Rente mit 60 oder 65?

Hallo Experten,

wenn man mit 60 statt mit 65 in Rente geht, werden bekanntlich 18 % von der Rente abgezogen.

Meine Frage: Wie alt muss man mindestens werden, damit sich das frühere In-Rente-Gehen lohnt.

„Danke für Aufklärung“ sagt

Burkhard

Hallo Burkhard,

Hallo Experten,

wenn man mit 60 statt mit 65 in Rente geht, werden bekanntlich
18 % von der Rente abgezogen.

Meine Frage: Wie alt muss man mindestens werden, damit sich
das frühere In-Rente-Gehen lohnt.

ich glaube die Frage war falsch gestellt. Richtig müsste sie lauten: Wie alt darf man maximal werden, damit sich das frühere In-Rente-Gehen lohnt.

Mit einem Alter von 87,777777 Jahren hätte man, ohne Berücksichtigung von Rentenanpassungen, insgesamt die selbe Höhe an Rentenzahlungen kassiert.

Nach der nächsten Bundestagswahl wird deine Frage ohnehin ziemlich schnell Schnee von gestern sein, weil das Rentenbeginnalter sicherlich erhöht werden wird.
Außerdem stellt sich doch die Frage, ob die niedrigere Rente überhaupt ausreicht um ein sorgenfreies Rentnerdasein zu gewährleisten.

„Danke für Aufklärung“ sagt

Burkhard

Viele Grüße

Ralf

Hallo Ralf,

das ist doch mal ein interessanter Gedanke.
a) ich gehe mit 60 in Rente, wenn die Rentenbestimmungen es erlauben.
Nachteil: 18% Abschlag. Bei einer angenommenen Rente von 2000€ mit 65 Lebensjahren sind das ca. 1650€ Rente mit 60.
Vorteil: ich zahle von 60 bis 65 keine Rentenbeiträge. Da können bei Beträgen von ca. 80€ bis ca. 1000€ im Monat (evtl. Arbeitgeberanteil unberücksichtigt) für 60 Monate maximal Beträge von 60.000€ zu sparen sein.
Ich habe dann mit 65 schon 1650€ mal 60 Monate = 107.250€ an Rente bekommen. Mit den nicht bezahlten Rentenbeträgen hätte ich mit 65 Jahren einen Vermögensvorteil von maximal ca. 167.000€ gegenüber einem Versicherten, der mit 65 Jahren in Rente geht.

b) Der mit 65 Jahren in Rente geht, muss diesen Vermögensvorteil erst mal mit seiner um ca. 350€ höheren Rente einholen. Die Frage ist: Wann wird das sein?
Stimmt das, dass das erst mit 87.7 Jahren sein wird? Gibt es eine Formel, nach der man so etwas ausrechnen kann? Würdest du sie bitte veröffentlichen.

Dann wären ja alle ganz schon besch…, die noch bis 65 Jahre arbeiten würden.

Leider wird die Regelaltersgrenze in der nächsten Zeit sicherlich erhöht werden, und die, für die die Frühverrentung mit 18% Abschlag gemacht wurde, sind schon in Frührente und lachen sich ins Fäustchen. Für mich persönlich gilt leider derzeit bei meiner Regelaltersrente nur eine Verfrührentung von maximal 18 Monaten.

Tschüss
Bernd

Hallo Bernd,

Hallo Ralf,

das ist doch mal ein interessanter Gedanke.
a) ich gehe mit 60 in Rente, wenn die Rentenbestimmungen es
erlauben.

du hast Recht, man kann nur unter bestimmten Voraussetzungen bereits mit 60 in Rente gehen und diese Voraussetzungen sind nicht unbedingt vorteilhaft.

Nachteil: 18% Abschlag. Bei einer angenommenen Rente von 2000€
mit 65 Lebensjahren sind das ca. 1650€ Rente mit 60.

Es wären genau 1640Euro.

Vorteil: ich zahle von 60 bis 65 keine Rentenbeiträge. Da
können bei Beträgen von ca. 80€ bis ca. 1000€ im Monat (evtl.
Arbeitgeberanteil unberücksichtigt) für 60 Monate maximal
Beträge von 60.000€ zu sparen sein.
Ich habe dann mit 65 schon 1650€ mal 60 Monate = 107.250€ an
Rente bekommen. Mit den nicht bezahlten Rentenbeträgen hätte
ich mit 65 Jahren einen Vermögensvorteil von maximal ca.
167.000€ gegenüber einem Versicherten, der mit 65 Jahren in
Rente geht.

Wer soll dir denn die Rentenbeiträge auszahlen?

b) Der mit 65 Jahren in Rente geht, muss diesen
Vermögensvorteil erst mal mit seiner um ca. 350€ höheren Rente
einholen. Die Frage ist: Wann wird das sein?
Stimmt das, dass das erst mit 87.7 Jahren sein wird? Gibt es
eine Formel, nach der man so etwas ausrechnen kann? Würdest du
sie bitte veröffentlichen.

Das ist einfache Mathematik und habe ich mir selber ausgerechnet. Mit steigender Rente wäre die Formel komplizierter.

Dann wären ja alle ganz schon besch…, die noch bis 65 Jahre
arbeiten würden.

Nee, nee, nee, du kannst nicht davon ausgehen, dass die Rente dem letzten Nettoeinkommen entspricht. Eventuell würde sie garnicht ausreichen.

Leider wird die Regelaltersgrenze in der nächsten Zeit
sicherlich erhöht werden, und die, für die die Frühverrentung
mit 18% Abschlag gemacht wurde, sind schon in Frührente und
lachen sich ins Fäustchen. Für mich persönlich gilt leider
derzeit bei meiner Regelaltersrente nur eine Verfrührentung
von maximal 18 Monaten.

Tschüss
Bernd

Viele Grüße

Ralf

Hallo Ralf,

auch nicht gezahlte Beiträge zur Rentenversicherung gereichen dir zum Vorteil, weil du die Beiträge nicht zahlen musst und für andere Dinge zum Beispiel Konsum oder Sparen ausgeben kannst. Wenn du zwischen dem 60ten und 65ten Lebensjahr keine Rentenbeiträge zahlst, bist du gegenüber dem bis zum 65ten Lebensjahr zahlenden Beitragszahler im Vorteil. Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der vom 60ten bis zum 65ten Lebensjahr zahlende Beitragszahler natürlich Anwartschaften auf eine höhere Rente erzielt als der Rentner, der mit 60 in Rente geht. Aber dennoch dürfte der mit 60 in Rente gehende über viele Jahre - nach deiner Rechnung ca. 27 Jahre im Vorteil sein, bis ihn der mit 65 Jahren in Rente gehende Beitragszahler überholt.

Es sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass steuerliche und versicherungstechnische Gegebenheiten aus Vereinfachungsgründen aussenvor gelassen wurden, die nach der neuesten Besteuerung der Renten gerade bei den hohen Renten die Berechnungen infaust werden lassen. Aber der Tenor dürfte schon richtig sein, dass in den letzten Jahren gerade bei hohen Renten (von denen bin ich immer bei unseren berechnungen ausgegangen) der Rentenbezug ab 60 Jahre von Vorteil gewesen ist.

Tschüss
Bernd

Hallo Bernd,

Hallo Ralf,

auch nicht gezahlte Beiträge zur Rentenversicherung gereichen
dir zum Vorteil, weil du die Beiträge nicht zahlen musst und
für andere Dinge zum Beispiel Konsum oder Sparen ausgeben
kannst.

deiner Logik kann ich nicht folgen. Von wem willst du denn diese nicht gezahlten Rentenversicherungsbeiträge ausgezahlt bekommen? Wer mit 60 in Rente geht, der bekommt eben nun mal Rente und die ist mit Sicherheit niedriger als das letzte Nettoeinkommen. Es wäre fraglich, ob überhaupt genügend für Konsum übrig bleibt.

Wenn du zwischen dem 60ten und 65ten Lebensjahr keine
Rentenbeiträge zahlst, bist du gegenüber dem bis zum 65ten
Lebensjahr zahlenden Beitragszahler im Vorteil.

Warum? Man muss plötzlich mit weniger Geld über die Runden kommen.

Es sollte
nicht unerwähnt bleiben, dass der vom 60ten bis zum 65ten
Lebensjahr zahlende Beitragszahler natürlich Anwartschaften
auf eine höhere Rente erzielt als der Rentner, der mit 60 in
Rente geht. Aber dennoch dürfte der mit 60 in Rente gehende
über viele Jahre - nach deiner Rechnung ca. 27 Jahre im
Vorteil sein, bis ihn der mit 65 Jahren in Rente gehende
Beitragszahler überholt.

Das hat in meinen Augen überhaupt nichts mit irgendeinem Vorteil zu tun, sondern ist eine reine mathematische Berechnung. Wenn du darin einen Vorteil siehst, begehst du meines Erachtens einen Denkfehler.

Es sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass steuerliche und
versicherungstechnische Gegebenheiten aus
Vereinfachungsgründen aussenvor gelassen wurden, die nach der
neuesten Besteuerung der Renten gerade bei den hohen Renten
die Berechnungen infaust werden lassen. Aber der Tenor dürfte
schon richtig sein, dass in den letzten Jahren gerade bei
hohen Renten (von denen bin ich immer bei unseren berechnungen
ausgegangen) der Rentenbezug ab 60 Jahre von Vorteil gewesen
ist.

Wenn die Rente mit 60 hoch genug ist, um davon gut leben zu können, dann macht es natürlich Sinn. Ansonsten nicht.

Tschüss
Bernd

Viele Grüße

Ralf

Servus

Oder soll die Frage lauten: Was kann ich machen, damit ich mit 60 in Rente gehen kann und trotzdem eine Volle Rente erhalten?

Wie du bereits erkannt hast, mußt mind. bis zum Regelalter in die Rentenkasse zahlen, damit man die volle Rente erhält. D.h. wenn du vorhast früher in Rente zu treten, bleibt dir nichts anderes Übrig als selbst vorzusorgen.

Problem, je früher man in Rente gehen will, desto weniger Zeit bleibt dir zum Sparen und die Beiträge steigen schnell dank Zinseszins. Also mußt du dir einen weg finden, wie du bis zur Regelrente in die Staatskasse zahlst und gleichzeitig selbst etwas machst. Die „Rentenlücke“ zwingt einem meist eh schon etwas auf eigene Faust zu machen.

Damit du jedoch die volle staatliche Rente erhälts und trotzdem in den Vorruhestand gehen kannst bietet sich ein Zeitwertkonto an. Wenn du frühgenug damit anfängst, könntest z.B. schon mit 55 in Rente.

Du zahlst also im laufe deines Arbeitsleben in dieses Zeitwertkonto ein ( Endgeldumwandlung) und kannst dann später in den „vorruhestand“ gehen. Da es sich hierbei um Endgeldumwandlung handelt, hast eine hohe Sparleistung (Sozialabgaben etc. sind geringer -> wenig Nettolohn änderung). In dieser Vorruhestandsphase erhälst du jedoch gehalt und nicht Rente, d.h. auch soz. abgaben + Steuern fallen an wie im normalen Arbeitsverhältniss mit dem Unterschied, du brauchst nicht morgens zur Arbeit.

Wenn du dann das normale Rentenalter erreicht hast, gehst du in Rente und erhälts die volle Rente + dass was du zzgl. angespart hast.

MfG

Michael

P.S. Da ein Zeitwertkonto sehr Umfangreich und flexibel ist, müsste man wenn dieses Ausdiskutiert werden soll mal einen neuen Beitrag starten.

Hallo,

die ganze Diskussion ist vom finanzmathemathischen Standpunkt her ein wenig zu kurz. Wir vergleichen hier 2 Zahlungsströme. Da eine Zahlung heute finanzmathematisch „weniger wert“ ist als eine in 5 oder 10 Jahren, müssen wir die Zahlungen der Zukunft alle auf heute abdiskonieren. Man spricht hier vom Barwert der Zahlungsreihe. Hierbei muss man zunächst eine Annahme über einen Zinssatz (Z) treffen. Je höher der Zins, umso höher werden frühe Zahlungen gegenüber späteren Zahlungen bewertet.

Dann muss man den Barwert der beiden Zahlungsströme berechnen. Wer Excel auf seinem Rechner hat, kann dies mit der Funktion BW machen.

Wir haben 2 Zahlungsströme zu vergleichen:
„Rente mit 60“ und „Rente mit 65“

Rente mit 65 besteht aus 2 Zahlungsströmen: Zunächst zahle ich 60 Monate lang jeden Monat meinen Rentenbeitrag X €. Danach erhalte ich M Monate lang Y € Rente
Rente mit 60 ist einfacher: Ich bekomme jeden Monat einen Betrag (X*0,82) und das M+60 Monate lang.

Die Eingangsfrage, bei welchem Alter beide Varianten zum gleichen Barwert führen ist nicht pauschal zu beantworten. Es müssen alle Größen X,Y und vor allem Z bekannt sein, damit man M berechnen kann.

Ich habe einmal eine Musterrechnung gemacht
Zins 4 %

Rente mit 60 Rente mit 65

Zeitraum 1 60 Monate
Rate 1000 € Rentenbeitrag
Barwert Phase 1 -54.299,07 €

Zeitraum 2 139 Monate 79 Monate Rentenbezug
Rente -2050 € -2500 €
Barwert Phase 2 227.754,27 € 173.383,28 €

Summe 173.455,20 € 173.383,28 €

In diesem Beispiel wäre die Summe der Barwerte im 71 Lebensjahr gleich. Lebt man länger, wäre die Rente ab 65 besser.

Achtung: Insbesondere der Zinssatz hat erheblichen Einfluss auf das Ergebnis. Nimmt man nur 2 %, so ist es schon Mitte 73, bei 6 % Anfang 70 soweit.

Hallo Karsten,

finanzmathematisch ist deine Berechnung wohl korrekt aber die gestellte Frage kannst du damit nicht beantworten. Der Barwert der zukünftigen Rentenzahlungen wäre wichtig, wenn man heute diese Rentenzahlungen finanzieren wollte.

Hallo,

die ganze Diskussion ist vom finanzmathemathischen Standpunkt
her ein wenig zu kurz. Wir vergleichen hier 2 Zahlungsströme.
Da eine Zahlung heute finanzmathematisch „weniger wert“
ist

Mit „weniger wert“ hast du, obwohl die Bezeichnung normalerweise etwas irreführend ist, den Nagel auf den Kopf getroffen, weil gerade die Rendite der GRV tatsächlich negativ ist.

als eine in 5 oder 10 Jahren, müssen wir die Zahlungen der
Zukunft alle auf heute abdiskonieren. Man spricht hier vom
Barwert der Zahlungsreihe. Hierbei muss man zunächst eine
Annahme über einen Zinssatz (Z) treffen. Je höher der Zins,
umso höher werden frühe Zahlungen gegenüber späteren Zahlungen
bewertet.

Dann solltest du bei der GRV mit einem Zins zwischen -0,5% und -1,5% rechnen.

Dann muss man den Barwert der beiden Zahlungsströme berechnen.
Wer Excel auf seinem Rechner hat, kann dies mit der Funktion
BW machen.

Der Barwert ist für die Rentenkasse interessant, für den Rentenempfänger allerdings nicht.

Wir haben 2 Zahlungsströme zu vergleichen:
„Rente mit 60“ und „Rente mit 65“

Rente mit 65 besteht aus 2 Zahlungsströmen: Zunächst zahle ich
60 Monate lang jeden Monat meinen Rentenbeitrag X €.

Den Rentenbeitrag kannst du vollkommen außer Betracht lassen. Die GRV arbeitet nach dem Umlageverfahren und da wird nichts verzinst. Außerdem hat derjenige, der weiter bis 65 arbeitet sehr wahrscheinlich einen Einkommensvorteil gegenüber dem 60-jährigen Rentner und könnte aus dem Mehrverdienst noch zusätzlich vorsorgen.

Danach erhalte ich M Monate lang Y € Rente
Rente mit 60 ist einfacher: Ich bekomme jeden Monat einen
Betrag (X*0,82) und das M+60 Monate lang.

Die Eingangsfrage, bei welchem Alter beide Varianten zum
gleichen Barwert führen ist nicht pauschal zu beantworten.

Dies ist ausschließlich deine Frage gewesen.

Es
müssen alle Größen X,Y und vor allem Z bekannt sein, damit man
M berechnen kann.

Ich habe einmal eine Musterrechnung gemacht
Zins 4 %

Rente mit 60 Rente mit 65

Zeitraum 1 60 Monate
Rate 1000 € Rentenbeitrag
Barwert Phase 1 -54.299,07 €

Zeitraum 2 139 Monate 79 Monate Rentenbezug
Rente -2050 € -2500 €
Barwert Phase 2 227.754,27 € 173.383,28 €

Summe 173.455,20 € 173.383,28 €

In diesem Beispiel wäre die Summe der Barwerte im 71
Lebensjahr gleich. Lebt man länger, wäre die Rente ab 65
besser.

Achtung: Insbesondere der Zinssatz hat erheblichen Einfluss
auf das Ergebnis. Nimmt man nur 2 %, so ist es schon Mitte 73,
bei 6 % Anfang 70 soweit.

Diese Berechnung ist mathematisch vollkommen in Ordnung. Die gestellte Frage hast du damit allerdings nicht beantwortet und dein Ergebnis ist falsch.

Natürlich kann man noch einige Faktoren(Inflation, Erhöhung des Rentenbeginnalters, eventuelle Änderungen bei der Methode der Rentenberechnung …) zusätzlich in einen Vergleich einbringen. Letztendlich ist doch vor allem wichtig ob man von der Rente ab 60 gut leben kann.

Viele Grüße

Ralf

Älter als 87 wär schlecht
Hallo Experten,

vielen Dank für eure ausfühlichen Antworten.

Für mich ist jetzt folgendes klar: unabhängig von der tatsächlichen Höhe der Rente, der Abhängigkeit davon und den persönlichen Lebensumständen müsste man älter als 87 Jahre werden, um davon zu profitieren, die Rente erst mit 65 in Anspruch zu nehmen.

Stirbt man früher, ist die Rente ab 60 auf jeden Fall von Vorteil, weil erst nach dem 87. Lebensjahr die fünf Jahre lang zwischen 60 und 65 gezahlte, um 18 Prozent geminderte Rente von der vollen Rente ab 65 überholt würde.

Burkhard