Rente: Nullrunde bis 2035?

Hallo,

etwas weiter unten wurde das Thema schon angesprochen.
Ich selber habe vor einigen Tagen in mehreren Newslettern gelesen, dass wir bis ca. 2035 mindestens mit einer Nullrunde, wenn nicht sogar Rentenkürzung aufgrund der Einführung des demographischen Faktors in der Rentenberechnung rechnen können.
Unser Herr Müntefering hat ja kürzlich zwar bestätigt, daß es zumindest dieses Jahr keine Rentenkürzung geben wird, aber irgendwie hab ich das Gefühl das das noch keiner so wirklich kapiert hat.

Nun, wenn man sich die Zusammenhänge so anschaut, sieht man, daß es ähnlich wie in der Kranken- und der Pflegeversicherung, die ja auch nach dem Umlagesystem finanziert werden, tatsächlich so auf mittlere bis lange Sicht nicht funktionieren kann.

Das mag alles bekannt sein, mein Problem ist nur, daß ich den Eindruck habe es hat irgendwie keiner richtig realisiert.
Ich will hier garnicht über Vor- und Nachteile der verschiedenen Systeme diskutieren, „zur Revolution aufrufen“ wäre vielleicht auch etwas übertrieben, aber mich beschleicht das Gefühl, Deutschland pennt!
Aber ganz gewaltig.
Würde mich über andere Meinungen sehr freuen.

Viele Grüße

Laber

P.S.: Ein Beispiel: Wenn ich sehe, was Familien heutzutage an Telekommunikationskosten (Festnetz, Internet, Handy) ausgeben, dann wird mir regelrecht schlecht.

Nun, wenn man sich die Zusammenhänge so anschaut, sieht man,
daß es ähnlich wie in der Kranken- und der Pflegeversicherung,
die ja auch nach dem Umlagesystem finanziert werden,
tatsächlich so auf mittlere bis lange Sicht nicht
funktionieren kann.

Richtig, so ist es!

Das mag alles bekannt sein, mein Problem ist nur, daß ich den
Eindruck habe es hat irgendwie keiner richtig realisiert.

Das stimmt nicht so ganz. alle die mit dieser Thematik (beruflich) zu tun haben, wissen sehr genau Bescheid, und Teile der Bevölkerung auch.

wäre vielleicht auch etwas übertrieben, aber mich beschleicht
das Gefühl, Deutschland pennt!

Es ist unsere Aufgabe Deutschland „aufzuwecken“, davon leben wir.

P.S.: Ein Beispiel: Wenn ich sehe, was Familien heutzutage an
Telekommunikationskosten (Festnetz, Internet, Handy) ausgeben,
dann wird mir regelrecht schlecht.

Und wenn ich sehe, wieviel Geld für Tabak, Drogen, SMS und Klingeltöne (300 Mio € p.a. nur für Klingeltöne) ausgegeben wird, dann wird mir schlecht.

Nun, wenn man sich die Zusammenhänge so anschaut, sieht man,
daß es ähnlich wie in der Kranken- und der Pflegeversicherung,
die ja auch nach dem Umlagesystem finanziert werden,
tatsächlich so auf mittlere bis lange Sicht nicht
funktionieren kann.

Meine REDE! War mir schon lange bewusst. Man schaue auf die Straße. Wo sind die Kinder, sehe nur alte Menschen.

wäre vielleicht auch etwas übertrieben, aber mich beschleicht
das Gefühl, Deutschland pennt!

Stimmt! Aber einige europäische Nachbarn auch.

P.S.: Ein Beispiel: Wenn ich sehe, was Familien heutzutage an
Telekommunikationskosten (Festnetz, Internet, Handy) ausgeben,
dann wird mir regelrecht schlecht.

Wenn ich sehe wie viele nicht für das Alter vorsorgen wird mir schlecht. Ich sorge vor und verzichte jetzt, damit ich meinen Mitmenschen im Alter nicht auf der Tasche liege (das ist echte Solidarität, andere sagen das ist dumm).

Zitat von Kurt Biedenkopf:„Wer vorsorgt ist versorgt, wer nicht vorsorgt wird versorgt!“.

Das genau ist das Problem. In meinem Bekanntenkreis gibt es viele die Ihr Geld bewusst aus dem Fenster schmeißen und nicht vorsorgen, weil sie wissen dass sich der Staat im Alter um einen kümmert (Grundsicherung).

Ist der Staat ein Sozialstaat weil niemand im Alter arm sein muss? Was ist mit denen die jetzt verzichten, um später versorgt zu sein und dann müssen die, die früher verzichtet haben auch noch mit ihren Steuern die Grundsicherung derjenigen bezahlen, die bewusst nicht vorgesorgt haben? Ist das gerecht? Sollte man nicht eine Pflicht zur zusätzlichen privaten Rentenvorsorge einführen? Bei der Pflegeversicherung und Autohaftpflicht funktioniert die Pflicht doch auch.

Andi

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Hallo,
prinzipiell Zustimmung,
Nur:

Das genau ist das Problem. In meinem Bekanntenkreis gibt es
viele die Ihr Geld bewusst aus dem Fenster schmeißen und nicht
vorsorgen, weil sie wissen dass sich der Staat im Alter um
einen kümmert (Grundsicherung).

In meinem Bekanntenkreis gibt es viele, die sogar doppelt arbeiten und trotzdem kein Geld übrig haben, um noch in zusätzliche Rentenversicherungen einzuzahlen, weil das Geld für das tägliche Leben draufgeht! Wir zahlen für die jetzigen Rentner, wir zahlen für die Krankenversicherung, wir zahlen an die Energiekonzerne, wir zahlen für unsere Kinder. Aber für uns selbst bleibt nicht mehr viel übrig. Und wenn ich vielleicht was sparen kann, dann kommt HartzIV, und ich bin alles wieder los… Dann gebe ich es doch lieber gleich aus…

Beatrix

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Lebensstandard
Hallo Beatrix,

In meinem Bekanntenkreis gibt es viele, die sogar doppelt
arbeiten und trotzdem kein Geld übrig haben, um noch in
zusätzliche Rentenversicherungen einzuzahlen, weil das Geld
für das tägliche Leben draufgeht!

Ähhh,… hast du dir mal angesehen wofür das Geld im täglichen Leben draufgeht?
Selbstverständlichkeien wie:
Markenklamotten für Kinder,
der jährlich Auslandurlaub,
Handys für jedes Familienmitglied,
Regelmäßiges Ausgehen,
Tabak,
PKWs für jedes erwachsene Familienmitglied,
usw…
Wir sehen den Lebensstandard, der in den 80er Jahren in Westdeutschland den Höchsstand erreicht hat, als Selbstverständlich an. Diesen Lebensstandard können sehr Viele nur noch als Doppelverdiener halten. Wie war es in den 50er und 60er Jahren möglich, dass eine Familie von einem Gehalt versorgt wurde und man dabei noch baute? Hat man damals im Verhältnis mehr verdient?
Nein, die Bedürfnisse waren einfach viel geringer.

Gruß
Carlos

Ähhh,… hast du dir mal angesehen wofür das Geld im täglichen
Leben draufgeht?
Selbstverständlichkeien wie:
Markenklamotten für Kinder,
der jährlich Auslandurlaub,
Handys für jedes Familienmitglied,
Regelmäßiges Ausgehen,
Tabak,
PKWs für jedes erwachsene Familienmitglied,

Also bei uns nicht!
Ich kaufe Klamotten bei Aldi, C&A und im Second-Hand-Shop.
Wir machen fast immer in D Urlaub. Es hat nicht jedes Familienmitglied ein Handy, wir sind schon seit Jahren nicht mehr ausgegangen, rauchen tut keiner, Autos haben wir genau eins.

Sicherlich hast du recht, dass insgesamt die Ansprüche auch gestiegen sind, aber viele Familien gerade mit Kindern können sich das von dir aufgezählte schon lange nicht mehr leisten…

Beatrix

Hallo erstmal,

sehr interessante Diskussion.

Ich habe genau das selbe beobachtet:
Die Leute interessiert es stellenweise einen Scheissdreck (sorry), was aus ihren im Alter wird. Deutschland wirds schon richten.

Das sind die Leute, die sich auch nicht über Spritpreise beschweren, weil Sie eh nur für 20€ tanken (*sarkasmus*)

Meiner Meinung nach, werden wir nicht um amerikanische Verhältnisse drumherum kommen, wo jeder sich selbst der nächste ist, und sich um die Altersvorsorge jeder selber kümmern muss.
Ist meiner Meinung nach am sinnvollsten.

Aber gut,
ich selber habe 2 Kinder, bin verheiratet und selbstständig.
Ich war seit über 8 Jahren nicht mehr im Urlaub (ausser auf Balkonien), meine Kinder kriegen Ihre Kleider vom Second-Hand-Markt und vielleicht mal von Aldi / C&A / etc.

Markenklamotten hab noch nicht mal ich. Meine Frau hat Sie, weil Ihre Schwester in nem KLamottenladen (für Frauen) arbeitet, und ihr immer wieder nen Gutschein schenkt.

Aber ansonsten? Es geht nix mehr. Ja, wir haben 2 Autos, aber die brauchen wir auch (Wohnen auf dem Land).

Wir mussten eine Zeit lang (8 Monate) von knapp 900€ im Monat leben, weil Vater Staat an Familien mit Kindern keine Autos oder mehr Sozialhilfe genehmigt (zumindest nicht nach der Ausbildung).
Da lernt man, seine Bedürfnisse runterzuschrauben, und zwar aufs Minimum. UNd auf dem Punkt (2 Jahre später) leben wir immernoch. Die Bedürfnisse sind auf dem Minimum, auch wenn das Geld mehr wird. Weil einfach alles mehr kostet.
Das soll hier jetzt kein Rumgeheule sein, ich bin damit, was ich habe und kriege zufrieden, muss ich ja auch. Mehr arbeiten als 16-17 Stunden am Tag kann ich nicht.

Soviel von meiner Seite dazu.

Gruß
Jürgen Wiechert

Hallo,

Ist der Staat ein Sozialstaat weil niemand im Alter arm sein
muss? Was ist mit denen die jetzt verzichten, um später
versorgt zu sein und dann müssen die, die früher verzichtet
haben auch noch mit ihren Steuern die Grundsicherung
derjenigen bezahlen, die bewusst nicht vorgesorgt haben? Ist
das gerecht? Sollte man nicht eine Pflicht zur zusätzlichen
privaten Rentenvorsorge einführen? Bei der Pflegeversicherung
und Autohaftpflicht funktioniert die Pflicht doch auch.

Andi

sehe ich auch so, deshalb Sternchen. Leider wird die Jugend heute vom Sozialstaat bereits so erzogen, dass sie nur sieht „Wenn ich nichts habe, dann kommt der Staat und sorgt für mich. Wozu also sparen?“.

Gruß

Hallo!

Wenn ich sehe wie viele nicht für das Alter vorsorgen wird mir
schlecht.

Sinn der Rentenversicherung ist eigentlich einmal gewesen, versorgt zu sein. Dass man sich darauf nicht mehr verlassen kann, wird sicher bald bei den Betroffenen ankommen. Nur verliert die gesetzliche Rentenversicherung ihren Rechtfertigenden Grund, wenn sie nicht mehr das leisten kann, was sie seit dem 19. Jahrhundert versprochen hat.

Das genau ist das Problem. In meinem Bekanntenkreis gibt es
viele die Ihr Geld bewusst aus dem Fenster schmeißen und nicht
vorsorgen, weil sie wissen dass sich der Staat im Alter um
einen kümmert (Grundsicherung).

Ich glaube, dass Du mit einer unheimlich seltsamen Perspektive auf Deine Mitmenschen siehst, wenn Du denkst, dass sie das Geld mit vollen Händen ausgeben, um dann später ganz entspannt vom Existentminimum mit Rente und ergänzender Sozialhilfe leben zu müssen.

Ist der Staat ein Sozialstaat weil niemand im Alter arm sein
muss?

Nein, der Staat ist ein Sozialstaat, weil auch sonst niemand Hunger leiden muss. Man hat ja nicht nur im Alter das Recht, nicht verhungern zu müssen.

Ist das gerecht?

Gerechtigkeit hat noch nie bedeutet, dass alle gleich viel oder gleich wenig haben. Gerecht ist es, wenn Du mit Deiner privaten Vorsorge eben besser leben kannst als derjenige, der sich hier auf den Staat verlassen hat. Das wirst Du wohl bekommen, mehr solltest Du auch nicht verlangen.

Sollte man nicht eine Pflicht zur zusätzlichen
privaten Rentenvorsorge einführen?

Das könnte man in der Tat überdenken. Aber frag’ Dich doch mal, wie viele Menschen ihre Kfz-Haftpflichtversicherung eben nicht regelmäßig bezahlen können.

Gruß,

Florian.

the working poor
Hallo Jürgen, hallo Beatrix,

die Probleme sind bekannt. Das durchschnittliche Einkommen stagniert. Einkommensschere geht weiter auseinander. Das bedeutet, dass der Anteil armer Menschen zunimmt. Ein Phänomen, welches in den USA als „the working poor“ bezeichnet wird, fasst hier Fuss.
Familien die Vollzeit arbeiten sind dennoch arm.
Hier mehr private Vorsorge zu verlangen grenzt an Zynismus.

Auf der anderen Seite ist klar, dass bei einem wachsenden Mißverhältnis zwischen Rentenempfänger und Renteneinzahler das jetzige Niveau nicht gehalten werden kann. Wir als „Sandwichgenaration“ sind die Leidtragenden. Wir zahlen die üppigsten Renten aller Zeiten. Auf der andern Seite werden wir nur noch wesentlich geringere Renten empfangen können.

Und dazu es gibt nicht wenige, die jegliche Vorsorgen für Überflüssig halten, weil sie sich mit Hartz4 bzw. Sozialhilfe als Standard abgefunden haben. „Wozu sparen, wenn ich im Notfall erst alles aufbrauchen muss und dann doch bei Sozialhilfe lande.“

Ich denke, dass es das Ziel jedes vernünftigen Menschen sein sollte, für die Berufsunfähigkeit oder die Rente ein Versorgungsniveau oberhalb der Hartz4/Sozialhilfe zu erreichen, so dass er unabhängig von staatlichen Almosen leben kann.
Denn auch das Sozialhilfeniveau wird in den nächsten Jahrzehnten eher sinken, denn steigen.

Gruß
Carlos