Rentenversicherung noch schnell abschließen?

Hallo,

ich bin Student und werde mein Studium Anfang nächsten Jahres beenden.

Ist es sinnvoll, dieses Jahr noch eine RV abzuschließen, um später die Erträge nicht versteuern zu müssen?

Momentan kann ich mir nur ca. 50 Euro monatlich leisten. Könnte aber sicherlich in ein paar Monaten aufstocken. Gibt es solche Verträge und bleibt dann die Steuerfreiheit erhalten?

Vielen Dank!

Gruß
Medion

Hallo Medion,

wirklich Sinn macht es nicht.

Die Ertragsteile einer Rente sind bereits heute steuerpflichtig.

Die Kapitalabfindung kannst Du entweder an einem Tag auf den „Kopf“ hauen oder Anlegen - d.h. steuerpflichtige Kapitalerträge.

Wenn überhaupt, eine fondsgebundene Police, so dass Du ab dem 12 Jahr der Laufzeit entnehmen kannst - z.B. Kauf einer ETW - oder flexibel sparen, damit Du Liquidität hast (soll ja nach dem Studium nicht immer gleich mit dem Job klappen).

Viele Erfolg
und warte ab!

Thorulf Müller
Versicherungsmakler

Hallo Medion,

Thorulf hat ja bereits kurz geantwortet, aber ich will doch noch mal präzisieren.
Wenn Du Dich bei der Rentenversicherung später für eine lebenslange Rentenzahlung entscheidest, ist die Rente mit ihrem „Ertragsanteil“ zu versteuern, unabhängig davon, ob Du in diesem Jahr den Vertrag abschließt oder erst im nächsten. Die Höhe des Ertragsanteils ist abhängig vom Lebensalter zu Beginn der Rentenzahlung und der dann gültigen Ertragsanteilstabelle des Einkomenssteuergestzes (z.B. 2005 Rentenzahlungsbeginn Alter 65: 18% der Rente werden mit dem persönlichen Steuersatz versteuert).
Willst Du statt der Rente die mögliche Kapitalabfindung, so bekommst Du diese nur bei Abschluss noch in diesem Jahr später steuerfrei ausgezahlt. Dies gilt auch, wenn Du dieses Jahr eine dynamische Anpassung (in gewissen Größenordnungen) für die nächsten Jahre vereinbarst und dadurch sich logischerweise die Kapitalabfindung erhöht. Bei einer jetzt bereits vereinbarten „Extrem“-Erhöhung, z.B. jetzt 50,- zahlen und ab 2006 dann 400,- soll wohl der Grund dieser Konstruktion überprüft werden - keine Ahnung wie das Ergebnis hinsichtlich Steuerbehandlung aussieht.

Viele Grüße

Thomas

Nachtrag und Verständnisfragen
Vielen Dank für die Antworten!

Hoffentlich habe ich es jetzt richtig verstanden. Ich möchte noch mal kurz zusam-menfassen:

Wenn ich mich mit Kapital abfinden lassen möchte, aus einer Kapitallebensversiche-rung, fondgebundener Lebensversicherung, fondgebundener Rentenversicherung oder sonst. Rentenversicherung, kann ich dies nur steuerfrei tun, wenn ich eine sol-che noch in diesem Jahr abschließe und sie dann erst mal mind. 12 Jahre läuft.

Will ich eine lebenslange Rente nach Fälligkeit aus diesen Produkten, dann muss ich Steuern zahlen, auch wenn ich dieses Jahr noch abschließe.

Wenn ich die Abfindung wähle, diese anschließend anlege, muss ich (jährlich) Steu-ern auf die Kapitalerträge zahlen.

Wenn ich ab sofort flexibel spare und bspw. selbständig verschiedene Fondanteile kaufe, muss ich ab sofort auf die Kapitalerträge ebenso (jährlich) Steuern zahlen.

Wenn ich in eine fondgebundene Rentenversicherung investiere, die die Erträge gleich wieder anlegt, muss ich erst bei Zahlung der lebenslangen Rente Steuern auf die dann anfallenden Kapitalerträge zahlen.

Der einzige Grund, unbedingt noch in diesem Jahr etwas abzuschließen ist: Man hat fest vor, sich den Ertrag später in einer Summe auszahlen zu lassen!

Wenn ich erst nächstes Jahr einen Vertrag abschließe, bedeutet dies im Bsp.: Bei einer Kapitalabfindung von 500.000 Euro, bin ich aus heutiger Sicht automatisch beim Höchststeuersatz. Ich müsste also auf die 500.000 ca. 200.000 Euro Steuern zahlen. Die restlichen 300.000 lege ich dann an und zahle auf die Kapitalerträge wieder Steuern.

Ist das so richtig?

Ich habe mir mal ein paar Beispielrechnungen angesehen. Dabei konnte ich feststel-len, dass egal bei welchem Produkt, man mit einer Kapitalabfindung meiner Meinung nach besser fährt als mit einer monatlichen Rente. Bei einer monatlichen Rente muss man rein rechnerisch mind. noch 13-15 Jahre ab Zahlungsbeginn leben, ehe man in der Summe die Höhe der Abfindung erreicht hat. Wenn ich mir Produkte mit gestaf-felter Laufzeit bis bspw. zum 65, 70 und 75 Lebensjahr wähle, macht das dann ja nicht viel Sinn.

Wie sinnvoll ist es, selbständig in verschiedene Anlageprodukte zu investieren? In die meisten Fonds in die von den Versicherungsunternehmen investiert wird, kann man ja auch selbständig einzahlen. Wie viel Prozent der Rendite Streichen die Un-ternehmen für sich ein?

Macht eine Dynamik von bspw. 5% bei den Beiträgen über die gesamte Laufzeit Sinn?

Gruß
Medion

Hallo Medion,

Vielen Dank für die Antworten!

Hoffentlich habe ich es jetzt richtig verstanden. Ich möchte
noch mal kurz zusam-menfassen:

Wenn ich mich mit Kapital abfinden lassen möchte, aus einer
Kapitallebensversiche-rung, fondgebundener Lebensversicherung,
fondgebundener Rentenversicherung oder sonst.
Rentenversicherung, kann ich dies nur steuerfrei tun, wenn ich
eine sol-che noch in diesem Jahr abschließe und sie dann erst
mal mind. 12 Jahre läuft.

das ist richtig.

Will ich eine lebenslange Rente nach Fälligkeit aus diesen
Produkten, dann muss ich Steuern zahlen, auch wenn ich dieses
Jahr noch abschließe.

Ist auch richtig. Aber nur auf den dann gültigen Ertragsanteil.

Wenn ich die Abfindung wähle, diese anschließend anlege, muss
ich (jährlich) Steu-ern auf die Kapitalerträge zahlen.

Ja!

Wenn ich ab sofort flexibel spare und bspw. selbständig
verschiedene Fondanteile kaufe, muss ich ab sofort auf die
Kapitalerträge ebenso (jährlich) Steuern zahlen.

Wenn die Freibeträge ausgeschöpft sind.

Wenn ich in eine fondgebundene Rentenversicherung investiere,
die die Erträge gleich wieder anlegt, muss ich erst bei
Zahlung der lebenslangen Rente Steuern auf die dann
anfallenden Kapitalerträge zahlen.

Ist korrekt.

Der einzige Grund, unbedingt noch in diesem Jahr etwas
abzuschließen ist: Man hat fest vor, sich den Ertrag später in
einer Summe auszahlen zu lassen!

Das ist einer der Gründe.

Wenn ich erst nächstes Jahr einen Vertrag abschließe, bedeutet
dies im Bsp.: Bei einer Kapitalabfindung von 500.000 Euro, bin
ich aus heutiger Sicht automatisch beim Höchststeuersatz. Ich
müsste also auf die 500.000 ca. 200.000 Euro Steuern zahlen.
Die restlichen 300.000 lege ich dann an und zahle auf die
Kapitalerträge wieder Steuern.

Ist das so richtig?

Nein! Nur auf die Erträge musst du Steuern zahlen und wenn der Vertrag mindestens bis 60 läuft auch nur auf die Hälfte des Ertrages. Könnte in deinem Beispiel z.B. bedeuten: Kapitalabfindung 500.000 Euro, davon 300.000 Euro Erträge, davon müssen 150.000 Euro versteuert werden.

Ich habe mir mal ein paar Beispielrechnungen angesehen. Dabei
konnte ich feststel-len, dass egal bei welchem Produkt, man
mit einer Kapitalabfindung meiner Meinung nach besser fährt
als mit einer monatlichen Rente. Bei einer monatlichen Rente
muss man rein rechnerisch mind. noch 13-15 Jahre ab
Zahlungsbeginn leben, ehe man in der Summe die Höhe der
Abfindung erreicht hat. Wenn ich mir Produkte mit
gestaf-felter Laufzeit bis bspw. zum 65, 70 und 75 Lebensjahr
wähle, macht das dann ja nicht viel Sinn.

Es gibt fondsgebundene Verträge, bei denen man eine Vertragslaufzeit bis zum Endalter 85 oder sogar 100 wählen kann. Die Beitragszahlungsdauer kannst du frei wählen, z.B. nur bis Endalter 60. Bei solchen Verträgen könntest du dann im Alter regelmäßig oder auch unregelmäßig steuerfrei Kapital entnehmen und hättest trotzdem weiterhin eine steuerfreie Kapitalanlage. Die hinterlegten Fonds innerhalb dieser Fondspolicen kannst du gemäß deinem Risikoprofil wählen, oder du nimmst sofort eine Police, bei der die Sparanteile von einer aktiven Vermögensverwaltung gemanaged werden. Meines Erachtens ist es kein riesiger Vorteil, zumindest für die meisten Kunden, wenn der Kunde zwischen hunderten von Fonds aussuchen kann, weil die Vorteile dieser Vielfalt garnicht genutzt werden und die Fonds im Vertrag nie ausgetauscht werden.

Wie sinnvoll ist es, selbständig in verschiedene
Anlageprodukte zu investieren? In die meisten Fonds in die von
den Versicherungsunternehmen investiert wird, kann man ja auch
selbständig einzahlen. Wie viel Prozent der Rendite Streichen
die Un-ternehmen für sich ein?

Die Kosten bei Kapitalanlagen sind extrem unterschiedlich. Eine pauschale Aussage kann hier nicht getroffen werden. Bei Aktienfonds liegen die Ausgabeaufschläge zwischen 3-und 8% eventuell auch niedriger über Direktbanken oder Berater, die dir Rabatte gewähren. Zusätzlich kommen noch die Verwaltungskosten des jeweiligen Fonds hinzu. Bei einem Fondswechsel können die Ausgabeaufschläge, bei gleichzeitigem Wechsel der Fondsgesellschaft, nochmals anfallen.

Macht eine Dynamik von bspw. 5% bei den Beiträgen über die
gesamte Laufzeit Sinn?

Wenn du wirklich, wie ursprünglich gepostet, mit 50 Euro beginnen möchtest, würde ich eine Dynamik von höchstens 10% jährlich vorschlagen. Eine Erhöhung von 50 Euro in diesem Jahr auf 400 Euro in 2006 würde mit Sicherheit als Novation gewertet.
Die Dynamik kannst du übrigens jederzeit kündigen und sollte meiner Meinung nach maximal 2/3 der Zahlungsdauer laufen, weil jede Dynamik ein neuer Vertrag ist, der wiederum mit Kosten belastet wird, die bei kurzer Restlaufzeit nicht mehr reingeholt werden können.

Gruß
Medion

Viele Grüße

Ralf