Hallo,
bin nicht sicher ob das jetzt ins Medizin- oder ins Psychologie-Board gehört …
Ich nehme seit zwei Jahren das trizyklische Antidepressivum Clomipramin. Nachdem neulich die Packung leer war, ohne dass ich vorher Nachschub besorgt hatte, dachte ich, ich schau mal, ob ich jetzt auch ohne zurecht komme, zumal die Symptome (Panikattacken) schwächer geworden sind.
Hat auch bisher sehr gut geklappt; z.B. konnte ich in der Uni einen Vortrag halten ohne eine Panikattacke zu bekommen.
Allerdings kann ich seitdem kein Autogenes Training mehr machen. Bisher habe ich es bevorzugt im Liegen (Rückenlage) im Bett durchgeführt, doch jetzt fängt es schon nach kurzer Zeit an allen möglichen Stellen an zu kribbeln und zu jucken, und ich kann die Beine nicht still halten. Wenn ich mich aber auf die Seite oder auf den Bauch lege, um einzuschlafen, ist es fast weg. Ich habe das Problem also vor allem wenn ich auf dem Rücken liege.
Aber auch z.B. wenn ich Zug oder bei jemandem im Auto mitfahre, habe ich Schwierigkeiten, mich zu entspannen und die Beine längere Zeit still zu halten. Ich muss dann ständig die Sitzposition ändern (mal das eine und mal das andere Bein überschlagen) oder wenn es ganz schlimm wird, mit den Füßen leicht auf den Boden klopfen.
Dabei handelt es sich nicht um Begleiterscheinungen des Ausschleichens, denn ich habe das Problem jetzt schon seit drei Wochen.
Da das autogene Training einen erheblichen Anteil am Erfolg bei der Verringerung meiner Panikattacken hat, möchte ich es eigentlich nicht missen.
Hat irgendjemand Tipps was ich tun kann?
Zum Arzt/Neurologe möchte ich erstmal nicht gehen, weil ich Angst habe, nicht ernst genommen zu werden (wie z.B. bei meinem Allgemeinarzt).
Danke und viele Grüße,
Nyx
Hallo Nyx,
Dabei handelt es sich nicht um Begleiterscheinungen des
Ausschleichens, denn ich habe das Problem jetzt schon seit
drei Wochen.
warum nicht? Unruhe gehört zu den häufigsten Nebenwirkungen und Absetzerscheinungen von Antidepressiva, insbesondere von denen mit einer deutlichen anticholinergischen Wirkkomponente, wie sie z.B. Clomipramin hat. Daß solche unerwünschten Wirkungen auch mal länger als 2 Wochen anhalten, halte ich nicht für abwegig.
Zum Arzt/Neurologe möchte ich erstmal nicht gehen, weil ich
Angst habe, nicht ernst genommen zu werden (wie z.B. bei
meinem Allgemeinarzt).
Daß Allgemein- / Hausärzte bei psychischen Störungen nicht die Ansprechpartner der ersten Wahl sind, ist allgemein bekannt. Ich würde Dir aber empfehlen, zu einem Psychiater, zu gehen. Bei einem Psychiater sollte die Chance größer sein, daß Du ernstgenommen wirst.
Beste Grüße
Oliver
Hallo Nyx, eine solche Nebenwirkung bzw. Entzugserscheinung habe ich
noch nie (ca. 20 Jahre Erfahrung) beim Absetzen von Antidepressiva
vom tricycl. Typ erlebt. Was natürlich nicht heißt, daß es nicht
trotzdem so ist wie du vermutest. Es könnte aber eine einfache
Symptomverschiebung sein. Ich würde dir raten, (als Vertreter der
Tiefenpsychologie oder Psychoanalyse), zu einem vernünftigen
Psychiater zu gehen und mit Ihm die Problematik zu besprechen.Da ein
Versuch mit einem Antidepressivum die Panikstörung ja nicht beseitigt
hat halte ich sowieso eine psychotherapie für angezeigt wenn der
Patient, also du, interessiert ist. Ob tiefenpsychologisch oder
verhaltenstherapeutisch hängt mehr vom interesse des patienten ab.
viel erfolg nashorn
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Hallo,
eine solche Nebenwirkung bzw. Entzugserscheinung
habe ich
noch nie (ca. 20 Jahre Erfahrung) beim Absetzen von
Antidepressiva
vom tricycl. Typ erlebt.
interessant. Medizinische und andere Quellen sprechen dagegen von Unruhe und von Parästhesien als häufigen Nebenwirkungen und Absetzerscheinungen von serotoninwiederaufnahmehemmenden Antidepressiva wie z.B. Clomipramin (z.B. Laux et al., Pharmakopsychiatrie; Ebert, Psychiatrie systematisch). Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen gibt z.B. an, daß 30-50% der Patienten, die nach langjähriger Einnahme von Antidepressiva wie z.B. Clomipramin diese Medikamente abrupt absetzen und damit unserer Fragestellerin entsprechen, solche Beschwerden aufweisen (Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen, Jahrbuch Sucht 2001).
Demgegenüber ist
Es könnte aber eine einfache Symptomverschiebung sein.
eher ein umstrittenes Konzept, so daß ich mich frage, inwieweit es uns hier weiterbringt.
Grüße
Oliver