Hier mal eine Beispielaufgabe einer vergangenen Prüfung:
Also wenn diese Aufgabe das Niveau einer Klausuraufgabe widerspigelt, musst Du Dir auch ohne großartige Kenntnisse keine Sorgen machen. Wenn Du aber sagst, dass das nicht euer „Tagesgeschäft“ ist, dann verwundert es auch nicht sonderlich.
Ein Unternehmen hat im Jahr 2006 bei Umsatzerlösen
von 20.000€ einen Jahresüberschuss von 3.600€ erwirtschaftet.
Das Unternehmen zahlte 960€ Zinsen für das geliehene
Fremdkapital, das Gesamtkapital betrug 40.000€, wovon das
Eigenkapital 60% ausmachte. Ermitteln Sie die Umsatz-,
Eigenkapital- und Gesamtkapitalrendite, den Return on
Investment (ROI) sowie den Fremdkapitalzinssatz.
Also: Wenn 40.000 das GK ist, dann beträgt das EK 24.000 und das FK folglich 16.000.
Mit dem EK i.H.v. 24.000 kann man die EKR wie folgt ermitteln:
3.600/24.000 = 0,15
Die UR ergibt sich nach folgender Berechnungsweise:
3.600/20.000 = 0,18
Die GKR wird hier wie folgt ermittelt:
(JÜ + gezahlte Zinsen)/GK
=> (3.600+960))/40.000 = 0,114
Der ROI:
3.600/40.000 = 0,09
Gefragt war ja auch noch nach dem Zinssatz: Den erhält man ja über die Gleichung " i*FK "
i*FK = 960
i*16.000 = 960 => i = 0,06
Wie beurteilen Sie die Rentabilitätskennzahlen des Unternehmens?
Welche der ermittelten Kennzahlen stünde für einen
potentiellen Aktionär im Vordergrund?
Ich denke, dass man schon sagen kann, dass die Rentabilitäten in diesem Unternehmen stimmen. Da keine Aussage zur Branche gemacht wird und diese Aufgabe auch sonst keinen großen Herausforderungen stellt, kann man hier auch oberflächlicher antworten und eben diese Aussage treffen.
Den pot. Investor wird hier vornehmlich die EKR interessieren, da diese die Verzinsung seines (in das Unternehmen einzubringende) Eigenkapitals angibt. Schließlich ist der JÜ diejenige Größe, die nach Zinsen und damit nach Bedienung der Fremdkapitalgeber verbleibt und demach den Eigenkapitalgebern zusteht.
Die UR kann auch noch ganz interessant sein, da sie einen Einblick gewährt, inwieweit es dem Unternehmen gelingt, aus seiner eigentlichen Tätigkeit „Gewinn“ zu machen. Hierzu wird ja der JÜ ins Verhältnis zum Umsatz gesetzt. Umsatz ist „Preis mal Menge“. Die Kosten sind dann noch nicht abgezogen bzw. gegenübergestellt.
Der ROI charakterisiert eher das Projekt an sich. In den USA wird diese Größe sehr oft als Interessengröße der Investoren angeführt. Allerdings wird hier auch nicht der pot. Investor und dessen Kapital betrachtet, sondern eben das Projket und das Gesamtkapital.
Vielleicht noch ein kleiner Zusatz: Da die GKR über dem Fremdkapitalzins liegt (11,4 % > 6%) könnte es aus Investorensicht bzw. aus Sicht des Unternehmens und damit der Eigenkapitalgeber sinnvoll sein, den Fremdkapitalanteil zu erhöhen, da somit auch die EKR steigt. Warum das so ist, würde hier zu weit führen. Hier daher nur die Formel:
EKR = GKR + (GKR - FK-Zins) * (FK/EK)
0,15 = 0,114 + (0,114-0,06) * (16.000/24.000)
Wenn man jetzt das FK erhöht und den EK-Anteil senkt ergibt sich folgendes Bild:
0,195 = 0,114 + (0,114-0,06) * (24.000/16.000)
Der Bruch „FK/EK“ wird auch als Verschuldungsgrad bezeichnet.
VG
Sebastian