Retrogr. Amnesie -> Endoskopie -> doch erinn

Hallo,

bei Endoskopien wie Magen- oder Darmspiegelung wurde bei mir immer Dormicum gespritzt, was eine retrograde Amnesie zur Folge hatte, was ja für die Untersuchung irgendwie auch seinen Sinn hatte.

Meine Frage nun:

inwieweit wird da die Erinnerung komplett ausgelöscht oder ist die Erinnerung nur nicht mehr verfügbar, abrufbar?

Inwieweit sind für das menschliche Unterbewusstsein die Empfindungen (Schmerz), Gehörtes, Gesagtes, Erlebtes trotz Dormicum NOCH DA, aber eben dem Bewusstsein nicht mehr zugänglich?

Denn DASS man unter Dormicum durchaus noch „da“ ist, sein muss, wie der Arzt sagte, ist darin begründet, dass man ja ansprechbar sein MUSS, um den Schlauch zu schlucken, wenn der Arzt dazu das „Kommando gibt“.

Also muss das in diesem Moment für den Patienten Erlebte irgendwo im Gehirn noch gespeichert sein, oder?

Können also - falls JA - diese nicht-erinnerbaren Erlebnisse in irgendeiner Weise die Psyche negativ beeinflussen (Stichwort Trauma)?

Holger

Hallo Holger,

aus dem, was Du schreibst, und aus der Wirkungsweise von Dormicum in Kombination mit den Erkenntnissen der modernen Gedächtnispsychologie und -biologie kann man schließen, daß sich unter Dormicum im Kurzzeitgedächtnis befindende Erlebensinhalte nicht im Langzeitgedächtnis abgespeichert werden und daher später nichts da ist, was abgerufen werden könnte. Dies betrifft das explizite Gedächtnis, im speziellen die Erinnerungen daran, was man „bewußt“ erlebt hat. Schmerzerfahrungen sowie allgemeiner Fertigkeitsaufbau, Priming-Effekte, assoziative und nicht-assoziative Lernerfahrungen werden jedoch „unbewußt“ im impliziten Gedächtnis abgespeichert. Die Erinnerungen an solche Effekte während der Medikation könnten deshalb später Dein Verhalten beeinflussen, ohne daß Du weißt, weshalb Du so handelst.

Dramatisch oder besorgniserregend ist das in den meisten Fällen nicht, denn solche Effekte gibt es ständig, also auch ohne Narkose. Unangenehm sind für die meisten Menschen die Lücken im expliziten Gedächtnis und nicht die Effekte impliziter Gedächtnisinhalte auf ihr Verhalten, von denen man auch ohne Narkose kaum etwas „bewußt“ mitbekommt.

Gruß,

Oliver Walter

Hallo Holger

Also muss das in diesem Moment für den Patienten Erlebte
irgendwo im Gehirn noch gespeichert sein, oder?

Ja, grundsätzlich schon. Aber es ist ja nicht mit einem Trauma vergleichbar, denn die ganze Geschichte verlief ja schon unter Beruhigung.

Können also - falls JA - diese nicht-erinnerbaren Erlebnisse
in irgendeiner Weise die Psyche negativ beeinflussen
(Stichwort Trauma)?

Nein, ich denke, nach menschlichem Ermessen dürfte es keine negativen Wirkungen/Folgen haben. Aber interessant ist die ganze Chose schon; hat mich auch schon beschäftigt, nachdem ich wegen einer Magenspiegelung unter Dormicum war.
Gruss, Banden

‚Amensie-Inhalte‘ Angstzustände?
Hallo,

danke für die ausführliche Antwort.
Ganz klar ist mir das nicht so ganz … kann ich das, was du eben beschrieben hast, als eine Erklärung (unter vielleicht vielnen) werten dafür, woher bei mir extreme Gefühle von Todesangst kommen und die Tatsache, dass ich horrende Angst vor noch so winzigen Schmerzen habe?

Ich habe in meinem Leben noch nie irgendetwas Schlimmes erlebt, weder an Krankheiten noch Unfällen, weder bei mir selbst noch bei anderen.
Trotzdem suche ich nach einer Ursache, warum ich immer meine, alles und jeder „will mir ans Leben“; bei jeder Untersuchung raste ich völlig aus und sei es nur eine Behandlung beim Zahnarzt oder das Blutabnehmen beim Hausarzt - eine Endoskopie oder gar eine OP kommt mir einem „elektrischen Stuhl“ gleich, um mal meine extremen Gefühle zu beschreiben (ja, Therapie mache ich seit Februar, bisher noch ohne nennenswerten Erfolg).

Also folgere ich, dass doch irgendwo in meinem Leben ein „Programm“ schief gelaufen sein muss, der Mensch etwas erlebt haben muss, was ihn zukünftig so heftig reagieren lässt.

Könnten also Schmerzerfahrungen, Angsterfahrungen während einer Endoskopie unter Dormicum da eine Rolle mit spielen (u.a.)?

Holger

Hallo Holger,

Ganz klar ist mir das nicht so ganz …

vielleicht können wir das klären.

kann ich das, was du
eben beschrieben hast, als eine Erklärung (unter vielleicht
vielnen) werten dafür, woher bei mir extreme Gefühle von
Todesangst kommen und die Tatsache, dass ich horrende Angst
vor noch so winzigen Schmerzen habe?

Nein, dafür ist das, was ich ausführte, nicht geeignet. Da ging´s mir um die Erklärung, wie die Amnesie zustande kommt und welche Bereiche des Gedächtnis sie betrifft. Das, was Du hier

bei jeder Untersuchung
raste ich völlig aus und sei es nur eine Behandlung beim
Zahnarzt oder das Blutabnehmen beim Hausarzt - eine Endoskopie
oder gar eine OP kommt mir einem „elektrischen Stuhl“ gleich,
um mal meine extremen Gefühle zu beschreiben

beschreibst, hat Ähnlichkeiten mit phobischen Symptomen. Ich habe gerade gestern meine Page zu diesen Störungen überarbeitet und bin dabei in der Literatur auf phobische Reaktionen bzgl. Ärzten und medizinischen Behandlungen / Eingriffen gestoßen. Sehr interessant. Aufgrund dessen, was Du schreibst, würde ich deshalb in dieser Richtung ´mal schauen (als eine erste Vermutung, versteht sich).

Ich habe in meinem Leben noch nie irgendetwas Schlimmes
erlebt, weder an Krankheiten noch Unfällen, weder bei mir
selbst noch bei anderen.

Mußt Du auch nicht. Neben eigenen unangenehmen Erfahrungen werden als Ursachen für solche Reaktionen, wie Du sie beschreibst, auch Modellernen (jemand beobachtet, wie andere auf so etwas reagieren und übernimmt das dann mehr oder weniger ungewollt) und die sehr starke gedankliche Einengung auf die negativen Aspekte der gefürchteten Situationen genannt.

Hier die Seite meines Webseiten-Projekts, auf der eine Reihe von Informationen über die Störung genannt werden, die ich momentan vor Augen habe:

http://people.freenet.de/oliverwalter/Psychologie/Ps…

Trotzdem suche ich nach einer Ursache, warum ich immer meine,
alles und jeder „will mir ans Leben“;

In jeder Situation? Nur beim Arzt? Oder was meinst Du mit „alles und jeder“?

Also folgere ich, dass doch irgendwo in meinem Leben ein
„Programm“ schief gelaufen sein muss, der Mensch etwas erlebt
haben muss, was ihn zukünftig so heftig reagieren lässt.

Nicht unbedingt. Siehe oben.

Könnten also Schmerzerfahrungen, Angsterfahrungen während
einer Endoskopie unter Dormicum da eine Rolle mit spielen
(u.a.)?

Ja, könnten sie. Aber diese Frage bezogen auf Deine konkreten Schwierigkeiten kann man nicht per Internet klären. Zur Beantwortung der Frage müßten wir (oder Du und ein anderer Arzt/Psychologe) längere Gespräche führen. Das ist eigentlich eine Sache, die schon längst in Deiner Therapie hätte geschehen müssen. Was machst Du für eine Therapie?

Gruß,

Oliver Walter

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Angstzustände
Hi Holger

zu deinen bisherigen Darstellungen hab ich noch ein paar Verständnisfragen:

Hab ich das richtig verstanden (aus deinem Hauptposting oben), daß du selbst jedenfalls die Vermutung hegst, daß deine (aktuell erlebten und aus dem Geschehen nicht erklärbaren) Todeängste auf tatsächlichen schmerzlichen und bedrohlichen Erlebnissen beruhen, die dir aus irgendwelchen unbekannten Gründen nicht mehr erinnerbar sind?.

Und daß du deshalb der Hypothese nachgehen möchtest, daß es sich um die (wegen des Wirkmechanismus der Narkotika nicht bewußt erinnerbaren) Schmerzen und Vorgänge bei einer Endoskopie handeln könnte?

Und weiter schreibst du:

Ich habe in meinem Leben noch nie irgendetwas Schlimmes
erlebt, weder an Krankheiten noch Unfällen …

Trotzdem suche ich nach einer Ursache, warum ich immer meine,
alles und jeder „will mir ans Leben“;

Hast du eine Idee, warum du schreibst " trotzdem"?
Müßte es nicht eher´" deswegen" heißen? …
Heißt das „trotzdem“, daß du deiner Erinnerung, daß dir „noch nie …“ vielleicht trotzdem nicht so ganz vertraust?

Und wenn du sagst:

eine Endoskopie oder gar eine OP kommt mir einem „elektrischen Stuhl“ gleich …

… dann waren doch bei dir immerhin Endoskopien und OPs notwendig. Dann gab es also doch nicht so ganz harmlose Krankheiten?

Therapie mache ich seit Februar

und wielange hat du bereits diese „extremen Gefühle“?

Würde mich über Antworten sehr freuen, egal ob hier oder auf anderem Wege.

Grüße

Metapher

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Todesangst -> Geburtserlebnisse ???
Hallo,

Hab ich das richtig verstanden (aus deinem Hauptposting oben),
daß du selbst jedenfalls die Vermutung hegst, daß deine
(aktuell erlebten und aus dem Geschehen nicht erklärbaren)
Todeängste auf tatsächlichen schmerzlichen und bedrohlichen
Erlebnissen beruhen, die dir aus irgendwelchen unbekannten
Gründen nicht mehr erinnerbar sind?.

Naja, das ist meine Schlussfolgerung. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass ich aus dem „Nichts“ solche Todesängste ohne jegliche konkrete Erfahrung haben sollte, macht für mich persönlich jedenfalls keinen Sinn. Es sei denn diese Todesängste „symbolisieren“ eine andere Thematik.

Und daß du deshalb der Hypothese nachgehen möchtest,
daß es sich um die (wegen des Wirkmechanismus der Narkotika
nicht bewußt erinnerbaren) Schmerzen und Vorgänge bei einer
Endoskopie handeln könnte

Ja, denn ich habe ja auch panische Angst vor noch so geringen Schmerzen. Und eine Endoskopie ist nunmal schmerzhaft, für mich die Hölle. Ich hab mal ohne Betäubungs- und Schlafmittel eine Enddarmspiegerlung nur über 15 cm mitgemacht … da war für mich persönlich an Schmerzen genug, obwohl der Internist meinte, das „könne doch noch gar nicht weh tun“. Um wieviel mehr tut dann eine Komplettspiegelung von Magen und dem gesamten Dickdarm!!! Man denke nur beim Magen an das Schlauchschlucken … hab es gottseidank unter Dormicum nie bewusst erlebt, aber ich möchte nicht wissen, was ich da bei Bewusstsein für Todesängste hinsichtlich Ersticken aufgrund des Schlauches wohl gehabt hätte, oder eben: HATTE, wenn es so ist, wie ich mir das als Laie vorstelle, nämlich dass man unter Dormicum zwar sich nicht mehr bewusst erinnern kann, aber der unter Dormicum für das Gehirn empfundene Schmerz, Todesangst, Angst zu Ersticken durchaus noch „gespeichert“ ist und nun unterschwellig sein Ding dazu tut, dass ich in allen möglichen Situationen Todesangst habe.
Interessanterweise hab ich mal dem Therapeuten bei einer „Phantasiebilderreise“ auf seine Frage gesagt, vor welcher Art zu Sterben ich am meisten Angst hätte, das Ersticken! Keine Luft mehr bekommen.

Und weiter schreibst du:

Ich habe in meinem Leben noch nie irgendetwas Schlimmes
erlebt, weder an Krankheiten noch Unfällen …

Trotzdem suche ich nach einer Ursache, warum ich immer meine,
alles und jeder „will mir ans Leben“;

Hast du eine Idee, warum du schreibst " trotzdem"?
Müßte es nicht eher´" deswegen" heißen? …

Puh, ist das nicht irgendwie dasselbe in diesem Fall?

Ich meine zumindest, WENN ich was Schlimmes erlebt hätte, dann wäre meine Todesangst für mich vor diesem Hintergrund zu verstehen und logisch, dass sie da ist.
Wenn aber keine so krassen Erfahrungen in meinem Leben vorliegen, dann - finde ich zumindest - ist es schon nicht mehr so logisch, dass diese Ängste so massiv da sind.
Ich meine halt, alles muss doch eine Ursache haben, es muss eine Aktion vorausgegangen sein, dass so eine Reaktion entstehen kann.
Ist natürlich nur meine persönliche Anschauung der Dinge, bin ja kein Psychologe oder Psychiater - weiß der Himmel, was es da zwischen Himmel und Erde noch für Theorien gibt. Lasse mich aber gerne von euch „aufklären“.

Heißt das „trotzdem“, daß du deiner Erinnerung, daß dir „noch
nie …“ vielleicht trotzdem nicht so ganz vertraust?

Das verstehe ich nicht. Wieso soll ich meinen Erinnerungen nicht vertrauen? Den bewussten auf jeden Fall, aber ich weiß ja - wie oben schon genannt - ich vertraue meinem Gehirn nicht ganz, DAHINGEHEND, ob das Gehirn unter Dormicum-Einwirkungen nicht DOCH „Todesängste“ abgespeichert hat (z.B. beim Schlauchschlucken), die ich bewusst nur nicht mehr abrufen kann, die aber unbewusst „wirken“.

Und wenn du sagst:

eine Endoskopie oder gar eine OP kommt mir einem „elektrischen Stuhl“ gleich …

… dann waren doch bei dir immerhin Endoskopien und OPs
notwendig. Dann gab es also doch nicht so ganz harmlose
Krankheiten?

Das sind zweierlei Paar Stiefel:
für mich kommen ALLE Untersuchungen einem „elektr. Stuhl“ gleich, egal wieso, weshalb, warum ich sie machen lassen muss. Meine Endoskopien mussten bisher gottseidank nur zur Abklärung relativ harmloser Dinge gemacht werden: Magenschleimhautentzündungen, mal war ein kleines Geschwürchen dabei, dass aber gutartig ist, „Erblast“ meiner Mutter sozusagen, stressbedingt, mal mussten Bauchschmerzen abgeklärt werden - da war aber nichts im Darm zu finden (und die Schmerzen waren weg :wink:).
Für mich ist JEDER Eingriff Horror, ich meine selbst beim Zahnarzt, ich könnte sterben, jede Spritze ist für mich Horror pur - um wieviel mehr dann eben OPs oder andere Eingriffe, das hat mit der Harmlosigkeit oder Nichtharmlosigkeit dahintersteckender Krankheiten erstmal GAR NICHTS für MICH zu tun.

Letzte Stunde sind wir i.d. Therapie auf eine interessante Idee dahingehend gestoßen: Thema Kontrolle!
Ich sollte in der Phantasie mit geschlossenen Augen diese Bilder, wo ich so Angst habe, nachempfinden und aussprechen, was ich fühle und ich hatte jedesmal dabei das Gefühl des „Kontrollverlustes“.
Und so ist es ja irgendwie auch: da schnippeln die Ärzte an einem rum, schieben einem Schläuche rein, malträtieren einen mit Nadeln … und man selbst liegt mehr oder weniger da wie ein Depp und kann nicht „abhauen“, wann man will (ein Grund übrigens, warum ich niemals in ein Flugzeug steige).

Aber ob DAS dann gleich TODES-Angst auslösen soll? Da ist mir die Reaktion („TODES…“) ein bisserl heftig … ABER ich REAGIERE nunmal so, ob ich will oder nicht - und in dieser Aktusituation kommt man NICHT mit dem Verstand an sich selbst ran!!! Das hat der gute Psychologe auch nicht gecheckt!!!

Und was mit dieser Angst die damit verbundene Panik vor Schmerzen jeder Art zu tun haben soll, weiß ich auch nicht. Meine Schmerzschwelle ist so extrem niedrig … keine Ahnung.

und wielange hat du bereits diese „extremen Gefühle“?

Seit ich ein Kind bin, soweit meine Erinnerung eben zurückreicht, glaube ich.
Ich hab mir schon überlegt, ob der Mensch Erinnerungen im Gehirn speichert, wie es ihm bei seiner eigenen Geburt gegangen ist und ob diese Erinnerungen lediglich nicht mehr bewusst abrufbar sind als Erwachsenem.
Denn meine Mutter erzählte mir, dass meine Geburt wohl insofern ein HOrror gewesen sein muss, weil sie nach 10 Stunden keine Kraft mehr hatte und ich quasi „halb drin, halb draußen“ war und nichts mehr voran ging und ich schon blau angelaufen sei, so dass man mich dann mit der Saugglocke holen musste. Da ich aber eh eine Frühgeburt war, musste ich erstmal nach meiner Geburt ein Vierteljahr auf der Intensivstation verbringen, das Blut wurde ausgetauscht, weil da wohl auch irgendwas nicht in Ordnung war.
Wenn ich mir jetzt vorstelle, es WÄRE möglich (ist es das???), dass der Mensch diese Ereignisse irgendwo abspeichert und nur nicht mehr abrufen kann, dann machen für mich die o.g. Dinge Sinn.
Denn man stelle sich nur mal vor, ein kleines Wesen kommt auf die Welt, oder besser: will auf die Welt, kommt nicht richtig raus aus dem Bauch, läuft blau an, „denkt“ zu ersticken - und wenig später wird es an zahlreiche Schläuche angeschlossen …

Wenn ich mir das als Erwachsener jetzt an mir vorstelle, könnte ich glatt abdrehen …

Wie ist das denn aus medizinisch-psychologischer Sicht mit Erlebnissen bei und um die Geburt herum?
Speichert das Hirn das ab?
Warum sollte das Hirn das eigentlich nicht speichern, wo es doch später auch alles abspeichert. Ist ja dann nur eine Frage, was erinnerbar, abrufbar ist und was nicht, oder?

Gruß,
Holger

Hallo Holger,

aus dem, was Du zu Deiner Geburt schreibst, fällt mir eine Möglichkeit ein, wie es zu Deinen Ängsten gekommen ist: Dein Wissen aus den Erzählungen Deiner Mutter, daß Du eine Frühgeburt mit Geburtskomplikationen warst, könnte bei Dir zu solchen Ängsten führen, weil Du ständig mit der „unbewußten“ Vorstellung durch die Welt läufst, daß bei Dir schon von Anfang an (Geburt) körperlich etwas schiefgelaufen ist (Frühgeburt), Ärzte eingegriffen haben, aber trotzdem Schwierigkeiten entstanden sind, gegen die niemand etwas machen konnte. Noch nicht einmal die Ärzte, die es eigentlich können sollten.

Deshalb folgende Fragen: Wann hast Du zum ersten Mal von diesen Geburtskomplikationen gehört und unter welchen Umständen? Wie hast Du diesen Bericht erlebt?

Zur Frage der direkten Erinnerungen an die Geburt:

Direkte Erinnerungen an die Geburt selbst mußt Du dafür nicht haben, daß Du jetzt solche Ängste hast. Solche Erinnerungen kannst Du auch nicht haben. Niemand kann solche Erinnerungen haben, weil die Hirnstrukturen, die für das Gedächtnis zuständig sind, das Du meinst, zum Zeitpunkt der Geburt (und erst recht einer Frühgeburt) noch nicht vollständig funktionsfähig sind und erst noch reifen müssen.

Daß Du Deine Ängste als unplausibel und irrational erlebst, ist nicht ungewöhnlich. Viele Menschen, die ähnliche Ängste wie Du haben, erleben das so. Es ist typisch und nicht untypisch. Du schreibst ja auch:

ABER ich REAGIERE nunmal so, ob ich will oder nicht - und in dieser
Aktusituation kommt man NICHT mit dem Verstand an sich selbst
ran!!!

Die Ängste, unter denen Du in den Situationen leidest, sind nicht rational und in den Situationen kommt man in der Tat nicht mit dem Verstand an sie ran. Aber vorher kann man etwas dagegen tun, damit man in der Situation etwas gegen sie unternehmen kann. Das kann man in einer Therapie lernen.

Der Vollständigkeit halber will ich es noch erwähnen: Es gibt in der Tat tiefenpsychologische Überlegungen dazu, daß die Geburt (auch eine ganz normale) als Urtrauma des Menschen den Boden für psychische Störungen bereitet. Solche Überlegungen verbindet man besonders mit der Theorie des Sekretärs von Sigmund Freud, der Otto Rank hieß. Diese Theorie ist aber selbst unter Tiefenpsychologen eine Minderheitsmeinung und aufgrund der Erkenntnisse über das Gehirn widerlegt. Freud und seine engsten Schüler (das sogenannte Geheimkomitee) haben Rank übrigens als psychisch krank abgestempelt, ihn zu einer Psychoanalyse gezwungen und schließlich rausgemobbt, weil Rank sich immer mehr auf die Geburtstrauma-Theorie versteifte und von der reinen Lehre Freuds entfernte.

Ich habe noch eine Frage: Wieso müssen bei Dir so viele medizinische Eingriffe gemacht werden? Bei mir z.B. ist das nicht der Fall. Bist Du krank oder fehlt Dir sonst etwas? Finden die Ärzte hin und wieder etwas?

Gruß,

Oliver Walter

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zu Geburtstrauma - Untersuchungen - kranke Psyche

aus dem, was Du zu Deiner Geburt schreibst, fällt mir eine
Möglichkeit ein, wie es zu Deinen Ängsten gekommen ist: Dein
Wissen aus den Erzählungen Deiner Mutter, daß Du eine
Frühgeburt mit Geburtskomplikationen warst, könnte bei Dir zu
solchen Ängsten führen, weil Du ständig mit der „unbewußten“
Vorstellung durch die Welt läufst, daß bei Dir schon von
Anfang an (Geburt) körperlich etwas schiefgelaufen ist
(Frühgeburt), Ärzte eingegriffen haben, aber trotzdem
Schwierigkeiten entstanden sind, gegen die niemand etwas
machen konnte. Noch nicht einmal die Ärzte, die es eigentlich
können sollten.

Das klingt in der Tat interessant.
Aber:
wenn da das Gehirn noch nicht richtit entwickelt war, kann es dann überhaupt sowas abspeichern oder vollständig abspeichern oder speichert das Gehirn - sag ich mal als Laie - aufgrund seiner Noch-Unvollständigkeit vielleicht sogar nur Zerrbilder ab, also nicht komplett?

Deshalb folgende Fragen: Wann hast Du zum ersten Mal von
diesen Geburtskomplikationen gehört und unter welchen
Umständen? Wie hast Du diesen Bericht erlebt?

Erzählt hat mir das meine Mutter als ich vielleicht mal irgend ein paar zwanzig war, keine Ahnung, war in einem Gespräch, wo es allgemein ums Kinderkriegen ging.
Wie ich das erlebt habe?
Schwer zu sagen, aber ich empfand es als total schlimm, wie wenn es noch ganz präsent wäre, so „echt“ - finde schwer Worte dafür.
Aber ich empfinde alles als total schlimm, wenn ich auch nur im Fernsehen in div. Dokumentationen was von schweren Geburten sehe oder höre oder einfach nur extreme Frühgeburten zu sehen, ist Wahnsinn …

Direkte Erinnerungen an die Geburt selbst mußt Du dafür nicht
haben, daß Du jetzt solche Ängste hast. Solche Erinnerungen
kannst Du auch nicht haben. Niemand kann solche Erinnerungen
haben, weil die Hirnstrukturen, die für das Gedächtnis
zuständig sind, das Du meinst, zum Zeitpunkt der Geburt (und
erst recht einer Frühgeburt) noch nicht vollständig
funktionsfähig sind und erst noch reifen müssen.

Siehe oben.
Aber ich als Laie unterscheide schon zwischen Dingen, die ich real erinnern, sprich abrufen kann und Dingen, die irgendwo verschüttet in den „Kellerregionen“ des Gehirns sind, die nicht mehr abrufbar sind.
Man stellt ja immer wieder in der Therapie fest, dass da unter gew. Umständen Dinge aus der Kindheit auf einmal zutage treten, die bisher gar nicht mehr abrufbar waren.
Kann es dann nicht sein, dass Geburtserlebnisse wohl nicht mehr erinnerbar (abrufbar) sind, wohl aber im Gehirn gespeichert sind?

So vage hab ich ja auch mal von VOR-geburtlichen „Erlebnissen“ gehört, die im Gehirn verbleiben sollen.
Stimmt das dann auch?
Da ist ja erst recht noch nichts recht in Sachen Gehirn entwickelt, oder?

Wann bildet sich überhaupt „das Gehirn“ beim Menschen, das Gehirn in einer Weise, das bereits „etwas speichern“ kann wie „Erinnerung“?

Die Ängste, unter denen Du in den Situationen leidest, sind
nicht rational und in den Situationen kommt man in der Tat
nicht mit dem Verstand an sie ran. Aber vorher kann man etwas
dagegen tun, damit man in der Situation etwas gegen sie
unternehmen kann. Das kann man in einer Therapie lernen.

Was für eine Art von Therapie würdest du da vorschlagen?

Deine Worte klingen nach Verhaltenstherapie, aber von der halte ich persönlich überhaupt nichts in meinem Fall, weil ich kein Interesse hab, an Symptomen rumzudoktorn, wo nach jahrelanger Analyse - für mich alleine mittels Literatur („Ich hasse dich, verlass mich nicht - die schwarz-weiße Welt der Borderline-Persönlichkeit“ und „Das Kind in uns“) und mittels Therapeut GENAU weiß, woran es krankt, und das sind durch die Bank schief gelaufene Programme, in der Kindheit erworben, die bis heute anhalten.
Daher macht es für mich überhaupt keinen Sinn, mir Trainingsprogramme anzueignen, die lediglich die Problematik verschieben, denn die Ursache an der Wurzel zu packen.
Die vielen „Baustellen“, die ich habe (Depression, SVV, psychosom. Beschwerden, Angst- und Panikattacken), münden bei mir nach der ganzen Analysiererei in Kindheitsprogrammen, und ich denke, so lange die nicht aufgelöst, angegangen werden, wird das immer wieder hochkommen, Trainingsprogramme für den Alltag hin oder her.

…tiefenpsychologische Überlegungen dazu, daß die
Geburt (auch eine ganz normale) als Urtrauma des Menschen den
Boden für psychische Störungen bereitet. … Diese Theorie ist aber
selbst unter Tiefenpsychologen eine Minderheitsmeinung und
aufgrund der Erkenntnisse über das Gehirn widerlegt.

Diese Erkenntnisse über das Gehirn würden mich sehr interessieren.
Was wären denn die?
Oder hast du eine gute Anlaufstelle im Web zum Nachlesen oder idealerweise Literatur FÜR DEN LAIEN dafür, also keine Lehrbücher für Fachleute, gespickt mit „Fachchinesisch“?

Ich habe noch eine Frage: Wieso müssen bei Dir so viele
medizinische Eingriffe gemacht werden? Bei mir z.B. ist das
nicht der Fall. Bist Du krank oder fehlt Dir sonst etwas?
Finden die Ärzte hin und wieder etwas?

Die Problematik ist seit meiner Kindheit schon da: früher nannten es die Eltern „eingebildete Krankheiten“, heute sagt das keiner mehr so deutlich. Inwieweit einiges tatsächlich „eingebildet“ ist, weiß ich nicht - heute sagt man ja wesentlich seriöser „psychosomatische Störungen“. Früher waren die diversen Befindlichkeitsstörungen (Magen- und Bauchschmerzen usw.) eine Art Hilferuf an die Eltern ("kümmer dich um mich!), weil meine Eltern kaum Zeit für mich hatten und wenn, dann gab es nur Druck, Leistungsdruck statt Spielen oder Entspannen).
Diese Thematik hat sich bis heute gehalten.
Ich glaube aber heute, dass diverse Beschwerden wie Magenschmerzen, Bauchschmerzen, Herzstechen, Atemnot, Zittern usw. wohl real vorhanden sind, aber Auslöser in vielen Fällen wohl die Psyche sein mag als wirklich körperliche Dinge.
Aber wenn man zum Internisten geht, klärt der halt erstmal alles Körperliche ab, daher die vielen Untersuchungen.
Und vorbelastet durch meine Mutter, hab ich halt überwiegend mit Magen/Darm zu tun, hatte zwei, dreimal schon ein kleines Magengeschwür, war aber immer gutartig (nein, kein Heliobacter!) und war immer rasch mit Tabletten beseitigt. Seit ca. 5 Jahren hab ich keines mehr gehabt. Aber wenn man über Wochen Schmerzen hat, macht der Internist halt am liebsten seine Spiegelungen - was mir persönlich dann auch recht ist, weil ich bis heute mir partout nicht vorstellen kann, dass die Psyche so irrsinnig stark auf den Körper wirken kann.

Derzeit kämpfe ich bspw. mit extremer körperlicher Schwäche und nächtlichen Schweißausbrüchen - bin aber nicht krank, Differentialblutbild ist vollkommen o.k., Ultraschall von allen Bauchorganen sowie Röngten von Herz und Lunge (da noch nie gemacht!), wird am Donnerstag gemacht, weil auch ein „Infekt“ dahinter stecken kann, der kein Fieber und and. Beschwerden macht - angeblich.

Allerdings, muss ich sagen, ist meine Psyche derzeit völlig am Ende, Depressionen werden immer stärker, seit 2, 3 Monaten SVV, und seit ich weiß, woran es krankt - endlich -, dank o.g. Literatur, die ich gelesen habe, weiß ich zumindest, dass „das Kind“ einen „Namen hat“ (Borderline) - mit Vorsicht zu genießen, ich weiß, der Hausarzt „tippt“ auch nur drauf, will diagnostisch freilich noch abgeklärt werden. Aber ich erfülle perfekt alle vom DRM-II festgelegten 8 Kriterien par excellance.

Wie auch immer man die Symptome nennen will, Fakt ist, dass ich psychisch ziemlich am Ende bin, kein Wunder also, dass der Körper da massiv rebelliert. Daher eben die vielen Untersuchungen.
Sie sind mir insofern ganz lieb, weil, was physisch abgeklärt ist, mir viel meiner Ängste nimmt, vor Krankheiten, vor dem Sterben, vor dem „Damokles-Schwert“, unter dem ich zu leben ständig das Gefühl habe.

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Hallo Holger,

wenn da das Gehirn noch nicht richtit entwickelt war, kann es
dann überhaupt sowas abspeichern oder vollständig abspeichern
oder speichert das Gehirn - sag ich mal als Laie - aufgrund
seiner Noch-Unvollständigkeit vielleicht sogar nur Zerrbilder
ab, also nicht komplett?

die Erzählungen Deiner Mutter über die Geburt fanden ja statt, als das Gehirn ausreichend weit entwickelt war, nämlich als Du über 20 Jahre alt warst. Diese Erzählungen stießen vermutlich auf „fruchtbaren“ Boden bei Dir, weil

ich alles als total schlimm [empfinde], wenn ich auch nur
im Fernsehen in div. Dokumentationen was von schweren Geburten
sehe oder höre oder einfach nur extreme Frühgeburten zu sehen,
ist Wahnsinn …

Hast Du schon immer solche Ängste gehabt oder wann traten sie zum ersten Mal auf?

Aber ich als Laie unterscheide schon zwischen Dingen, die ich
real erinnern, sprich abrufen kann und Dingen, die irgendwo
verschüttet in den „Kellerregionen“ des Gehirns sind, die
nicht mehr abrufbar sind.

Klar, und nicht nur Du. :smile:

Man stellt ja immer wieder in der Therapie fest, dass da unter
gew. Umständen Dinge aus der Kindheit auf einmal zutage
treten, die bisher gar nicht mehr abrufbar waren.

Das, was in solchen Therapien zutage gefördert wird, muß nicht wirklich passiert sein, oft ist es das auch nicht. Es gab schon Fälle, in denen z.B. „verschüttete“ Mißbrauchs"erinnerungen" zu tage gefördert wurden, die sich dann später aber als falsch herausstellten. Erinnerungen sind keine 1:1-Abbildungen vergangener Erlebnisse, sondern Konstruktionen unseres Gehirns, die mehr oder weniger mit dem, was einmal geschehen ist, übereinstimmen.

Kann es dann nicht sein, dass Geburtserlebnisse wohl nicht
mehr erinnerbar (abrufbar) sind,

Ich kann so sicher ausschließen, daß jemand Erinnerungen an seine Geburt hat, wie ich sicher bin, daß die Welt morgen nicht untergehen wird.

wohl aber im Gehirn gespeichert sind?
So vage hab ich ja auch mal von VOR-geburtlichen „Erlebnissen“
gehört, die im Gehirn verbleiben sollen.

Ja, so etwas wurde zumindest bei Ratten nachgewiesen. Ob es auch beim Menschen nachgewiesen wurde, weiß ich im Moment nicht. Ich weiß aber, daß solche Dinge bei neugeborenen Kindern im Alter von wenigen Stunden und Tagen NACH der Geburt nachgewiesen wurden. Das sind aber keine Erinnerungen, sondern andere Prozesse, die man Konditionierungen (leider jetzt doch Fachchinesisch) nennt. Die sind unbewußt und können lange wirksam sein.

Stimmt das dann auch?

An Konditionierungen aus der Zeit der Geburt oder davor kann man sich nicht erinnern. In der Sache bin ich mir wieder so sicher, wie ich mir sicher bin, daß die Welt morgen nicht untergehen wird.

Da ist ja erst recht noch nichts recht in Sachen Gehirn
entwickelt, oder?

Stimmt. Aber die Konditionierungen werden in anderen Hirnbereichen oder Körperbereichen abgespeichert als die bewußten Erlebnisse.

Wann bildet sich überhaupt „das Gehirn“ beim Menschen, das
Gehirn in einer Weise, das bereits „etwas speichern“ kann wie
„Erinnerung“?

Die bewußten Erlebnisse, die ein Mensch macht, können im Alter von ca. 8 bis 9 Monaten (andere Experten sagen sogar erst im Alter von 4 bis 5 Jahren) ins Langzeitgedächtnis überführt werden. Vorher können keine Erinnerungen gespeichert werden, weil die zuständige Hirnstruktur noch nicht ausreichend funktionsfähig ist.

Was für eine Art von Therapie würdest du da vorschlagen?

Es tut mir leid, daß ich diese Frage nicht beantworten kann, weil ich nicht genügend über Deine Beschwerden weiß. Per Internet würde ich das auch nicht tun.

Deine Worte klingen nach Verhaltenstherapie, aber von der
halte ich persönlich überhaupt nichts in meinem Fall,

O.k.

weil ich
kein Interesse hab, an Symptomen rumzudoktorn, wo nach
jahrelanger Analyse - für mich alleine mittels Literatur („Ich
hasse dich, verlass mich nicht - die schwarz-weiße Welt der
Borderline-Persönlichkeit“ und „Das Kind in uns“) und mittels
Therapeut GENAU weiß, woran es krankt,

Du weißt genau, woran es krankt? Deine Postings machen auf mich einen anderen Eindruck. Du scheinst mir ziemlich unsicher zu sein, was die Ursachen Deiner Probleme sind, weil Du so viele Fragen hast.

und das sind durch die
Bank schief gelaufene Programme, in der Kindheit erworben, die
bis heute anhalten.

Welche Programme sind bei Dir in der Kindheit schiefgelaufen?

Die vielen „Baustellen“, die ich habe (Depression, SVV,
psychosom. Beschwerden, Angst- und Panikattacken), münden bei
mir nach der ganzen Analysiererei in Kindheitsprogrammen,

Wer sagt das?

und ich denke, so lange die nicht aufgelöst, angegangen werden,
wird das immer wieder hochkommen,

Meinst Du damit, daß es unmöglich ist, daß es Dir vorher auch schon besser gehen kann? Wenn ja, woher weißt Du das? Du bist jetzt seit Monaten in einer Therapie und Du beschreibst Dich als am Ende. Wie viel Zeit, meinst Du, braucht es, bis die Kindheitsprogramme aufgelöst sind und es Dir ein bißchen besser geht?

Diese Erkenntnisse über das Gehirn würden mich sehr
interessieren.
Was wären denn die?

Daß die für das Gedächtnis bewußter Erlebnisse zuständigen Gehirnstrukturen erst im Alter von 8 bis 9 Monaten oder später vollständig funktionsfähig sind. Deshalb kann es keine „wahren“ Erinnerungen an Zeiten davor geben.

Die Problematik ist seit meiner Kindheit schon da: früher
nannten es die Eltern „eingebildete Krankheiten“,

Danke für die Antworten zu Deinen körperlichen Beschwerden. In der Tat kommt bei Dir ziemlich viel zusammen. Ich würde auch nicht von eingebildeten Krankheiten sprechen.

Aber wenn man
über Wochen Schmerzen hat, macht der Internist halt am
liebsten seine Spiegelungen - was mir persönlich dann auch
recht ist, weil ich bis heute mir partout nicht vorstellen
kann, dass die Psyche so irrsinnig stark auf den Körper wirken
kann.

Ja, es ist richtig, daß der Internist das abklärt. Was den Einfluß der Psyche auf den Körper angeht: Du hast geschrieben, daß Dir Fernsehdokumentationen Angst machen. Reagierst Du dann auch körperlich? Ich meine: erhöhter Herzschlag, Zittern, Schwitzen, Kurzatmigkeit, Atemnot oder so etwas?

Allerdings, muss ich sagen, ist meine Psyche derzeit völlig am
Ende, Depressionen werden immer stärker, seit 2, 3 Monaten
SVV, und seit ich weiß, woran es krankt - endlich -, dank o.g.
Literatur, die ich gelesen habe, weiß ich zumindest, dass „das
Kind“ einen „Namen hat“ (Borderline) - mit Vorsicht zu
genießen, ich weiß, der Hausarzt „tippt“ auch nur drauf, will
diagnostisch freilich noch abgeklärt werden. Aber ich erfülle
perfekt alle vom DRM-II festgelegten 8 Kriterien par
excellance.

Ich hätte nicht an Borderline gedacht. Scheint mir bis jetzt nicht einleuchtend. Wieso bist Du so relativ sicher, daß es Borderline ist?

Wie auch immer man die Symptome nennen will, Fakt ist, dass
ich psychisch ziemlich am Ende bin, kein Wunder also, dass der
Körper da massiv rebelliert.

Also kannst Du es Dir vorstellen, daß die Psyche einen so massiven Einfluß auf den Körper haben kann?

Sie sind mir insofern ganz lieb, weil, was physisch abgeklärt
ist, mir viel meiner Ängste nimmt, vor Krankheiten, vor dem
Sterben, vor dem „Damokles-Schwert“, unter dem ich zu leben
ständig das Gefühl habe.

Wie reagierst Du, wenn die Ärzte festgestellt haben, daß nichts Körperliches da ist, was die Beschwerden verursacht hat? Sagst Du Dir dann „O.k., dann wird es nichts Körperliches sein“? Oder läßt Du die gleichen Untersuchungen irgendwann noch einmal durchführen?

Beste Grüße,

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‚Geburtstrauma‘ und Ängste
Hallo,

wenn da das Gehirn noch nicht richtit entwickelt war, kann es
dann überhaupt sowas abspeichern oder vollständig abspeichern
oder speichert das Gehirn - sag ich mal als Laie - aufgrund
seiner Noch-Unvollständigkeit vielleicht sogar nur Zerrbilder
ab, also nicht komplett?

die Erzählungen Deiner Mutter über die Geburt fanden ja statt,
als das Gehirn ausreichend weit entwickelt war, nämlich als Du
über 20 Jahre alt warst. Diese Erzählungen stießen vermutlich
auf „fruchtbaren“ Boden bei Dir

Nein, ich meinte ob das Gehirn, das noch nicht vollständig entwickelt ist, bei der Geburt eines Kindes die Erlebnisse dort abzuspeichern in der Lage ist.

Hast Du schon immer solche Ängste gehabt oder wann traten sie
zum ersten Mal auf?

Diese Ängste hatte ich, so lange ich denken kann, auch als kleines Kind. Jetzt, als Erwachsener kann ich sie halt erst benennen und darüber nachdenken.

Man stellt ja immer wieder in der Therapie fest, dass da unter
gew. Umständen Dinge aus der Kindheit auf einmal zutage
treten, die bisher gar nicht mehr abrufbar waren.

Das, was in solchen Therapien zutage gefördert wird, muß nicht
wirklich passiert sein, oft ist es das auch nicht. Es gab
schon Fälle, in denen z.B. „verschüttete“
Mißbrauchs"erinnerungen" zu tage gefördert wurden, die sich
dann später aber als falsch herausstellten.

Nein, das meine ich nicht. Ich meine Dinge, die ein Therapeut allgemein anspricht, mir fällt jetzt kein passendes Beispiel ein. Angenommen er will wissen, wo ich als Kind unter der Strafe der Eltern gelitten habe. Da kann er ja nicht wissen, WAS passiert ist und OB. Aber mir fallen dann auf einmal Vorfälle ein, wo ich als Kind regelrechte „Strafrituale“ (nix Missbrauch) hab über mich ergehen lassen müssen. Oder mir fallen urplötzlich Ereignisse ein, die ich längst vergessen geglaubt habe, die aber TATSÄCHLICH passiert sind - das redet mir kein Therapeut ein. Denn mein Bruder bspw. hat ein absolutes Topgedächtnis und er bestätigt mir dann auch oft, dass das und das eben SCHON bei uns zuhause passiert ist, nur ich wusste es einfach nicht mehr.

Erinnerungen sind
keine 1:1-Abbildungen vergangener Erlebnisse, sondern
Konstruktionen unseres Gehirns, die mehr oder weniger mit dem,
was einmal geschehen ist, übereinstimmen.

Verstehe ich nicht ganz …
Das klingt, wie Träume, die das Gehirn aus Phantasie und Realitätsfetzen zusammenbastelt …?!?

Ja, so etwas wurde zumindest bei Ratten nachgewiesen.

Und wie bitte will der Mensch wissen, an was sich RATTEN bzgl. ihrer Geburt erinnern bzw. DASS sie das tun???

Ich weiß aber, daß solche Dinge bei neugeborenen
Kindern im Alter von wenigen Stunden und Tagen NACH der Geburt
nachgewiesen wurden. Das sind aber keine Erinnerungen, sondern
andere Prozesse, die man Konditionierungen (leider jetzt doch
Fachchinesisch) nennt. Die sind unbewußt und können lange
wirksam sein.

Klingt hochinteressant.
Was hat man denn da bei den Kindern nachgewiesen? NACH ihrer Geburt?
Wie stellt man um Himmels willen denn das fest - und vor allem WAS stellt man da fest?

Stimmt. Aber die Konditionierungen werden in anderen
Hirnbereichen oder Körperbereichen abgespeichert als die
bewußten Erlebnisse.

Und wie definierst du genau in diesem Zusammenhang „Konditionierungen“?

Die bewußten Erlebnisse, die ein Mensch macht, können im Alter
von ca. 8 bis 9 Monaten (andere Experten sagen sogar erst im
Alter von 4 bis 5 Jahren) ins Langzeitgedächtnis überführt
werden. Vorher können keine Erinnerungen gespeichert werden,
weil die zuständige Hirnstruktur noch nicht ausreichend
funktionsfähig ist.

Was aber dann doch der Theorie widerspricht, dass man „vor-“ oder „während“-geburtliche Erlebnisse „speichert“???

Du weißt genau, woran es krankt? Deine Postings machen auf
mich einen anderen Eindruck. Du scheinst mir ziemlich unsicher
zu sein, was die Ursachen Deiner Probleme sind, weil Du so
viele Fragen hast.

Das sind zweierlei paar Stiefel für mich. Ich WEISS genau, woran es krankt, sagt quasi „der gesunde Menschenverstand“, der eine Teil in mir.
Der andere Teil, ich sage mal, der „kranke Teil“ stellt die vielen Fragen. Hat was mit Kontrollbedürfnis zu tun. Stichwort: Urvertrauen nicht gelernt usw.
Außerdem behelfe ich mir durch viel fragen und viel nachlesen, um Ängste, die einfach aufgrund von UNWISSENHEIT - wenigstens die - aus der Welt zu schaffen, weil ich merke, dass ich vor vielen Dingen Panik habe, die rein auf Unwissenheit und falschen Vorstellungen, in die ich mich verrenne, beruhen. In diesem Fall gilt tatsächlich: Wissen ist Macht - oder anders ausgedrückt: Angst ist oft „nur“ ein Mangel an Information.

Welche Programme sind bei Dir in der Kindheit schiefgelaufen?

Lieber Himmel, das würde hier, glaube ich das Brett vollkommen sprengen. Ich sage einfach mal Stichwort „Identität“, „Selbst-sein“ nicht gelernt, Stichwort Co-Abhängigkeit, Stichwort Vertrauensunfähigkeit - erworben durch vermutlich elterliche Verhaltensweisen von Nicht-Kümmern, Nicht-Zeit-haben, Strafritualen, Strafe und Herabsetzung statt Lob, Druck statt Liebe, Liebesentzug statt Vertrauensaufbau. Darauf resultieren dann Minderwertigkeitsgefühle, mangelndes Identitätsbewusstsein, Selbstzerstörung, instabile Beziehungen, Depressionen …, was rede ich eigentlich lange, kurz gesagt: alle acht Kriterien und ihre Herleitung, die das DRM-II in Sachen Borderline vorgibt, treffen bei mir 1:1 zu.

Die vielen „Baustellen“, die ich habe (Depression, SVV,
psychosom. Beschwerden, Angst- und Panikattacken), münden bei
mir nach der ganzen Analysiererei in Kindheitsprogrammen,

Wer sagt das?

Ich :wink:)
Dadurch dass ich selbst mein bester „Beobachter“ bin, habe ich nach vielen Jahren endlich herausgefunden, dass kein Symptom bei mir einzeln gesehen und bearbeitet werden kann, weil alle aus EINEM Übel resultieren - siehe oben.

Meinst Du damit, daß es unmöglich ist, daß es Dir vorher auch
schon besser gehen kann?

Keine Ahnung, ich glaube nicht, ich sehe ja, dass nicht.
Man hat sogar versucht, mit Antidepressiva meinen Stimmungsschwankungen und Depressionen beizukommen - völlig ohne jegliche Besserung, obwohl ich vier versch. Wirkstoffe ausprobieren „durfte“.
Ich sehe das wie bei körperlichen Beschwerden, wenn jemand z.B. Magenschmerzen hat. Dem bringt es vielleicht vorübergehende Besserung, wenn überhaupt, wenn er jeden Tag sein Renny nimmt. Aber wenn kein Mensch das Magengeschwür, das dahintersteckt behandelt, wird derjenige langfristig nie Ruhe haben.

Du bist
jetzt seit Monaten in einer Therapie und Du beschreibst Dich
als am Ende. Wie viel Zeit, meinst Du, braucht es, bis die
Kindheitsprogramme aufgelöst sind und es Dir ein bißchen
besser geht?

Wenn ich das wüsste, bräuchte ich keine Therapie. Ich bin derzeit auf der Suche nach einem neuen Therapeuten, weil der jetzige keine Struktur in die Therapie bringt, es mutet an, ja, wie soll ich sagen, wie ein „netter Kaffeeklatsch“: wie war die Woche? Blablabla, so war die Woche. Stunde rum? Ach ja, auf Wiedersehen.
DAS bringts für mich nicht. Ich hab jetzt 4 Monate (= ca. 14 Sitzungen) so zugebracht, immer in der Hoffnung, dass sich doch was ändert, hab auch darauf hingewiesen, dass ich mehr „arbeiten“ möchte, mehr Struktur möchte - bisher ohne Erfolg.
Und wenn ein Psychologe mir noch sagt „gehen Sie doch mal mit dem Verstand ran“ (an die eine oder andere Problematik), dann, sorry, zweifle ich an seiner Kompetenz. Wenn ich in der Lage wäre, an meine Probleme mit dem Verstand rangehen zu können, dann bräuchte ich keinen Therapeuten, denn dann würde ich „es“ auch alleine schaffen.
Und wenn ich über psychosom. Beschwerden rede und immer nur höre „keine Ahnung, bin kein Arzt“ … na dann ist er eben nicht der Richtige für MICH.

Für mich heißt Therapie Arbeit, knallharte Arbeit, weil ich überzeugt bin, dass nur eine Arbeit zum Erfolg führt. Nett plaudern kann ich auch mit der Telefonseelsorge. Ich brauche Struktur, „Hausaufgaben“, dass ich das Gefühl habe, ich TUE AKTIV etwas und erzähle nicht mal schnell über die Woche und fertig.

Und für Arbeit (mit dazugehörigem Erfolg - in der Therapie) gehört für mich Aktion und Reaktion und vor allem der Dialog. „Nur reden“ kann ich notfalls mit der Hauskatze, die hört auch gut zu :wink:)

Ja, es ist richtig, daß der Internist das abklärt. Was den
Einfluß der Psyche auf den Körper angeht: Du hast geschrieben,
daß Dir Fernsehdokumentationen Angst machen. Reagierst Du dann
auch körperlich? Ich meine: erhöhter Herzschlag, Zittern,
Schwitzen, Kurzatmigkeit, Atemnot oder so etwas?

Bis es so extrem wird, hab ich nie weitergeguckt. Ich sehe mir prinzipiell nichts an was Krankenhausserien sind oder „blutige“ Dokus.
Kürzlich war was dran über ein Frühchen, das nur 2 Päckchen Butter leicht wog und voller Schläuche war … wie ich da reagiere?
Naja, man weint, das Herz rast, man hat ein unbestimmtes Gefühl von Angst vor weiß nicht was - Alpträume in der Nacht inbegriffen (nicht mehr erinnerbar im Detail).

Ich hätte nicht an Borderline gedacht. Scheint mir bis jetzt
nicht einleuchtend. Wieso bist Du so relativ sicher, daß es
Borderline ist?

Erstens Hausarzt hat drauf getippt, zweitens hab ich „Ich hasse dich, verlass mich nicht - die schwarz-weiße Welt der Borderline-Persönlichkeit“ gelesen, sehr sachlich geschrieben und dokumentiert die ganzen Borderline-Symptome und Auswirkungen perfekt, hat mir mein Therapeut zum Lesen empfohlen.
Dort sind acht Kriterien genannt, nach denen Borderline diagnostiziert wird (http://www.medicine-worldwide.net/krankheiten/psychi… - hier unter Symptome).

Also kannst Du es Dir vorstellen, daß die Psyche einen so
massiven Einfluß auf den Körper haben kann?

Schwer, weil ich mir die „Schnittstelle“ zwischen Seele/Psyche und Körper nicht recht vorstellen, definieren kann.

Wie reagierst Du, wenn die Ärzte festgestellt haben, daß
nichts Körperliches da ist, was die Beschwerden verursacht
hat? Sagst Du Dir dann „O.k., dann wird es nichts Körperliches
sein“? Oder läßt Du die gleichen Untersuchungen irgendwann
noch einmal durchführen?

Kommt drauf an. Meistens bessern sich die Beschwerden dann schlagartig. Dann lasse ich nichts weiter untersuchen. Bessern sie sich nicht, gehe ich oft noch zu einem anderen Arzt. Wenn der auch nichts feststellt, gebe ich erstmal „Ruhe“ und warte ab. Gibt ja immernoch Dinge, wo wirklich mal was ist.

Fragen über Fragen …
Holger

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Hallo Holger,

Nein, ich meinte ob das Gehirn, das noch nicht vollständig
entwickelt ist, bei der Geburt eines Kindes die Erlebnisse
dort abzuspeichern in der Lage ist.

nein, kann es nicht.

Diese Ängste hatte ich, so lange ich denken kann, auch als
kleines Kind. Jetzt, als Erwachsener kann ich sie halt erst
benennen und darüber nachdenken.

O.k., verstanden.

Aber mir fallen dann auf einmal
Vorfälle ein, wo ich als Kind regelrechte „Strafrituale“ (nix
Missbrauch) hab über mich ergehen lassen müssen. Oder mir
fallen urplötzlich Ereignisse ein, die ich längst vergessen
geglaubt habe, die aber TATSÄCHLICH passiert sind - das redet
mir kein Therapeut ein.

Therapeuten reden so etwas nicht ständig ein. Es ist aber so, daß Erinnerungen keine Garantie mit sich bringen, daß es wirklich so passiert ist, wie man es erinnert. Daß es aber doch einmal so passiert sein kann, ist auch richtig. Erinnerungen sind keine Beweise, sondern immer mit Unsicherheit behaftet. Das wollte ich sagen.

Denn mein Bruder bspw. hat ein
absolutes Topgedächtnis und er bestätigt mir dann auch oft,
dass das und das eben SCHON bei uns zuhause passiert ist, nur
ich wusste es einfach nicht mehr.

Wenn ein anderer die erinnerten Erlebnisse bestätigen kann, dann ist es gut.

Erinnerungen sind
keine 1:1-Abbildungen vergangener Erlebnisse, sondern
Konstruktionen unseres Gehirns, die mehr oder weniger mit dem,
was einmal geschehen ist, übereinstimmen.

Verstehe ich nicht ganz …
Das klingt, wie Träume, die das Gehirn aus Phantasie und
Realitätsfetzen zusammenbastelt …?!?

Ja, so ungefähr. Das Gehirn arbeitet an dem, was wir erleben, und verarbeitet das. Was man an Erlebnis vorne reinsteckt, kommt hinten als Erinnerung selten genau so raus, meistens etwas verändert, manchmal auch sehr verändert und manchmal kommt etwas raus, obwohl man vorne nichts reingesteckt hat. O.k.?

Ja, so etwas wurde zumindest bei Ratten nachgewiesen.

Und wie bitte will der Mensch wissen, an was sich RATTEN bzgl.
ihrer Geburt erinnern bzw. DASS sie das tun???

Nein, das sind keine Erinnerungen, wie Du sie meinst, sondern andere Prozesse. Man gibt z.B. Ratten im Körper der Mutter einen Stoff A, auf den sie eigentlich nicht reagieren (das weiß man), zusammen mit einer Substanz B, die sie nicht mögen (das weiß man auch), und guckt dann, ob sie nach der Geburt diesen Stoff A nicht mögen, weil er zusammen mit der Substanz B gegeben wurde. Und siehe da: Die Rattenbabys mögen jetzt Stoff A nicht. Sie hatten sozusagen ein belastendes Erlebnis, aufgrund dessen sie Stoff A nicht mögen.

Was hat man denn da bei den Kindern nachgewiesen?

So etwas ähnliches wie das hier z.B.: Säüglinge werden gepiekst und es wird ein Ton (ein Geräusch) angeschlagen. Daraufhin weinen die Kinder. Wenn man später den Ton anschlägt, weinen die Kinder auch, obwohl sie nicht gepiekst wurden. Die Kinder können sich gar nicht daran erinnern, daß sie jemals gepiekst wurden, aber wenn sie den Ton hören, dann müssen sie immer weinen und gehen als Erwachsene zum Therapeuten. Sie fragen, woher das kommt und sind ganz verzweifelt und denken, daß das am Unbewußten liegt und das da doch Erinnerungen sein müßten, aber da sind keine.

NACH ihrer Geburt?

Ja.

Und wie definierst du genau in diesem Zusammenhang
„Konditionierungen“?

So ähnlich wie mit den Kindern im Beispiel oben.

Was aber dann doch der Theorie widerspricht, dass man „vor-“
oder „während“-geburtliche Erlebnisse „speichert“???

Nein. Es gibt 2 Speicher:

a) einen für bewußte Erlebnisse (erst ab 8 - 9 Monaten)
b) einen für unbewußte Konditionieren (ab ungefähr der Geburt).

Weil Speicher a) erst ab 8-9 Monaten funktionsfähig ist, kann man sich nicht erinnern. Aber weil Speicher b) ab Geburt die Konditionierungen aufnehmen kann, können Dinge, die ab Geburt passiert sind, lange Auswirkungen haben.

Das sind zweierlei paar Stiefel für mich. Ich WEISS genau,
woran es krankt, sagt quasi „der gesunde Menschenverstand“,
der eine Teil in mir.

O.k.

Der andere Teil, ich sage mal, der „kranke Teil“ stellt die
vielen Fragen. Hat was mit Kontrollbedürfnis zu tun.
Stichwort: Urvertrauen nicht gelernt usw.

O.k.

Außerdem behelfe ich mir durch viel fragen und viel nachlesen,
um Ängste, die einfach aufgrund von UNWISSENHEIT - wenigstens
die - aus der Welt zu schaffen, weil ich merke, dass ich vor
vielen Dingen Panik habe, die rein auf Unwissenheit und
falschen Vorstellungen, in die ich mich verrenne, beruhen.

Hmm. Es könnte also u.U. auch passieren, daß Du später einmal sagst, daß das, was Du jetzt denkst, nicht das richtige war?

Angst ist oft „nur“ ein Mangel an Information.

Manchmal schon.

Ich sehe das wie bei körperlichen Beschwerden, wenn jemand
z.B. Magenschmerzen hat. Dem bringt es vielleicht
vorübergehende Besserung, wenn überhaupt, wenn er jeden Tag
sein Renny nimmt. Aber wenn kein Mensch das Magengeschwür, das
dahintersteckt behandelt, wird derjenige langfristig nie Ruhe
haben.

Diese Vorstellung kann man nicht auf psychische Beschwerden 1:1 übertragen.

Ich bin
derzeit auf der Suche nach einem neuen Therapeuten, weil der
jetzige keine Struktur in die Therapie bringt, es mutet an,
ja, wie soll ich sagen, wie ein „netter Kaffeeklatsch“: wie
war die Woche? Blablabla, so war die Woche. Stunde rum? Ach
ja, auf Wiedersehen.
DAS bringts für mich nicht.

O.k. Das sehe ich ein und wünsche Dir viel Erfolg bei der Suche.

Und wenn ich über psychosom. Beschwerden rede und immer nur
höre „keine Ahnung, bin kein Arzt“ … na dann ist er eben
nicht der Richtige für MICH.

O.k., aber Du meinst ja, Borderline zu haben.

Für mich heißt Therapie Arbeit, knallharte Arbeit, weil ich
überzeugt bin, dass nur eine Arbeit zum Erfolg führt. Nett
plaudern kann ich auch mit der Telefonseelsorge. Ich brauche
Struktur, „Hausaufgaben“, dass ich das Gefühl habe, ich TUE
AKTIV etwas und erzähle nicht mal schnell über die Woche und
fertig.

Diese Einstellung ist mir sehr sympatisch. Nur weiter so.

Kürzlich war was dran über ein Frühchen, das nur 2 Päckchen
Butter leicht wog und voller Schläuche war … wie ich da
reagiere?
Naja, man weint, das Herz rast, man hat ein unbestimmtes
Gefühl von Angst vor weiß nicht was - Alpträume in der Nacht
inbegriffen (nicht mehr erinnerbar im Detail).

Daran siehst Du doch, daß die Psyche massive Auswirkungen auf den Körper hat: Du siehst etwas und Dein Körper reagiert u.a. mit Herzrasen.

Erstens Hausarzt hat drauf getippt, zweitens hab ich „Ich
hasse dich, verlass mich nicht - die schwarz-weiße Welt der
Borderline-Persönlichkeit“ gelesen, sehr sachlich geschrieben
und dokumentiert die ganzen Borderline-Symptome und
Auswirkungen perfekt, hat mir mein Therapeut zum Lesen
empfohlen.

Wenn Dir jemand nun ein anderes Buch geben würde und das hört sich auch plausibel an und trifft auf Dich zu, was da drin steht, was machst Du dann?

Dort sind acht Kriterien genannt, nach denen Borderline
diagnostiziert wird (http://www.medicine-worldwide.net/krankheiten/psychi…

  • hier unter Symptome).

Danke :smile:

Also kannst Du es Dir vorstellen, daß die Psyche einen so
massiven Einfluß auf den Körper haben kann?

Schwer, weil ich mir die „Schnittstelle“ zwischen Seele/Psyche
und Körper nicht recht vorstellen, definieren kann.

Guter Punkt. Spricht nämlich gegen die Existenz der Seele als etwas vom Körper losgelöstes Eigenes. Das ist aber ein anderes Thema.

Danke für die Antworten.

Gruß,

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