Reopen-Gate-Syndrom [?]

Wer kennt die Bezeichnung (oder ähnlichlautend): Open-Gate-Syndrom, Reopen-Gate-Syndrom, oder „~-~-Comportment“ ?, oder wer hat eine Fundstelle dazu?
Könnte im weitergefassten Bereich von Kompensationsverhalten oder Kompensationshandlungen liegen.
Danke für jede Hilfe

evtl. noch 3 Worte zum Zusammenhang?
Das scheint mir eine wenig verbreitete Bezeichnung.
Kannst Du da noch irgendwas zu sagen?

Das scheint mir eine wenig verbreitete Bezeichnung.
Kannst Du da noch irgendwas zu sagen?

Hallo Bleifrosch,
vielen Dank für die Anwort. Ja, hier der Zusammenhang:
Vorab: Der Einfachheit halber, „Person“ hier nur für die sich so verhaltende Person.
Diese hat etwas sehr Widerwärtiges (in allgemein ethischer Wertung, selbst unabhängig von allen Moralen), etwas abgrundtief Perfides und Tückisches getan, Stellen einer Falle und Verrat eines Menschen, der ihr absolut und bedingungslos vertraute, wobei dieses Vertrauen Falle und Verrat erst möglich machte.
Danach verändert sie sich so sehr, dass niemand von ihren Bekannten sie mehr wiedererkennt; es ist eklatant auffällig, als ob sie ausgetauscht worden wäre. Sie beginnt z.B., zum ersten Mal überhaupt, ihre kleine kranke Schwester zu pflegen und sich um sie zu kümmern, dies aber mit einer Hingabe und Zuwendung, die nur als exzessiv bezeichnet werden kann und die in diametralem Gegensatz zu ihrer allen bekannten üblichen Art steht.
Zu diesem wirklich total herausfallendem Verhalten meine ich die Bezeichnung „Open-Gate-Syndrom“ mal gehört oder gelesen zu haben, und es wurde da auch so begründet, dass es sich dabei um einen Versuch handele, die durch die verloren gegangene Zugehörigkeit zur Menschheit (sic!) wiederzugewinnen und aus der als unerträglich empfundenen Isolation herauszukommen. Leider kann ich aber dazu oder einer ähnlichen Bezeichnung nichts mehr finden.
Viele Grüße
Boris (Heinrich Burow)

also in dem Zusammenhang ists mir noch gar nicht untergekommen.
Aber im englischsprachigen Raum wir im Zusammenhang mit Traumata gelegentlich von open gates gesprochen (i.S.v. Zugänglichkeit) und die Neuro-/Psychophysiologie kennt die Gate-controll-theory
(hat mit Schmerzwahrnehmung zu tun).

Klingt ein bißchen nach einer Begriffsdefinition, die sich net durchgesetzt hat. Evtl. deshalb nicht, weil „Wiedergutmachung“ Teil vieler verschiedener Störungsbilder sein kann und der Begriff open-gate-Syndrom (so wie Du ihn erläuterst) keine eigenständige Störung, sondern eher eine zugehörige Verhaltensbeschreibung bezeichnet. Es würde mich wundern, wenn eine 180 Grad-Drehung nach Ereignis X die einzige „Merkwürdigkeit“ im Verhalten dieser Person darstellt. Das gibt es natürlich auch (führt an dieser Stelle zu weit), aber „kümmerte siche erstmals um …“ klingt nicht danach.
In dem von Dir geschilderten Zusammenhang fallen mir da eher die Persönlichkeitsstörungen vor die Füße oder in Abhängigkeit von Alter, Dauer von Phase A und B, sonstigen Umständen etc. Störung des Sozialverhaltens/S. mit oppositonellem Trotzverhalten oder ähnliches ein.
Will sagen: ein solches Verhalten kann (muss nicht) Teil verschiedener Störungen sein und tritt zb. häufig bei Delinquenten auf. (Jürgen Bartsch hat zb. paradoxer Weise in Haft einen Ratgeber für Eltern zum Schutz vor Kindesmissbrauch verfasst).

Fazit: Open-Gate-Syndrom ist mir persönlich (in diesem Zusammenhang) unbekannt. Man müsste, bezogen auf die Person, wesentlich mehr erfahren, um etwas dazu sagen zu können. Interessiert es Dich rein theoretisch kannst du Google -zb. mit den Begriffen psych wiedergutmachung (und ggf. uni für die Erhöhung von Trefferquoten für wissenschaftliche Arbeiten)- füttern. Auch erwähnens- und lesenswert sind die Erkenntnisse über Familiendynamik und Probleme der Geschwisterkinder zb. bei an Krebs erkrankten Kindern.
(davon ausgegangen, dass es sich bei der genannten Erkrankung um eine schwerwiegendere handelt)
Interessiert es Dich auch rein praktisch ist es ein gelungener Zeitpunkt eine Therapie anzustreben. In Deinen kurzen Erläuterungen finden sich durchaus Anhaltspunkte, weshalb letzteres anzuraten wäre.

Ich hoffe, dass es irgendwie weiterhilft-
evtl. hat ja doch noch einer der Kollegen einen Einfall zum „open-gate-Syndrom“

Frosch

Hallo Frosch,
ganz vielen Dank für die Mühe und Ausführlichkeit; hat mir sehr geholfen, in mehrfacher Hinsicht, auch im zweiten Teil. Hoffe, dass ich mich mal revanchieren kann.
Grüße
Boris