Hallo Harwin,
einerseits finde ich es gut, dass Du Dir zu dem Thema Gedanken machst, andererseits solltest Du Dich ein bisschen gründlicher mit den Fakten auseinandersetzen, bevor Du hier dieses Gemenge aus Wahrheiten, Halbwahrheiten und Unwahrheiten verbreitest wie es eigentlich eher an manchen (nicht an allen!) Stammtischen üblich ist.
Zunächst zu der Robotern und Maschinen. Richtig ist, dass durch Automatisierung immer mehr einfache Tätigkeiten wegfallen. Zu bedenken ist allerdings, dass ohne Automatisierung industrielle Produktion bei unseren Löhnen längst nicht mehr rentabel wäre. Gegen eine Maschinensteuer spricht zudem, dass Maschinen sich noch leichter ins Ausland verlagern lassen als qualifizierte Arbeitsplätze.
Richtig ist, dass die Zahl der Arbeitsplätze, die nur eine geringe Qualifikation erfordern, in Europa tendenziell weiter abnehmen wird.
Für Menschen, die aus welchen Gründen auch immer, nur über eine geringe Qualifikation verfügen wird es hierzulande dauerhaft nicht genügend Arbeitsplätze geben, jedenfalls nicht zu gegenwärtigen Konditionen.
Dies ist eine Folge der Globalisierung gegen die auch die Politik wenig ausrichten kann (deren Möglichkeiten werden sowieso dauernd überschätzt) - abgesehen davon, dass gerade Deutschland als Exportweltmeister insgesamt von der Globalisierung deutlich profitiert. Es gilt daher nicht gegen die Globalisierung zu wettern, sondern mit Ihren (auch negativen) Folgen vernünftig umzugehen.
Zu diesem vernünftigen Umgang gehören:
1.) Qualifizierung und Bildung fördern - wenn Arbeitslosigkeit ein Qualifikationsproblem ist, können nur dies Massnahmen auf Dauer helfen.
2.) Unsere Sozialsysteme an die veränderten Bedingungen anpassen - wir müssen uns einfach von der Vorstellung der klassischen Vollbeschäftigung verabschieden. Bürgergeld und negative Einkommensteuer hatte ich bereits in meinem vorigen Beitrag erwähnt.
Ein anderes Modell sind Kombilöhne: Wenn am Weltmarkt einfache Fließbandtätigkeiten für 2 EUR pro Stunde zu haben sind, dann sind sie halt leider auch nur 2 EUR wert - das nennt man Marktwirtschaft. Wenn man bei uns von 2 EUR die Stunde nicht leben kann, dann müssen halt die Sozialsystem den Rest übernehmen.
Diese Themen sind nicht einfach, warum die Politiker derzeit eher den Kopf in den Sand stecken hatte ich in meinem vorigen Posting erläutert. Kurz- bis mittelfristig werden wir aber an ernsthafte Reformen heran gehen müssen.
Desweiteren kann ich mir einige Anmerkungen zu Deinen Ausführungen über die Wende nicht verkneifen:
Wie es die Menschen im Osten (heute so oft verächtlich als Ossis bezeichnet) geschafft haben eine friedliche Revolution über die Bühne zu bringen und Ihren Willen zu Wiedervereinigung durchzusetzen, das ist die größte historische Leistung, die das deutsche Volk (oder wenigsten ein Teil davon) jemals zustande gebracht hat. Das die Wiedervereinigung, bei allen Problemchen und Reibungen im Detail, insgesamt so positiv verlief ist eine Leistung des gesamten deutschen Volkes auf die wir ruhig stolz sein dürfen.
Richtig ist zwar, dass den Sozialsystemen und insbesondere der Rentenversicherung nach der Wende Lasten aufgebürdet wurden, die eigentlich die Allgemeinheit (d.h. der Staat mit Steuermitteln) hätte tragen müssen, hier allerdings von Betrügerei zu reden ist doch überzogen.
Im übrigen ist es schlicht falsch zu behaupten, dass die Rententöpfe vor der Wende voll gewesen seien - erstens gab es nie Rententöpfe, unsere Rentenversicherung ist umlagebasiert, zweitens könnte ich Dir Zeitschriftenbeiträge von ca. 1980 raussuchen (einer davon stammt von mir) in denen klar nachgewiesen wurde, dass das Rentensystem ab ca. 2025 - 2030 so nicht mehr finanzierbar sein wird. Für jeden der ein bisschen rechnen kann und sich mit der Materie beschäftigt hat, war das schon damals klar.
Sorry, ist etwas lang geworden und passt eigentlich auch nicht wirklich in dieses Brett, aber ich mochte diese Parolen einfach nicht so stehen lassen.
Gruß
Werner