Restaurierung von Fenstern

Liebe/-r Experte/-in,
ich möchte unsere Fenster (ich schätze 1970iger Jahre - DDR-Standard-Doppelfenster) noch ein Weilchen erhalten und verschönern und im einfachen Holz mit Leinölfirnis belassen. Dazu habe ich erstmal die alte weiße Farbe abgebrannt. Das ging einwandfrei. Jetzt möchte ich schleifen und es setzt mir das Schleifpapier sofort zu. Offenbar ist da eine Ölfarbe oder schon Leinöl drunter gewesen. Was kann/muss ich tun, damit ich diese Schicht auch noch runterkriege und das ganze gut schleifen kann?
Vielen Dank schonmal

Ina Hoyer

Hallo Ina,
das ist nicht so schwierig wie es erscheint.
Das „Abbrennen“ mit Heißluftfön ist der richtige Anfang. Der Rest ist (zumindest bei Ölfarbe) mit Natronlauge (gibts in der Apotheke als Granulat) ca. 100 Gramm auf ein Liter Wasser gut herunter zu bekommen.
Ganz wichtig ist allerdings säurefeste Handschuhe und alte Kleidung die verderben kann. Augen und freie Haut sind zu schützen. Beim ansetzen wird die Lauge heiss - ist normal. Die Lauge mit möglichst harter Naturborstenbürste - sinnvoll mit Stiel auf die zu behandelnde Fläche bringen und kräftig schruppen. Die Angelegenheit am besten im Freien verrichten wo die Farbsauerei rumtriefen kann, auch weil Dämpfe aufsteigen die arg in die Nase steigen. Deshalb ist es auch sinnvoll einen Mund/Nasenschutz zu tragen. Ob die Natronlauge gesundheitschädlich ist kann ich nicht beantworten. Aber umweltschädlich ist sie meines Wissens nicht. Die abtriefenden Reste wohl schon und sollten möglicht nicht in Abwässer geraten. Ab besten in eine alte Wanne o.ä. beim ablaugen stellen.
Nach diesem Vorgang das Material (im vorliegenden Fall die Fenster) mit reichlich Wasser nochmals den Laugenrest abbürsten.
Das ist die umweltfreundlichste und vom Erfolg die beste Methode die ich kenne. Die Oberfläche wird exelent. Keine Angst wegen dem „durchfeuchteten“ Holz. Nach dem Ablaugen schön frei zum Trocknen gestellt nimmt es keinen Schaden und es muß dann auch nicht viel geschliffen werden. Leichte Nacharbeit per Hand wird reichen.
Wenn das Holz getrocknet ist bietet sich, wie geplant Leinölfirnis zur Behandlung an. 1. Halböl = 50/50 Firnis/Terpentinöl oder Shellsol (satt einziehen lassen), 2. verdünnter Leinölfirnis (1 - 2mal dünn), evenuell 3. Leinöfirnis unverdünnt aber dünn aufgetragen. Läßt sich sehr einfach verarbeiten, allerdings die Endzündlichkeit des Firnis beachten!!! Innen ähnlich behandeln allerdings darauf achten das die innere Beschichtung einen höheren Dampfdiffuionswiderstand hat als außen!
Ach noch etwas; Die erste Schicht Farbe muß runter. Klappt das mal nicht mit dem H-Fön hilft hier auch die Natronlauge nicht. Anstatt Schleifpapier ist vielleicht abkratzen mit Ziehklinge o.ä. möglich, dann verfahren wie oben. Viel Erfolg und nicht von der Schweinrei beeindrucken lassen.
Alt Tipp: www.kremer-pigmente.com in Aichstetten hat preiswerte gute Produkte und hohe Fachkompetenz!
Noch Fragen? [email protected]

Liebe/-r Experte/-in,
ich möchte unsere Fenster (ich schätze 1970iger Jahre -
DDR-Standard-Doppelfenster) noch ein Weilchen erhalten und
verschönern und im einfachen Holz mit Leinölfirnis belassen.
Dazu habe ich erstmal die alte weiße Farbe abgebrannt. Das
ging einwandfrei. Jetzt möchte ich schleifen und es setzt mir
das Schleifpapier sofort zu. Offenbar ist da eine Ölfarbe oder
schon Leinöl drunter gewesen. Was kann/muss ich tun, damit ich
diese Schicht auch noch runterkriege und das ganze gut
schleifen kann?
Vielen Dank schonmal

Hallo Ina Hoyer,

vielen Dank für die Experten-Anfrage und das in mich gesetzte Vertrauen.

Dazu habe ich erstmal die alte weiße Farbe abgebrannt. Das ging einwandfrei.

Prima, dass das Gröbste schon einmal erledigt ist.

Jetzt möchte ich schleifen und es setzt mir das Schleifpapier sofort zu.

So ungefähr habe ich das auch schon erlebt:frowning:
Wenn du die erwärmte Farbe mittels Spachtel abgetragen hast, bleiben immer noch zähe und klebrige Rückstände auf dem Holz.
Versuche mal, diese Schicht weiterhin zu erwärmen und möglichst viel davon abzutragen.

Wenn nichts mehr vom Holz runter geht, dann nimm Schleifpapier. Aus der Ferne ist schwer zu sagen, welche Körnung die angemessene wäre. Ich denke jedoch, dass du mit +/- 180er anfangen solltest. Eher grob als fein.
Falls du eine Maschine verwendest, dann beginne mit 80er bis 120er Körnung.

Gerade beim Einsatz eines Schleifers passiert es gerne, dass das Papier verkleistert. Das liegt evtl. daran, dass du am Anfang zu feines Papier verwendest und/oder mit zuviel Druck arbeitest: Dadurch erwärmt sich die verbliebene Farbe und setzt das Papier ratzfatz zu …

Offenbar ist da eine Ölfarbe oder schon Leinöl drunter gewesen.

Falls sich auch das grobe Schleifpapier schnell zu setzt,
dann musst du diese Farbschicht eben auch abziehen.
Handelsübliche Abbeizer wären dazu auch noch eine Möglichkeit - oder Natronlauge (!Vorsicht - höchst gefährlich! Schutzkleidung, -handschuhe und -brille verwenden! Und Anwendungshinweise beachten!).

Ich denke aber, dass du schon mit grobenm Papier auf dem richtigen Weg bist. Damit trägst du auch genügend Holz ab, was durch evtl. verwendeten - und eingedrungenen - Firnis ohnehin unansehnlich fleckig geworden ist.

Grüße von
Thomas

P.S.: Rückmeldung erwünscht.

Guten Tag Frau Hoyer,
vorweg muss ich sagen, dass ich Ihnen mit Ihrer Frage nicht behilflich werde sein können. Ich bin Restauratorin von Schriftgut, also Büchern und dergleichen, und habe mit Ölen sowie Lacken selten etwas zu tun. Ein Möbel- oder Gemälderestaurator wird Ihnen sicher mehr Auskunft geben können.
Noch empfehlenswerter wäre allerdings einen Maler oder Lackierer anzuschreiben. Restauratoren bearbeiten ihre Objekte selten mit Schleifpapieren und Heißluft, sondern setzen eher auf alternative, schadensfreiere Methoden, die aber oft auch um einiges mehr an Arbeitsaufwand mit sich bringen. Man ist ja bestrebt soviel altes wie möglich zu erhalten und möglichst wenig Schaden zu verursachen.
Ich hoffe, meine Antwort hat Sie wenigstens ein bisschen weitergebracht und wünsche Ihnen noch viel Erfolg bei der Suche nach der passenden Antwort :smile:
Viele Grüße
Svenja Brandt

Ina Hoyer

Hallo,

vielen Dank für diese tolle, kompetente Antwort. Klingt sehr gut und ich werde mich gleichmal ranmachen!
Alles Gute

Ina

Trotzdem vielen Dank!
Ina Hoyer

Hallo Thomas,
vielen Dank für Deine Antwort! Das Problem ist, dass keine Farbschicht mehr drauf ist. Die ließ sich wirklich ganz Prima abziehen und das Holz ist schon fast wieder ansehnlich, aber eben nur fast… Jetzt denkt man eigentlich, dass der Schleifvorgang ein Kinderspiel wäre, aber Pustekuchen.
Ich habe auch von anderen „wer-weiß-was“ Mitgliedern Antworten bekommen und da war auch ein Tip mit der Natronlauge dabei. Das werde ich mal versuchen. Angeblich soll man dann kaum noch Schleifarbeit haben. Das wäre natürlich für die nicht ausbaubaren Rahmen sehr von Vorteil…
Ich werde mal sehen und meine Erfahrungen schrieben!
Viele Grüße
Ina

Hallo Ina,
ich habe noch etwas vergessen. Die Natronlauge kann gut mit einer Sprühflasche aufgebracht werden. Das ist nicht ganz so eine Sauerei (besonders bei den Rahmen die schließlich eingebaut sind) und auch sparsamer im Verbrauch.
Wegen dem Mischungsverhältnis experimentiere mal, fange mit 5o Gramm an. Wenn das nicht reicht kannst Du immer noch etwas hinzufügen - nur halt vorsichtig sein, ätzt halt.
Schönes WE

Wolfgang

Hallo Ina
Mit dem abbrennen hast du den ersten Fehler gemacht,
weil das Oel von der Ölfarbe ins Holz einzieht.
Ich würde weiss Vorstreichen und dann weiss matt
Lackieren ,auch weil weiss besser die Sonne reflektiert.
L.G.Wilfried Held
Ps.war in Urlaub bis heute