Richtig sprechen lernen!?

Hallo!

1.) Ich rede sehr oft sehr schnell und verhaspele mich dadurch.
Langsam zu sprechen fällt mir echt schwer.

2.) In Stresssituationen verhaspele ich mich auch.

3.) Ich finde sehr oft nicht die richtigen Wörter.

4.) Ich verwechsele häufig Buchstaben („Kentucky schreit ficken“).

5.) Unerwartete Gespräche, meist verbale Angriffe kann ich nicht
richtig gut kontern!

Wie kann ich diese Dinge abstellen!

Bitte um eure Hilfe.

Vielen Dank im Voraus.

Gruß

Hallo Jerry

Es ist wie mit allen Dingen, die man lernen muss: Von heute auf
morgen kann man nicht viel erreichen. (Rom wurde nicht an einem Tag
erbaut. Uebung macht den Meister. Es ist noch kein Meister vom Himmel
gefallen.) D.h. wenn du versuchst, langsamer zu sprechen und es
klappt nicht sofort, dann darfst du nicht gleich verzweifeln. Stecke
dir nicht das Ziel: „So, ab morgen spreche ich fehlerfrei!“, sondern
stecke dir das Ziel: „So, in einem halben Jahr spreche ich besser!“
Und dann gehe ganz gelassen aber zielstrebig an die Sache heran.
Versuche nicht, alle Maengel auf einmal zu beheben, sondern arbeite
sie systematisch ab:

  1. Schritt: Nur langsamer sprechen. Versprecher,
    Wortfindungsstoerungen u.s.w. interessieren dich in dieser Phase
    nicht. Lasse sie einfach geschehen. Ihnen widmest du dich, wenn du
    Schritt eins beherrschst.
    Bitte andere, dich zu bremsen, wenn du dich wieder ueberschlaegst.
    Denke immer daran l a n g s a m z u s p r e c h e n. Bis es dir zur
    Gewohnheit geworden ist.
    Dann, nach vielleicht 2 Wochen, kommt Schritt 2: Die richtigen
    Woerter finden. Wie du das machst, weiss ich leider auch nicht.
    Vielleicht erledigt sich das Problem allein mit dem langsamer werden.

Schritt 3: Schlagfertigkeit. Woher du die nehmen sollst, weiss ich
ebenfalls nicht. Es ist dies ja eine Frage der Fantasie,
Assoziationsfaehigkeit und Schnelligkeit im Denken. Keine Ahnung, wie
man das trainiert. Brainjogging-Uebungen helfen vielleicht.

Aber andere haben vielleicht auch noch Tipps.

Gruss, Tychi

Hallo Jerry,

ich denke die Antwort von Tychi müsste dir ganz gut weiterhelfen, möchte dem nur noch einen kleinen Erfahrungsbericht von mir hinzufügen.

Ich mach das auch manchmal, dass ich sehr schnell spreche, ich mich dadurch verhasple und keiner mehr versteht, was ich sagen will. Das hat bei mir (soweit ich mich beobachtet habe) zwei unterschiedliche Gründe: Entweder ich hab Angst, dass das was ich zu erzählen habe keinen interessiert. Ich wills aber loswerden drum mach ich das in einer möglichst schnellen Kurzfassung, damit ich mein Gegenüber nicht länger als unbedingt nötig langweile. Dieser erste Grund tritt bei mir aber kaum noch auf. Hängt wohl mit einem verbesserten selbstbewusstsein zusammen. Der zweite Grund (und den hab ich noch nicht so ganz unter Kontrolle) ist der, wenn ich von einem Thema sehr begeistert bin, oder mich sehr in meine Argumentation hineinsteigere. Wenn ich mich über etwas total freue, oder ärgere.

Wenn ich dann mal wieder vor lauter Schnelligkeit über ein Wort stolpere (spätestens dann merke ich, dass ich zu schnell rede) muss ich meistens über mich selbst lachen, und sag dann „Halt stop, nicht so schnell“ Also ich denk mir das nicht nur, sondern sag das wirklich laut, dass es mein Gesprächspartner auch mitbekommt. Der muss dann meist auch nur schmunzeln, und es ist dabei gar nichts großartig peinliches.

Hoffe ich konnte dir auch ein klein wenig helfen.

Gruß
Michaela

aus der antike
im alten rom hat man in solchen fällen u.a. empfohlen, mit kleinen steinchen im mund zu sprechen - einfach weil man sich dabei auf die zungen- und mundbewegungen konzentrieren muß.

im alten rom hat man in solchen fällen u.a. empfohlen, mit
kleinen steinchen im mund zu sprechen - einfach weil man sich
dabei auf die zungen- und mundbewegungen konzentrieren muß.

Die Geschichte kommt zwar tatsächlich aus der Antike, aber aus Griechenland. Ein Mann namens Demosthenes war in seiner Kindheit und Jugend schüchtern und stotterte. Um das zu überwinden, ist er ans Meer gegangen, hat Kieselsteine in den Mund genommen und trainiert, sich sprechend gegen die Brandung durchzusetzen. Er wurde der berühmteste Redner Griechenlands.
Grüße
oranier

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Nun, Oranier,

es könnte doch sein, dass römischer Rhethoriklehrer, die diese Anekdote sicher kannten, diese Methode empfohlen haben, oder?

Gruß Fritz

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es könnte doch sein, dass römischer Rhethoriklehrer, die diese
Anekdote sicher kannten, diese Methode empfohlen haben, oder?

Hallo Fritz,
Das ist sogar sehr wahrscheinlich, da die Römer nach der Eroberung Griechenlands sich kulturell sozusagen gäzisiert haben, also die überlegene griechische Kultur adaptiert haben und die römischen Rhetorik- und andere Lehrer sich aus griechischen Sklaven rekrutierten. Ich hätte also genauer schreiben sollen: „…ursprünglich aus Griechenland“.

Grüße
Oranier

Hi,

ich würde diese von Dir als verschiedene Punkte aufgelisteten Probleme mal als EINS sehen, und zwar als EIN Symptom, von denen Du wohl noch andere hast. Und ich würde dies mal im Psycho-Brett posten.

Ich zB habe ADS. Das wusste ich den größten Teil meines Lebens nicht.
Aber jetzt, wo ich’s weiss, macht vieles Sinn.

Ich spreche auch zu schnell, verhaspel mich deswegen, mache diese Verdreher wie Du (die ich mittlerweile dank eines Prominenten mit der gleichen Problematik ‚bushisms‘ nenne), und sage manchmal, wenn ich was ‚intelligentes‘ antworten will, genau das Gegenteil von dem, was ich vorhatte.

Schriftlich kann ich mich hervorragend ausdrücken - nur, beim Sprechen ist das Hirn halt schneller als der Mund…

Wie gesagt, ich habe ADS. Manchmal bin ich relaxed, manchmal fühle ich mich, als renne mir die Zeit weg (oder es ist tatsächlich ganz wenig Zeit), und unbewusst versuche ich, soviel wie möglich ‚auszuspucken‘ - dannn kommt ein verdammt langer, schneller, Wortschwall…

Der Ansatz ist also nicht unbedingt beim langsamer-sprechen-üben, sondern beim Erlernen von Entspannungstechniken, richtiger Atmung, etc etc.

Ich habe mittlerweile keinerlei Ängste mehr, mich zu verheddern etc - sprich, wenn ich mich verheddere, tu ich das sehr souverän, und werde dadurch nicht verunsichert. ZB ist es mir schon passiert, dass ich bei Firmen wg eines Jobangebots anrief, und mich gleich im ersten Satz verhedderte. Da lache ich, wiederhole was-auch-immer klar und deutlich, wirke selbstsicher, souverän, und komme vielleicht sogar besser rüber, als jmd, dem dieser Fehler nicht unterlaufen ist, weil ich ihn so gekonnt gemastert habe.

Ich habe einige Jahre call centre Erfahrung - bin also am Telefon extrem geübt. Daher meine Sicherheit trotz der kleinen faux pas…

Ich würde das mal mit einem Stotterer vergleichen, der zwar stottert, aber dies so im Griff hat, dass er beim Reden davon nicht verunsichert oder in seinem Gedankenfluss gehemmt wird (es gibt da nen irischen Politiker, der das hingekriegt hat).

Arbeite an Deinem Selbstbewusstsein. Das heisst auch, an deinem Selbstvertrauen. Du willst was sagen - Du weisst, du hast es im Hirn. Vertrau dieser Tatsache, zöger lieber einen Moment, bevor Du die Gedanken ausspuckst (‚Aaalsoooo… blablabla‘).

Nimm Dir zu Hause ein Buch vor, oder einen Zeitungsartikel, oder…, und lies laut vor. Langsam, mit der richtigen Betonung an den richtigen Stellen, mit den richtigen Pausen an den richtigen Stellen. Wie ein Schauspieler. (daher kommen übrigens unsere Satzzeichen - sie wurden benutzt, damit Schauspieler, im alten Rom, oder war es Griechenland *g*, an den richtigen Stellen Pausen machten.

Übrigens war ich auch als Kind/Jugendliche alles andere als schlagfertig - das hat sich aber gelegt. Und es ist NICHT die Frage eines Geistesblitzes, sondern der Selbstsicherheit. Ich bilde mir ein, Du bist in psychologischer Behandlung. Arbeite an Deinem Selbstbewusstsein. Das heisst nicht, dass Du all Deine ‚Fehler‘ beseitigen musst, um Dich akzeptieren zu können. Es heisst nur, über seine eigenen Fehler lachen zu können & sie nicht als tragisch anzusehen.

Ansonsten, good luck.
gruss, isabel

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