Hallo
Wie viele Leute kennst du, bei denen du sicher weißt, dass
eins davon der Fall ist?
Sicher wissen ist etwas für Naturwissenschaftler. Als Jurist muss ich mich mit Indizien und mehr oder weniger stichhaltigen Beweisen begnügen. Und da wohl kaum Erzeuger offen zu Protokoll geben werden, dass sie für die regelmäßige Pilleneinnahme/die Anwendungen sonstiger Verhütungsmaßnahmen nicht die nötige geistige Kapazität besitzen, bzw. dass sie die lieben kleinen nur wegen der entsprechenden Mittel in die Welt gesetzt haben, ist hier mit „sicherem Wissen“ nichts.
Wenn wir aber mal von den Indizien und Beweisen sprechen, dann kann ich dir wirklich massenhaft Beispiele nennen: Angefangen von der Frau, die wir damals plötzlich mit 100% geistiger Behinderung in meine Zivistelle bekommen haben, die zuvor mit drei offenbar ähnlich ausgestatteten Kerlen drei Kinder in die Welt gesetzt hatte, die ihr vollkommen egal waren, die sie so vernachlässigt hatte, dass man sie ihr jedes Mal binnen kürzester Zeit wegnehmen musste, und die einer Adoption nur deshalb nicht zustimmen wollte, weil dann die aufregenden Besuchstage mit Taxifahrt über zig Kilometer in die Pampa weggefallen wären (wo sie ihre Kinder dann keines Blickes würdigte, sondern es sich bei den Pflegeeltern mit einer Schachtel Kippen vor dem Fernseher gemütlich machte). Weiter über jede Menge Kinder und Jugendliche mit denen ich zu Referendarzeiten in der Station bei der Staatsanwaltschaft zu tun hatte, deren Eltern es nicht mal für nötig hielten ihren Nachwuchs wenigstens zu den Verhandlungen zu begleiten (vermutlich, weil das Gericht und ich ihnen da mehr als dem Nachwuchs eingeschänkt hätten), und die keinerlei geeignete Reaktion auf zigfache Straftaten zeigten. Über die Gegnerin in einer Sorgerechtssache, die wochenlang ihre minderjährigen Kinder alleine ließ, wenn sie mal wieder einen neuen Schaustellergehilfen als „Freund“ hatte, mit dem sie dann von Jahrmarkt zu Jahrmarkt zog, und einem Wechsel des Sorgerechts erst auf massive Drohungen hin zustimmte, obwohl inzwischen zwei Kinder stationär bzw. ambulant psychatrisch betreut wurden, was nach diversen Gutachten eindeutig auf die Lebensumstände zurück zu führen ist.
Soll ich weiter berichten? Von unzähligen TV-Shows, die ich nur vom Wegzappen kenne, wenn ich mal drei Tage krankheitsbedingt im Bett liege und in der Hoffnung irgendetwas erträgliches zu finden dann beim wenig lustigen Väterraten lande? Davon, dass es schon auffällig ist, dass der Anteil der kinderreichen Familien gerade in der Gruppe der Leistungsempfänger eben deutlich höher als in allen anderen Verdienstgruppen ist? Nein, ich habe ganz sicher nichts gegen große Familien (stamme selbst aus einer für heutige Verhältnisse eher großen Familie mit drei Kindern und kenne einige Familien mit vier, fünf oder sogar bis zu sieben Kindern, in denen die Förderung aller Kinder sowohl wirtschaftlich wie auch emotional perfekt funktioniert). Nein, ich meine auch nicht, dass man vor dem Zeugungsakt eine Sicherheitsleistung zum Nachweis ausreichender wirtschaftlicher Verhältnisse bringen müsste. Und nein, ich wende mich ganz sicher nicht gegen das ein oder andere „Luxuskind“, das aus großer Liebe entstanden ist und dass Eltern mit Begeisterung „durchziehen“, obwohl es wirtschaftlich eigentlich nicht in die Lebensplanung passte, für das man aber gerne die ein oder andere Einschränkung in Kauf nimmt. Aber wir haben nun mal leider einen zunehmenden „Sozialhilfeadel“, der seit Generationen von Stütze lebt und dessen einzige berufliche Qualifikation es zu sein scheint Nachwuchs in die Welt zu setzen, der angesicht der familiären Umstände keine Chance hat, aus diesem selbst geschaffenen Teufelskreis heraus zu kommen (und dies nach ausreichend so zugebrachter Zeit vermutlich auch gar nicht will). Wohlgemerkt, es geht hier nicht um Familien, die unverschuldet in Not geraten, sondern um Menschen die kein Interesse an Schul- und Berufsausbildung haben, einen sauberen Arbeitsvertrag mit Sozialabgabenpflicht wie der Teufel das Weihwasser fürchten, aber ganz genau wissen, was jedes zusätzliche Kind beim Sozialamt „wert“ ist. Das muss ich jetzt nicht einer konkreten Familie auf den Kopf zusagen können, weil man dies immer erst kann, wenn man sich mit einem konkreten Fall näher beschäftigt hat, aber wenn man einige dieser Fälle kennt, erkennt man Muster und erkennt diese Muster auch wieder.
Gruß vom Wiz