Varianten und Beispiele
Hi, Mike,
ja, da gibt es noch zahlreiche sinnvolle Unterscheidungen von Unterarten des Plural auctoris. Ich wollte es aber nur bei ggf. vorhandenem Interesse weiter ausführen.
Gerade das Mutter/Kind-Beispiel hat viele interessante Varianten:
„Wollen wir mal das Zimmer aufräumen?“
„Nun wollen wir mal das Zimmer aufräumen.“
Natürlich fällt das alles unter den Autorenplural. Aber es sind sehr feine Nuancen darin, die je unterschiedliche Signale senden. Ich habe dafür folgende Beipiele (allerdings müssen sie nicht immer notwendig in der „schärfsten“ Form gemeint sein, sie können auch durchaus ein lockeres und einvernehmliches Sprachspiel sein):
Einmal:
„Wir ziehen uns jetzt die Schuhe an!“
Übersetzt: „gehorche jetzt endlich!“
„Ziehen wir uns jetzt die Schuhe an!?“
Übersetzt: „wehe, wenn du jetzt immer noch nicht gehorchst!“
Wobei es darauf ankommt, welchen „Sound“ die Ausrufezeichen codieren.
Einen noch stärkeren Eingriff können diese Varianten bedeuten:
„Wir wollen uns jetzt die Schuhe anziehen“ v.s.
"Wollen wir uns jetzt die Schuhe anziehen?
mit der jeweils selben Übersetzung. Nur wird hier nicht nur auf die Handlungsweise des K. dominierend übergegriffen, sondern sogar auf seine eigene Willensentwicklung.
Generell hat dieser Plural folgende Varianten:
- Einvernahme zwischen dem Ich des Redners und dem oder den anderen
- Abgrenzung zwischen Redner und Zuhörer
Die Einvernahme wiederum hat zwei Valenzen:
1.1. ICH übernimmt die Souveränität, indem es die Zustimmung der anderen vorunterstellt und sie sich damit unterordnet.
Das ist die sog. „dominante“ Form
(hier trifft dein Pfarrer-Beispiel zu)
1.2 ICH überläßt (oder übergibt) die Souveränität den anderen und ordnet sich ihnen ein. ICH ist bekundet Bereitschaft zur (An)Teilnahme.
Das ist die sog. „submissive“ Form.
Letzteres wird auch manchmal als pluralis modestiae, Plural der Bescheidenheit oder der Demut, bezeichnet:
„Was machen wir jetzt?“
„Wollen wir jetzt mal die Pizza bestellen?“
„Wie geht es uns heute?“
Wobei Letzteres ebenso die Konnotation „1. Abgrenzubng/Dominanz“ haben kann („Ich bin die Krankenschwester und hab hier das Sagen!“)
Beispiele für „Abgrenzung“:
„Bleiben wir doch mal fair!“
= „Ihr seid unfair! Aber ich nicht!“
Sie finden sich zahlreich in politischen Disputen:
„Manchen wir doch mal folgendeÜberlegung …“
= „Ich bin clever und ihr sollt einsehen, daß ihr dumm seid“
Gruß
Metapher