Hallo Christian,
zum Thema Alter wurde ja schon vieles geschrieben. Eine kleine Ergänzung aus der Praxis. Ich habe bislang in 5 Rettungsassistentenklassen (auch Teilzeit nach §8.2 RettAssG sowie Regelunterricht Vollzeit) unterrichtet, und in jeder Klasse waren ein paar „alte Säcke“ mit mind. 28 Jahren bzw. z.T. auch mehr.
Wenn du keinen Praktikumsplatz findest, dann liegt das garantiert nicht am Alter, denn gerade abgrebrochene Studenten
sind eigentlich eine Bereicherung für den Beruf, im Gegensatz zu manch anderen Tieffliegern die sich hier tummeln.
Ich bedanke mich bereits jetzt, die Antworten wären wirklich
hilfreich für meine Zukunfsplanung.
Zu diesem Aspekt möchte ich dir persönliche Gedanken und Erfahrungen mit auf den Weg geben. Ich weiß natürlich nicht warum du abgebrochen hast, aber das tut evtl. gar nichts zur Sache.
Wenn du dich nun als beruflich RettAss tätig betätigst bedenke folgendes: du wirst in diesem Job täglich mit Ärzten zu tun haben. Evtl. sogar mit Ärzten mit denen du gemeinsam studiert hast, und du als RettAss wirst ewig nur der Zuarbeiter für deine ehemaligen Studienkollegen sein. Sie kassieren die Kohle und du hilfst ihnen dabei. Und ständig wirst du vor Augen haben, dass auch du an ihrer Stelle hättest stehen können.
Aus meiner persönlichen und aus der Erfahrung eines Freundes heraus, wage ich zu behaupten, dass du auf Dauer in diesem Job nicht glücklich wirst. Nicht wenn du weißt, dass für dich mehr drin gewesen wäre/drin ist.
Auch ich musste mein Medizinstudium abbrechen, konnte aber bereits während des Studiums meine RettAss-Anerkennung bekommen. Danach war ich ein gutes Jahr als RettAss in einer großen RLSt, im Anschluss knappe drei Jahre bei einer Kassenärztlichen Vereinigung als Sachbearbeiter im Bereich Notfalldienste/ärztlicher Bereitschaftsdienst.
Insgesamt 4 Jahre nach meinem mehr oder weniger unrühmlichen Studienabbruch (mit 28 Jahren
entschied ich mich einen komplett anderen Weg zu gehen: ich studierte Berufsschullehramt für soziale und Gesundheitsberufe. So war mein bislang erworbenes Wissen nicht komplett unnütz.Die RettAss-Qualifikation half mir, mich während des Studiums über Wasser zu halten in Form eines Minijobs und diverser Teilzeit- und befristeter Verträge.
Nun begegne ich auch meinen ehemaligen Kommilitonen mittlerweile wieder auf Augenhöhe.
Der Freund von dem ich sprach ging den anderen Weg. Er nterrichte einige Zeit an einer RettAss-Schule, machte dann eine Krankenpflegeausbildung, danach die Fortbildung zur Fachkraft für Anästhesie/Intensivpflege. Auch das taugte ihm nach einiger Zeit nicht mehr, so ging er in ein Spital in die Schweiz. (Auf Kosten von Ehe und Familie nebenbei bemerkt!) Dort haben Anästhesiepfleger wesentlich mehr Befugnisse als hierzulande, sie sind dort wohl eine Art NA-Ersatz in Verbindung mit der RattAss-Qualifkation (sh auch hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Rettungsfachpersonal#Sc…)
Nach einiger Zeit musste er feststellen, dass er dem Arztberuf nun näher ist als je zuvor und dennoch nie Arzt werden wird und immer einen Arzt als „Vorgesetzten“ habe wird!
Aber nun kommt er um so schwerer aus der Nummer wieder raus, mit Anfang 40 und der Unterhaltsverpflichtung für seine Kinder.
Lange Rede kurzer Sinn. Überlege dir dreimal (oder öfter) ob du mit solchen Erfahrungen leben könntest und überlege dir ob es evtl. Alternativen gibt, zB ein Studium zum Rescue Engineer oder zum Emergency Practicioner. Der RettAss wäre zunächst der einfachere Weg, aber ob es auch der bessere ist…?
Bei Fragen kannst du mir auch gerne eine PM schicken 
Gruß
Wawi