Religion - Wissenschaft

Hallo Branden,

Wieso metaphorisch? Das sind ganz konkrete Beobachtungen.

nein, das sehe ich anders. Es sind keine Beobachtungen, sondern Interpolationen, also aus einzelnen Beobachtungen gschlossene Regeln, die aber keine Beweiskraft haben, weil sie im Falle des deduktiven Schließens unverbindlich für den Einzelfall sind.

Verstehe nicht ganz, was Du meinst, Thomas.

Empirie beinhalte die Widerholung im Experiment, und die ist hier nicht möglich.

Vielleicht ziehe ich auch deshalb die naturwissenschaftliche
Herangehensweise der Philosophie vor, weil erstere erst einmal
eine Weile zuschaut und beobachtet und sich dann
gegebenenfalls Zusammenhzänge aus dem Beobachteten
zusammenstellt, anstatt sich irgendetwas auszudenken.

Genau das tut ja die Psychoanalyse, die du vertrittst. Sie tut es freilich nicht so pejorativ, wie du es darstellst, sie denkt sich nicht irgendetwas aus, sondern sie interpretiert. Das aber ist ein Gegensatz zu dem was Comte und mit ihm die Naturwissenschaft seitdem als Ideal vorantreibt.

Mir fällt ja auch z.B. etwas erst auf, wenn ich es wiederholt
an Patienten beobachte und wiederholt auftretende
Zusammenhänge erkenne. Das alles ist so „natürlich“
(„Naturwissenschft“!), dass ich da glücklicherweise überhaupt
nicht auf eine Ebene wie Positivismus oder Dialektik oder
kritische Theorie ausweichen muss.

Du verstehst mich falsch. Ich wollte nicht auf Adorno rekurrieren, sondern gerade im Gegenteil auf Popper. Naturwissenschaft geht zwar induktiv vor, aber das ist nicht das entscheidende Merkmal, wenn es um naturwissenschaftliche Gesetzlichkeit geht, sondern dazu muss man deduktiv vorgehen - und gerade das ist beim Dreistadiengesetz wie auch bei der Psychoanalyse nicht der Fall. Daher ist das Dreistadiengesetz unangemessen, wenn es als Bestätigung der Naturwissenschaft herhalten soll.

Herzliche Grüße

Thomas

Hallo Thomas
weil sie

im Falle des deduktiven Schließens unverbindlich für den
Einzelfall sind.

Ich benötige kein deduktives Schließen. Ich nehme aber auch nicht nur den Einzelfall (obwohl ein prägnanter Einzelfall mir u.U. mehr sagen kann als hundert belanglose Fälle), sondern beobachte viele.

Vielleicht ziehe ich auch deshalb die naturwissenschaftliche
Herangehensweise der Philosophie vor, weil erstere erst einmal
eine Weile zuschaut und beobachtet und sich dann
gegebenenfalls Zusammenhzänge aus dem Beobachteten
zusammenstellt, anstatt sich irgendetwas auszudenken.

Genau das tut ja die Psychoanalyse, die du vertrittst. Sie tut
es freilich nicht so pejorativ, wie du es darstellst, sie
denkt sich nicht irgendetwas aus, sondern sie interpretiert.

Zunächst einmal beobachtet sie lange, bevor sie irgnedwelche Schlüsse zieht oder interpretiert. Mir fällt auf, dass Du Dir anscheinend die Psychoanalyse als eine Art Märchenwanderung vorstellst. Das ist sie aber nun einmal nicht. Die Praxis der Psychoanalyse ist ein vorsichtiges, gemeinsames Erschauen und Ertasten der (innerlichen) Realität, keine Phantasterei. Ausgenommen sind natürlich Phantasten wie C.G. Jung, für den kann ich nicht sprechen.
Gruß, Branden

Der Streit entsteht meiner Erfahrung nach dadurch, dass
„religiöse“ Menschen aus welchen Gründen auch immer Aussagen
im Bereich der Wissenschaften machen, denen man sehr genau
anmerkt, dass sie aus einschlägigen „christlichen“ Bücher
angelesen worden sind.

das ist nur dann ein grund für streit, wenn auch die andere partei (nämlich die die den part der wissenschaft spielt) noch dümmer ist und in so einer aussage eine konkurrenz oder gar gefahr wittert. als beispiel nehmen wir „die entstehung der welt“. darüber macht die wissenschaft keine aussage, weil es in einen bereich fällt, der nicht mehr empirisch zugänglich ist. wenn jetzt jemand meint, gott habe die welt erschaffen, was juckt das einen „wissenschaftler“ (jetzt als meinungsrolle gemeint)?

Ob es aber wirklich der älteste Mensch ist, kann weder be-
noch widerlegt werden.

Das ist alles korrekt.
Aber es stellt für Wissenschaftler nicht das geringste Problem
dar.
Das ist quasi eine der Wissenschaft innewohnende Eigenschaft.

ja das stimmt. „der älteste mensch jemals“ ist nämlich eine allaussage, der unbeweisbar ist. das haben allaussagen nämlich so an sich. deshalb enthält sich seriöse wissenschaft dieser aussagen.

gruß
datafox

Hallo Helge,

Jetzt muss ich aber mal konkret nachfragen:
Hörst du solche Aussagen wirklich von Wissenschaftlern, oder
eher von Leuten, denen der liebe Gott nichts bedeutet?

Gegenfrage: schließt das eine das andere aus?
Natürlich hat für diese Leute Gott keine Bedeutung.
Aber interessanterweise begründen sie ihre Ablehnung immer mit den „Erkenntnissen der Naturwissenschaft“.
Außerdem erklären sie Leute, die an Gott glauben pauschal als naiv oder „gehirngewaschen“.
Aktuell findest Du hier einen User namens Hicham :wink:

Ich habe während des gesamten Physikstudiums eine evtl.
Problematik Glaube-NW nie wahrgenommen.

Ich muss zugeben, dass ich auch eine Reihe gläubiger Physiker kenne.
Ich werde also in Zukunft auf die Bildung der Betreffenden ein Augenmerk haben.

Und wenn es doch mal Äusserungen gab, dann darüber, dass
dieser oder jener Theologe ein fragwürdiges Bild über NW hat.

Dem kann ich sogar zustimmen :wink:
Aber manchmal ist es interessant, dieses fragwürdige Bild auch wirklich zu hinterfragen.

Gruss Harald

Hallo Branden,

Ich benötige kein deduktives Schließen. Ich nehme aber auch
nicht nur den Einzelfall (obwohl ein prägnanter Einzelfall mir
u.U. mehr sagen kann als hundert belanglose Fälle), sondern
beobachte viele.

das ist mir klar, nur warum willst du das dann unbedingt „Naturwissenschaft“ nennen?

Mir fällt auf, dass Du Dir
anscheinend die Psychoanalyse als eine Art Märchenwanderung
vorstellst.

Und mir fällt auf, dass du jetzt zweimal versucht hast, die sachliche Diskussion über Methodologie zu verlassen und mir beim ersten Mal als Philosophen ein „Ausdenken“ vorzuwerfen und jetzt beim zweiten Mal behauptest, ich verstünde nichts von Psychoanalyse. Beidem würde ich widersprechen wollen, denn erstens bezog sich das „Ausdenken“ auf eine Äußerung aus deinem davor liegenden Posting und zweitens ist es keineswegs so, dass ich mir die Psychoanalyse so vorstelle, wie du es andeutest. Vielmehr scheint es mir so zu sein, dass du der sachlichen Diskussion ausweichst, indem du mir dise Dinge unterstellst. Aber ich möchte das gar nicht vertiefen.

Ich bestreite keineswegs, dass es sich bei der PA um

ein vorsichtiges, gemeinsames Erschauen und
Ertasten der (innerlichen) Realität, keine Phantasterei

handelt. Auch beziehe ich mich nicht auf

Phantasten wie C.G. Jung

den du merkwürdigerweise als Psychoanalytiker aufführst. Mir ging es allein darum zu fragen, ob nicht in deinem Ausgangsposting ein Widerspruch vorhanden ist, nämlich der, dass du einerseits „Naturwissenschaft“ im positivistischen Sinne vertreten möchtest und andererseits Psychoanalyse. Ich behaupte ja gar nicht, dass PA keine Wissenschaft ist, das ist sie ohne Zweifel, aber sie ist keine Naturwissenschaft im Sinne Comtes.

Das genau scheint mir ein generelles Manko in der Diskussion zu sein, dass sich aufgrund des Einflusses des Wiener Kreises die Vorstellung durchgesetzt hat, alle Wissenschaft müsse, um ernst genommen zu werden, Naturwissenschaft sein. Das würde ich nämlich bestreiten. Und daher scheint mir deine Berufung auf das Dreistadiengesetz, dass die Gleichsetzung von Wissenschaft und Naturwissenschaft voraussetzt, diametral deinem Eintreten für die PA entgegenzustehen. Ich sehe darin den Wunsch eines Psychoanalytikers, als Naturwissenschaftler zu gelten, weil das allein Geltung verspricht, wohingegen die bloße Berufung auf Wissenschaftlichkeit nicht auszureichen scheint, um ernst genommen zu werden.

Aber es ist keineswegs notwendig für einen Psychoanalytiker, den Status eines Naturwissenschaftlers für sich geltend machen zu können, denn Wissenschaftlichkeit erschöpft sich eben nicht in Empirie. Wenn die Psychoanalytiker das begreifen würden, dann fühlten sie sich nicht mehr gezwungen, sich als „Naturwissenschaftler“ im Sinne Comtes und seines Dreistadiengesetzes darstellen zu müssen.

Du verstehst, was ich meine? Ich hoffe es, denn es lag wirklich meiner Absicht fern, die PA irgendwie zu diskriminieren. Ich halte die PA für sehr nützlich, auch für wissenschaftlich, den Charakter eine Naturwissenschaft (im Sinne des Wiener Kreises) würde ich ihr nicht zuerkennen, aber das ist auch nicht nötig. Selbst wenn sie im Sinne von Grünbaum keine Naturwissenschaft in diesem Sinne ist, hat sie selbstverständlich ihren Wert. Nur ist es dann merkwürdig, wenn sie sich auf Comte beruft.

Ich hoffe, dass ich mich verständlich gemacht habe.

Herzliche Grüße

Thomas

Nachfrage, off topic.
Hi,

ich möchte in eurer höheren Diskussion über Methodik mal nachfragen, welche Relevanz die Begriffe Positivismus, Comte und Wiener Kreis denn für die Heerscharen von „normal“ arbeitenden Wissenschaftler haben.
Ich bin der Ansicht: Keine.
Gruss,

Hallo Harald,

sinnvoll wäre das schon, aber da die Psychologie aus mehr als nur aus Psychoanalyse besteht - die ja auch nur eine Form der Therapie ist (Verhaltenstherapie wäre eine andere)-, also z. B. auch aus naturwissenschaftlichen Beschreibungen, ist es genauso sinnvoll, sie unter „Naturwissenschaften“ zu führen. Über die Entstehung der Psychologie als Disziplin hatte ich schon einmal etwas geschrieben, finde es jetzt aber gerade nicht. Daher hier nochmal: Es gab drei obere Fakultäten (Theologie, Medizin, Jura) und die untere Fakultät (Philosophie). Die philosophische Fakultät spaltete sich im 19. Jahrhundert in einen geisteswissenschaftlichen und einen naturwissenschaftlichen Teil. Und weil die Psychologie sowohl geisteswissenschaftliche als auch naturwissenschaftliche Elemente in sich birgt, kann sie in beiden Bereichen eingeordnet werden, wie es auch an den verschiedenen Universitäten heute unterschiedlich geregelt ist.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

P. S. Ich habe versehentlich mein letztes Posting für das Archiv nicht zugänglich gemacht, weshalb ich es noch einmal kopiere. Wenn du als Moderator die Möglichkeit hast, es wieder für das Archiv zu öffnen, wäre ich dankbar, dann kannst du die Kopie, die ich gleich mache, natürlich löschen.

Die Psychologie ist entstanden, als die Naturwissenschaften sich inner

Hallo Helge,

ich möchte in eurer höheren Diskussion über Methodik mal
nachfragen, welche Relevanz die Begriffe Positivismus, Comte
und Wiener Kreis denn für die Heerscharen von „normal“
arbeitenden Wissenschaftler haben.
Ich bin der Ansicht: Keine.

ja, das stimmt in gewisser Hinsicht schon, in anderer Hinsicht aber auch nicht. Denn wenn sich Vertreter der Psychoanalyse - wie ich darlegen wollte „in unkluger Weise“ - denn Stempel der „Naturwissenschaftlichkeit“ umhängen wollen, dann handeln sie damit fahrlässig und und eigentlich unverantwortlich, weil sie den Kredit, den sie eigentlich verdient hätten, durch Machtgeplänkel (also den Wunsch, so gesehen zu werden, wie man sie sehen will) unnötig verscherzen.

Wenn ich etwas Bestimmtes sein möchte, dann ist es völlig unwichtig, ob ich das aus der Sicht von (beispielsweise) Mathematikern, Physikern, Biologen oder Esoteríkern bin. Wenn ich das sein möchte, dann muss ich mich in dieser Hinsich und keiner anderen beweisen. Der (untaugliche) Versuch von Psychoanalytikern, sich als Naturwissenschaftler zu präsentieren, ist - positiv gesehen ein Werbeeffekt und aus anderer Sicht gesehen ein untauglicher Versuch sich aufzuwerten. Mit der letzteren Vorgehensweise wäre er unzulässig und sogar schäglich für die Psychoanalyse, weil mit diesem Versuch auch der Versuch einher gehen würde, sich als der Mathematik oder Physik in Bezug auf Exaktkeit ebenbürtige Disziplin zu präsentieren, was naturgemäß scheitern muss. Das besagt aber keineswegs, dass sie Psychoanalyse nutzlos ist, sondern nur, dass sie nicht dieselbe Exaktheit erreichen kann wie Mathematik und Physik. Weil das aber aufgrund der Vorgehensweise ohnehin klar ist, ist es sinnlos, der Psychoanalyse diese Sicherheit aufoktroyieren zu wollen. Sinnvoll ist es also, Psychoanalyse nicht als Naturwissenschaft, hingegen sehr wohl als wenn auch nicht sichere, so doch sinnvolle Wissenschaft (nicht Naturwissenschaft) gelten zu lassen. Der Grund für diese Unterscheidung liegt darin, dass es keineswegs notwendig ist, objektive Gültigkeit von einer Wissenschaft zu verlangen, um „Wissenschaft“ zu sein (denn nur wer „objektive Gültigkeit“ verlangt, verlangt auch den Status der Naturwissenschaft - wenn auch aus anderen Gründen, aber das ist ein neues Thema).

Entscheidend ist, dass die Psychoanalyse helfen kann, auch wenn sie keine Naturwissenschaft im engeren Sinne ist. Der Versuch, Psychoanalyse als Naturwissenschaft darzustellen, ist unbeholfen, weil er versucht, einer „Wissenschaft“ durch ihre Deklaration als „Naturwissenschaft“ den Nimbus einer Statusses zu geben, der ungerechtfertigt, gleichwohl aber eben auch unnötig ist, weil Psychoanalyse als Wissenschaft wertvoll ist, ohne Naturwissenschaft zu sein.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

das ist mir klar, nur warum willst du das dann unbedingt
„Naturwissenschaft“ nennen?

Weil ich sie im ganz ursoprünglichen (und für mich nach wie vor wesentlichen) Sinne als durch ein Beobachten der Natur charakterisiert sehe.

Phantasten wie C.G. Jung

den du merkwürdigerweise als Psychoanalytiker aufführst.

Wie Du ja wohl weißt, gibt es nach wie vor drei große Richtungen, in denen sich der Arzt und der Psychologe psychoanalytisch weiterbilden kann zum vion allen Krankenkassen anerkannten Psychoanalytiker: Freud, Jung, Adler. Du kannst an diesbezüglichen Instituten Deine analytische Weiterbildung machen. Wenn Du und ich Jung (noch :wink:) weniger „wissenschaftloch“ finden (anscheinend sind wir uns da irgendwo einig), dann ist das unsere Privatangelegenheit, aber alle drei sind offizielle Ausbildungswege.

Mir

ging es allein darum zu fragen, ob nicht in deinem
Ausgangsposting ein Widerspruch vorhanden ist, nämlich der,
dass du einerseits „Naturwissenschaft“ im positivistischen
Sinne vertreten möchtest und andererseits Psychoanalyse.

Das finde ich nicht. Freud hat seine Psychoanalyse als Naturwissenschaft gesehen (ich habe keine Lust, jetzt hier seinen Text dazu aufzuschreiben, habe ihn aber gestern gelesen), ich sehe es ähnlich.
Ich

behaupte ja gar nicht, dass PA keine Wissenschaft ist, das ist
sie ohne Zweifel, aber sie ist keine Naturwissenschaft im
Sinne Comtes.

Comte ist für mich da kein Richtwert.
Ich sehe darin

den Wunsch eines Psychoanalytikers, als Naturwissenschaftler
zu gelten, weil das allein Geltung verspricht, wohingegen die
bloße Berufung auf Wissenschaftlichkeit nicht auszureichen
scheint, um ernst genommen zu werden.

Nein, es ist eher eine Standort-Definition.

Aber es ist keineswegs notwendig für einen Psychoanalytiker,
den Status eines Naturwissenschaftlers für sich geltend machen
zu können, denn Wissenschaftlichkeit erschöpft sich eben nicht
in Empirie. Wenn die Psychoanalytiker das begreifen würden,
dann fühlten sie sich nicht mehr gezwungen, sich als
„Naturwissenschaftler“ im Sinne Comtes und seines
Dreistadiengesetzes darstellen zu müssen.

Erstebs fühlen wir uns nicht gezwungen dazu (das mag Deine Projektion sein), zweitens interessiert uns der alte Comte etwa sowenig wie der alte Abraham.

Du verstehst, was ich meine?

Ja. iCH RESPEKTIERE AUCH dEINEN sTANDPUNKt. Ich hoffe, Du respektierst meinen genauso.
Gruß, Branden

ich möchte in eurer höheren Diskussion über Methodik mal
nachfragen, welche Relevanz die Begriffe Positivismus, Comte
und Wiener Kreis denn für die Heerscharen von „normal“
arbeitenden Wissenschaftler haben.
Ich bin der Ansicht: Keine.

Da bewegst Du Dich 100%ig auf meiner Linie, Helge!
Gruß, Branden

Die Mathematik ist in meinen Augen KEINE Naturwissenschaft.
Jedenfalls WENIGER als die Psychoanalyse.

Dann könntest Du die Medizin auch gleich dahin schieben. Oliver Walter z.B. ist ja der Ansicht, die Psychoanalyse gehöre in den Bereich Medizin und nicht Psychologie. Ich habe nicht einmal was dagegen.
Die Psychoanalyse und die Psychosomatische Medizin (die zusammengehören wie ein-eiige Zwillinge) sind beide jedenfalls MEDIZINISCHE Fächer und gehören meiner Ansicht nach in die / zu den NATURWISSENSCHAFTEN.
Gruß, Branden

Hallo Branden,

Die Mathematik ist in meinen Augen KEINE Naturwissenschaft.

ja, das würde ich auch so sehen.

Jedenfalls WENIGER als die Psychoanalyse.

Ob man das überhaupt sagen kann, hängt davon ab, wie man „Naturwissenschaft“ definiert. Natürlich kann man sagen, alle Wissenschaft, die sich mit natürlichen Dingen beschäftigt, ist Naturwissenschaft. Aber dann ist es ziemlich sinnlos, von „mehr“ oder „weniger“ Naturwissenschaft zu sprechen. Denn man meint dann ja gar nicht die Methode, sondern den Gegenstand. Und dann ist ohne weiteres klar, dass die Mathematik eben keine Naturwissenschaft ist, weil sie sich nicht mit der Natur beschäftigt, sondern mit künstlichen Formen, die zwar auf die Natur passen, aber nicht aus ihr hervorgehen.

Nimmt man hingegen das von dir angeführte Dreistadiengesetz als Maßstab, dann meint man schon die Methode und eben nicht den Gegenstand. Wenn man den Gegenstand mit „Naturwissenschaft“ bezeichnen will, dann gibt es eigentlich auch kein Problem mit dem Begriff. Ein solches Problem gibt es erst, wenn man (wie Comte) die naturwissenschaftliche Methode als vorurteilsfreie (positivistische) Art zu denken, völlig als positive (hier jetzt wertend gemeint) von anderen Denkweisen abtrennen möchte.

Herzliche Grüße

Thomas

Hallo Branden,

Weil ich sie im ganz ursoprünglichen (und für mich nach wie
vor wesentlichen) Sinne als durch ein Beobachten der Natur
charakterisiert sehe.

du definierst es also vom Gegenstand her; dann habe ich damit - wie ich unten gerade eben schon schrieb - damit kein Problem. Nur kann man dann nicht mit dem Dreistadiengesetz argumentieren, denn natürlich befassen sich auch die ersten beiden Stadien mit der Natur in diesem Sinne. Dann ist die Abgrenzung nicht sinnvoll.

Jung (noch :wink:) weniger „wissenschaftloch“ finden (anscheinend sind
wir uns da irgendwo einig)

Ich würde sagen, dass der Begriff „wissenschaftlich“ hier gar nicht passt, sondern man müsste sagen, dass Jung noch weniger exakt oder noch weniger messbar ist als Freud (was aber ja über den möglichen Therapieerfolg gar nichts aussagt).

Freud hat seine Psychoanalyse als
Naturwissenschaft gesehen (ich habe keine Lust, jetzt hier
seinen Text dazu aufzuschreiben, habe ihn aber gestern
gelesen), ich sehe es ähnlich.

Ja, das weiß ich, als beschreibende Wissenschaft einer natürlichen Sache kann ich diese Meinung sogar teilen. Allerdings stellt die Psychoanalyse keine Gesetze auf wie etwa die Physik, zumindest keine von den jeweiligen Patienten unabhängigen Gesetze, die sozusagen immer gelten (von ganz allgemeinen Aufbau-Beschreibungen etc. wie Über-Ich - Ich - Es einmal abgesehen).

Comte ist für mich da kein Richtwert.

Das ist ja auch richtig, weil seine Definition von Naturwissenschaft die Methode, deine jedoch den Gegenstand betrifft. Nur hast du im Ausgangsposting, das mich zur Einrede veranlasste, dich ja gerade auf dessen Darstellung berufen.

Ja. iCH RESPEKTIERE AUCH dEINEN sTANDPUNKt. Ich hoffe, Du
respektierst meinen genauso.

Aber selbstverständlich, ich versuche ja nur, ihn zu verstehen, indem ich die Begriffe sortiere. Ich habe auch den Eindruck, dass du mich nicht richtig verstehst, weshalb ich das Ganze noch einmal ein bisschen aufgedröselt habe. Mir liegt es fern, deine Arbeit zu kritisieren, sondern es geht mir nur darum, dass ich in deiner Darstellung eine Inkonsistenz gesehen habe, die ich klären wollte.

Dass das für die praktische Arbeit am/mit dem Patienten unwichtig ist, meine ich auch. Aber es ist wichtig in Bezug auf die Abgrenzung von Wissenschaft und angewandter Wissenschaft bzw. von Wissenschaft und Nicht-Wissenschaft. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass die extremen Verfechter der Verhaltenstherapie sich - und nur sich selbst - als „Wissenschaftler“ im Bereich der Psychologie sehen wollen. So verwendet aber wird der Begriff „Wissenschaft“ ein Kampfbegriff, der schlicht andere Methoden/Denkweisen zum Zweck der Selbstbestätigung ausgrenzt und hat eigentlich keinen realen Inhalt, keine wirkliche Bedeutung mehr.

Herzliche Grüße

Thomas

Hallo Branden,

Wieder Mißverständnis. Das meine ich ja nicht, daß ich die Wissenschaften an sich kritisiere. Ganz im Gegenteil. Das, was ich kritisiere und was sie zum völlig Gleichen macht, wie die Religionen, ist, daß die Theorien, welche daraus als Vermutungen hervor gebracht werden, zur Begründung der „Gestze“ werden! Das wäre absolut unzulässig, wie es auch bei den Religionen unzulässig war. Denn wenn eine Theorie falsch ist, trotzdem daraus aber Verhaltenszwänge in Form der „Gesetze“ auf alle anderen übertragen werden, ergeben sich daraus alle diese „Verhaltenszwänge“ an den einzelnen Menschen, über welche sich dann neben anderen auch die Lehrmeinung „Psychologie“ so zu wundern scheint.
Das ist die Crux an der Geschichte.
Ich mache diese Woche mal nur den passiven Mitleser und werde am Wochenende vielleicht etwas thematisieren. Reizen würde mich, warum sich auch das Gerücht weiterhin so hartnäcjig halten kann, daß das Gehirn denken würde, wo doch schon die sprachliche Feststellung „mein Gehirn denkt“ den logischen Kurzschluß daran deutlich macht, daß da zwei Bereiche zur Hinterfragung anstünden. Auf Eurem Psycho-Brett hat es da ja einige Keilereien gegeben, wie ich gesehen habe.
Grüße
Gert

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d’accord, Thomas :wink: owT
!

Hallo Branden,

Oliver Walter z.B. ist ja der Ansicht, die Psychoanalyse
gehöre in den Bereich Medizin und nicht Psychologie.

na ja, die Psychoanalyse und ihre Ableger (Individualpsychologie, Analytische Psychologie) sind von Medizinern begründet worden und unterscheiden sich ziemlich von der Psychologie, so daß ich sie - im Einklang mit anderen - nicht zur Psychologie zähle. Außerdem wird sie meiner Erfahrung nach doch häufiger von Medizinern vertreten als von Psychologen. In den USA war es auch lange Zeit so, daß nur Ärzte eine Ausbildung zu Psychoanalytikern machen konnten.

Die Psychoanalyse und die Psychosomatische Medizin (die
zusammengehören wie ein-eiige Zwillinge) sind beide jedenfalls
MEDIZINISCHE Fächer
und gehören meiner Ansicht nach in die / zu den NATURWISSENSCHAFTEN.

Dazu müßte die Psychoanalyse eine Naturwissenschaft sein. Das ist sie meines Erachtens nicht. Darlegungen der Gründe für diese Meinung gibt es in der Literatur genug. Thomas Miller nannte schon den Namen Adolf Grünbaums, der eine beachtete Kritik der Psychoanalyse geschrieben hat ("The Foundations of Psychoanalysis. A philosophical critique). Grünbaum kritisierte aber auch die Rekonstruktion der Psychoanalyse als hermeuneutische „Wissenschaft“, zu der Thomas Miller tendiert. Da bist Du näher an Freud.

Grüße,

Oliver Walter