Ich muss den Hintergrund des Gedichtes ‚Der Panther‘ von Rilke ‚herausfinden‘. Hab das Net so gut als moeglich durchforscht, habe aber nur eine (meiner Meinung nach) magere Beute.
Da Rilke lange nichts mehr geschrieben hatte, hat Rodin (bei dem er zu der Zeit Sekretaer war) ihn in den Zoo geschickt haben, um ein Tier so lange zu betrachten, bis er sein Wesen vollkommen verstanden hat. Dann ist er zehn Stunden vor dem Kaefig eines Panthers gesessen… und hat das Gedicht geschrieben.
Gibt es noch mehr Einzelheiten oder wer-weiss-was?
„…Rilkes zentrale Stellung in der Literatur der ersten zweieinhalb Jahrzehnte unseres Jahrhunderts ergibt sich aus der außerordentlichen Willensleistung, das Gedicht zum vollkommenen Kunstgebilde zu erheben. Das war nur durchsetzbar, indem die gesamte private Existenz rücksichtslos in den Vollzug dieses Willens gestellt wurde. In einem langsamen und schmerzlichen Prozeß löste sich Rilke aus seiner Zeitverfallenheit, um am Ende die produktive Einsamkeit außerhalb der eigenen Epoche zu gewinnen. Mit dem „Stunden-Buch“ (1905), das das lyrische Brevier einer ganzen Generation wurde, und dem sentimentalen Prosagedicht vom „Cornet“ (1906) entwickelte sich ein Dichter-Kult, der weit bis in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg reichte. Im „Malte Laurids Brigge“ setzte er sich der Erfahrung der Großstadt (Paris) aus und formulierte in einer metapherlosen Sprache, was er sieht und als
identisch mit dem Zustand seines Innern erkennt. Das „Buch der Lieder“ wurde zum ersten Dokument eines folgenreichen artistischen Bemühens: Das lyrische Ich tritt zurück, im Akt des Sehens ist der Dichter nur noch Medium der Dinge. Im „Panther“, dem frühesten der „Neuen Gedichte“ (1907), teilt die grausame Domestizierung des Raubtiers zugleich etwas über den Dichter mit, der sich dem Riesengefängnis der Großstadt ausgeliefert sieht und den Kontakt zur Welt verloren hat. In einer Zeit total werdender Verdinglichung, die vom Subjekt als Verlorenheit, Sinnverlassenheit erfahren wird, erscheinen paradoxerweise Dinge, Artefakte als letzte Rückzugsgebiete von Sinn. Im Spätwerk, den „Duineser Elegien“ und den „Sonetten an Orpheus“, wurde der großangelegte Versuch einer umfassenden poetischen Seinsdeutung unternommen, der sich nun auch vom Konkretismus der Ding-Gedichte löst und auf religiöse, mythologische Muster bezieht…“