hoffnung für die Ewigkeit. Das läßt das heute leichter ertragen.
Ich kann für meine Umwelt tun, was ich kann. Was ich nicht kann, müssen andere tun.

Ist Religion ein Mikrokosmos, für jeden daselbst?

Wenn ich Deine Distanz zur Religion richtig verstanden habe, bin ich versucht, diese Frage mit einem deutlichen „ja“ zu beantworten. Denn ich kann ja nicht für Dich glauben.

Im Grunde ist das Christentum eine gelebte Beziehung zwischen Gott und dem Menschen. Zu einer guten Beziehung reichen unter Umständen auch zwei.

Ist das Gefühl nach z. B. den 10 Geboten zu leben genug um
diese Welt lebenswerter zu machen ?

Würden sich alle Menschen an die „10 Gebote“ halten, hätten wir viel weniger Probleme.
Aber ich kann das ja nicht zu einem politischen Programm machen. Das würde bei strenger Auslegung das Ende der Demokratie und der Religionsfreiheit bedeuten. Willst Du in einem „Gottesstaat“ leben?

Gruss Harald