Renovierungsbedürftige Immobilie - Maklergebühren

Hallo,

ich interessiere mich für eine alte Wohnung mit dazugehörigem Speicher, für den eine Baugenehmigung zur Umnutzung vorliegt. Diese Wohnung wird über einen Makler angeboten.

Dieser Makler verlangt die Maklergebühr auf den Kaufpreis inklusive der Sanierungskosten, obwohl ich die Sanierung in Eigenregie (nicht über ihn) vornehmen möchte. Meiner Meinung nach darf die Courtage deswegen nur auf den tatsächlichen Kaufpreis (ohne spätere Sanierung) erhoben werden.

Habe ich damit Recht und wo finde ich genaueres dazu?

Vielen Dank für die Hilfe, Anna.

Hallo Anna!

Dieser Makler verlangt die Maklergebühr auf den Kaufpreis
inklusive der Sanierungskosten, obwohl ich die Sanierung in
Eigenregie (nicht über ihn) vornehmen möchte.

Die Sanierung geht den Makler gar nichts an.

Viele Immo-Maklern versuchen gerne, ihre Position gegenüber dem unerfahrenen Interessenten auszunutzen. Zunächst wird ausgenutzt, daß für den Makler das Immo-Geschäft etwas Alltägliches ist, während seine Kunden solches Geschäft i. d. R. nur einmal im Leben tätigen, also unsicher in der Abwicklung sind und die Marktsituation nicht kennen. Sehr oft wird versucht, den direkten Kontakt zwischen Verkäufer und Käufer möglichst lange zu verhindern. Außerdem gehört zum selbstverständlichen Repertoire, den Maklerlohn als unverrückbar festen Prozentsatz darzustellen, was an den Haaren herbeigezogener Unfug ist.

Es kommt gar nicht selten vor, daß Immobilien nichts oder nur wenig wert sind, der Verkäufer heilfroh wäre, für jeden Preis einen Käufer zu finden, der Makler aber irgendeinen irrwitzig überhöhten Preis nennt. Immobilien, die man ohne weiteres für wenige zehntausend € haben kann, werden von Maklern zum mehrfach höheren Preis angeboten. Diese Leute hoffen auf einen Naivling, der auch noch glücklich strahlt, wenn er ein paar Euro des verlangten Mondpreises heruntergehandelt hat schließlich mit artigem Dankeschön 4 oder 5 % des Kaufpreises an den Makler abdrückt :smile:.

Laß Dich auf diese branchenüblichen Spielchen nicht ein. Wichtig ist, daß Du erstmal nichts unterschreibst. Der Makler wird Dir recht bald einen Vertrag unter die Nase halten, in dem für den Fall des Zustandekommens des Kaufs sein Maklerlohn vereinbart wird. Das unterschreibst Du bitte nicht, sondern weist den Makler darauf hin, daß er selbstverständlich seinen Lohn bekommt, dieser aber noch verhandelt werden muß. Dem Makler muß klar werden, daß er nicht im Interesse des Verkäufers einen möglichst hohen Verkaufspreis anstreben kann, um sich dann auch noch vom so ausgenommenen Käufer für das gegen ihn gerichtete Tun entlohnen zu lassen. Das kann man alles sehr freundlich, aber ebenso bestimmt herüber bringen. In 9 von 10 Fällen wird es der Makler fressen, denn wer verjagt schon ohne Not rare zahlende Kunden!? Sodann darf Dich nur informationshalber interessieren, welche Kaufpreisvorstellung und welcher Prozentsatz für den Makler genannt werden. Du bildest Dir Dein eigenes Urteil und das geht nur mit Hilfe eines sachkundigen Menschen, sprich: Mit einem Architekten oder einem Wirtschaftsing. des Bauwesens. Der guckt sich nicht nur die Wohnung an, sondern auch die Bauart der Außenhaut, des Daches, des Kellers u. v. m… Außerdem nimmst Du Einblick in Protokolle der Eigentümerversammlung und in die Höhe der Rücklagen und Du siehst Dir die Eigentümerstruktur an. Wenn es einen nennenswerten Anteil Wohnungen in einer Hand gibt, bist Du nur die Melkkuh, die zahlen muß, aber nichts zu melden hat. Außerdem hat Dich zu interessieren, wieviele Wohnung vermietet und wieviele von Eigentümern bewohnt werden. Bei hohem Anteil vermieteter Wohnungen würde ich das Objekt nur mit spitzen Fingern anfassen.

Nach Kenntnis aller Fakten und sachkundiger Beurteilung von Wohnung und Bausubstanz des Gebäudes (Du ziehst auch Erkundigungen über Bauvorhaben der Gemeinde in der unmittelbaren Umgebung ein) kommst Du mit Hilfe Deines Sachverständigen zu einem angemessenen Preis. Das ist Deine Obergrenze für ein Preisgespräch - nicht mit dem Makler, sondern mit dem Eigentümer. Außerdem entscheidest Du in Absprache mit dem Eigentümer, wer den Makler bezahlt. Es ist keineswegs ausgemachte Sache, daß der Käufer zahlt. Man kann sich die Kosten teilen oder einer zahlt alleine. Wie man sich dort einigt, schlägt sich natürlich auch im Preis für die Immobilie nieder. Sodann verhandelt man mit dem Makler den Maklerlohn. Das ist Sache freier Vereinbarung. Man kann sich bei 1, 2, 3 oder 4 Prozent oder irgendwo dazwischen treffen oder einfach einen festen Betrag vereinbaren. Der Maklerlohn wird aber nicht bezahlt, solange man nicht mit dem Verkäufer beim Notar alles in Tüte und Papier gebracht hat.

Natürlich hast Du die Musik bestellt und mußt unabhängig vom Zustandekommen des Kaufs Deinen Sachverständigen bezahlen. Aber: Dessen Salär hast Du i. d. R. 10-fach oder noch viel höher wieder heraus, wenn ordentlich verhandelt wird und man sich auf all die üblicherweise abgezogenen Spielchen nicht einläßt. Mancher geschickte Käufer mit der erforderlichen Sach- und Branchenkunde im Rücken verdient oder spart binnen Stundenfrist ganze Jahresgehälter.

Du mußt bei der beschriebenen Vorgehensweise damit rechnen, ein Objekt nicht zu bekommen. Damit mußt Du leben, weil Dich die Gier nach unter allen Umständen einem ganz bestimmten Objekt automatisch zum schwächeren Verhandlungspartner macht. Du mußt Dir dabei vor Augen halten, daß es die einmalige Gelegenheit nicht gibt. Ich weiß, wovon ich rede; man kann sich in eine bestimmte Immobilie regelrecht verlieben. Hach, dieses kleine Schlößchen, dieser alte Park drumrum mit Bach und Teich oder diese Traumwohnung mit einem tollen Grundriß und einem Ausblick zum Schwärmen - ja, gibts alles, aber gibts alles hundertfach und noch viel schöner. Diese Erkenntnis mußt Du wirklich gefressen haben, damit die Begehrlichkeit Grenzen kennt und Du zur harten Verhandlerin wirst. Du wirst es Dir ein Leben lang danken, jedenfalls so lange Du für die Immobilie zahlst.

Gruß
Wolfgang

Nochaml Hallo!

Es gäbe noch so unendlich viel aus dem Nähkästchen und dem teils haarsträubenden Erfahrungsschatz beim Immo-Kauf zu erzählen. Das würde ein ganzes Büchlein mit Anekdoten füllen. Folgende Situation taucht aber regelmäßig auf und sei deshalb erwähnt: Der Makler übt Druck aus. Zeitgleich tauchen Interessenten auf und aus Gesprächsfetzen ist für Dich klar erkennbar, daß sie ernsthaftes Kaufinteresse haben. Oder der Makler schaut auf die Uhr und erzählt, er hätte gleich noch einen Termin mit einem Interessenten für dieses Objekt. Das alles gibts in zahllosen Varianten und allen ist gemeinsam, daß sie Dich überhaupt nicht interessieren dürfen.

Der Maklerblick auf die Uhr war ziemlich sicher Theater, das als tausendste Vorstellung überzeugend sitzt. Auch die zeitgleich auftauchenden Interessenten können durchaus zur Inszenierung gehören. Es gibt aber auch ein ganzes Nomadenheer von Leuten, die sich alle möglichen Objekte angucken und auch auf Auktionen immer wieder anzutreffen sind. Es scheint eine Freizeitbeschäftigung einiger Leute zu sein, die sich furchtbar wichtig machend überall auftauchen, aber nichts kaufen.

Laß Dich also von anderen vermeintlichen oder echten Interessenten nicht beirren und lasse vor allen Dingen keinerlei Druck/Zeitdruck zu. Wer heute eine Immobilie verkaufen will, braucht sehr viel Geduld, oftmals viele Monate oder länger. Die Käuferschicht ist dünn und wenn der Eindruck Schlange stehender Interessenten vermittelt wird, ist das so gut wie immer reines Verkäufer-Wunschdenken oder für Dich aufgeführtes Theater. Das Handy des Maklers klingelt, am Rohr ist seine Frau, die die Kartoffeln aufgesetzt hat und Dir wird erzählt, es sei das Büro gewesen - schon wieder ein Interessent… ha ha.

Das alles fällt noch unter „Verkäufer-Kreativität“. Es gibt aber durchaus grenzwertige Methoden. Mancher Verkäufer tritt bei eigenen Immobilien oder bei den Immobilien der Ehefrau als Makler auf, um auf diese Weise ein paar tausend € nebenbei zu verdienen. Manche Konstellationen sind schwer zu durchschauen. Wenn Du den Betrug durchschaust, sagst Du, daß Du keinen Maklerlohn zahlen wirst. Ansonsten ist die erwähnte Methode hilfreich, dem Makler klar zu machen, daß der Maklerlohn verhandelt wird und Du den Maklerlohn und den Immo-Kaufpreis insgesamt betrachtest. Sofern Du so vorgehst und den von Deinem Sachverständigen ermittelten Preis als Obergrenze inkl. Maklerlohn betrachtest, brauchen Dich solche windigen Versuche nicht mehr zu sorgen. Die Marktsituation gibt Dir als Käuferin diese starke Position.

Nur zur Klarstellung: Es kann übel daneben gehen und gehört sich nicht, einen Makler, der eine Dienstleistung erbracht hat, auszubooten. Dein Ziel muß aber sein, Dir nicht das finanzielle Fell über die Ohren ziehen zu lassen.

Gruß
Wolfgang

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Maklergebühren in Bayern
Hallo Wolfgang,

vielen Dank für die zahlreichen Tipps. Klingt, als hättest Du schon viele unangenehme Erfahrungen mit Maklern gemacht. Habe leider auch schon erlebt, dass einige Makler reine Abzocker sind, null Service aber horrende Gebühren…

Allerdings war mir bisher unbekannt, dass Maklergebühren verhandelbar sind. Ich bin immer davon ausgegangen, dass (zumindest hier in Bayern) die Courtage 6% zzgl. MwSt. beträgt, zur Hälfte von Käufer und Verkäufer zu tragen.

Mal sehen, wie es mit der ausgesuchten Wohnung weitergehen wird. Der Makler verlangt viel zu viel Geld, ist aber momentan nicht zu Verhandlungen über den Preis bereit. Sollte er auf seinen Standpunkt beharren, brauchen wir über seine Courtage sowieso nicht mehr zu reden, dann hat sich der Kauf erübrigt…

Viele Grüße, Anna.

Hallo Anna!

Klingt, als hättest Du schon viele unangenehme Erfahrungen mit Maklern gemacht.

Schon sehr lange keine unangenehmen, nur eher belustigende Erfahrungen. Viele Makler legen übliche Vertretermanieren an den Tag, wie auch manche Versicherungsvertreter und sog. Vermögensberater, die es vorwiegend mit in der Sache unkundigen Privatleuten zu tun haben. Wer die Methoden kennt, ist allenfalls verärgert, wenn ihm so ein Kasper die Zeit stiehlt.

Allerdings war mir bisher unbekannt, dass Maklergebühren verhandelbar sind.

Die Bezeichnung „Gebühr“ gehört zu den üblichen Maschen. Gebühren werden von Ämtern erhoben, der Makler umgibt sich damit mit amtlichem Nimbus. Tätsächlich handelt es sich um Lohn, um Maklerlohn, wie z. B. ein Blick ins BGB zeigt. Lohn ist selbstverständlich verhandelbar. Ob der Makler überhaupt wagt, sein Brimborium abzuziehen, hängt sehr vom Auftreten des Käufers ab. Wenn der nämlich gleich bei erster Gelegenheit von Maklerlohn spricht, wird der Makler die Gebührennummer gar nicht erst versuchen. Vielleicht zieht er statt dessen die Nummer mit der Bank ab, für die er arbeitet, um den Anschein des Offiziellen, Seriösen und Nicht-Verhandelbaren zu erwecken. Natürlich zückt er zur Untermauerung seiner Aussagen die passende Visitenkarte *grmpf*. Ist alles nur Show. Nirgends gibt’s Festpreise für Immobilien und Makler, es gibt nur Preisideen und Preiswünsche (liebe Zeit, was sich die Leute so alles wünschen), aber alles ganz unverbindlich und man kann über alles reden. Auch wenn Makler die Situation ganz anders darstellen: Von wenigen begehrten Lagen abgesehen, ist der Immo-Markt für Verkäufer ziemlich bescheiden, eine Besserung ist überhaupt nicht in Sicht und nach meiner Einschätzung wird das Immo-Preisniveau eher weiter fallen. Verkäufer müssen kleine Brötchen backen und sind froh über jeden Kaufinteressenten. Du bist als Käufer schön dumm, wenn Du die Situation nicht gnadenlos nutzt.

Der Kunde muß deutlich machen, daß es nicht um Buchhandel mit Festpreisen geht, daß man ja das Maklerexpose hat, aber jetzt geht man her und beurteilt das Objekt sachkundig (durchaus den Unterschied von Makler und Sachkunde durchblicken lassen, falls der Herr lästige Allüren aufführt), um hernach alle Details zu verhandeln. Deutlich muß auch sein, daß man nie mit Schmidtchen redet, immer nur mit Schmidt. Das heißt, über den Kaufpreis redet man nur mit dem Eigentümer oder mit Leuten mit umfassender Vollmacht, wobei der Makler nur Vermittler ist, Käufer und Verkäufer also zusammen bringt. In Konstellationen mit lauter (absichtlich abwertend ausgedrückt) zwischengeschalteten Dienstboten, die nichts entscheiden können und bei jedem Pups erst nachfragen müssen, kann man nicht zu Potte kommen. Man selbst hat ja schließlich auch alles dabei, etwa den Architekten fürs Bauliche. Das muß mancher Makler auch genau so zu hören bekommen oder deutlich spüren. Andernfalls wird mit Dir als Käuferin Schlitten gefahren und die Richtung bestimmen andere, während Du nur die Zeche der ganzen Veranstaltung bezahlen darfst. Wenn Du Dir der starken Stellung als Käuferin bewußt bist und klipp und klar ansagst, wo es langgeht, was mit Dir zu machen ist und was nicht, schalten so gut wie alle Menschen einen Gang zurück und werden handzahm. Das alles ist niemandem in die Wiege gelegt, man muß sich der ablaufenden, komplexen zwischenmenschlichen Mechanismen bewußt sein (richtige Verkäufer haben das gelernt) und man braucht Übung.

Vielleicht merkst Du es: Ich versuche, Deine Sinne für die Situation zu schärfen. Es geht immerhin um einen vermutlich 6stelligen Betrag und es geht darum, ob Du einige Jahre mehr oder weniger bezahlst. Du kannst mehrere Jahre arbeiten, Dich einschränken und zahlen, Du kannst aber auch ein Stündchen geschickt verhandeln. Ich weiß ja nicht, wie es Dir geht, aber ich wähle lieber das Stündchen Verhandlung mit klarer eigener Linie. Deinem Posting ist unschwer zu entnehmen, daß Du Dir all dieser Dinge nicht bewußt bist und genau das bemerken Deine Gesprächspartner schon während der ersten Augenblicke. Ohne daß Du es bemerkst, ist die ganze Kiste schon verfahren und falls es zum Abschluß kommt, feiern andere Leute den Abschluß - und Du zahlst, viel zu viel und viel zu lange. Deshalb mußt Du für Waffengleichheit sorgen und deshalb solltest Du die Sachkunde rund um die Immobilie kaufen, indem Du Dich eines Architekten oder gleichwertig ausgebildeten Menschen bedienst.

Ein Architekt kostet natürlich Geld. Die erste Grobauswahl, ob ein Objekt hinsichtlich Lage, Größe, Erscheinungsbild und ungefährer Preisklasse überhaupt in Betracht kommt, muß Du selbst treffen. Sobald Du aber ein oder zwei in Frage kommende Objekte gefunden hast, brauchst Du sachkundige Hilfe, um nicht untergebuttert zu werden und später keine bösen Überraschungen bei evtl. fälliger Sanierung zu erleben. Das gilt nicht nur für das frei stehende Haus, sondern in gleicher Weise für die Eigentumswohnung in einer Wohnanlage. Dort hat Dich viel mehr (ich erwähnte es meiner ersten Antwort) zu interessieren, als nur die Wohnung, die Du kaufen willst.

Gruß
Wolfgang

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