Rentenfonds, Geldmarktfonds,... wie geht das

Hallo

Ich hab gerade mein Haus verkauft und hab deshalb zur Zeit ne ganze Menge Bargeld (jedenfalls für mich :wink: ). Da ich noch nicht genau weiss ob und wann ich mir wieder was Neues kaufen will, möchte ich das Geld möglichst sicher, gewinnbringend und flexibel anlegen. Ich weiß dass ich das Geld in diesem Jahr nicht mehr brauch, aber viel mehr auch nicht.

Es gibt jetzt einmal die Möglichkeit, das Geld für ein halbes Jahr (bw. 1 Jahr) fest anzulegen. Da würde ich so um die 4% bekommen.

Von einem Freund wurden mir Rentenfonds und Geldmarktfonds als relativ sichere und gewinnbringende Alternative genannt.

Bevor ich so etwas mache, würde ich gerne mal verstehen woran man da verdient. Also wie das funktioniert. Ich hab mir mal für einen mir empfohlenen Rentenfonds einen Chart angeguckt. Der ist aber relativ konstant geblieben. Also ihr merkt schon, ich bin hier aboluter Laie.

Es wäre schön, wenn mir mal jemand mit einfachen Worten erklären könnte, wie das so funktioniert.

Besten Dank schon mal
Jörg

Hallo

Ich hab gerade mein Haus verkauft und hab deshalb zur Zeit ne
ganze Menge Bargeld (jedenfalls für mich :wink: ). Da ich noch
nicht genau weiss ob und wann ich mir wieder was Neues kaufen
will, möchte ich das Geld möglichst sicher, gewinnbringend und
flexibel anlegen.

Das klassische Dreick der Geldanlage. Entweder bewegt man sich an einem Extrempunkt und muss die Ansprüche an die anderen beiden Faktoren reduzieren oder man bewegt sich in einer Grauzone irgendwo im langweiligen Mittelfeld.

Ich weiß dass ich das Geld in diesem Jahr
nicht mehr brauch, aber viel mehr auch nicht.

Für ein halbes oder 1 Jahr sehe ich sinnvollerweise nur das Tagesgeld. Alles andere kostet in der Regel Gebühren, Transaktionskosten, Agio, Nerven…

Es wäre schön, wenn mir mal jemand mit einfachen Worten
erklären könnte, wie das so funktioniert.

Das übernehmen dann die Experten - ich bin hier nur für schlaue Sprüche zuständig.

Frank Wilke

bezüglich der empfehlung tagesgeldkonto stimme ich zu.
wenn du aber längerfristig anlegen willst,musst du dich UNBEDINGT SELBST schlau machen–du kannst andere fragen,wenn du was nicht verstehst,aber die grundlagen musst du selbst ERARBEITEN.
und von der geschichte mit dem bekannten,der hätte gemeint rentenfonds etc. RATE ich ab.
wenn du risikoreichere sachen machst,musst du auch immer mal mit VERLUSTEN rechnen—bedenke das.

bezüglich der empfehlung tagesgeldkonto stimme ich zu.
wenn du aber längerfristig anlegen willst,musst du dich
UNBEDINGT SELBST schlau machen–du kannst andere fragen,wenn
du was nicht verstehst,aber die grundlagen musst du selbst
ERARBEITEN.

Hallo

Genau das versuch ich gerade. Und bis ich mehr weiss bleibt das Geld auch auf einem Tagesgeldkonto und bringt zur Zeit 3% im Jahr. Wenn ich mich dazu durchring es ein Jahr fest anzulegen krieg ich sogar 4,3 %.

Ich würde trotzdem gern mal verstehen, wo das Geld bei solchen Fonds herkommt und was die so abwerfen.

Deswegen die Frage.

Gruss
Jörg

bezüglich der empfehlung tagesgeldkonto stimme ich zu.
wenn du aber längerfristig anlegen willst,musst du dich
UNBEDINGT SELBST schlau machen–du kannst andere fragen,wenn
du was nicht verstehst,aber die grundlagen musst du selbst
ERARBEITEN.

Hallo

Genau das versuch ich gerade. Und bis ich mehr weiss bleibt
das Geld auch auf einem Tagesgeldkonto und bringt zur Zeit 3%
im Jahr. Wenn ich mich dazu durchring es ein Jahr fest
anzulegen krieg ich sogar 4,3 %.

Ich wuerde dir auch zum Tagesgeld raten. Alternativ gaebe es auch steuersparende und fast aber nicht ganz so sichere Anlagemoeglichkeiten, was bei einem derartigen Betrag ja auch relevant werden koennte (je nachdem, was du sonst so fuer Einkuenfte hast).
Dazu unten mehr.

Ich würde trotzdem gern mal verstehen, wo das Geld bei solchen
Fonds herkommt und was die so abwerfen.

Zuerst zu den Rentenfonds: der Fonds investiert das angelegte Geld in Anleihepapiere. Das koennen Staatsanleihen sein oder Unternehmensanleihen. Da die Laufzeiten der Anleihen recht lange sind, erzielen sie hoehere Zinsen als z.B. deine Einjahresanlage. Ausserdem sind die Schuldner oft nicht ganz so vertrauenswuerdig wie deine durch einen Einlagensicherungsfonds abgesicherte Bank (das Unternehmen koennte pleite gehen), und um das erhoehte Risiko auszugleichen, muessen die Schuldner ihren Anleiheglaeubigern hoehere Zinsen zahlen. Der Rentenfonds reduziert fuer ihn dieses sogenannte Emittentenrisiko, indem er in viele verschiedene Anleihen unterschiedlicher Schuldner anlegt. Daher koennen Rentenfonds mehr abwerfen als dein Festgeld.

ANDERERSEITS gibt es bei Anleihen auch ein Kursrisiko: der Schuldner zahlt immer erst am Ende der Laufzeit. Will man vorher an das Geld, muss man die Anleihe an der Boerse an einen anderen verkaufen. Sind aber in der Zwischenzeit die Marktzinsen gestiegen, wird derjenige einem fuer eine in seinen Augen schlecht verzinste Anleihe WENIGER als den Nennwert der Anleihe zahlen (und damit doch eine fuer ihn akzeptable Rendite auf das eingesetzte Geld erhalten). Je laenger die Restlaufzeit der Anleihe, desto ferner die Rueckzahlung des Nennwerts und desto staerker die Kursschwankung. Daher kann der taeglich festgestellte Anteilswert eines Rentenfonds auch fallen – dieser Wert reflektiert immer den Boersenwert der Anleihepapiere.In Zeiten steigender Zinsen sind Rentenfonds, speziell solche, die in langlaufende Papiere investieren, keine gute Anlage (bringen dann ±0%). Fallen die Zinsen hingegen, sind sie eine sehr gute Anlage (deutlich besser als Festgeld).Kurzlaufende Rentenfonds sind davon allerdings nur wenig betroffen (sie aehneln mehr Geldmarktfonds).

So, und es gibt einen Trick, wie man mit Anleihen steuerfreie Gewinne machen kann: man kauft eine Anleihe, die unter ihrem Nennwert notiert und laesst sie bis zum Ende laufen. Die Zinsen muessen versteuert werden, aber der Kursgewinn ist steuerfrei. Es gibt spezielle steueroptimierte Rentenfonds, die in derartige Papiere investieren. Ein oft geruehmter derartiger Fonds, der in Kurzlaeufer investiert (also auch steigende Zinsen uebersteht), ist z.B. der Cominvest Adireth. So etwas koennte fuer dich interessant sein. Allerdings lohnt sich das Investment ueber ein Jahr nur dann, wenn du den Fonds ohne oder mit stark reduziertem Ausgabeaufschlag kaufen kannst (Ausgabeaufschlag == einmal anfallende Provision bei Fondskauf). Ueber das letzte Jahr hat dieser Fonds z.B. +4,03% erwirtschaftet und diese zum grösseren Teil steuerfrei.

Bei der Funktionsweise von Geldmarktfonds bin ich mir selbst nicht ganz sicher. Im Endeffekt legen sie das Geld wohl aehnlich an wie die Bank, die dir ein Tagesgeldkonto anbietet – sie verleihen es mit kurzen Fristen (und/oder legen es in Anleihepapieren mit sehr kurzer Restlaufzeit an?). Sie sind auch nicht viel besser als die Bank. Allerdings waechst das Fondsvermoegen bestaendig an, d.h. der Zins wird praktisch fortlaufend gezahlt, und sie bieten immer einen Zins, der nahe am aktuellen Geldmarktzins ist (die Bank laesst sich bei Zinserhoehungen beim Tagesgeldkonto gerne auch mal etwas Zeit). Nachteilig ist, dass der Fonds auch etwas an Kosten berechnet (allerdings meist keinen Ausgabeaufschlag). Ein Geldmarktfonds kann einen Tick besser als ein Tagesgeldkonto sein und ist genauso sicher.

So, ich hoffe, ich konnte dir helfen, sorry, dass es so lang geworden ist.

Gruesse,
Sebastian

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Hallo

Ich hab gerade mein Haus verkauft und hab deshalb zur Zeit ne
ganze Menge Bargeld (jedenfalls für mich :wink: ). Da ich noch
nicht genau weiss ob und wann ich mir wieder was Neues kaufen
will, möchte ich das Geld möglichst sicher, gewinnbringend und
flexibel anlegen. Ich weiß dass ich das Geld in diesem Jahr
nicht mehr brauch, aber viel mehr auch nicht.

Es gibt jetzt einmal die Möglichkeit, das Geld für ein halbes
Jahr (bw. 1 Jahr) fest anzulegen. Da würde ich so um die 4%
bekommen.

Im Moment locken viele Banken mit recht guten Angeboten. Es gibt Banken, die geben 4,35% für ein Jahr (bei jederzeitiger verfügbarkeit). Teilweise bekommst Du auch 4,5%, dann aber nur für 6 Monate.

Von einem Freund wurden mir Rentenfonds und Geldmarktfonds als
relativ sichere und gewinnbringende Alternative genannt.

Von Rentenfonds halte ich im Moment nichts. Wenn die Zinsen am Geldmarkt weiter steigen, holst Du Dir bei den Rentenfonds eine blutige Nase. Bei steigenden Zinsen fallen bei Renten tendenziell die Kurse.

Bevor ich so etwas mache, würde ich gerne mal verstehen woran
man da verdient. Also wie das funktioniert. Ich hab mir mal
für einen mir empfohlenen Rentenfonds einen Chart angeguckt.
Der ist aber relativ konstant geblieben. Also ihr merkt schon,
ich bin hier aboluter Laie.

War dieser Fonds vielleicht ein Fonds, der in indexierte Renten investiert? Diese Renten haben in der Regel einen variablen Zinssatz, und reagieren damit nicht so stark auf Zinsänderungen.

Es wäre schön, wenn mir mal jemand mit einfachen Worten
erklären könnte, wie das so funktioniert.

Besten Dank schon mal
Jörg

Danke für die tolle und verständliche Erklärung. Endlich hab ich das auch mal in etwa verstanden :wink:

Vielen Dank
Jörg

Zuerst zu den Rentenfonds: der Fonds investiert das angelegte
Geld in Anleihepapiere. Das koennen Staatsanleihen sein oder
Unternehmensanleihen. Da die Laufzeiten der Anleihen recht
lange sind, erzielen sie hoehere Zinsen als z.B. deine
Einjahresanlage. Ausserdem sind die Schuldner oft nicht ganz
so vertrauenswuerdig wie deine durch einen
Einlagensicherungsfonds abgesicherte Bank (das Unternehmen
koennte pleite gehen), und um das erhoehte Risiko
auszugleichen, muessen die Schuldner ihren Anleiheglaeubigern
hoehere Zinsen zahlen. Der Rentenfonds reduziert fuer ihn
dieses sogenannte Emittentenrisiko, indem er in viele
verschiedene Anleihen unterschiedlicher Schuldner anlegt.
Daher koennen Rentenfonds mehr abwerfen als dein Festgeld.

Hallo allerseits,

ich würde Sebastians Aussage gerne ein klein wenig relativieren. Die klassischen Rentenfonds, wie wir sie aus der Vergangenheit kennen, investieren überwiegend in Staatsanleihen, als in beste Bonitäten.
Normalerweise mischen diese Fonds die oben beschriebenen Papiere nur in gewissen Grenzen bei.
Ansonsten handelt handelt es sich um sog. „High Yield“ Fonds, die für das höhere Risiko eine höhere Rendite erzielen (sollten).
Kann natürlich sein, dass aktuell auch einige klassische Fondsmanager versuchen ihre Rendite durch solche Ausflüge etwas aufzumöbeln.

Anders ist dass bei den neueren „Total Return“ Fonds. Die versuchen durch eine sehr fexible Anlage in jeder Marktphase einen guten Ertrag zu generieren und nutzen z.B. auch die von Sebastian beschriebenen Instrumente, wenn sie es für sinnvoll halten.
Der klassiche Rentenmanager ist froh, wenn sein Fonds nach Kosten auf Höhe des aktuellen Zinsniveaus oder ein wenig darüber verdient.

Um Dir mal ein Gefühl für die Komplexität zu geben:
Anlageprofis sagen, dass Währungen das schwierigste Anlagesegment ist. Dann Renten und danach erst die Aktien. Dieses Thema umfänglich zu verstehen ist also eine Lebensaufgabe… :wink:

Im Moment ist die Situation im Rentenbereich sehr schwierig. Allgemein werden weiter steigende Zinsen erwartet, was zu den beschriebenen Kursverlusten führen könnte.

Ich würde an Deiner Stelle derzeit, wenn in Renten, eher in Rentenfonds mit kurzen Laufzeiten investieren, da wirken sich die Zinserhöhungen ggf. nicht so stark aus. Und derzeit ist die Rendite fast auf gleichem Niveau.
Außerdem in Euro bleiben, damit kein Währungsrisiko dazu kommt.

Als Alternative bzw. Ergänzung könntest Du mal versuchen, einen offenen Immobilienfonds ohne Ausgabeaufschlag zu bekommen. Da ist seriös mit 4 bis 5 % p.a. zu rechnen. Dies allerdings ohne Rentenkursrisiko und mit steurlichem Vorteil (zumindest noch für 2007 und 2008), so dass die Nettorendite wahrscheinlich sehr interessant wird, bei täglicher Verfügbarkeit.

Viel Erfolg wünscht der Money-Schorsch