Reliquien in Kirchen

Hallo,

hat jede geweihte Kirche Requiem im Altar?

Gruß

josch

Hallo,

hat jede geweihte Kirche Requiem im Altar?

In evangelischen Kirchen eher nicht, Luther war ja kein Freund von dem ganzen Pomp und Plunder. Der Altar in so einer Kirche ist ja eher schlicht.

Gruss Jan

Hallo, Josch,

katholische Kirche haben alle eine Reliquie.

Was nun aber nicht heißen muss, dass da immer ein Knochen, ein Zahn, ein Kleidungsstück eines Heiligen liegt.

Es gibt da die sogenannten „Kontaktreliquien“. D. h. man rubbelt irgendeinen Stein, ein Stück Textil an der Originalreliquie, an einem der etwa zwei Dutzend Vorhäuten Jesus, die gezeigt werden, oder an einem Splitter der Kreuzes, die zusammen genommen einen Wald ausmachen, und schon hat man eine voll Funktionstüchtige neue Reliquie.

Luther hat gar nicht so sehr gegen Reliquien geschimpft, jedenfalls nicht von Anfang an, denn sein Schutz- und Dienstherr, der Herzog von Sachsen, besaß eine der größten Reliquiensammlungen seiner Zeit, die zu zwei Drittel aus Tierknochen, also Fälschungen oder eben Kontaktreliquien, bestanden haben soll.

Auch wird erzählt, dass in dieser Sammlung zu finden waren:

_Ein schönes Stück vom linken Horn des Mose.

Drei Flammen vom Busch des Mose, auf dem Berge Sinai.

Zwei Federn und ein Ei vom heiligen Geist.

Ein ganzer Zipfel von der Fahne, mit der Christus die Hölle aufstieß.

Auch eine große Locke vom Barte des Beelzebub, der an der Fahne
klebenblieb.

Ein halber Flügel von St. Gabriel, dem Erzengel.

Ein ganzes Pfund von dem Wind, der an Elia vorbeirauschte, in der Höhle am Berge Horeb.

Zwei Ellen von dem Ton der Posaunen, auf dem Berge Sinai.

Dreißig Fürze von der Pauke Miriams, der Schwester Mose, gehört am Roten Meer.

Ein großes, schweres Stück vom Geschrei der Kinder Israel, womit sie die Mauern Jerichos niedergeworfen haben.

Fünf schöne helle Saiten von der Harfe Davids.

Drei schöne Haarlocken des Absalom, mit denen er an der Eiche hängenblieb._

=> http://www.glaubensstimme.de/reformatoren/luther/287…

Luther hat sich wohl gehütet zu Lebzeiten des Sammlers was gegen diese zu sagen, garantierte sie doch gute Einnahmen von frommen Pilger.

Gruß Fritz

Kaiserripperl
Katholen lieben das

http://de.wikipedia.org/wiki/Reliquie

und es gibt ja genug. So wurde zum Beispiel vom
seligen Giftgaskaiser Karl_1 (Österreich-Ungarn)

http://de.wikipedia.org/wiki/
Karl_I._%28%C3%96sterreich-Ungarn%29

erst ein Ripperl angeschnitten.

Seligsprechung

Die ersten Bestrebungen zur Seligsprechung wurden
bereits von Kardinal Innitzer initiiert. 1954 wurde
der Seligsprechungsprozess für Karl begonnen, durch
die „Kaiser-Karl-Gebetsliga für den Weltfrieden“
unter dem Vorsitz von Bischof Kurt Krenn wesentlich
gefördert und am 20. Dezember 2003 zum Abschluss
gebracht. Die Heiligsprechungskongregation
veröffentlichte in Anwesenheit von Papst Johannes
Paul II. ein Dekret, das eine auf Anrufung des
Verstorbenen geschehene wunderbare Heilung – die
notwendige Voraussetzung für die Seligsprechung –
anerkennt: Maria Zita Gradowska, eine in Brasilien
wirkende Nonne aus Polen, litt jahrzehntelang an
einem sehr schmerzhaften Venenleiden, das als
unheilbar galt. Sie hatte offene Geschwüre und war
bettlägrig. 1960 rief sie Kaiser Karl um Fürsprache
an. Am nächsten Tag war sie schmerzfrei und ihre
Geschwüre verheilten. Die Seligsprechung des
früheren Monarchen, ein nicht alltägliches
Ereignis, fand am 3. Oktober 2004 statt. Sein
Gedenktag ist der 21. Oktober, der Tag seiner
Hochzeit.

Die Umstände der Seligsprechung, die umstrittene
Persönlichkeit des Fürsprechers Kurt Krenn, der
wenig später von seinem Amt als Diözesanbischof
zurücktreten musste, und die Anwesenheit hoher
politischer Würdenträger der Republik Österreich
bei der Zeremonie – die offizielle Delegation wurde
von Nationalratspräsident Andreas Khol angeführt –
sorgten in Österreich für einige Diskussionen.

Grüß Gott
J.

Hallo,

hat jede geweihte Kirche Requiem im Altar?

Ein Requiem hat keine Kirche im Altar, ein Requiem findet nur am Altar statt (ein Requiem ist eine Totenmesse).

Was aber Reliquien betrifft: ja, jeder Altar, an dem die (katholische) Hl. Messe gefeiert wird, muss auch eine Reliquie enthalten.
Schau mal hier ins Archiv:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

Grüße
Wolfgang

Hallo,

hat jede geweihte Kirche Requiem im Altar?

In evangelischen Kirchen eher nicht, Luther war ja kein Freund
von dem ganzen Pomp und Plunder. Der Altar in so einer Kirche
ist ja eher schlicht.

Katholische Altäre können auch ganz schlicht sein. Die Gestaltung des Altars und der gesamten Kirche folgt schließlich dem Geschmack der Zeit in der sie entstanden sind.

Was die Reliquien angeht so wirkt das heute schon etwas befremdlich. Man denke nur an die kurzzeitig aufgekommene Diskussion das Herz des letzthin verstorbenen Papstes Johannes Paul II nach Polen zu überführen.
Aber letztlich ist es ja nicht so, dass Katholiken alte Knochen anbeten. Anhand dieser Reliquien wird ganz plastisch sicht- und fühlbar, dass es bei Religion und Glauben um echte, konkrete Menschen geht und nicht um irgendwelche abstrakten Vorstellungen, theologische Theorien und philosophische Denkgebäude. Menschen, die mal lebendig waren und mit Ihrem Leben und Handeln ein Beispiel waren für die Kraft ihres Glaubens. Die Überreste der Verstorbenen werden also nicht um ihrer selbst willen aufgehoben, sondern die Erinnerung an diese Leute.

Grüsse,

Medelvio

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Hallo,

hat jede geweihte Kirche Reliquien im Altar?

wie du inzwischen weisst: ja hat sie, sofern katholisch oder orthodox.
Zu den anderen Antworten möchte ich noch hinzufügen:
In den Altären sind nicht irgendwelche R. untergebracht, sondern solche von Märtyrern. Der Altar selbst wiederum ist ein Symbol für Christus. Die Symbolik ist also die, dass der Märtyrer, der ermordert wurde, weil er bis zuletzt standhaft in seiner Hingabe zu Christus war im Sterben von diesem aufgenommen wird, der dem Märtyrer im Kreuzestod bereits vorausgegangen ist. Um das zu Verdeutlichen befindet sich die R. übrigens in der Regel unter der Tischplatte. Das Sterben des Märtyrers wandelt sich also durch die Aufnahme bei Christus ins neue und ewige Leben, so wie am Ende auch jeder Gläubige Aufnahme findet bei IHM.

Deine Frage suggeriert eine gewisse Skepsis und Verwunderung, ob das mit den R. heute noch so passend und zeitgemäss ist. Auch die Kirchenoberen treiben solche Fragen um: Wird die Symbolik von all den Dingen in der Kirche und im Gottesdienst heutzutage von den Leuten überhaupt noch verstanden? Was ist für die Verkündung des Evangeliums notwendig und was verzichtbar und überflüssig? Hier tut sich ein Spannungsfeld auf: Einerseits tut sich die Kirche schwer damit jahrundertealte Traditionen (die für viele Gläubige enorm wichtig und hilfreich sind) einfach so über Bord zu werfen, andererseits will, möchte und muss sie ja ihrem Auftrag gemäss etwas mitteilen, verkünden. Dazu wiederum muss sie auch verstanden werden, wenn sie nicht in Bedeutungslosigkeit versinken will.

HTH,

Medelvio