Rentabilität eines Unternehmens beurteilen

Hallo zusammen,

ich schreibe am Dienstag meine BWL-Klausur. Leider habe ich noch ein paar ungeklärte Fragen, zu denen ich nicht über den üblichen Suchmaschinenvorgang finden konnte. Vielleicht wisst ihr ja Bescheid!

Eine der Klausuraufgaben beinhaltet die Berechnungen von Umsatz-, Eigenkapital-, Gesamtkapitalrentabilität und ROI. Am Ende soll man die Rentabilität des Unternehmens beurteilen.

Gibt es irgendwelche Richtwerte, ob die Rentabilität gut oder schlecht ist oder woran mache ich das aus?

MFG
Dennis

Hallo Dennis,

Eine der Klausuraufgaben beinhaltet die Berechnungen von
Umsatz-, Eigenkapital-, Gesamtkapitalrentabilität und ROI. Am
Ende soll man die Rentabilität des Unternehmens beurteilen.

Gibt es irgendwelche Richtwerte, ob die Rentabilität gut oder
schlecht ist oder woran mache ich das aus?

Für manche Kennzahlen empfiehlt es sich, auf die Werte der entsprechenden „Peer-Group“ zu schauen. Als Peer-Group bezeichnet man alle jene Unternehmen, die aufgrund bestimmter Merkmalsausprägungen als „direkte“ Wettbewerber des zu untersuchenden Unternehmens angesehen werden können.

Beispiel: Wenn man die Umsatzrentabilität von BMW einschätzen will, vergleicht man diese mit den Umsatzrentabilitäten von Daimler, Volkswagen, Toyota, General Motors, etc. Denn nur solche Vergleiche machen (noch einigermaßen) Sinn.

Je nach Branche bzw. Industriezweig variieren die Rentabilitäten aber stark. Im Einzelhandel dürften sie eher tief liegen, wohingegen in weniger kompetitiven Märkten hohe Renditen zu erzielen sind.

Hinsichtlich der Eigenkapitalrrentabilität muss beachten, dass diese auch sehr stark von den Interessen der Eigenkapitalgeber getrieben sind. Darüber hinaus kommt es auch darauf an, was man „sonst mit dem Eigenkapital“ anfangen könnte. Was die tatsächlich realisierte EK-Rentabilität angeht, so kommt es sicher auch darauf an, wie das jeweilige Management arbeitet bzw. gearbeitet hat. Hier kann man abermals Vergleichsgruppen bilden. Aufgrund von Sondereinflüssen im Jahresergebnis wird der Vergleich hier aber zunehmend ungenauer - selbst in einer „guten“ Peer-Group.

Gesamtkapitalrentabilität. Hier verhält es sich im Prinzip ähnlich. Für die GKR können aber die internen Zinsfüße vergangener Projekte bzw. der vergangenen Gesamtkapitalrentabilitäten im Unternehmen herangezogen werden. Gleichwohl muss auch hier eine Rentabilität erreicht werden, die einen Einsatz des gesamten Kapitals im Unternehmen rechtfertigt. Andernfalls könnte bzw. müsste man es außerhalb des Unternehmens einsetzen.

Anders als bei Kennzahlen zur Vermögensstruktur (z.B. Anlagendeckungsgrad) oder solchen, die die Liquidität beurteilen (z.B. Liquidität ersten Grades), gibt es hier keine eher allgemeingültigen Richtwerte, bzw. diese sind wenn nur partiell aufzustellen (Stichwort: Peer Group).

VG
Sebastian

Hallo Sebastian,

vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Als Informatik-Student sagt mir das natürlich alles nicht sehr viel.

Hier mal eine Beispielaufgabe einer vergangenen Prüfung:

Ein Unternehmen hat im Jahr 2006 bei Umsatzerlösen von 20.000€ einen Jahresüberschuss von 3.600€ erwirtschaftet. Das Unternehmen zahlte 960€ Zinsen für das geliehene Fremdkapital, das Gesamtkapital betrug 40.000€, wovon das Eigenkapital 60% ausmachte. Ermitteln Sie die Umsatz-, Eigenkapital- und Gesamtkapitalrendite, den Return on Investment (ROI) sowie den Fremdkapitalzinssatz. Wie beurteilen Sie die Rentabilitätskennzahlen des Unternehmens? Welche der ermittelten Kennzahlen stünde für einen potentiellen Aktionär im Vordergrund?

Ausgerechnet sollte
UR = 18 %
EKR = 15 %
GKR = 11,4 %
ROI = 9 %

sein.

Da wir natürlich nicht so tief in der Thematik wie die richtigen BWL’er sind, ist die Frage, ob es auch eine Antwort für „doofe Informatiker“ gibt. :wink:

Danke,
Dennis

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hier mal eine Beispielaufgabe einer vergangenen Prüfung:

Also wenn diese Aufgabe das Niveau einer Klausuraufgabe widerspigelt, musst Du Dir auch ohne großartige Kenntnisse keine Sorgen machen. Wenn Du aber sagst, dass das nicht euer „Tagesgeschäft“ ist, dann verwundert es auch nicht sonderlich.

Ein Unternehmen hat im Jahr 2006 bei Umsatzerlösen
von 20.000€ einen Jahresüberschuss von 3.600€ erwirtschaftet.
Das Unternehmen zahlte 960€ Zinsen für das geliehene
Fremdkapital, das Gesamtkapital betrug 40.000€, wovon das
Eigenkapital 60% ausmachte. Ermitteln Sie die Umsatz-,
Eigenkapital- und Gesamtkapitalrendite, den Return on
Investment (ROI) sowie den Fremdkapitalzinssatz.

Also: Wenn 40.000 das GK ist, dann beträgt das EK 24.000 und das FK folglich 16.000.

Mit dem EK i.H.v. 24.000 kann man die EKR wie folgt ermitteln:

3.600/24.000 = 0,15

Die UR ergibt sich nach folgender Berechnungsweise:

3.600/20.000 = 0,18

Die GKR wird hier wie folgt ermittelt:

(JÜ + gezahlte Zinsen)/GK

=> (3.600+960))/40.000 = 0,114

Der ROI:

3.600/40.000 = 0,09

Gefragt war ja auch noch nach dem Zinssatz: Den erhält man ja über die Gleichung " i*FK "

i*FK = 960

i*16.000 = 960 => i = 0,06

Wie beurteilen Sie die Rentabilitätskennzahlen des Unternehmens?
Welche der ermittelten Kennzahlen stünde für einen
potentiellen Aktionär im Vordergrund?

Ich denke, dass man schon sagen kann, dass die Rentabilitäten in diesem Unternehmen stimmen. Da keine Aussage zur Branche gemacht wird und diese Aufgabe auch sonst keinen großen Herausforderungen stellt, kann man hier auch oberflächlicher antworten und eben diese Aussage treffen.

Den pot. Investor wird hier vornehmlich die EKR interessieren, da diese die Verzinsung seines (in das Unternehmen einzubringende) Eigenkapitals angibt. Schließlich ist der JÜ diejenige Größe, die nach Zinsen und damit nach Bedienung der Fremdkapitalgeber verbleibt und demach den Eigenkapitalgebern zusteht.
Die UR kann auch noch ganz interessant sein, da sie einen Einblick gewährt, inwieweit es dem Unternehmen gelingt, aus seiner eigentlichen Tätigkeit „Gewinn“ zu machen. Hierzu wird ja der JÜ ins Verhältnis zum Umsatz gesetzt. Umsatz ist „Preis mal Menge“. Die Kosten sind dann noch nicht abgezogen bzw. gegenübergestellt.

Der ROI charakterisiert eher das Projekt an sich. In den USA wird diese Größe sehr oft als Interessengröße der Investoren angeführt. Allerdings wird hier auch nicht der pot. Investor und dessen Kapital betrachtet, sondern eben das Projket und das Gesamtkapital.

Vielleicht noch ein kleiner Zusatz: Da die GKR über dem Fremdkapitalzins liegt (11,4 % > 6%) könnte es aus Investorensicht bzw. aus Sicht des Unternehmens und damit der Eigenkapitalgeber sinnvoll sein, den Fremdkapitalanteil zu erhöhen, da somit auch die EKR steigt. Warum das so ist, würde hier zu weit führen. Hier daher nur die Formel:

EKR = GKR + (GKR - FK-Zins) * (FK/EK)

0,15 = 0,114 + (0,114-0,06) * (16.000/24.000)

Wenn man jetzt das FK erhöht und den EK-Anteil senkt ergibt sich folgendes Bild:

0,195 = 0,114 + (0,114-0,06) * (24.000/16.000)

Der Bruch „FK/EK“ wird auch als Verschuldungsgrad bezeichnet.

VG
Sebastian

Hallo Christian,

nochmals vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Im Großen und Ganzen habe ich es nun soweit verstanden. Allerdings wird mir die Antwort für eine andere Frage noch nicht ganz klar.

Welche der unter ermittelten Kennzahlen ist zwar für Volkswirte, nicht aber für das Management interessant?

Desweiteren lautet eine Frage in einer alten Klausur:

Ein Bankier, ein Gewerkschaftsmitglied, ein Betriebsratsmitglied, ein Volkswirt, ein Vorstands-mitglied und ein Investor beurteilen ein Unternehmen. Nennen Sie jeweils 1-2 Kennzahlen, die im Vordergrund stehen dürften, und begründen Sie kurz Ihre Entscheidung.

Vielleicht hast du da ja auch eine Antwort parat.

Vielen Dank,
Dennis

Welche der unter ermittelten Kennzahlen ist zwar für
Volkswirte, nicht aber für das Management
interessant?

Die Volkswirte würden eher auf die GKR achten, da diese die Verzinusng des gesamten Kapitals und damit die Vermögensmehrung aller Beteiligten (EK- und FK-Geber) widerspiegelt. Nimmt man an, dass die Volkwirtschaft nur aus diesen beiden Gruppen besteht, erschließt sich diese Aussage etwas besser.
An dieser Stelle möchte ich aber nochmals erwähnen, dass man sich mit den Antworten bei dieser Frage auf nicht gerade sehr stabilem Eis bewegt. Didaktik hin oder her, aber ein bisschen realistischer und genauer sollte es schon zugehen. Kannst Du dem Dozenten ja mal nach (!) der Klausur sagen :wink:

Ein Bankier, ein Gewerkschaftsmitglied, ein
Betriebsratsmitglied, ein Volkswirt, ein Vorstands-mitglied
und ein Investor beurteilen ein Unternehmen. Nennen Sie
jeweils 1-2 Kennzahlen, die im Vordergrund stehen dürften, und
begründen Sie kurz Ihre Entscheidung.

Also am Anfang dachte ich: „Jetzt kommt ein Witz“. :smile:
Leider ist die Frage alles andere als witzig - aus Deiner Sicht. Grund: Diese Frage so zu formulieren zeugt nicht gerade davon, dass sich der Fragesteller großartig Gedanken gemacht hat. Das macht die Antwort aber nicht gerade leichter.

Kennzahlen interessieren immer nur partiell, niemals alleine. Die Bank wird sich aber trotz der zulässigen Kritik an Kennzahlen immer für alle Kennzahlen interessieren, da diese nur in ihrer Gesamtheit einen „Wissensvorteil“ verschaffen.
Der Investor wird sich ähnlich verhalten und nicht nur auf die EKR schauen, wie es naheliegend ist.
Gewerkschaftsmitglieder sitzen auch in den Aufsichtsräten und nicken im Prinzip immer das ab, was der AR-Vorsitzende sagt. Prüfberichte (über die Unternehmenbstätigkeit) lesen sie nicht bzw. verstehen sie nicht. Wahrscheinlich würde die GKR noch am ehesten das Interesse finden, da diese ja in gewisser Weise auch den Fortbestand des Unternehmens sichert (Rendite = Investitionsmöglichkeit).

Im Ergebnis kann man festhalten, dass im Prinzip „alle alle Kennzahlen“ heranziehen könnten. Man wird immer begründen können, warum diese Kennzahlen für alle Beteiligten interessant sein können.
Pauschal kann man das hier nicht in Gruppen teilen, wie ich finde.

VG
Sebastian