Hallo Anna!
Klingt, als hättest Du schon viele unangenehme Erfahrungen mit Maklern gemacht.
Schon sehr lange keine unangenehmen, nur eher belustigende Erfahrungen. Viele Makler legen übliche Vertretermanieren an den Tag, wie auch manche Versicherungsvertreter und sog. Vermögensberater, die es vorwiegend mit in der Sache unkundigen Privatleuten zu tun haben. Wer die Methoden kennt, ist allenfalls verärgert, wenn ihm so ein Kasper die Zeit stiehlt.
Allerdings war mir bisher unbekannt, dass Maklergebühren verhandelbar sind.
Die Bezeichnung „Gebühr“ gehört zu den üblichen Maschen. Gebühren werden von Ämtern erhoben, der Makler umgibt sich damit mit amtlichem Nimbus. Tätsächlich handelt es sich um Lohn, um Maklerlohn, wie z. B. ein Blick ins BGB zeigt. Lohn ist selbstverständlich verhandelbar. Ob der Makler überhaupt wagt, sein Brimborium abzuziehen, hängt sehr vom Auftreten des Käufers ab. Wenn der nämlich gleich bei erster Gelegenheit von Maklerlohn spricht, wird der Makler die Gebührennummer gar nicht erst versuchen. Vielleicht zieht er statt dessen die Nummer mit der Bank ab, für die er arbeitet, um den Anschein des Offiziellen, Seriösen und Nicht-Verhandelbaren zu erwecken. Natürlich zückt er zur Untermauerung seiner Aussagen die passende Visitenkarte *grmpf*. Ist alles nur Show. Nirgends gibt’s Festpreise für Immobilien und Makler, es gibt nur Preisideen und Preiswünsche (liebe Zeit, was sich die Leute so alles wünschen), aber alles ganz unverbindlich und man kann über alles reden. Auch wenn Makler die Situation ganz anders darstellen: Von wenigen begehrten Lagen abgesehen, ist der Immo-Markt für Verkäufer ziemlich bescheiden, eine Besserung ist überhaupt nicht in Sicht und nach meiner Einschätzung wird das Immo-Preisniveau eher weiter fallen. Verkäufer müssen kleine Brötchen backen und sind froh über jeden Kaufinteressenten. Du bist als Käufer schön dumm, wenn Du die Situation nicht gnadenlos nutzt.
Der Kunde muß deutlich machen, daß es nicht um Buchhandel mit Festpreisen geht, daß man ja das Maklerexpose hat, aber jetzt geht man her und beurteilt das Objekt sachkundig (durchaus den Unterschied von Makler und Sachkunde durchblicken lassen, falls der Herr lästige Allüren aufführt), um hernach alle Details zu verhandeln. Deutlich muß auch sein, daß man nie mit Schmidtchen redet, immer nur mit Schmidt. Das heißt, über den Kaufpreis redet man nur mit dem Eigentümer oder mit Leuten mit umfassender Vollmacht, wobei der Makler nur Vermittler ist, Käufer und Verkäufer also zusammen bringt. In Konstellationen mit lauter (absichtlich abwertend ausgedrückt) zwischengeschalteten Dienstboten, die nichts entscheiden können und bei jedem Pups erst nachfragen müssen, kann man nicht zu Potte kommen. Man selbst hat ja schließlich auch alles dabei, etwa den Architekten fürs Bauliche. Das muß mancher Makler auch genau so zu hören bekommen oder deutlich spüren. Andernfalls wird mit Dir als Käuferin Schlitten gefahren und die Richtung bestimmen andere, während Du nur die Zeche der ganzen Veranstaltung bezahlen darfst. Wenn Du Dir der starken Stellung als Käuferin bewußt bist und klipp und klar ansagst, wo es langgeht, was mit Dir zu machen ist und was nicht, schalten so gut wie alle Menschen einen Gang zurück und werden handzahm. Das alles ist niemandem in die Wiege gelegt, man muß sich der ablaufenden, komplexen zwischenmenschlichen Mechanismen bewußt sein (richtige Verkäufer haben das gelernt) und man braucht Übung.
Vielleicht merkst Du es: Ich versuche, Deine Sinne für die Situation zu schärfen. Es geht immerhin um einen vermutlich 6stelligen Betrag und es geht darum, ob Du einige Jahre mehr oder weniger bezahlst. Du kannst mehrere Jahre arbeiten, Dich einschränken und zahlen, Du kannst aber auch ein Stündchen geschickt verhandeln. Ich weiß ja nicht, wie es Dir geht, aber ich wähle lieber das Stündchen Verhandlung mit klarer eigener Linie. Deinem Posting ist unschwer zu entnehmen, daß Du Dir all dieser Dinge nicht bewußt bist und genau das bemerken Deine Gesprächspartner schon während der ersten Augenblicke. Ohne daß Du es bemerkst, ist die ganze Kiste schon verfahren und falls es zum Abschluß kommt, feiern andere Leute den Abschluß - und Du zahlst, viel zu viel und viel zu lange. Deshalb mußt Du für Waffengleichheit sorgen und deshalb solltest Du die Sachkunde rund um die Immobilie kaufen, indem Du Dich eines Architekten oder gleichwertig ausgebildeten Menschen bedienst.
Ein Architekt kostet natürlich Geld. Die erste Grobauswahl, ob ein Objekt hinsichtlich Lage, Größe, Erscheinungsbild und ungefährer Preisklasse überhaupt in Betracht kommt, muß Du selbst treffen. Sobald Du aber ein oder zwei in Frage kommende Objekte gefunden hast, brauchst Du sachkundige Hilfe, um nicht untergebuttert zu werden und später keine bösen Überraschungen bei evtl. fälliger Sanierung zu erleben. Das gilt nicht nur für das frei stehende Haus, sondern in gleicher Weise für die Eigentumswohnung in einer Wohnanlage. Dort hat Dich viel mehr (ich erwähnte es meiner ersten Antwort) zu interessieren, als nur die Wohnung, die Du kaufen willst.
Gruß
Wolfgang